mini|280px|Eine Thysia begann mit einer Prozession, auf der musiziert, gesungen und getanzt wurde. Voran ging eine junge Frau, die Kanephoros. Sie trug den dreihenkligen, Kanoun genannten Opferkorb mit den Zutaten für die Durchführung des Opfers. Die geweihten Opfertiere liefen in der Prozession mit.Folkert T. van Straten: Hiera kala. Images of Animal Sacrifice in Archaic and Classical Greece (= Religions in the Graeco-Roman World. Band 127). Brill, Leiden 1995, S. 11. In der Literatur wird betont, dass die Tiere freiwillig zum Opfer gingen, aber auf Darstellungen haben die Tiere meistens ein Seil um den Hals.Folkert T. van Straten: Hiera kala. Images of Animal Sacrifice in Archaic and Classical Greece (= Religions in the Graeco-Roman World. Band 127). Brill, Leiden 1995, S. 100. (Pitsa-Tafel aus der Nähe von Korinth, um 540–530 v. Chr., NAMA 16464) Die Thysia ( „Opfer“; Transkription zum Teil auch Thusia) war das häufigste und verbreitetste Opfer in der griechischen Religion. Das Opfer wurde für Götter und Heroen ausgeübt. Es beinhaltete das teilweise Verbrennen der Opfergaben und das anschließende Opfermahl. Der Begriff ist seit dem Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. überliefert.

Andere Bezeichnungen Die Begriffe um das altgriechische Verb (‚opfern‘; ) behandeln verschiedene archaische Themen. Nicht alle sind vom Verb abgeleitet, aber es ist sicher, dass das Verb einen wichtigen Platz einnimmt.Casabona: Recherches. S. 69.

Das mediale Verb thyesthai () wurde verwendet, wenn Opfernde ein Ziel vor Augen hatten. Eine Äußerung von Xenophon macht die Bedeutung sichtbar:Xenophon, Anabasis 6,1,31.: „“ „Ich opferte, um zu sehen, ob es gut für euch (sc. die angesprochenen Männer) war, mir diese Macht zu geben, und für mich, sie zu akzeptieren.“Übersetzung von französisch Casabona: Recherches. S. 87 und 89.Vgl. auch Anabasis, sechstes Buch : „ich suchte, sobald ich eure Gesinnungen merkte, durch ein Opfer zu erforschen, ob es vortheilhaft sei, für euch, mir den Oberbefehl zu übertragen und für mich, ihn anzunehmen“, Übersetzung von Max Oberbreyer, ca. 1880.

Es sind einige zusammengesetzte Ausdrücke von Präverben mit dem Verb bekannt: anathyein (),Casabona: Recherches. S. 94. apothyein (),Casabona: Recherches. S. 95. exthyein (),Casabona: Recherches. S. 95. epithyein (),Casabona: Recherches. S. 98. katathyein (),Casabona: Recherches. S. 98. metathyein (),Casabona: Recherches. S. 101. pedepithyein (),Casabona: Recherches. S. 102. prothyein ()Casabona: Recherches. S. 103. und synthyein ().Casabona: Recherches. S. 108.

Die Bouthysia (, wörtlich „Rinderopfer“) bedeutete ursprünglich ein Opfer mit anschließendem Essen, das oft im Zusammenhang mit Spielen und Festen stattfand. Später entwickelte sich der Begriff zu einer beinahe identischen Bedeutung wie Hekatombe, oftmals in einem ironischen Sinn.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 125.

Definition mini|280px|Das Opfer in dieser Darstellung fand in dem durch die Säulenarchitektur und einen Dreifuß repräsentierten Heiligtum von Delphi statt. Apollon als Empfänger des Opfers sitzt auf der rechten Seite und hält einen Lorbeerzweig in der Hand. Ein junger Assistent auf der rechten Seite des Altars trägt den heiligen Korb (kanoùn) und reicht die Schale (chérnips). Ein bärtiger, mit einem Himation bekleideter Priester benetzt seine Hände darin. Um 420 v. Chr., Archäologisches Museum Agrigent.Folkert T. van Straten: Hiera kala. Images of Animal Sacrifice in Archaic and Classical Greece (= Religions in the Graeco-Roman World. Band 127). Brill, Leiden 1995, S. 35 und 168. Eine Thysia war ein Tieropfer mit anschließendem Festmahl. Es war der wichtigste aller griechischen Riten und drückte die Beziehungen zwischen der göttlichen Ordnung und den Menschen und diejenigen zwischen den Menschen aus. Für die meisten Griechen war es zudem die einzige Gelegenheit, Fleisch zu konsumieren.Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 145.

