mini|Hutabzeichen der Alpini mini|Alpini des 7° Reggimento Feltre mini|Soldaten der Alpini-Brigade Taurinense Als Alpini bezeichnet man die italienischen Gebirgsjäger. Sie wurden im Jahr 1872 gegründet und gelten als die älteste aktive Gebirgsjägertruppe der Welt.
Die Alpini sind als Gebirgsjäger eine Untergattung der Infanterie des italienischen Heeres. Zusammen mit der Gebirgsartillerie, den Gebirgspionieren und weiteren auf das Gebirge spezialisierten Truppen anderer Waffengattungen bilden sie die italienischen Gebirgstruppen (truppe alpine). Ihnen gemeinsam ist eine besondere Kopfbedeckung, der sogenannte „Alpini-Hut“, der Ausdruck eines starken Korpsgeistes ist.
Dem Gebirgstruppenkommando in Bozen (Comando Truppe Alpine – COMALP) unterstehen derzeit zwei Gebirgsbrigaden mit insgesamt acht Alpini-Regimentern in Bataillonsstärke. Mit einer Ausnahme sind diese Regimenter im italienischen Alpenraum stationiert. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Landesverteidigung in den Hintergrund getreten. Das Gebirge dient als Grundlage zur Vorbereitung auf internationale Einsätze in schwierigem Gelände und unter extremen Witterungsbedingungen.
Geschichte mini|Alpino mit TOW bei der Übung Strong Resolve 1995 Vorläufer Als entferntere Vorgänger der Alpini können die Gebirgsmilizen der piemontesischen Armee betrachtet werden. Diese wurden im 17. und 18. Jahrhundert in den Westalpen gegen Frankreich eingesetzt. Die 1836 aufgestellten Bersaglieri („Schützen“) dienten als leichte Infanterie bis zur Gründung der Alpini auch als Gebirgsjäger. 1859 kämpften die „Alpenjäger“ (Cacciatori delle Alpi) während des Risorgimento als Freischar unter Garibaldi. Da sie 1861 in die italienische Linieninfanterie eingegliedert wurden, haben sie nur einen indirekten Bezug zu den Alpini.
Gründung 1872 wurden 15 Alpini-Kompanien zur Verteidigung der Alpengrenze aufgestellt. Zur Motivation bei der Schaffung dieser besonderen Einheiten hieß es damals:
In der Folge wurde die neue Gebirgstruppe durch eine Reihe von Reformen ausgebaut. 1878 bestanden bereits zehn Bataillone, ab 1882 wurden die ersten Regimenter gebildet. Mit der Neuordnung von 1882 entstanden neben den aktiven auch Reserveeinheiten, die im Bedarfsfall aus der Milizia mobile und der Milizia territoriale rekrutiert werden konnten. Während sich die 36 Alpinikompanien der Milizia mobile aus Reservisten der Alpini zusammensetzte, entsprach die Milizia territoriale der Landwehr. Aus Letzterer konnten ab 1882 weitere 76 Kompanien mobilisiert werden.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. S. 29.
Bis 1914 entstanden von den Seealpen bis zu den Julischen Alpen acht von Westen nach Osten durchnummerierte Alpini-Regimenter mit 26 aktiven Bataillonen als Friedensstärke. Die aktiven Bataillone trugen die Namen von Gebirgsorten, die der Reserve der Milizia mobile die Namen von Bergen, die der Milizia territoriale die von Gebirgstälern. Auf Grund der historischen Entwicklung wurden die Kompanien durchgehend nummeriert, das heißt jede Kompanie hatte (und hat bis heute) unabhängig vom übergeordneten Verband eine eigene Nummer. 1877 wurden die ersten Gebirgsartilleriebatterien aufgestellt.
Solange die Wehrpflicht bestand, wurden die Alpini im Gegensatz zur Linieninfanterie lokal rekrutiert, in der Regel in den Alpen, aber auch in einigen Gebieten des Apennin. Es war Tradition, geeignete Wehrpflichtige eines Bezirks jedes Jahr zu denselben Terminen zu den Alpini einzuberufen und sie nach Abschluss der Ausbildung geschlossen einem Bataillon zuzuweisen. Dies führte zu einer sehr starken Bindung der Alpini-Verbände zu ihren Rekrutierungsgebieten.
Kolonialkriege Die Alpini erlebten ihre Feuertaufe am 1. März 1896 im fernen Abessinien in der für Italien verheerenden Schlacht von Adua, mit der der italienisch-äthiopische Krieg sein Ende fand. Das erste kleinere Alpini-Kontingent war bereits während des Eritreakrieges 1887 nach Eritrea geschickt worden, nahm aber nicht an Kampfhandlungen teil.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. S. 68–72. Vor dem Ersten Weltkrieg folgten weitere Einsätze im Italienisch-Türkischen Krieg in Libyen (1911–1912).
Erster Weltkrieg mini|Alpini im Ersten Weltkrieg, 1915 Zum Zeitpunkt des italienischen Kriegseintrittes am 23. Mai 1915 standen dem italienischen Oberkommando 52 Alpini-Bataillone mit 192 Kompanien zur Verfügung.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. S. 29. Im Verlauf des Krieges stieg ihre Zahl auf 88 mit insgesamt 274 Kompanien an. Während des Krieges wurde nur ein Bataillon – das Bataillon „Pieve di Teco“ – nach schweren Verlusten bei den Kämpfen um den Mont Cukla in den Julischen Alpen im Februar 1916 aufgelöst.
