AJ and the Queen ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die am 10. Januar 2020 auf dem Video-on-Demand-Anbieter Netflix ihre Premiere feierte. Sie basiert auf einer Idee von Michael Patrick King und RuPaul, die beiden verfassten auch vier der Drehbücher, King inszenierte ebenfalls vier Episoden. Sie handelt von der Dragqueen Ruby Red, die nach einem finanziellen Verlust durch die Vereinigten Staaten reist und sich dabei mit dem Kind AJ anfreundet, das heimlich in ihr Wohnmobil eingestiegen ist. In der Serie haben etliche frühere Teilnehmerinnen von RuPaul’s Drag Race kurze Gastauftritte.
Am 6. März 2020 gab RuPaul bekannt, dass Netflix entschieden hat, die Serie nicht um eine zweite Staffel zu verlängern.
Handlung Die Dragqueen Ruby Red hat 100.000 Dollar gespart, um damit einen eigenen Drag-Club zu eröffnen. Allerdings ist ihr Lebenspartner Hector in Wahrheit der Trickbetrüger Damian Sanchez, der das Geld gemeinsam mit seiner Augenklappe tragenden Komplizin Lady Danger entwendet hat und damit geflohen ist. Deswegen beschließt Ruby, mit einem alten, heruntergekommenen Wohnmobil durch die gesamten Vereinigten Staaten zu reisen und in Clubs aufzutreten, um wieder an Geld zu kommen. Bei ihrem Plan wird sie von ihrem blinden Freund und Kollegen Louis unterstützt. Auf einem Zwischenstopp in New York schleicht sich das vorlaute zehnjährige Kind AJ in den Wagen, das nach Texas zu seinen Großeltern gebracht werden will. AJs Mutter Brianna vernachlässigt sie, da sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Prostituierte kaum zuhause ist. AJ wurde von ihrem Vermieter der Wohnung verwiesen, weswegen sie nicht mehr in New York leben will. Fortan muss sich Ruby um AJ kümmern, zwischen den beiden entwickelt sich während ihrer Fahrten und Aufenthalten in verschiedenen Orten langsam eine Freundschaft.
Produktion Am 11. Mai 2018 gab Netflix bekannt, die Serie in sein Programm aufgenommen und für die erste Staffel zehn Episoden bestellt zu haben. Michael Patrick King und RuPaul, die die Serie kreierten, wurden auch als Drehbuchautoren und Executive Producer benannt, King führte zudem bei einigen Folgen die Regie. Sowohl Kings und RuPauls eigene Produktionsfirmen MPK Productions und RuCo als auch Warner Bros. Television sind an der Finanzierung beteiligt.
Neben RuPaul, der auch die Hauptrolle verkörpert, wurden Josh Segarra, Michael-Leon Wooley, Katerina Tannenbaum und Tia Carrere als weitere Hauptcharaktere besetzt, was am 20. September 2018 verkündet wurde. Im Oktober desselben Jahres wurde die Verpflichtung der Kinderdarstellerin Izzy Gaspersz bekannt gegeben. Im Januar 2019 verkündete Netflix, Matthew Wilkas in einer wiederkehrenden Rolle besetzt zu haben.
In der Serie haben mehrere ehemalige Teilnehmerinnen von RuPaul’s Drag Race Gastauftritte. Dazu zählen unter anderem die Gewinnerinnen Bianca Del Rio, Chad Michaels und Jinkx Monsoon, die Finalistinnen Trinity Taylor, Jujubee, Manila Luzon, Ginger Minj, Eureka O’Hara und Monique Heart sowie Pandora Boxx, Latrice Royale, Katya Zamolodchikova und Valentina, die in ihren Staffeln vom Fernsehpublikum zur beliebtesten Kandidatin, der Miss Congeniality, gewählt wurden.
Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach dem Dialogbuch und der Dialogregie von Ralf Pel durch das Synchronstudio RRP Media.
RolleDarstellerSynchronsprecherRobert Lincoln Lee / Ruby RedRuPaulArmin SchlagweinAmber Jasmine „AJ“ DouglasIzzy GasperszEmilia RaschewskiLouis Bell / Coco ButterMichael-Leon WooleyOliver StritzelHector Ramirez / Damien SanchezJosh SegarraValentin StiluBrianna DouglasKaterina TannenbaumLea KalbhennLeilani Kala’i / Lady DangerTia CarrereGhadah Al-AkelOfficer Patrick KennedyMatthew WilkasFrank Schaff
Episodenliste
Rezeption In der Internet Movie Database erreichte die Serie eine Bewertung von 7,6 von zehn Sternen basierend auf 5105 abgegebenen Stimmen. Auf Rotten Tomatoes erhielt sie einen Kritiker-Wert von 53 Prozent basierend auf 19 Kritiken sowie eine Zuschauer-Bewertung von 91 Prozent basierend auf 411 Stimmen. Auf Metacritic ergab sich bei den Kritikern eine Bewertung von 46 von 100 basierend auf 8 Kritiken sowie ein Zuschauer-Wert von 6,2 von zehn basierend auf 42 Stimmen. Claudia Reinhard befand in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass die „laute Theatralik der Drag-Welt, der Spaß am Wortwitz und die Liebe zur Performance“ auf der einen und die „Freude an emotionaler Sehnsucht als dramatischer Motor“ auf der anderen Seite eine wunderbare Kombination sein könnten, beispielsweise in einer Szene, in der AJ mit falschen Gummi-Brüsten in einem Motel-Pool schwimmt und anschließend ebendiese einer Frau, die sich einer Mastektomie unterzogen hat, überlassen will. Die Mischung zwischen Komik und Dramatik sei allerdings irritierend, wenn „Klamauk einfach zum Drama umgedeutet“ werde und Karikaturen zu Figuren werden. So solle die Freude von AJs Mutter über Donuts nach einer anstrengenden Nacht als Prostituierte für Sitcom-Lacher sorgen, in der darauffolgenden Episode heische ihr Weg aus der Sucht um ehrliche emotionale Anteilnahme. Etwas Ähnliches gelte für das Verhältnis von Robert und Hector, weswegen die jeweiligen Konflikte der beiden Helden ihr dramatisches Potenzial nie ganz entfalten könnten. Überzeugender sei das Zusammenspiel von AJ und Robert, weil AJ dank Robert langsam lerne, dass eine weibliche Geschlechtsidentität wunderbar sein könne, während Robert durch den „tapferen Satansbraten“ zu einer Stärke auch außerhalb der Bühne inspiriert werde. Die beiden Hauptfiguren suchten auf die Antwort der Frage „Wenn du dich nicht selbst liebst, wie zur Hölle willst du jemand anderen lieben?“, die RuPaul den Kandidatinnen seiner Reality-Sendung in jeder Folge stellt, allerdings auf eine deutlich zahmere Art, mit klassischen Motiven des Buddy-Movie-Genres. Dies rühre mitunter an, könnte aber Fans des bissigen Drag-Humors langweilen.
