Mit Stand 2026 sind dreizehn Tunnel in Island in Betrieb. Im Jahr 2000 benannte die isländische Straßenverwaltung Vegagerðin 24 mögliche Tunnelprojekte. Davon sind inzwischen sieben Tunnel fertiggestellt und zusätzlich ein außerstaatliches Projekt (Húsavíkurgöng).
Das isländische Wort göng für Tunnel ist ein Neutrum und existiert nur im Plural.
Erste Tunnel Als erster Tunnel wurden im Jahr 1948 die Arnarnesgöng mit 30 m Länge in den Westfjorden fertig gestellt. Als Nächstes folgten 1967 die Strákagöng mit 800 m auf der Halbinsel Tröllaskagi im Nordwesten von Island. Der dritte Tunnel waren 1977 (offizielle Einweihung 1978 (Zwei Schreibweisen zu diesem Tunnel sind geläufig: „Oddskarðsgöng“ und „Oddsskarðsgöng“)) die Oddsskarðsgöng mit 640 m in den Ostfjorden Islands. Und dieser wurde 2017 durch die 7542 m langen Norðfjarðargöng ersetzt. Alle übrigen (und längeren) Tunnel wurden erst ab 1990 erbaut.
Gründe für Tunnel Die isländischen Tunnel wurden in der Regel aus einem von zwei Gründen erbaut:
Entweder sie verbinden Ortschaften in geringer Entfernung, aber die Topographie (Fjorde, Berge) erfordern wesentliche Umwege. Beispiele dafür sind die Hvalfjarðargöng, Héðinsfjarðargöng, Múlagöng und Fáskrúðsfjarðargöng. Die Almannaskarðsgöng, Dýrafjarðargöng, Norðfjarðargöng, Vestfjarðagöng und Strákagöng ersetzen Passstraßen, die aufgrund der nordischen Witterungsbedingungen nicht wintersicher und mitunter wochenlang gesperrt waren, im letzten Beispiel sogar 7–8 Monate im Jahr. Da jeweils eine Alternativroute bestand (entweder eine lange Fahrt über Land oder der Umstieg auf das Schiff, von dem aus jeder betroffene Ort erreichbar war), war das Bedürfnis nach Tunneln unter Berücksichtigung der hohen Kosten und geringer Bevölkerungsdichte weniger ausgeprägt als in anderen gebirgigen Ländern.
Verteilung im Land Die Tunnel verteilen sich sehr unregelmäßig über Island:
Vier der Tunnel (Arnarnesgöng, Bolungarvíkurgöng, Vestfjarðagöng und Dýrafjarðargöng) sind in den nördlichen Westfjorden in Ísafjarðarbær und der Nachbargemeinde Bolungarvík zu finden. Drei weitere Tunnel (die Strákagöng, Héðinsfjarðargöng und Múlagöng) sind in der Gemeinde Fjallabyggð mit den Städten Ólafsfjörður und Siglufjörður im Norden Islands. Zwei Tunnel werden in den Ostfjorden betrieben. Das sind die Fáskrúðsfjarðargöng und Norðfjarðargöng. An der Ringstraße liegen drei Tunnel: Die Hvalfjarðargöng nördlich von Reykjavík, die Vaðlaheiðargöng bei Akureyri im Norden und die Almannaskarðsgöng bei Höfn im Südosten.
Besonderheiten Eine Besonderheit weisen die Vestfjarðagöng auf. Sie verfügen über drei Tunnelportale und eine Verzweigung im Berg (und damit über drei Tunneläste). Dementsprechend ist auch die Frage nach dem längsten Tunnel nicht leicht zu beantworten. Gemäß offizieller Darstellung des isländischen Straßenverkehrsamts Vegagerðin sind die Héðinsfjarðargöng mit 10,5 km der längste Tunnel. Dieser Tunnel besteht jedoch aus zwei Tunneln mit 6,9 und 3,7 km Länge. Dazwischen wird ein Tal auf knapp 600 m durchquert. Alle drei Äste der Vestfjarðagöng weisen dagegen zusammen eine Länge von 9160 m auf. Dies kann jedoch nicht am Stück gefahren werden. Die beiden längsten Äste, Fahrt vom Súgandafjörður Richtung Südwesten, sind zusammen 7057 m lang. Die Vestfjarðagöng sind noch der längste durchgehende Tunnel Islands.
Seit dem 1. Januar 2019 muss man für die Fahrt durch die Vaðlaheiðargöng Maut bezahlen. Davon abgesehen sind sämtliche Tunnel in Island aktuell mautfrei, seit Ende September 2018 auch die zuvor privat betriebenen Hvalfjarðargöng. Dieser Tunnel ist der erste und einzige unter dem Meeresspiegel.
Liste der Tunnel Bild Name Länge Baubeginn Eröffnung Region Straße Verkehr Bemerkung 100px Arnarnesgöng 30 m 1947 1948 Vestfirðir 450 Erster Tunnel in Island;war bis 1995 einspurig 100px Strákagöng 800 m 1959 10. November 1967 Norðurland vestra 390 Einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten 100px Oddsskarðsgöng 640 m 1974 13. Dezember 1977 Austurland früher Einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten;stillgelegt und durch die Norðfjarðargöng ersetzt 100px Múlagöng 3.400 m 1988 1. März 1991 Norðurland eystra 710 Einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten;soll verbreitert werden 100px Vestfjarðagöng 9.120 m 1991 14. September 1996 Vestfirðir 790580280 Tunnel verzweigt sich unter Tage in drei Arme;ein Arm zweistreifig,zwei Arme einstreifig mit Ausweichmöglichkeiten 100px Hvalfjarðargöng 5.770 m 1996 11. Juli 1998 HöfuðborgarsvæðiðVesturland 8600 Bis zu 165 m unter dem Meeresspiegel;war bis 2018 mautpflichtig 100px Almannaskarðsgöng 1.308 m 2004 24. Juni 2005 Austurland 740 Ersetzt eine Passstraße mit bis zu 17 % Gefälle 100px Fáskrúðsfjarðargöng 5.850 m 2003 9. September 2005 Austurland 880 Verkürzt die Straße um 45 km 100px Bolungarvíkurgöng 5.156 m 2008 25. September 2010 Vestfirðir 1200 Ersetzt eine von Steinschlag und Lawinen gefährdete Straße 100px Héðinsfjarðargöng 10.572 m 2006 2. Oktober 2010 Norðurland eystra 760 3.642 m + 6.930 m;dazwischen ein Teil oberirdisch 100px Húsavíkurgöng 943 m 2016 31. August 2017 Norðurland eystra --- Nicht für den allgemeinen Straßenverkehr 100px Norðfjarðargöng 7.542 m 2013 11. November 2017 Austurland 770 Nachfolger der Oddsskarðsgöng 100px Vaðlaheiðargöng 7.400 m 2013 12. Januar 2019 Norðurland eystra 1650 Mautpflichtig 100px Dýrafjarðargöng 5.600 m 2017 25. Oktober 2020 Vestfirðir 180 Ersetzt die Passstraße über Hrafnseyrarheiði
Einzelnachweise