mini|Altes Rathaus in der Mitte des Stadtplatzes in Gmünd Das Alte Rathaus Gmünd, auch Alte Schranne genannt, ist ein freistehender Renaissancebau auf dem Stadtplatz von Gmünd in Niederösterreich. Das im 15. oder 16. Jahrhundert errichtete Gebäude war bis ins 18. Jahrhundert Versammlungsort des Stadtrates sowie Sitz des Stadtrichters und des städtischen Magistrats. Heute beherbergt es das Stadtmuseum und Geschäftslokale. Das Gebäude am Stadtplatz 26 steht unter Denkmalschutz ().

Geschichte und städtische Funktionen Das im 15. oder 16. Jahrhundert errichtete Gebäude wurde bis in das 18. Jahrhundert als Rathaus genutzt. Der erste namentlich bekannte Bürgermeister Gmünds ist Hanns Rast, der 1487 genannt wird und bereits im Alten Rathaus beziehungsweise in der Alten Schranne residiert haben dürfte. Die städtische Selbstverwaltung lag bei Bürgermeister, Stadtrichter sowie innerem und äußerem Rat. Bürgermeister und Stadtrichter wurden jährlich am Stephanitag gewählt, die Mitglieder der Räte am folgenden Tag. Die Rathausglocke rief zu den Versammlungen.Franz Patznick: Die Stadt Gmünd in Nieder-Oesterreich. Eine Darstellung derselben in topografischer, statistischer und historischer Beziehung. Gmünd 1874, S. 61–62. mini|Wandmalerei in der Ratsstube (Waage) Im Obergeschoß befand sich die große Ratsstube. Sie diente als Versammlungsraum des Stadtrates; zugleich wurden dort richterliche Amtsgeschäfte ausgeübt.Alfred Zainzinger: Die wehrpolitische Bedeutung der Grenzstadt Gmünd. Hausarbeit für die Lehramtsprüfung für Hauptschulen, Prüfungsstelle Krems/Donau, 1964, S. 35–36. Darauf beziehen sich erhaltene Wandmalereien: Eine zeigt eine Balkenwaage mit der Inschrift Richte Recht, fürchte Gott, scheich niemandt, eine weitere das Auge Gottes mit der Inschrift Gottes Aug sieht alles.

Das Rathaus hatte auch Funktionen im städtischen Wirtschaftsleben. Im Erdgeschoß befanden sich ein Brotladen und Fleischbänke. Die Verwaltung der Wochen- und Jahrmärkte war ebenfalls mit dem Gebäude verbunden; der Beginn des Marktes wurde durch das Ausstecken einer Fahne mit dem Stadtwappen angezeigt. Zu den erhaltenen Zeichen der Marktfreiheit gehört der heute im Stadtmuseum verwahrte Freiungsarm.Ignaz Pilz: Stadtgeschichte von Gmünd verfaßt von Altbürgermeister Ignaz Pilz im Jahre 1940. Manuskriptdruck, Gmünd 1975, S. 27 f.

In den Rathaustürmen befanden sich zwei Glocken aus den Jahren 1622 und 1651. Sie wurden unter anderem zum Ein- und Ausläuten der Wochen- und Jahrmarktfreiheiten verwendet. Dieser Brauch bestand bis 1848.Friedrich Dwirka: Aus der Vergangenheit der Stadt Gmünd. (Alter und Vorrechte der Stadt.) In: Festnummer der Gmünder Zeitung, Beilage Nr. 10, 5. August 1905. Noch um 1830 wurde die kleinere Glocke nachts vom Nachtwächter geläutet, um Menschen, die sich in den umliegenden Wäldern verirrt hatten, die Richtung zur Stadt zu weisen.Alfred Zainzinger: Die wehrpolitische Bedeutung der Grenzstadt Gmünd. 1964, S. 36. Nach dem Abbruch des größeren Rathausturms 1905 wurde dessen Glocke in die Haid überführt.Ignaz Pilz: Stadtgeschichte von Gmünd. Gmünd 1975, S. 27 f.

