mini|Marienmünster in Dießen mini|Dießen am Ammersee Dießen am Ammersee (bis 1954 Dießen) ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech am südwestlichen Ufer des Ammersees. Zur Unterscheidung von anderen Orten gleichen Namens bezeichnete man den Ort früher als Bayerdießen.

Geografie

Lage Die Gemeinde liegt im bayerischen Voralpenland, etwa 40 Kilometer südwestlich von München.

Der Ort zieht sich vom Ammersee das Hochufer hinauf bis zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift. Dort grenzt gegen Westen das Dorf St. Georgen an. Einige Kilometer weiter im hügeligen Hinterland liegen die ehemaligen Gemeinden und heutigen Gemeindeteile Dettenschwang, Dettenhofen und Obermühlhausen. In unmittelbarer Nähe des Ammersees finden sich dagegen die Dörfer und Weiler der ehemaligen Gemeinde Rieden, darunter Riederau, Bierdorf und St. Alban. Der niedrigste Punkt der Gemeinde befindet sich auf 533 m Höhe am Ammersee, der höchste mit 719 m bei Schellschwang im Forst Bayerdießen.

Gemeindegliederung Es gibt 25 Gemeindeteile auf sieben Gemarkungen. Gemarkung Bayerdießen Gemarkung Dettenhofen: das Kirchdorf Dettenhofen, das Dorf Pitzeshofen, die Staatsgüter Engenried und Hübschenried, die Einöde Ummenhausen Gemarkung Dettenschwang: das Pfarrdorf Dettenschwang, die Weiler Oberhausen, Unterhausen und Wolfgrub, die Einöde Abtsried Gemarkung Dießen a.Ammersee; Gemarkungsteil 1: Teile des Hauptorts Dießen am Ammersee Gemarkung Obermühlhausen: das Kirchdorf Obermühlhausen, die Weiler Oberbeuern, Unterbeuern und Schlöglhof Gemarkung Rieden a.Ammersee: das Pfarrdorf Riederau, die Dörfer Bierdorf und Lachen, die Weiler Rieden am Ammersee, Sankt Alban, das Staatsgut Romenthal. Gemarkung Sankt Georgen: Teile des Hauptorts Dießen am Ammersee (St. Georgen), das Dorf Wengen, die Weiler Bischofsried, Ziegelstadl und Seehof.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt von Norden im Uhrzeigersinn an die Gemeinde Utting am Ammersee und das gemeindefreie Gebiet Ammersee im Landkreis Landsberg am Lech, folgend an die Gemeinden Pähl, Raisting und Wessobrunn im Landkreis Weilheim-Schongau, daraufhin an die Gemeinden Rott, Reichling, Vilgertshofen, Thaining, Hofstetten und Finning, wiederum alle im Landkreis Landsberg am Lech. Die Entfernungsangaben beschreiben die Luftlinie zum Ortsmittelpunkt des Nachbarorts und sind auf ganze Kilometer gerundet.

Geschichte Schon im 3. Jahrhundert führte die wichtige römische Fernstraße Via Raetia von Augsburg über den Brennerpass nach Oberitalien durch den Vorläuferort von Dießen.

Ein erstes Kloster entstand vermutlich bereits 815 durch Rathard im Gemeindeteil St. Georgen, diese Angaben sind jedoch sehr legendenhaft. Planmäßig angelegt worden sein dürfte der Markt im 11. Jahrhundert durch Graf Arnold von Dießen östlich der alten Römerstraße und des im Bereich des heutigen Klosters befindlichen Gutshofes aus karolingischer Zeit.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Dießen erst 1039 als Diezen, der Ortsname stammt von der althochdeutschen Bezeichnung für einen Wasserfall. Der namensgebende Wasserfall befindet sich am heutigen Tiefenbach südlich des Klosters. Im Jahr 1050 wird ein Graf Razo de Diezen erwähnt. Zwischen dem 11. und der Mitte des 12. Jahrhunderts besaßen die Grafen von Dießen (später die Linien Andechs und Wolfratshausen) südlich des heutigen Ortes mit der Sconenburg ihre Stammburg. Zwischen 1121 und 1127 wurde von ihnen das Augustinerchorherrenstift Dießen als Hauskloster gegründet, da man zunehmend in den um 1100 neu erbauten Burgen Andechs und Wolfratshausen residierte. Im Jahr 1157 überließ die gräfliche Familie dem Stift den Ort Dießen, stand aber als Vögte weiterhin in enger Verbindung mit Stift und Ort. Dieser wurde 1231 „civitas“ (Stadt) genannt, verlor seine Rechte aber bald an das Kloster.

Mit dem Aussterben der Grafen von Andechs 1248 übernahmen die Wittelsbacher die Vogtei über das Stift. Trotz des starken Bedeutungsverlustes für Dießen erscheint der Ort bereits 1151 als Marckth Diezzen.

