mini|Alan (rechts) und Dale Klapmeier auf dem EAA AirVenture Oshkosh 2008 Alan (* 6. Oktober 1958 in St. Paul, Minnesota) und Dale Edward (* 2. Juli 1961 in Rockford, Illinois) Klapmeier sind US-amerikanische Flugzeugkonstrukteure und Luftfahrtunternehmer. Zusammen gründeten sie 1984 die Cirrus Design Corporation. Unter der Führung der Klapmeiers stellte Cirrus als erster Flugzeughersteller ein Fallschirmrettungssystem für Kleinflugzeuge vor, das serienmäßig in allen Cirrus-Modellen verbaut wird. Es dient dazu, das Flugzeug und seine Insassen in einem Notfall sicher auf den Boden zu bringen. Bis heute werden dem System die Rettung von über 150 Menschenleben zugeschrieben. abgerufen am 18. Mai 2023 Des Weiteren bestehen alle Konstruktionen der Brüder aus Verbundwerkstoffen und verfügen über Glascockpits. Dadurch revolutionierten sie die Allgemeine Luftfahrt für Piloten moderner Kleinflugzeuge.
Forbes zeichnete die Cirrus SR-Serie als bestes Privatflugzeug aus. Auf ihrer Liste „Helden der Luftfahrt“ kamen die Brüder im Magazin Flying auf Platz 17 von 51. Am 4. Oktober 2014 wurden Alan und Dale Klapmeier in Dayton, Ohio in die National Aviation Hall of Fame aufgenommen. abgerufen am 18. Mai 2023
Die Brüder gründeten Cirrus im Keller der Molkerei ihrer Eltern in Baraboo, Wisconsin. Ihre erste Konstruktion, der Bausatz VK-30, hatte seinen Jungfernflug 1988. Wenige Jahre später endete die Produktion der Bausätze zunächst wieder. Während der Mitte der 2000er Jahre bis zu seinem Weggang von Cirrus im Jahr 2009 hatte Dale zunächst großen Einfluss auf die Entwicklung und Konstruktion des Vision Jet. Danach führte Dale die Entwicklung fort, die schließlich im Jahr 2016 zu einer Zulassung und Produktion des Jets in den Folgejahren führte. Das Flugzeug gewann im Jahr 2018 die Collier Trophy als erster Jet seines Typs auf dem Markt.
Nachdem Alan Cirrus verlassen hatte, wurde er 2010 CEO bei Kestrel Aircraft, die sich 2015 mit Eclipse Aerospace zu One Aviation verschmolz. Dale blieb als Seniorberater und CEO von 2011 bis 2019 bei Cirrus.
Leben mini|Familie Klapmeier in den 1970ern auf ihrer Farm in Wisconsin. Alan und Dale sitzen rechts oben (Alan links, Dale rechts) Familie, Kindheit und Jugend Alan und Dale sind zwei der drei Kinder von Larry und Carol Klapmeier. Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie. Der älteste Bruder Ernie eröffnete 1992 ein Geschäft für Militaria in Aurora, Illinois und führt es bis heute. Ihr Onkel Jim Klapmeier und ihr Großvater Elmer waren beide Unternehmer in der Bootsindustrie. In den 1950er Jahren begannen sie mit einem kleinen Zweimannunternehmen Hausboote am Rainy Lake in Minnesota zu bauen. Elmer flog des Weiteren Lieferungen an Milchfarmer mit einem einmotorigen Flugzeug in Wisconsin. Jim zog mit dem Bootsunternehmen später nach Mora in Minnesota und betrieb es für mehrere Jahrzehnte, in denen er in den Markt für Luxusjachten einstieg.
Auch die Eltern Larry und Carol waren erfolgreiche Unternehmer. Sie führten ein Pflegeheim in der Nähe von Chicago, in dem die drei Brüder bereits als Kinder während der 1960er und 1970er Jahren hausmeisterliche Tätigkeiten ausübten.
Alan und Dale Klapmeier wuchsen in DeKalb, Illinois auf und besuchten die dortige Highschool. Ihre Eltern kauften in den frühen 1970er Jahren einen Zweitwohnsitz auf einer kleinen Farm in der Nähe von Baraboo in Wisconsin. Die Fliegerei gehörte schon in jungen Jahren zum Leben der beiden. 2006 sagte Alan dem Magazin Airport Journals, die einzige Möglichkeit für seine Mutter, ihn als Baby zu beruhigen war es manchmal, mit ihm im Auto zum Flugplatz zu fahren und am Ende der Landebahn zu parken, so dass er die Flugzeuge sehen konnte. Als Kinder bauten sie ständig Modellflugzeuge und Dale bedrängte ihren Vater, sie echte Flugzeuge bauen zu lassen. Im Alter von 15 lernte Dale in einer Cessna 140 das Fliegen, noch bevor er ein Auto fahren konnte. Noch während seiner Zeit in der Highschool – im Alter von 17 – ging er zur Civil Air Patrol, um günstige Flugstunden zu bekommen. Oft besuchte er lokale Flugplätze, um sich mit Piloten zu unterhalten. Seinen Freunden erzählte er oft, dass er Flugzeuge bauen wolle, um zusammen mit seinem jüngeren Bruder Cessna Konkurrenz zu machen.
