mini|hochkant=1.3|Stolpersteine für Simon Nussbaumer und seine Töchter Recha und Betty Die Liste der Stolpersteine in Maßbach enthält die Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig im unterfränkischen Markt Maßbach verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie liegen im Regelfall am letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers.
Die ersten Verlegungen in Maßbach erfolgten am 4. Oktober 2012.
Die jüdische Gemeinde von Maßbach mini|hochkant|Jüdischer Friedhof von Maßbach
Maßbachs jüdische Gemeinde geht in die Zeit des 15./16. Jahrhunderts zurück. 1446 gab es einen Streit über die Rechte von Juden und Christen zwischen den Herren von Maßbach und Wilhelm von Schaumberg. Erwähnungen von Juden gab es auch im 16. Jahrhundert, namentlich 1556, als die unter dem Schutz der Grafen von Henneberg lebenden Juden ausgewiesen wurden. Hingegen durften die unter dem Schutz der Herren von Maßbach stehenden Juden offensichtlich bleiben. 1687 nannte eine Quelle 29 unter dem Schutz der Grafen von Hatzfeldt stehende Juden. 1710 gab es 18 jüdische Haushaltungen am Ort mit zusammen 90 Personen. Zwischen 1800 und 1816 wurden 27 Häuser genannt, die in jüdischem Besitz gewesen sein sollen. 1766 wurde in Maßbach eine Talmud-Tora-Schule gegründet. Im 19. Jahrhundert schwankte der prozentuelle Anteil der jüdischen Einwohner zwischen 6,7 % und 17,9 %. Im Jahr 1910 fanden sich nur mehr 67 Juden in Maßbach, das waren damals 5,2 % der Gesamtbevölkerung.
Es gab in der Gemeinde eine Synagoge, die jüdische Elementarschule (bis 1920, danach eine Religionsschule), ein rituelles Bad und ab 1902 einen Friedhof. Zuvor mussten die verstorbenen Juden von Maßbach in Kleinbardorf beigesetzt werden. Bis 1920 gab es einen jüdischen Elementarlehrer, danach einen Religionslehrer, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Mitte der 1920er Jahre wurden noch 31 jüdische Gemeindeglieder gezählt, 2,3 % der Bevölkerung. Die jüdischen Gemeindevorsteher waren damals Samuel Eberhard, A. Friedmann, F. Heidelberger und A. Frank. Im Schuljahr 1932/33 gab es vier schulpflichtige jüdische Kinder am Ort. 1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Maßbach.Alemannia Judaica: Maßbach (Markt Maßbach, Landkreis Bad Kissingen) Jüdische Geschichte / Synagoge, abgerufen am 14. Juni 2020
Listen der Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Maßbach In Maßbach selbst wurden am 4. Oktober 2012 dreizehn Stolpersteine verlegt.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEJOHANNAEBERHARDTGEB. HEUMANNJG. 1878DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 1.7.1944 Marktplatz 2 , geborene Heumann, wurde am 28. Februar 1878 in Hoffenheim geboren. Sie heiratete Simon Max Eberhardt, einen Viehhändler in Maßbach, genannt Joukufsmax. Sie lebten gemeinsam mit ihren Töchtern Hilda und Gertrud (geboren 1909 bzw. 1913), ihrem Ehemann und dessen Schwester Marianne. Die Familie zählte zu den letzten Juden von Maßbach, die am 14. Juli 1942 abgeholt und via Würzburg nach Theresienstadt deportiert wurden. Ihr Mann verlor sein Leben bereits in Würzburg. Johanna Eberhardt wurde am 10. September 1942 mit dem Transport II/25, Zug Da 512 abtransportiert. Ihre Transportnummer war 936. Johanna Eberhardt verlor ihr Leben in Theresienstadt nach nahezu zwei Jahren Haft im Konzentrationslager am 1. Juli 1944.Yad Vashem hat vier Einträge zur Person, alle abgerufen am 11. Juni 2020:* JOHANNA EBERHARDT, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* JOHANNA EBERHARDT, beruhend auf dem Theresienstädter Gedenkbuch,* JOHANNA EBERHARDT, beruhend auf dem Card Index von Relico,* JOHANNA EBERHARDT, ebenfalls beruhend auf dem Card Index von Relico.