Spencer Kornhaber beschrieb die Serie im The Atlantic als „extrem unausgeglichen, aber oftmals liebenswert“. Sie sei „dämlich und belehrend, lauwarm und bezaubernd“. Die Entwicklung der beiden Hauptfiguren von Streitigkeiten zu gegenseitigem Mitgefühl sei nicht überraschend, darauf komme es aber auch nicht an. Sich die Serie anzusehen sei vergleichbar mit dem „Rausfischen“ einer alten VHS-Kassette aus dem Comedy-Regal von Blockbuster Inc. im Jahr 1996. AJ and the Queen sei eine Selbstfindungsreise wie in Mein Vetter Winnie, ein Roadmovie wie To Wong Foo, thanks for Everything, Julie Newmar, eine „Seltsames-Paar-Komödie“ wie Twins – Zwillinge sowie eine „Altkluges-Kind-Eskapade“ wie Kevin – Allein zu Haus. Jede Szene sei so „kostensparend“, dass man ihren Kern nicht verpassen würde, wenn man sich beim Ansehen die Augenbrauen zupft. Die Drehbücher und Darsteller seien auf eine Art und Weise brutal, die für eine leichtfüßige Streaming-Serie ungeeignet sei und „seltsam anstrengend“ wirke. AJ and the Queen sei daran gelegen, das Gefühl der politischen und gesellschaftlichen Unterdrückung der LGBT-Gemeinschaft „zurück zu spulen“. Sie stelle Amerika als ein Land dar, in dem Intoleranz nur eine kleine Hürde sei. Dieser Optimismus sei nicht naiv, sondern eine wissentliche Provokation. Das Spektrum „nicht lustiger Kindesgefährdung und -Vernachlässigung“ ziehe sich durch die gesamte Handlung und unterstehe den Zuschauern, dabei zusammenzuzucken. Die negative und positive Einstellung sei eine komische Mischung, allerdings überwiege am Ende die positive. Der gute Wille der Serie sei groß, indem die Hauptfiguren erschöpften Dragqueens, verklemmten Hausfrauen und Kindern, die sich Gedanken über ihre Geschlechtsidentität machen, Selbstliebe beibrachten. Die Predigten von Robert/RuPaul seien ein Zeichen gewaltiger Transzendenz, und die Vision von Dragqueens, die Amerikas Wunden therapieren, verlockend beruhigend.
Laut Daniel D’Addario der Variety hätte die Serie neben RuPaul nicht viel anzubieten, der charismatische Hauptdarsteller müsse eine „tonal ungleichmäßige und wackelige Handlung“ ertragen. Die Handlung um Robert, der von seinem Liebhaber und dessen Komplizin zunächst um sein Geld betrogen und anschließend auf seiner Drag-Tour durch die Vereinigten Staaten verfolgt wird, während er sich langsam mit AJ anfreundet, sei für eine neue Serie eine „Unmenge an Ballast“, die AJ and the Queen schlecht bewältige. Lady Danger, ein „fauchender Drache, der aus der Carmen-Sandiego-Liga von Zeichentrick-Schurken“ geholt wirke, müsse sich den Handlungsstrang mit der traumatisierten AJ teilen, deren Mutter mit ihrer Sucht zu kämpfen habe. In den „großzügig gepolsterten“ Episoden gäbe es ohnehin nicht genügend Platz dafür, Robert dimensioniert darzustellen. Während seiner Reise sei Robert perfekt und witzig, in ein paar flüchtigen Szenen käme auch seine verletzliche Seite zum Vorschein. RuPaul würde diese gut spielen, allerdings seien sie zu sehr von der Figur entfernt, die die meiste Zeit zu sehen sei, zudem würden diese Sequenzen derart ungeschickt eingefügt werden, dass sie einfach „davon schwebten“. Eine Serie, in der Einsamkeit und Isolation durch Drag-Auftritte überwunden werden, sei zu viel für King und RuPaul. Drag sei ein sehr ernstes Thema, weswegen Roberts reflexartiger Witz und Verlegenheit, tagsüber in Drag gesehen zu werden, Charakter-Nuancen bilde, die die Serie gelegentlich in eine interessante Richtung trieben. Jedoch fühle sich Roberts Umwelt mit Carreres ungehinderter Darstellung und Gaspersz' übertriebenen Bemerkungen „unvollendet, chaotisch und schlampig“ an. Dies ziehe auch RuPaul herunter, der ein „überschwänglicher und vielleicht sogar potenziell akut emotionaler Darsteller“ sei.
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Einzelnachweise
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