Thysia ist einer der vielen Begriffe, die sich vom Verb ableiten.Casabona: Recherches. S. 69. Ursprünglich bedeutete das Verb „Rauch erzeugen“ und wandelte sich später zum „opfern“ im Sinn des Tötens und Opferns eines Tiers.Gunnel Ekroth: Holocaustic sacrifices in ancient Greek religion and the ritual relations to the Levant. In: Łukasz Niesiołowski-Spanò and Marek Węcowski: Change, continuity, and connectivity: North-Eastern Mediterranean at the turn of the Bronze Age and in the early Iron Age. Reihe Philippika. Altertumswissenschaftliche Abhandlungen. Contributions to the Study of Ancient World Cultures, Band 118. Wiesbaden 2018, S. 309. Bei dem Verb handelt es sich dabei um einen sehr allgemeinen Begriff, der sowohl auf Opfer an die Götter, die „oben“ sind, als auch für Opfer an Heroen oder an göttliche Tote angewendet werden kann.Casabona: Recherches. S. 85. Der zu „thysia“ gehörende Genitiv (adnominaler Genitiv) konnte sowohl die Quelle (wie in „das Opfer von Archinos“) als auch das Ziel (wie in „das Opfer für die Götter“) bezeichnen. Manchmal beschrieb er das Opfer näher. Die Thysia war im ionisch-attischen Raum weit verbreitet und bezeichnete die Aktion des Anbietens. Sie umfasste das gesamte Ritual, die Vorbereitungen, die Verbrennung der Opfergaben und das abschließende Opfermahl. Die Thysia war mit Vergnügen verbunden, und wenn die Griechen an dieses Opfer dachten, „dachten sie nicht an die Götter, sondern an die damit verbundenen Festivitäten“. Casabona: Recherches. S. 76, 126–127, 131–132. Paul Stengel hat die Thysia als Speiseopfer bezeichnet.Casabona: Recherches. S. 84.

Abgrenzung siehe Enagisma siehe Theoxenie

Ritual Das Ritual umfasste die Auswahl, Weihe, Tötung, Teilung und Verbrennung bestimmter Teile eines Haustiers. Um das Opfer zu töten, wurde ein Messer verwendet.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel III, Absatz 132. Teile des Opfertiers wie Knochen, im Besonderen Oberschenkelknochen (), die vorher mit Fett eingerieben wurden, Kreuzbein () und Schwanzwirbel () wurden auf dem Altar verbrannt. Der fettig duftende Rauch () stieg als eigentliches Geschenk an die Götter in den Himmel. Der Schwanz erhob sich durch die Hitze und tanzte in der Luft. Die fettigen Oberschenkelknochen erzeugten spektakulär hohe und helle Flammen. Das waren die Zeichen, dass die Götter das Opfer wohlwollend akzeptierten und das Opfer sein Ziel erreicht hatte, die Rituale folglich hierá kalá () waren.Gunnel Ekroth: „Don't Throw Any Bones in the Sanctuary!“ On the Handling of Sacred Waste in AncientGreek Cult Places. In: Claudia Moser, Jennifer Knust (Hrsg.): Ritual Matters: Material Remains and Ancient Religion (= Memoirs of the American Academy in Rome. Supplementband 13). Michigan Publishing, Philadelphia 2017, S. 33–55, hier S. 33; Gunnel Ekroth: Holocaustic sacrifices in ancient Greek religion and the ritual relations to the Levant. In: Łukasz Niesiołowski-Spanò, Marek Węcowski (Hrsg.): Change, Continuity, and Connectivity: North-Eastern Mediterranean at the Turn of the Bronze Age and in the Early Iron Age (= Philippika. Altertumswissenschaftliche Abhandlungen. Contributions to the Study of Ancient World Cultures. Band 118). Harrassowitz, Wiesbaden 2018, S. 308–326, hier S. 309 (online). Zur Veranschaulichung des Rituals einer Thysia, siehe Michael H. Jameson: Sophocles, Antigone 1005–1022: An Illustration. In: Martin Cropp, D. J. Conacher, Elaine Fantham, S. E. Scully: Greek tragedy and its legacy: Essays Presented to D.J. Conacher. Calgary 1986. S. 59–65.