Ihre Tochter Gertrud Ledermann und deren Ehemann wurden beide 1942 im KZ Auschwitz ermordet.Yad Vashem: GERTRUD LEDERMANN, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs, und EUGEN LEDERMANN, beruhend auf einem Gedenkblatt von Menachim Meier, beide abgerufen am 11. Juni 2020 Auch ihre Schwägerin wurde vom NS-Regime in Theresienstadt ums Leben gebracht. Überleben konnte nur ihre Tochter Hilda, verheiratet mit Berthold Baum (1911–1993), emigriert in die Vereinigten Staaten.Naturalization Petition BAUM Hilde Eberhardt, abgerufen am 11. Juni 2020 Sie starb im Februar 2001 in Rockville, Maryland. 120px HIER WOHNTEMARIANNEEBERHARDTJG. 1881DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 21.4.1943 Marktplatz 2 wurde am 20. Juni 1881 als Tochter von Jakob Eberhardt (1844–1917) und Johanna, geborene Freudenthal, (1849–1906) in Maßbach geboren. Sie hatte vier Brüder, Alexander (1871–1872), Isidor (1873–1942), Samuel (1875) und Simon Max (1877), genannt Joukufsmax, sowie eine Schwester Dorothea, auch Dora genannt (1889). Sie blieb unverheiratet, ihr Bruder Simon Max, ein Viehhändler, in dessen Haushalt sie wohnte, heiratete Johanna Heumann aus Hoffenheim. Joukufsmax und seine Frau bekamen zwei Töchter. Die Familie zählte zu den letzten Juden von Maßbach, die am 14. Juli 1942 abgeholt und via Würzburg nach Theresienstadt deportiert wurden. Marianne Eberhardt wurde am 10. September 1942 mit Transport II/25 Zug Da 512 abtransportiert. Ihre Transportnummer war 935. Marianne Eberhardt verlor ihr Leben am 21. April 1943 in Theresienstadt.Yad Vashem hat drei Einträge zur Person, alle abgerufen am 11. Juni 2020:* MARIANNE EBERHARDT, beruhend auf dem Gedenkbuch des Bundesarchivs,* MARIANNE EBERHARDT, beruhend auf dem Theresienstädter Gedenkbuch,* MARIANNE EBERHARDT, beruhend auf einer Todesfallmeldung ihres Neffen Max Eberhardt aus São Paulo im Jahr 1993
Auch zwei ihrer Geschwister wurden vom NS-Regime ermordet: Dorothea am 18. Januar 1941 im Internierungslager Gurs und Simon Max starb am 26. Juli 1942 in NS-Gewahrsam in Würzburg. Ihr Bruder Isidor starb 1942 im Exil in São Paulo. Das Schicksal von Samuel ist unbekannt. Auch Schwägerin Johanna, Nichte Gertrud und deren Ehemann wurden vom NS-Regime ermordet. 120px HIER WOHNTESIMON MAXEBERHARDT'JOUKUFSMAX'JG. 1877ZWANGSWEISE VERZOGEN1942 WÜRZBURGSAMMELLAGERDÜRERSTRASSE 20TOT 6.7.1942 Marktplatz 2 , genannt „Joukufsmax“, wurde am 9. Juli 1877 als Sohn von Jakob Eberhardt und Johanna, geborene Freudenthal in Maßbach geboren. Er wird fallweise auch als Sigmund Eberhardt bezeichnet, was zu Verwechslungen mit einem anderen Maßbacher Juden führt, der so hieß, der aber die NS-Zeit überleben konnte und 1957 in den Vereinigten Staaten starb. Er hatte drei Brüder, Alexander (1871–1872), Isidor (1873–1942) und Samuel (1875) und zwei Schwestern, Marianne (1881) und Dorothea (1889). Er wurde Viehhändler und heiratete Johanna, geborene Heumann aus Hoffenheim. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Hilda (1909–2001, später verheiratete Baum) und Gertrud (1913–1942, später verheiratete Ledermann). Die Familie zählte zu den letzten Juden von Maßbach, die am 14. Juli 1942 abgeholt wurden. Schon am Tag davor verabschiedete sich der Joukufsmax bei seinen Kollegen in der Gemeinde, für die er arbeiten musste, mit folgenden Worten: „Wir sind heute zum letzten Mal hier, morgen werden wir abgeholt, wir sehn uns nie wieder.“Main-Post: Denkmal gegen das Vergessen, 5. Oktober 2012, aktualisiert am 13. Januar 2016 Die Familie wurde verhaftet und nach Würzburg verbracht, wo sie auf die Deportation in ein Konzentrationslager warten musste. Während dieser Wartezeit verstarb am 26. Juli 1942 Simon Max Eberhardt im Alter von 65 Jahren. Er wurde ebendort begraben.Alemannia Judaica: Maßbach (Markt Maßbach, Landkreis Bad Kissingen) Jüdische Geschichte / Synagoge, abgerufen am 12. Juni 2020 (Das in der Inschrift des Stolpersteines genannte Todesdatum 6.2.1942 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht korrekt, da der Abtransport der Familie aus Maßbach laut mehreren Quellen erst am 14. Juli 1942 erfolgte)
Seine Frau wurde am 1. Juli 1944 – nach nahezu zwei Jahren Haft im Konzentrationslager Theresienstadt – ums Leben gebracht. Seine Tochter Gertrud Ledermann und deren Ehemann wurden beide 1942 im KZ Auschwitz ermordet. Seine Schwester Dorothea kam am 18. Januar 1941 im Internierungslager Gurs um, seine Schwester Marianne am 21. April 1943 in Theresienstadt. Sein Bruder Isidor starb 1942 im Exil in São Paulo.