Ausbildung Alan beendete 1980 das Ripon College in Wisconsin mit Abschlüssen in Physik und Wirtschaft. Während seines Abschlussjahres entwickelte er Konstruktionszeichnungen eines Flugzeugtyps, der später die Cirrus VK-30 wurde. Dale beendete 1983 die University of Wisconsin in Stevens Point mit Abschlüssen in Verwaltung und Wirtschaft. Er sagte einmal, dass er plante, Banker zu werden, sollte ihre Karriere in der Luftfahrt nicht erfolgreich sein.
Karriere
Anfänge 1979 entdeckte Dale das Wrack einer Champion 7-GC die kopfüber auf einem Flugplatz im nördlichen Wisconsin lag. Die Brüder kauften das Flugzeug günstig und restaurierten es in einer Scheune auf der Farm ihrer Eltern. Mit diesem Selbststudienprojekt sammelten sie die ersten Erfahrungen im Flugzeugbau. Als Nächstes bauten sie eine Glasair 1, die sie bei deren Vorstellung bei der EAA Convention in Oshkosh kennenlernten. David Gustafson von Aircraft Spruce sagte, dass die einzige Möglichkeit für die Brüder, das Geld für den Kauf der Glasair von ihren Eltern geliehen zu bekommen die war, einen Businessplan aufzustellen, aus dem ersichtlich war, warum der Bau eines Flugzeugbausatzes ihre beruflichen Laufbahnen befördern würde.
Cirrus Aircraft
1980er Jahre mini|Die Klapmeier-Brüder 1984 vor der Scheune ihrer Eltern (Alan sitzend) Nachdem Alan und Dale beide das College abgeschlossen hatten, gründeten sie 1984 das Unternehmen Cirrus Design. Diesen Namen wählten sie in Erinnerung an einen Sommerausflug, während dem die Brüder einige Jahre zuvor Cirruswolken am Horizont sahen und sich wünschten, sie würden fliegen. Nachdem sie die Firma gegründet hatten, traten sie an Jeff Viken, Alans ehemaligen Zimmergenossen auf dem College heran, um ihn um Hilfe bei der Konstruktion der VK-30 zu bitten (VK steht für Viken-Klapmeier). Viken war Luftfahrtingenieur und mit Sally Viken verheiratet, die ebenfalls Luftfahrtingenieur war. So wuchs Cirrus auf vier unbezahlte Mitarbeiter. Gelegentlich half auch Scott Ellenberger, ein Freund der Klapmeiers aus der Highschoolzeit. Bei der Cirrus VK-30 handelt es sich um ein Flugzeug aus Verbundwerkstoffen mit vier bis fünf Sitzen, einem Druckpropeller sowie gewöhnlichen Tragflächen und Heck. Alle vier Mitarbeiter übernahmen sowohl das Design als auch die Herstellung verschiedener Bereiche. So konstruierte Jeff beispielsweise die Tragflächen und Sally die Klappen. Alle vier konstruierten ein Teil, bauten es und begannen mit der Konstruktion des nächsten Teils. Moulton Taylor, Entwickler von Experimentalflugzeugen, beriet die Klapmeiers bei der Konstruktion der VK-30.
mini|links|Dale (links) und Alan sprühen im Keller der Scheune Polyesterharz auf die Form der VK-30 (circa 1985) Die Klapmeier Brüder flogen oft mit ihrer Champion von der Farm zu ihrem Onkel nach Mora, um Werkzeuge und Material –- wie beispielsweise Polyesterharz –- für den Bau ihres Flugzeugs und die Formen für den Flugzeugrumpf zu leihen. Um Kosten zu sparen, kauften sie von verschiedenen Schrottplätzen in der Umgebung von Wisconsin, was sie gebrauchen konnten: Eine Flugsteuerung einer verunglückten Piper, das vordere Fahrgestell einer Cherokee, aus dem sie ein einziehbares Frontfahrwerk bauten, und ein O-540-Triebwerk mit 290 PS, das sie aus einer verschrotteten De Havilland Heron holten. Langsam nahm die erste VK-30 Form an.