Die Brücke zwischen dem göttlichen und weltlichen Ritual bildete das Braten der essbaren Eingeweide (splanchna) auf dem Altar. Die Wichtigkeit dieses Teils einer Thysia wird über die vielen Darstellungen auf attischen Vasen bezeugt. Ausgewählte Teilnehmer des Opferrituals traten zum Altar, auf dem immer noch dicker Rauch aufstieg und der Schwanz des Opfertiers in der Luft tanzte. Die Götter waren durch das Opfer anwesend und das Essen am Altar schaffte eine Verbindung zwischen Göttern und ausgewählten Menschen, die die Trennung zwischen den göttlichen und menschlichen Welten überbrücken half. Das anschließende Trankopfer, das das Feuer auf dem Altar zum Verlöschen brachte, beendete das Ritual für die Götter.Gunnel Ekroth: Burnt, cooked or raw? Divine and human culinary desires at Greek animal sacrifice. In: Eftychia Stavrianopoulou, Axel Michaels, Claus Ambos (Hrsg.): Transformations in Sacrificial Practices. From Antiquity to Modern Times. Proceedings of an International Colloquium, Heidelberg, 12–14, July 2006. (= Performanzen. Interkulturelle Studien zu Ritual, Spiel und Theater. Band 15). Berlin 2008. ISBN 978-3-8258-1095-5. S. 87–111, hier S. 93–95.

Der verbleibende Teil des Opfertiers wurde zum Abschluss des Opfers von den Teilnehmenden im Heiligtum oder zuhause verspeist.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 2. Es gibt zahlreiche Überlieferungen, wie mit dem Fleisch umgegangen wurde. Es gab Vorschriften für die Aufteilung des Fleisches zwischen den Teilnehmenden und Bestimmungen über die Vergünstigungen des Priesters oder der Priesterin. Es ist auch überliefert, dass das Fleisch das Heiligtum nicht verlassen durfte.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 31 und 38. Es gibt einige wenige Fälle, bei denen das Fell oder die Haut verkauft wurde.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 76.

Opfergaben mini|280px|Die Schnauze des Opfertiers wird fest umklammert, um die Kehle bloßzulegen. Es wird über den Altar gehalten, damit das Blut auf den Altar fließen kann. Das Vergießen des Bluts auf dem Altar war ein wichtiger Teil des Rituals. Zum Teil wurde auch ein Becken (sphageîon) benutzt, um das Blut aufzufangen und danach auf dem Alter zu vergießen. Kalos-Inschrift, ca. 510–500 v. Chr., Louvre.Folkert T. van Straten: Hiera kala. Images of Animal Sacrifice in Archaic and Classical Greece (= Religions in the Graeco-Roman World. Band 127). Brill, Leiden 1995, S. 104–105. Als Opfertiere sind häufig Schweine, Ziegen und Schafe überliefert.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 32 und 35. Dazu kamen Rinder,Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 16. Kühe und Ochsen.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 81. Gelegentlich wurden exotische Tiere wie Gazellen, Geier, Bären, Löwen und Krokodile geopfert. Im Heraion von Samos zum Beispiel wurde ein Kiefer von einem Krokodil gefunden, der auf ein Tier von 5 Metern Länge hindeutet.Gunnel Ekroth: „Don't Throw Any Bones in the Sanctuary!“ On the Handling of Sacred Waste in AncientGreek Cult Places. In: Claudia Moser, Jennifer Knust (Hrsg.): Ritual Matters: Material Remains and Ancient Religion (= Memoirs of the American Academy in Rome. Supplementband 13). Michigan Publishing, Philadelphia 2017, S. 33–55, hier S. 35 (online).

Die Durchführung einer Thysia hatte ihren Preis. Die Opfertiere waren die größte Ausgabe und die Auswahl hing von den Mitteln des jeweiligen Auftraggebers ab. Ein Schweinchen kostete 3, ein Lamm 7 und ein Schaf zwischen 10 und 15 Drachmen. An anderer Stelle wurde aber auch für ein Schwein 40 und für ein Rind 70 Drachmen bezahlt.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 16. Eine Kuh konnte bis zu 50 Drachmen kosten.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 64. Eine Studie von 1988 hat festgestellt, dass auf lokaler Ebene die geopferten Opfer mehr oder weniger dem saisonalen Tierangebot entsprachen und die lokalen geographischen Bedingungen von Bedeutung waren.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 104.

Eine Thysia wurde regelmäßig von der Verbrennung von Getreide und Kuchen begleitet, den Hiera.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel III, Absatz 135. Es sind Opfer bekannt, die 30 Drachmen kosteten, und ein großer Teil davon wurde für Kuchen ausgegeben.Ekroth: Sacrificial Rituals. Kapitel II, Absatz 29.

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