Im Zuge des Krieges zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen wurde Dießen 1318 und 1320 von den Truppen Herzog Leopolds niedergebrannt. Die Chronik der Klosterherren spiegelt den Grad der Zerstörung wider, siebe Jahre war es den abgabepflichtigen Bauern und Untertanen nicht möglich, ihre Abgaben zu leisten. Nach den siegreichen Schlachten bei Ampfing und Mühldorf erhob Ludwig den Ort zum Bannmarkt.

Bis zur Säkularisation bestanden so auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde zwei voneinander strikt getrennte Rechtsbereiche, der herzogliche bzw. kurfürstliche Bannmarkt Dießen und die Klosterhofmark Dießen-St. Georgen. Die Banngrenze des Marktes verlief dabei entlang des Ferammergrabens, St. Martin in Häderns, der alten Römerstraße, entlang der Bannzeile nach Romenthal.

Der Markt Dießen unterstand dabei einem herzoglichen, später kurfürstlichen Marktrichter, der zugleich See- und seit 1599 auch Forstrichter war. Dieses Marktrichteramt hatte sogar die Blutgerichtsbarkeit inne. Der ehemaligen Galgen befand sich bis etwa 1600 südlich der Kirche St. Johann, und ab etwa 1600 diente eine Schwarz-Pappel an der Straße nach Weilheim als Richtstätte. Die letzte Hinrichtung fand 1720 statt. Die niedere Gerichtsbarkeit hatte im Markt seit 1326 ein aus Bürgern gebildeter Magistrat inne. Der Klosterrichter wurde durch den jeweiligen Propst des Klosters bestimmt und hatte die volle Gerichtsbarkeit, mit Ausnahme des Blutbanns, inne.

Liste der Markt- und Klosterrichter von 1584 bis 1803: + Marktrichter Name Amtszeit Wolfgang Nikolaus Liegsalz 1584–1604 Marquart von Welzhoffer 1604–1619 Heinrich Graf Fugger 1619–1630 Nikolaus Engelbert 1630–1640 Christof von Arzet 1640–1644 Bartholomäus Fordermair 1644–1668 Bernhard Barth von Harmating und Pafenbach 1668–1681 Konrad Zöpf 1681–1686 Wolfgang Westner 1686–1697 Ferdinand Franz von Helmberg in Moosdorf 1697–1737 Franz Peter Lorenz von Prielmayr 1737–1747 Johann Karl von Delling 1747–1755 Sebastian Josef von Gaißler 1755–1765 Johann Ignatius von Kray 1765–1770 Franz Xaver Frey 1770–1803

+ Klosterrichter Name Amtszeit Wolff Pfendtner –1604 Nikolaus Schmidt 1604–1617 Sigmund Höbel 1617–1630 Nikolaus Walch 1630–1637 David Knoller 1637–1649 Johann Erath 1649–1662 Johann Georg Bartholomäus Höhrmann 1663–1694 Josef Karl 1694–1716 Adam Rantan 1716 Josef Hirsch 1716–1733 Johann Josef Staudigl 1733–1747 Johann Benedikt Millpöck 1747–1782 Alois Ignaz Bayrhamer 1782–1797 Heinrich Ignaz Sartori 1797–1803

Der Landrichter war weiterhin der Hauptmann des sogenannten Fahndl, einer militärischen Einheit die aus den Bürgern des Marktes gebildet wurde. Jeder zehnte Bürger im Alter zwischen 23 und 32 Jahren wurde ausgehoben und hatte jeden Sonntag an Exerzier- und Schießübungen teilzunehmen. Vor und während des Dreißigjährigen Krieges musste der Markt 15 Landsknechte und 7 Schützen stellen, danach noch 20 Mann, schließlich 1695 noch 15 Mann.

Dießen war 1650 in fünf Grundherrschaften aufgeteilt. Das Kloster Dießen mit 80 Hofstätten vorwiegend im oberen Markt, der Bannmarkt Dießen mit 70 Hofstätten größtenteils in der Fischerei, das Kastenamt Landsberg und damit der bayerische Herzog mit 20 Hofstätten vor allem in der Prinz-Ludwig-Straße, das Kloster Andechs mit 10 Anwesen in der Mühlgasse und schließlich die Kirche St. Georgen mit 5 Anwesen.

Nach der Niederlage in der Schlacht bei Rain drangen schwedische Truppen 1632 auch in Dießen ein. Während sich ein Teil der Bevölkerung auf die Insel Erlaich und die weitläufigen Wälder um Dießen flüchten konnte, kam es dennoch zu zahlreichen Morden an der Bevölkerung. Innerhalb von nur fünf Jahren waren auch durch die Pest über 600 Tote in dem kleinen Markt zu beklagen. mini|Ansicht des Markts Dießen von Michael Wening, um 1700

Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde Dießen 1703 abermals von österreichischen Truppen geplündert, die Bevölkerung flüchtete sich wieder auf die Insel Erlaich. Bereits 1704 kam es zu weiteren Überfallen durch Husaren, so wurde unter anderem Romenthal niedergebrannt. In den Jahren 1743 und 1744 kam es abermals zu einer Besetzung durch österreichische Truppen.

