Die Roslawl-Nowosybkower Operation (russisch: Рославльско-Новозыбковская наступательная операция) vom 30. August bis 12. September 1941 war eine militärische Auseinandersetzung an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges. Nördlich davon erfolgte zur gleichen Zeit die erfolgreiche Jelnja-Offensive der Roten Armee und im Süden wurde von der Wehrmacht die Kesselschlacht von Kiew eingeleitet. Die Gegenoffensive durch Truppen der sowjetischen Brjansker Front im Raum Roslawl und Nowosybkow hielt den Vormarsch der deutschen Panzergruppe 2 nach Süden nicht auf. In Ermangelung an Reserven und Ausrüstung mussten sich die sowjetischen Truppen nach Süden und Südosten zurückziehen.

Vorgeschichte mini|hochkant|Heinz Guderian an der Ostfront in Russland, Juli 1941 Vom 24. Juli bis zum 5. August 1941 wurden unter Beteiligung der Panzergruppe 2 (Generaloberst Guderian) mehr als 300.000 Angehörige der Roten Armee im Kessel von Smolensk eingeschlossen. Am 3. August nahmen die 4. Panzer-Division und Einheiten des IX. Armeekorps Roslawl, am 12. August begann die Offensive der deutschen 2. Armee (Generaloberst von Weichs) in Richtung Gomel.

Nach dem Scheitern der Rogatschew-Schlobiner Operation der sowjetischen 21. Armee wurde das weit nach Westen vorgestoßene 63. Schützenkorps (Generalleutnant L. G. Petrowski) abgeschnitten und zerschlagen. Im Zuge der weiteren Offensive fiel Gomel am 19. August in deutsche Hände, das Armeeoberkommando 2 meldete nach einwöchigem Kampf die Einbringung von 78.000 Gefangenen und Zerstörung von 144 Panzern und etwa 700 Kanonen. Die sowjetischen Truppen zogen sich nach Süden und Südosten zurück. Die Verteidigung der sowjetischen Zentralfront war durchbrochen, die Position der am linken Flügel eingesetzten 3. Armee wurde kritisch, nachdem sie am 22. August die Stellungen im Raum Mosyr aufgeben musste.

Um die Region Brjansk zu schützen, wurde auf Befehl der Stawka am 16. August an der Naht zwischen der Reserve- und Zentralfront die Brjansker Front geschaffen. Nach der Niederlage im Raum Gomel übernahm diese Front (von Nord nach Süd 50., 3., und 13. Armee) unter Generaloberst A. I. Jeremenko die Verteidigung zwischen der Reservefront (am 28. August aufgelöst) und der Südwestfront. Zur gleichen Zeit wurde die 21. Armee im Raum westlich von Nowgorod-Sewerski abgeschnitten und fast 20 Kilometer nach Süden abgedrängt.

Vormarsch der Panzergruppe 2 Generaloberst Guderian wurde am 23. August ins Führerhauptquartier nach Rastenburg befohlen und erhielt von Hitler den Befehl seine Panzergruppe nach Süden umzugruppieren, weil das OKH die Beteiligung der Heeresgruppe Mitte an der Einschließung der sowjetischen Südwestfront im Raum Kiew wünschte. Dem XXIV. und XXXXVII. Armeekorps (mot.) wurde an der Seite der 2. Armee die neue Stoßrichtung nach Süden zugewiesen. Das motorisierte Korps des Generals Lemelsen leitete mit der 17. und 18. Panzerdivision den Angriff zwischen den Flüssen Desna und Sudost ein, wo das sowjetische 45. Schützenkorps voran mit der 155. Schützendivision (Oberst P. A. Alexandrow) verteidigte. Die Truppen des motorisierten XXIV. Korps (3., 4. Panzerdivision, motorisierte 10. Infanteriedivision) führte den Angriff in Richtung auf Nowgorod-Sewerski, Woroschba und zum Snob nach Trubtschewsk durch.

Die am 25. August eröffnete neue Offensive des rechten Flügels der 4. Armee (XII. A.K.) und der Panzergruppe 2 nach Süden kam rasch in Gang, nachdem das motorisierte XXIV. Armeekorps in Nowgorod-Sewerski eine unversehrte Desna-Brücke gewonnen hatte und von dort bis Sirogowka und zwischen Cholmy – Awdejewka südliche Brückenköpfe gebildet wurden. Ab 26. August begleiteten die rechts davon vorrückenden Divisionen der 2. Armee den Angriff in Richtung auf Starodub und Konotop. Da jedoch besonders der Brückenkopf bei Korop sofort von der sowjetischen 21. Armee angegriffen wurde und auch die mit 7 Divisionen angetretene 2. Armee nur schwer vorankam, verzögerte sich der Vormarsch wieder. Am 24. August war die Auflösung der Zentralfront erfolgt, ihre Truppen unter die Brjansker Front, die 3. und 21. Armee wurden dabei wegen ihrer Verluste zusammengefasst. Den Oberbefehl der Brjansker Front hatte wegen besserer Koordination mit der Westfront Generalleutnant Jerjomenko erhalten.