Ab 1941 wurde sein Haus zu einem „Judenhaus“ umfunktioniert, alle noch lebenden Maßbacher Juden wurden dort zwangsweise untergebracht. 120px HIER WOHNTEBIANKA FRANKGEB. GIPSJG. 1876DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDET Neue Straße 13 , geborene Gips, wurde am 25. Dezember 1876 in Walldorf geboren. Sie heiratete Abraham Frank, den Bruder von David Frank, und zog zu ihm nach Maßbach. Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns im Jahr 1933 holte sie ihren Bruder Max Gips und dessen Frau Maria nach Maßbach. In der Pogromnacht des Jahres 1938 entkamen sie nur knapp den randalierenden Nationalsozialisten. Während sich die Frauen in den rückwärtigen Gärten versteckten, flüchtete Max Gips in den Stall der Nachbarn. In den Folgetagen wurde die Familie von Nachbarn heimlich mit Lebensmitteln versorgt, über die Fenster der Rückseite des Hauses, nicht einsehbar von der Straße. In jener Nacht wurde ihr Haus „nur“ verwüstet, 1941 wurde es Bianka Frank weggenommen und die drei Bewohner wurden zwangsgeräumt. Sie mussten, wie auch alle anderen noch in Maßbach lebenden Juden, ins Haus des Joukufsmax am Markt umziehen. Am 24. April 1942 zählten die Mitglieder der Familie Gips-Frank zu den ersten Juden, die aus Maßbach abgeholt und deportiert wurden. Sie wurden nach Krasnystaw deportiert. Von dort wurden sie ins Ghetto Izbica überstellt. Bianka Frank hat die Shoah nicht überlebt. Auch ihr Bruder und ihre Schwägerin haben nicht überlebt.Yad Vashem: BIANKA FRANK, abgerufen am 12. Juni 2020Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Gips, Marie Maria, abgerufen am 12. Juni 2020Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Gips, Max, abgerufen am 12. Juni 2020
Im Transport befanden sich 852 Juden. Niemand hat überlebt.Klaus Bub: Maßbach unterm Davidstern, Chronik einer jüdischen Gemeinde, Maßbach 2017, S. 4 120px HIER WOHNTEDAVID FRANK'LÄJSER'JG. 1896DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 30.5.1943 Wirthsgasse 4 , genannt Läjser, wurde am 25. Dezember 1869 in Thundorf in Unterfranken als ältester Sohn von Lazarus und Jette Frank geboren. Er zog 1876 mit seiner Familie nach Maßbach, übernahm später den väterlichen Viehhandel und heiratete Hannchen Haas aus Oberelsbach. Die Ehe blieb kinderlos, doch seine Frau hatte ihren Neffen Viktor Haas als Pflegesohn mit in die Ehe gebracht. David Frank war ein erfolgreicher Händler, allseits beliebt und wurde schließlich zum Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde gewählt. 1938 flüchtete der Pflegesohn nach Rhodesien, wo ihn allerdings das Heimweh plagte. „Wären in Deutschland andere Verhältnisse würde ich barfuß nach Hause laufen!“ schrieb er nach Maßbach. Indes wurden seine Pflegeeltern von den NS-Behörden schikaniert und von der gleichgeschalteten Presse diffamiert. David Frank wurde Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 7.400 Mark verurteilt und in der Zeitung war zu lesen:
Mit Hass und Häme versuchten die Nationalsozialisten die Reputation des angesehenen Viehhändlers zu zerstören. Am 10. September 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau mit dem Transport II/25, Zug Da 512 von Nürnberg in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Seine Transportnummer war 943. David Frank wurde dort am 30. Mai 1943 vom NS-Regime ermordet.Yad Vashem: DAVID FRANK, abgerufen am 12. Juni 2020Klaus Bub: Maßbach unterm Davidstern, Chronik einer jüdischen Gemeinde, Maßbach 2017, S. 3