Uttmanns Vorwerk, auch Uttmannsches Vorwerk, war ein Teil der im westlichsten Zipfel des sächsischen Erzgebirges gelegenen Gemeinde Schönheide (Erzgebirgskreis).

Geografische Lage Uttmanns Vorwerk lag auf der nach Nordosten abfallenden Schulter des hohen Berges Knock zwischen dem Tal des Schönheider Dorfbaches und dem des Filzbaches auf der einen Seite sowie dem der Zwickauer Mulde auf der anderen Seite. Nach der Naturraumkarte von Sachsen liegen die Flächen des früheren Vorwerks in der Mesogeochore „Schönheider Hochflächen“ und gehören zur Mikrogeochore „Schönheider Kuppengebiet“.

Name Johann Georg Krünitz beschreibt in seiner im späten 18. Jahrhundert erschienenen Enzyklopädie über Vorwerke: Große Landgüter, welche sehr ausgedehnte Landflächen enthalten, wohl auch solche, welche von den übrigen isolirt liegen, können nicht von einem Wirthschaftshofe bewirthschaftet werden, wenn nicht durch ein langweiliges Hin- und Herziehen viele Arbeitskräfte unnütz versplittert werden sollen, auch ist die Communication nicht selten so erschwert, daß nicht einmal Schafe auf die Weide dorthin getrieben werden können, wenn nicht die Felder leer sind. In diesem Falle legt man an den geeignetsten Stellen besondere Wirthschaftshöfe an, von denen die Bewirthschaftung eines bestimmten Theiles der Landesfläche erfolgt, und nennt dergleichen Wirthschaftshöfe Vorwerke.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, Band 231 aus dem Jahr 1855, S. 495 (Link zum Digitalisat der Universität Trier)

Von welchem größeren Gut Uttmanns Vorwerk eine entfernter liegende Abteilung war, ist nicht ersichtlich.

Das Vorwerk wurde nach einem der Eigentümer, Heinrich Uttmann, auch Uthmann oder Utmann geschrieben, benannt. Er war zwar nur von 1576Christian Friedrich Hempel: Allgemeines Lexicon Iuridico-Consultatorium oder Repertorium. Zweyter Theil, bey W. L. Springs seel. Erben und Johann Gottlieb Garben, Frankfurth und Leipzig 1752, Spalte 1204 (Link zum Digitalisat) bis 1584Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 270 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Eigentümer, gleichwohl wurde das Vorwerk jahrhundertelang, so noch im Jahr 1792 in den sächsischen Meilenblättern,Blatt 185 des Freiberger Exemplars der Meilenblätter von Sachsen aus dem Jahr 1792 mit Nachträgen bis 1876 (Link zum Kartenblatt in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) und sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein als „Uttmanns Vorwerk“ bezeichnet.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 252 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Albert Schiffner erwähnt im 1833 erschienenen 18. Band des Schumannschen Staatslexikons von Sachsen, das Vorwerk heiße auch Streitwald. Derselbe Autor nennt es im Jahr 1839 „Vorwerk Streitwald oder Uttmannsches Vorwerk“.Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Erste Lieferung, den Zwickauer Directionsbezirk enthaltend. Leipzig 1839, S. 194 (Digitalisat) In seinem ungefähr 1848 erschienenen Werk „Führer im Muldenthale“ schreibt Schiffner, an die südöstliche Häusergruppe Schönheides, den „Schedlichsberg“, schließe sich das Uttmannische Vorwerk oder Streitwald an.Albert Schiffner: Der Führer im Muldenthale, von des Voigtlands Höhen bis zur Vereinigung beider Mulden. In 16 Lieferungen, enthaltend 37 Ansichten, nach der Natur aufgenommen von Gustav Täubert, lithographiert von J. Riedel, Verlag von Gustav Täubert, Dresden (o. J., 1848), S. 12 (Digitalisat in der Universitätsbibliothek Leipzig) Im Oberreitschen Topographischen Atlas des Königreichs Sachsen des Jahres 1843 ist das Vorwerk bezeichnet, allerdings nur mit der Abkürzung „Vwg“.Jakob Andreas Hermann Oberreit: Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen, Zweite Lieferung, enthaltend die Sectionen Freyberg, Schwarzenberg, Zittau und Weissenberg, Blatt 19-Schwarzenberg-, 1843 (Link zum Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)