Am 28. August rückten die 17. und 18. Panzerdivision weiter südlich vor, die Vorhuten standen nördlich von Potschep und bei Mostochnaja, die Südflanke bei Pogar und Trubtschewsk, ein ablenkender Angriff wurde über Vitemlja in Richtung Snob angesetzt. Gleichzeitig durchbrach das XXIV. Armeekorps (mot.) die sowjetische Verteidigung und entwickelte ihre Offensive zwischen Nowgorod-Sewerski und Woroschba. Aufgabe der sowjetischen 13. Armee war es mit dem 45. Schützenkorps (269., 282. und 155. Schützendivision) die Linie Potschep, Kozoresowka, Rogowo, Baklan, Posuditschi, Pogar bis in den Raum 40 km nordwestlich von Trubtschewsk zu halten. Am 29. August überquerte die deutsche 4. Panzerdivision die Desna, die motorisierte 10. Division wurde noch am gegenüberliegenden Ufer bei Obdolonje festgehalten. Gegenüber der rechten Seite der Panzergruppe 2 verteidigte die sowjetische 50. Armee an der Linie Schukowka, Schirjatino und weiter südlich bis Potschep. Auf der linken Seite gegenüber kämpfte die sowjetische 21. Armee an der Linie von Luschki, Lobanowka, Samyschewo und vor Nowosybkow.

Wehrmacht 4. Armee (rechter Flügel)

VII. Armeekorps, General der Artillerie Wilhelm Fahrmbacher 7. Infanterie-Division, Generalmajor Eccard von Gablenz 267. Infanterie-Division, Generalleutnant Friedrich Karl von Wachter 23. Infanterie-Division, Generalleutnant Heinz Hellmich 197. Infanterie-Division, Generalleutnant Hermann Meyer-Rabingen XII. Armeekorps, General der Infanterie Walter Schroth 258. Infanterie-Division, Generalleutnant Waldemar Henrici 34. Infanterie-Division, Generalleutnant Hans Behlendorff 31. Infanterie-Division, Generalmajor Gerhard Berthold 167. Infanterie-Division, Generalleutnant Hans Schönhärl

Panzergruppe 2

XXXXVII. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Joachim Lemelsen 17. Panzer-Division, Generalmajor Karl Ritter von Weber 18. Panzer-Division, Generalmajor Walther Nehring 29. motorisierte Infanterie-Division, Generalmajor Walter von Boltenstern XXIV. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Leo Geyr von Schweppenburg 3. Panzerdivision, Generalleutnant Walter Model 4. Panzer-Division, Generalmajor Willibald von Langermann 10. motorisierte Infanterie-Division, Generalleutnant Friedrich-Wilhelm von Loeper

In Zuführung (Anfang September): Division Großdeutschland, Oberst Walter Hörnlein SS-Division Das Reich, SS-Gruppenführer Paul Hausser

2. Armee (rechter Flügel)

Höheres Kommando XXXV, General der Artillerie Rudolf Kämpfe 252. Infanterie-Division, Generalleutnant Diether von Boehm-Bezing 1. Kavallerie-Division, Generalleutnant Kurt Feldt 45. Infanterie-Division, Generalleutnant Fritz Schlieper XXXXIII. Armeekorps, General der Infanterie Gotthard Heinrici 112. Infanterie-Division, Generalleutnant Friedrich Mieth 293. Infanterie-Division, Generalleutnant Justin von Obernitz XIII. Armeekorps, General der Infanterie Hans-Gustav Felber 131. Infanterie-Division, Generalmajor Heinrich Meyer-Bürdorf 260. Infanterie-Division, Generalleutnant Hans Schmidt 134. Infanterie-Division, Generalleutnant Konrad von Cochenhausen