Da die meisten Ländereien um Dießen, wie St. Georgen, Wengen, Bischofsried, Engenried, Lachen, St. Alban, Bierdorf, Riederau und Rieden dem Kloster gehörten, entwickelten sich in dem Markt eine starke Handwerkstradition. Seit dem Mittelalter ist eine Hafnerproduktion nachweisbar, im Spätmittelalter befanden sich im Markt Papiermühlen, Gerbereien und Färbereien, Kugel-, Waffen- und Hammerschmieden. Im 18. Jh. entstanden mehrere Zinngießereien und Glasereien. Auch einige Brauereien entstanden im Markt und die Dießener Fischer belieferte sogar den Hof in München. mini|Kupferstich des Marktes und Klosters Dießen, J. M. Söckler 1755 Die Klosterkirche, das Marienmünster, wurde in den Jahren 1732 bis 1739 durch Johann Michael Fischer neu errichtet. Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst; Teile der Klosteranlage wurden abgebrochen. Die erhaltenen Gebäude des Klosters erwarben nach dem Ersten Weltkrieg die Barmherzigen Schwestern.

Obwohl das Verhältnis zwischen Markt und Kloster Dießen durch viele Streitigkeiten geprägt war, hatte die Klosteraufhebung von 1803 hauptsächlich negative Folgen für den Ort. Arbeitslosigkeit griff um sich, Brauereien und Handwerksbetriebe mussten aufgegeben werden und durch die Aufhebung der beiden Ortsgerichte setzte auch ein politischer Bedeutungsverlust ein.

1818 entstand mit dem Gemeindeedikt in Bayern die ursprüngliche politische Gemeinde. Zwischen 1862 und 1879 war Dießen kurzzeitig der Sitz eines Landgerichtes, das 18 Gemeinden umfasste.

Mit der Einführung der Dampfschifffahrt 1877 und der Eröffnung der Bahnstrecke 1898 entwickelte sich ein reger Fremdenverkehr in Dießen.

Auch wurde 1888 erstmals ein Krankenhaus erbaut, bereits 1896 ging das erste Elektrizitätswerk in der Klostermühle in Betrieb. Die Errichtung der See- und Kuranlagen 1909 war vor allem nötig, um dem wachsenden Fremdenverkehr Rechnung zu tragen, ebenso das 1931 errichtete Strandbad, sowie die Seebadeanstalt mit ihren Kneippanlagen 1962.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Dießen Anziehungspunkt von Künstlern und ein Zentrum der Kunstgewerbe-Bewegung. 1934 erfolgte die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst (ADK).

Ab den 1920er und 1930er Jahren kam es zu zahlreichen Neusiedlungen in sämtliche Richtungen um den alten Ortskern. Ebenfalls wurde 1964 das erste SOS-Kinderdorf Deutschlands im Südwesten des Marktes errichtet.

Während des Dritten Reiches gab es eine Bauern- und Siedlungsschule in Dießen, der 1936 hauptsächlich von Kärntnern besucht wurde. Zweck war die Ausbildung von Bauernführern, die in Österreich zur Verbreitung der NS-Ideologie im Bauernstand eingesetzt werden konnten.

Eingemeindungen Am 1. April 1939 wurde die Gemeinde Sankt Georgen eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Januar 1972 Dettenhofen, Dettenschwang und Obermühlhausen hinzu. Rieden am Ammersee folgte am 1. Mai 1978.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Dießen am Ammersee erhöhte sich von 1987 bis 2017 um 2158 Personen bzw. um 26 Prozent.

Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2011 2017 2019 Einwohner 2788 3042 3461 4623 4687 7894 6848 7211 8318 10.133 10.476 10.526

Politik

Marktgemeinderat + Sitzverteilung im Marktgemeinderat Jahr CSU SPD Grüne FW DB UBV BP oKD ZfD Die PARTEI Gesamt Wahlbeteiligung 2026 5 3 6 4 4 - 1 - - 1 24 71,0 % 2020 4 2 5 6 4 1 1 – 0 1 24 67,9 % 2014 5 3 3 5 4 2 1 0 1 – 24 58,1 % 2008 6 2 3 4 4 2 1 2 – – 24 62,4 % 2002 7 2 2 4 2 2 1 0 – – 20 63,5 % FW = Freie Wähler Dießen DB = Dießener Bürger UBV = Unabhängige Bürgervereinigung BP = Bayernpartei oKD = offener Kreis Dießen ZfD = Zukunft für Dießen

Bürgermeisterin