Geschichte

Entstehung mini|hochkant=1.4|Die Lage des Vorwerks in der Hufe-Struktur Das Vorwerk ist in der Zeit zwischen dem Beginn der Besiedlung Schönheides und dem Verkauf Schönheides an Kurfürst August entstanden. Ernst Flath geht von der Bildung um 1560 aus zwei Bauerngütern aus, die zwischen 1542 und 1570 durch Rodung von Wald entstanden waren.Ernst Flath: Aus der Geschichte unseres Heimatortes, in: Heimatgeschichtliche Festzeitung. Festbeilage zum Schönheider Wochenblatt aus Anlass der Vierhundertjahrfeier Schönheides, 21. August 1937, unpag. (S. 2) Der Siedlungsbeginn wird auf die Zeit um 1537 datiert. In der Gründungsurkunde für Schönheide, dem sogenannten Befreiungsbrief vom 20. März 1549 des Balthasar Friedrich Edler von der Planitz, wird die Lage der Doppel-Hufen als einerseits vom Dorfbach nach Norden bis zum Filzbach und andererseits nach Süden bis zur Zwickauer Mulde reichend beschrieben.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 178 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Die zwanzig HufenErnst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 191 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden der Gründungsphase reichten vom östlichen Dorfrand bis etwa zum Quellbereich des Dorfbachs. Hermann Löscher schreibt, das Vorwerk sei zwischen Siedlungsbeginn und 1563 entstanden.Hermann Löscher: Die bäuerliche Nachbesiedlung des Erzgebirges um 1500. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. Band 91, 1954, S. 140 (Digitalisat in der Bayerischen Staatsbibliothek München) Das Vorwerk wird in der Gründungsurkunde nicht erwähnt.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), Wortlaut der Gründungsurkunde: S. 177–179 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)

Am 24. Dezember 1563 verkauften die Erben des Balthasar Friedrich Edler von der Planitz ein großes Gebiet im westlichen Erzgebirge, darunter auch Schönheide, an Kurfürst August.Gottfried August Arndt: Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 367–388. Wortlaut des Kaufvertrages (Digitalisat) Das Vorwerk wird in diesem Vertrag ebenfalls mit verkauft und so beschrieben: Das neu angerichte Forwergk mit dem Hauße dor Innen und allen andern gebeuden in solchem Dorff mit Scheunen, Stellen unnd allem was dem Forwergk sonsten anhengig und den wassergraben darumb, mit allen gebeuden, sambt allen Feldern und darzu gehörigen Wiesenwachs, Darzu ongeferlich noch Dreißigk Scheffel Felds gehörigk, mit der Vihe Zucht und allen anderen nutzungen der keinerlei ausgeschloßen, Und sollen unsere mündlein, Vettern und Sehne das Rindt Vihe unnd alle heurige Fütterung Ihn solchem Forwerge laßen, und das Rindtvihe, wie es durch unverdechtige geachtet, in der abtretung nach wirden bezahlt nehmen, Die Heufütterung aber, so noch in den Welden oder Scheunen vorhanden, und zuvorn Zu diesem Forwerge nicht gebraucht wordenn, sol in das gut Goltzsch volgen. Die zur Besichtigung und Berichterstattung über die im Kaufvertragsentwurf aufgeführten Flächen, Gemeinden und sonstigen Vertragsgegenstände entsandten Amtmann Hans Todt, Verwalter des Amtes Schwarzenberg, und Enderlein Meißner, Oberförster in diesem Amt, qualifizieren in ihrem Bericht vom Juni 1563 bei der Beschreibung Schönheides das Vorwerk als „ein geringe Fohrwerg“, ohne weitere Angaben zu machen.Gottfried August Arndt: Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 387. Wortlaut des Berichts (Digitalisat) Die zum Vorwerk gehörenden Flächen reichten im Tal der Zwickauer Mulde immerhin bis zur über sechs Kilometer entferntens. Openstreetmap.org Mündung der Wilzsch in die Mulde.