1985 war Alan kurz nach dem Start in der Nähe des Flugplatzes Sauk–Prairie in eine tödliche Kollision verwickelt. Dabei verlor sein Flugzeug ein Teil eines Flügels und das halbe Querruder. Während das zweite Flugzeug abstürzte und der Pilot getötet wurde, konnte Alan seine Maschine zum Flugplatz zurückfliegen, indem er eine hohe Geschwindigkeit hielt und das Querruder voll ausschlug. Nachdem er diesen Unfall überlebt hatte, suchte er nach Möglichkeiten, das Fliegen sicherer zu machen, was letztendlich dazu führte, dass die Brüder ab Mitte der 1990er Jahre ein Fallschirmrettungssystem in alle ihre Konstruktionen einbauten.
mini|Hangars von Cirrus am Flugplatz Baraboo-Dells 1986 stellten die Klapmeiers ihren ersten bezahlten Angestellten ein. Dabei handelte es sich um Dennis Schlieckau, einen erfahrenen Schweißer und Konstrukteur von Aluminiumteilen. Des Weiteren liehen sie sich von Freunden und der Familie Geld, um einen Hangar auf dem Flugplatz Baraboo-Wisconsin Dells zu bauen und zogen ihr VK-30-Projekt mit der Hilfe von nur noch drei Angestellten in ihr neues Hauptquartier in Baraboo um. Später bauten sie dort einen zweiten Hangar für die Produktion weiterer Prototypen.
mini|VK-30 auf dem Vorfeld in Baraboo Die erste Präsentation ihrer VK-30 fand 1987 auf dem EAA AirVenture in Oshkosh statt. 1988 wuchs das Cirrus-Team sukzessive auf über ein Dutzend Angestellte. In diesem Jahr stellten die Klapmeiers ein paar ihrer bedeutendsten Angestellten ein: Patrick Waddick, derzeitiger Geschäftsführer und COO, der ursprünglich als Reinigungskraft eingestellt worden war sowie Paul Johnston, Chefingenieur des Unternehmens und bekannt als einer ihrer begnadetsten Designer. Nach der Durchführung mehrere Belastungstests der Tragflächen war der erste Prototyp der VK-30 flugbereit. Sowohl Alan als auch Dale wollten den Jungfernflug selbst durchführen. Ihre Mutter jedoch verbot es beiden. Den ersten Flug führte der NASA-Testpilot Jim Patton – ein Bekannter von Jeff Viken – am 11. Februar 1988 durch. Die ersten Bausätze wurden noch im gleichen Jahr auf dem EAA AirVenture verkauft. Kurz danach verließen Jeff und Sally Viken die Firma.
mini|links|Mitarbeiter von Cirrus circa 1989–1990. (Dale oben links, Alan oben rechts) Ende der 1980er Jahre traten die Brüder an Sam Williams von Williams International mit der Frage nach der Möglichkeit des Einbaus eines kleinen Turbinentriebwerks in die VK-30 heran. Die Idee wurde zwar nie verwirklicht, inspirierte aber letztendlich die Entwicklung des Vision-Jet-Konzepts Anfang bis Mitte der 2000er Jahre.
1990er Jahre In den frühen 1990er Jahren sank der Absatz der VK-30-Bausätze und der Bausatz scheiterte am Markt. Als der Verkauf schließlich Mitte des Jahrzehnts eingestellt wurde, waren lediglich vierzig Exemplare ausgeliefert worden, von denen nur dreizehn vollständig zusammengebaut und flugfähig waren. Ende 1991 überdachten die Brüder ihre Ziele und begannen, über ihren Lebenstraum, die Konstruktion musterzugelassener Flugzeuge nachzudenken. Alan begann mit den ersten Entwürfen der ST-50 – einer viersitzigen Maschine mit Turboprop-Antrieb. Dale hingegen wollte ein einfacheres Modell und begann mit der Entwicklung eines Konzepts, das später zur SR20 werden sollte.
mini|Cirrus-Israviation ST50 auf der Paris Air Show 1997 Mitte der 1990er begann Cirrus die ST-50 für den israelischen Flugzeughersteller IsrAviation zu konstruieren. Die Maschine war eine Weiterentwicklung der VK-30 mit einem Pratt & Whitney Canada PT6-135 Triebwerk anstelle des Kolbentriebwerks der VK-30. Der Erstflug des Prototyps absolvierte Norman E. Howell am 7. Dezember 1994. abgerufen am 18. Mai 2023 Am Beginn dieses Jahres verlegten Alan und Dale das Unternehmen von Baraboo in eine rund 2800 Quadratmeter große Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in Duluth, Minnesota. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen bereits 35 Mitarbeiter und nach dem Umzug wurden 15 weitere eingestellt. Sie begannen mit der Entwicklung der Cirrus SR20, einer einmotorigen, kolbenmotorgetriebenen Maschine aus Verbundwerkstoffen für vier Personen. Zu dieser Zeit wurde auch die Marketingkampagne „Hangar X“ gestartet. Die Kampagne zeigte eine geheime, spärlich beleuchtete Halle deren Tor nur einen Spalt geöffnet war. Im Inneren sollte sich das geheime, musterzuzulassende Flugzeug befinden. Seine Enthüllung jedoch verzögerte sich noch einige Monate.