Angriffsplanung Jeremenkos mini|Andrei Jeremenko Auf Befehl der Stawka hatte die Brjansker Front am 30. August die Gegenoffensive im Raum Trubtschewsk und Pogar gegen den deutsche Panzervorstoß zu starten. Gemäß dem Plan des Oberkommandos sollten gleichzeitig die Angriffe der 50. Armee nach Westen und der 13. Armee nach Nordwesten erfolgen. Ziel der Operation war es, die Panzergruppe 2 auf die Linie Potschep, Nowgorod-Sewerski, Nowosybkow zurückwerfen. In der ersten Phase sollte die Linie Petrowitschi, Klimowitschi, Belaja Dubrava, Guta-Koretskaja, Nowosybkow überschritten und in der zweiten Phase bis zum 15. September die Linie Kritschew, Slawgorod (Propoisk) erreicht werden. Entgegen der dringenden Auffassung des Kommandanten der 13. Armee, der seine Truppen schon auf das östliche Ufer des Flusses Desna zurückführen wollte, um dort eine nachhaltige Verteidigung zu schaffen, sollten die bedrängten Formationen (282., 307., 269. und 155. Schützendivision) einen Gegenangriff in Richtung Starodub starten. Um dies zu ermöglichen, wurde am 29. August aus den mobilen Teilen der 3. Armee die Operative Gruppe Jermakow an der rechten Flanke der 13. Armee gebildet. Generalleutnant A. N. Jermakow verfügte über die 108. Panzerdivision, die 141. Panzerbrigade und die 4. Kavalleriedivision. Die 13. Armee hatte den Vorstoß mit der 155., 307. und 6. Schützen-Division in Richtung Nowgorod-Sewerski zu unterstützen. Dadurch sollte der weitere Rückzug über die Desna verhindert werden und das bedrohte Trubtschewk weiterhin unter Kontrolle der Roten Armee verbleiben.

In Erweiterung der nördlicher gestarteten Jelnja-Offensive hatte der rechte Flügel der 43. Armee mit allen verfügbaren mobilen Kräften (109. Panzer- und 106. und 303. Schützen-Division) die Desna zu überwinden und die 24. Armee (General Rakutin) bei der Rückeroberung des Frontbogens zu unterstützen. Am nördlichen Abschnitt der Brjansker Front war eine Interaktion mit der 43. Armee der Reservefront vorgesehen. Gegenüber der Front der 43. Armee verteidigte das deutsche VII. Armeekorps (267., 23. und 197. Infanterie-Division). Den Hauptstoß über Schukowka und Dubrowka zur Rückeroberung von Roslawl wurde der 50. Armee mit der 279., 273. und 290. Schützen- und der 121. Panzer-Division zugewiesen. Zusammen mit der 43. Armee wollte man die deutschen Linien bei Rekowitschi und Leljatino durchbrechen. Die nach Süden gewandte Front der deutschen Panzergruppe 2 wurde am linken Flügel durch das XII. Armeekorps (258., 34. und 31. Infanterie-Division) gedeckt und erwartete Verstärkungen durch das aus der Frontreserve über Roslawl nachgeschobene LIII. Armeekorps. Die mobile Gruppe der 108. Panzerdivision wurde am 29. August im Raum Werschany und Orechhowskie konzentriert. Etwa 30 km südlicher wurde die 13. Armee auf 40 Kilometer Breite zwischen Pogar und Nowgorod-Sewerski mit 3 Schützendivisionen (155., 307. und 6.) und die 50. Panzerdivision (verfügte über keine Panzer) angreifen. Die 13. Armee kämpfte mit Unterstützung der mobilen Gruppe Jermakow, welche über Schishkin und Judinowo in Richtung Westen an der Dörferlinie Semtsy, Krasnaja Sloboda, Semjatschki, Sosnowka, Snob-Trubtschewsk bis Nowy Wasiljewsk angreifen sollte. Der Durchbruch war im Raum km südlich von Pogar an der Naht zur 13. Armee geplant, danach sollte sich die Offensive weiter in südwestliche Richtung nach Nowosybkow entwickeln. Der Angriff der 3. Armee mit der 269. und 282. Schützendivision sollte aus der Linie Trubtschewsk – Starodub auf Potschep erfolgen. Bis zum 15. September sollten die Angriffstruppen in die Linie Petrowitschi – Klimowitschi – Nowosybkow erreicht haben. Im Süden befand sich derweil die sowjetische 21. Armee am Desna-Abschnitt in schweren Abwehrkämpfen. Jeremenko hoffte zudem, dass die bei de Südwestfront neu formierte 40. Armee (135. und 293. Schützendivision, das 2. Luftlandekorps, die 10. Panzerdivision) einen Schlag nach Norden auf Korop zur Desna führen könnte, um den Erhalt von Tschernigow zu sichern, wo die 5. Armee hart bedrängt wurde. Die Luftunterstützung für die Gegenoffensive wurde dem Leiter der Hauptverwaltung des stellvertretenden Kommandanten der Luftwaffe, Generalmajor I. F. Petrow anvertraut. Im Raum Brjansk wurden etwa 450 Flugzeuge gegen die deutsche Panzergruppe 2 zusammengezogen. In der Nacht von 29. bis 30. August sollten schwere Bomber TB-3 in vier Wellen mit 650 Einsätzen die gegnerische Etappe bei Mglin und Unetscha, sowie die Zugänge nach Starodub und Potschep bombardieren.

Rote Armee Brjansker Front Oberbefehlshaber: Generaloberst Andrei Iwanowitsch Jeremenko Kriegsrat: Divisionskommissar P. I. Mazepow