Kauf und Verkauf durch Heinrich Uttmann Nach dem gescheiterten Verkauf des Vorwerks an den Lizentiaten Sebastian Jering (Gering) in Annaberg erwarb Heinrich Uttmann am 14. Dezember 1576 das Vorwerk vom Kurfürsten August.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 267 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Als Kaufpreis wurde eine Summe von 1400 Gulden vereinbart. Das Vorwerk wird im Kaufvertrag so beschrieben: mit allen gebeuden, Garten, Ackerbau, Feldern, wiesen, Teichen, Bächen, gehölzen, dem Röhrwasser, Wassergraben, der Fischerey auf der Mulda […]. Außerdem wurde in dem Vertrag festgelegt, dass auch die niedere Gerichtsbarkeit, im Vertragstext „Erbgericht“ genannt, „soweit sich solches forbergks güther erstrecken, über sein und ihr eigen gesind gehorsam bey ihnen zu erhalten gebrauchen“. Wie den Einwohnern Schönheides im sog. Befreiungsbrief von 1549 zugestanden, wurde dem Vorwerkskäufer Bier zu „brauen, schenken [Ausschank] und backen“ erlaubt. Außerdem musste er dem Kurfürsten oder seinen „Befehlichhabere“, wenn sie zur Jagd oder aus anderem Anlass in Schönheide waren, freie Wohnung im Vorwerkshaus gewähren.

Schon nach weniger als acht Jahren, am verkaufte Heinrich Uttmann das Vorwerk wieder. Neuer Besitzer wurde Melchior Siegel, ein Zehntner in Eibenstock, der schon ein Jahr später auch das Hammerwerk Schönheiderhammer kaufte und damit die bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts reichende Ära des Besitzes dieses Hammerwerkes in der Familie Siegel begründete.S. Liste der Besitzer von Schönheiderhammer

Schönheiderhammer und Uttmanns Vorwerk Seit dem Verkauf des Vorwerks durch Heinrich Uttmann an Melchior Siegel im Jahr 1584 und dem 1585 erfolgten Kauf des Hammerwerkes durch den letztgenannten scheinen Vorwerk und Hammerwerk in einer Hand geblieben zu sein. Flath schreibt in seiner um 1909 erschienenen Geschichte Schönheides, nachdem Melchior Siegel 1591 die noch im Eigentum der von der Planitz gewesene Mühle an der Zwickauer Mulde übernommen hatte, sei der „Hammer- und Vorwerksbesitzer“ Inhaber aller „zu Gemeinde und Gutsbezirk Schönheiderhammer gehörigen Grundstücke“ geworden.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 271 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Über eine etwaige später erneut erfolgte Trennung des Besitzes von Vor- und Hammerwerk berichtet Flath nicht. Der Besitzer des Hammerwerks in Schönheiderhammer, Carl Gottlob Rauh, reichte um 1798 bei der kurfürstlichen Verwaltung ein Gesuch ein, das Gerichte und Schriftsässigkeit zum Thema hatte. Dabei wurde diese Formulierung verwendet: „für sein Hammerwerk Schönheide und das damit kombinierte, sonst sogenannte Uttmannische Vorwerk angebrachte Gesuch“.Hauptstaatsarchiv Dresden, Archivalie 10025 Geheimes Konsilium, Nr. Loc. 05672/01 (Link zum digitalen Findbuch) Albert Schiffner erwähnt in seinem 1840 herausgebrachten Werk Beschreibung von Sachsen, zu Schönheiderhammer gehöre ein Vorwerk.Albert Schiffner: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande. Mit 192 Ansichten und 2 Karten, J. Scheible’s Buchhandlung, Stuttgart 1840, S. 305 (Link zum Digitalisat in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) „Sachsens Kirchen-Galerie“ von 1844 beschreibt das Vorwerk als zum Hammerwerk „dazu gehörig“.Sachsens Kirchen-Galerie. 11. Band. Das Voigtland, umfassend die Ephorien Plauen, Reichenbach, Auerbach, Markneukirchen, Oelsnitz und Werdau. Dresden 1844, S. 179 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) Nach dem 1900 vom Schönheider Pfarrer Friedrich Vollmar Hartenstein verfassten Beitrag in der „Neuen Sächsischen Kirchengalerie“ hat sich Schönheiderhammer