Architektur und Erhaltung Das Alte Rathaus ist ein zweigeschoßiger Renaissancebau mit Sgraffitodekorationen an den Gebäudeecken und Fensterrahmungen. Ein ostseitiger Stiegenaufgang erschließt das Obergeschoß. Das heutige Erscheinungsbild wird von einem größeren Giebelturm mit Zwiebelhelm und einem kleineren Dachreiter geprägt.Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau. Berger, Horn/Wien 1990, S. 277. mini|Brunnen am Stadtplatz in Gmünd (1992 errichtet) Die beiden hölzernen Dachaufbauten waren im 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhundert entfernt worden; der größere Turm wurde 1905 wegen Baufälligkeit abgetragen. 1957 beschloss der Gemeinderat wegen des schlechten Bauzustandes den Abbruch des Alten Rathauses, der jedoch vom Bundesdenkmalamt verhindert wurde.Manfred Dacho: Die Stadt Gmünd in der Zweiten Republik. 2., erweiterte Auflage, Bibliothek der Provinz, Weitra 2008, S. 397–398.

Ab 1962 wurde das Gebäude restauriert und der ostseitige Stiegenaufgang rekonstruiert. Bei einer weiteren umfassenden Sanierung wurden 1988 beide Dachaufbauten wiederhergestellt und die Sgraffitodekorationen restauriert.Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau. Berger, Horn/Wien 1990, S. 277.

Vor dem Alten Rathaus wurde 1992 im Zuge der Neugestaltung des Stadtplatzes ein von Franz Graf entworfener Brunnen errichtet. Die verwendeten Materialien verweisen auf die für die Region charakteristischen Werkstoffe Stein und Glas; die Gestaltung mit drei vom Wasser überspülten Granitkörpern ist als Sinnbild des Lebens gedacht.Manfred Dacho: Die Stadt Gmünd in der Zweiten Republik. 2., erweiterte Auflage, Bibliothek der Provinz, Weitra 2008, S. 406–407.

Heutige Nutzung mini|Wandmalerei (Auge Gottes) in der Ratsstube mit Museumsgegenständen Im Obergeschoß befindet sich das Stadtmuseum Gmünd, dessen Anfänge auf 1912 zurückgehen. 2008 wurde das Museum vollständig neu gestaltet und mit einem neuen didaktischen Konzept sowie einer multimedialen Präsentation zur Geschichte Gmünds ausgestattet. Die historische Ratsstube ist Teil des Museums; zu den Beständen gehören auch Zeugnisse der städtischen Rechts- und Marktgeschichte. Es gibt ein Votivbild zum Stadtbrand von 1726, das eine zeitgenössische Ansicht der Stadt zeigt.

Das Erdgeschoß wird gewerblich genutzt. An der Vorderseite des Alten Rathauses befindet sich seit 2001 eine Eisdiele.Markus Lohninger: Alexandra wird „Franzi“. In: NÖN, Woche 13/2016, Stadt Gmünd, S. 5. Unmittelbar hinter dem Gebäude besteht seit 1994 der als „Schirm“ bekannte Gastronomiebetrieb.Markus Lohninger: Aus eins mach drei am Gmünder „Schirm“. In: NÖN, Woche 15/2022, Stadt Gmünd, S. 10. Im Alten Rathaus befindet sich außerdem eine Tabak-Trafik.

Literatur Manfred Dacho: Die Stadt Gmünd in der Zweiten Republik. 2., erweiterte Auflage. Bibliothek der Provinz, Weitra 2008. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau 1990. Gmünd, Gmünd I, Altstadt, Hauptplatz, Ehem. Rathaus, Nr. 26, S. 277. Franz Patznick: Die Stadt Gmünd in Nieder-Oesterreich. Eine Darstellung derselben in topografischer, statistischer und historischer Beziehung. Gmünd 1874. Ignaz Pilz: Stadtgeschichte von Gmünd. Aufbau und Entwicklung der Stadt Gmünd aus der Zeit der ersten geschichtlichen Aufzeichnungen bis zur Gegenwart. Verfasst 1940, Gmünd 1975. Alfred Zainzinger: Die wehrpolitische Bedeutung der Grenzstadt Gmünd. Hausarbeit für die Lehramtsprüfung für Hauptschulen, Prüfungsstelle Krems/Donau, 1964.

Weblinks

Website zum Alten Rathaus Gmünd / Stadtmuseum Gmünd

Einzelnachweise

Gmund, altes Kategorie:Museum in Niederösterreich Kategorie:Baudenkmal (Niederösterreich) Kategorie:Bauwerk in Gmünd (Niederösterreich) Kategorie:Politik (Gmünd, Niederösterreich)