Im Zuge der Einführung neuer Waffen und Kriegstaktiken entstanden neue Spezialabteilungen in den Bataillonen. Im Winter 1916/17 wurden 26 Skikompanien aufgestellt, die in der Folge in sieben Ski-Bataillonen zusammengefasst wurden und im Mai 1917 in gewöhnliche Alpini-Bataillone umgewandelt wurden.Ministero della Guerra, Ufficio Storico: Annuario ufficiale delle forze armate del Regno d’Italia. Anno 1938. Tipografia Regionale, Rom 1938, S. 269. Ab 1917 wurden Maschinenpistolen-, Minenwerfer- sowie eigene Sturmabteilungen, auch als Arditi Alpini oder Fiamme verdi bezeichnet, aufgestellt. 1918 wurde jedes Bataillon mit einer eigenen Maschinengewehrkompanie und einer Flammenwerferabteilung ausgestattet.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. S. 48–49.
Die Alpini operierten dem Gelände und den hochalpinen Schwierigkeiten entsprechend meist in Form kleiner Angriffstruppen. Schauplätze bedeutenderer Einsätze waren die Adamellogruppe, der Pasubio, die Dolomiten (unter anderem die Marmolata, die Tofanen, der Passo della Sentinella – die Sentinellascharte in der Sextner Rotwand) und der Monte Nero. Die verlustreichen Kämpfe der 52. Gebirgs-Division in der Ortigaraschlacht gelten als Sinnbild für die Opferbereitschaft der Truppe, auch bei offenkundigen Fehleinschätzungen der höheren Führung. Ende 1917 leisteten die Alpini bei der Verteidigung des strategisch wichtigen Monte Grappa einen entscheidenden Beitrag. Zahlreiche weitere Gefechte begründeten in dieser Zeit den Ruf der Alpini als ausgezeichnete Gebirgstruppe. Strategische Erfolge blieben ihnen in den Alpen jedoch verwehrt, auch weil das Gelände die Verteidiger wesentlich begünstigte.
Nach Ende des Krieges wurden die im Krieg aufgestellten Bataillone bis auf zwei („Lavana“ und „Trento“) wieder aufgelöst.
Laut einer 1930 veröffentlichten Statistik waren im Ersten Weltkrieg 260.000 Alpini mobilisiert worden, wobei fast 25.000 fielen. 28 Angehörige der Alpini wurden mit dem Militärorden von Savoyen ausgezeichnet. 39 erhielten die Tapferkeitsmedaille in Gold, 3551 erhielten sie in Silber und 5151 in Bronze.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. S. 203.
Kriegsgliederung In der Anfangszeit des Ersten Weltkrieges operierten die Alpini meist nur in Kompanie- oder Bataillonsstärke. Die übergeordneten acht Alpini-Regimenter (1. bis 8. Alpini-Regiment, 1919 wurde noch ein neuntes Regiment geschaffen) hatten nur administrative Aufgaben.
Aus der Notwendigkeit heraus, mehrere Bataillone zusammen einzusetzen, entstanden sogenannte Alpini-Gruppen (it. Gruppo Alpini). Letztere führten anstelle von Zahlen Buchstaben als Kennung. Im Laufe des Jahres 1916 wurden sie als taktische Verbände einheitlich strukturiert. So bestand eine Alpini-Gruppe aus drei Alpini-Bataillonen, zwei Maschinengewehrkompanien sowie jeweils einer Gebirgsartillerie-, einer Infanteriegeschütz- und einer Versorgungseinheit. Zwischen 1917 und März 1918 entstanden so 20 von I bis XX durchnummerierte Alpini-Gruppen. Letztere wurden wiederum zu Raggruppamenti Alpini (it. für Alpini-Gruppierungen) zusammengefasst, die die Stärke einer Brigade besaßen. Auf diese Weise entstanden neun Raggruppamenti, die von I bis IX durchnummeriert waren. Ein Raggruppamento bestand aus zwei Alpini-Gruppen. Die Gruppen und Gruppierungen operierten sowohl einzeln als auch in vier übergeordneten Divisionen, die als Gebirgsdivisionen bezeichnet wurden und die Nummern 5, 52, 75 und 80 trugen. Zwei dieser Divisionen – 5. und 52. – wurden ursprünglich als Infanteriedivisionen aufgestellt und 1917 in Gebirgsdivisionen umgewandelt. Die beiden anderen Divisionen wurden von vornherein als Gebirgsdivisionen aufgestellt.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): L’esercito e i suoi corpi: Sintesi Storica. Volume terzo, tomo I. Tipografia Regionale, Rom 1979 S. 338 (Digitalisat). Alle vier Gebirgsdivisionen hatten rein taktische Aufgaben und bestanden aus jeweils zwei Gruppierungen. Sie wurden nach Ende des Krieges wieder aufgelöst, die letzte im Januar 1920.
Zwischenkriegszeit Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Alpini-Regimenter mit ihren Bataillonen zu geschlossenen Kampfverbänden formiert. 1921 wurde ein 9. Alpini-Regiment aufgestellt, das zunächst für die Julischen Alpen vorgesehen war, dem später jedoch als Rekrutierungs- und Stationierungsgebiet die mittelitalienischen Abruzzen zugewiesen wurden. Das fiktive 10. Alpini-Regiment ist bis heute die inoffizielle Bezeichnung der Associazione Nazionale Alpini, einer Vereinigung von aktiven Alpini und Reservisten. 1935 entstanden wegen des Abessinienkrieges die Regimenter 11 und 12 (letzteres bis 1937).
1923 wurden die Alpini-Regimenter zu drei Gruppen zusammengefasst, die 1926 die Bezeichnung „Brigaden“ erhielten. In den Westalpen bildeten die Regimenter 1 bis 4 zusammen mit dem 1. Gebirgsartillerieregiment die 1. Brigade. In Südtirol und in den Dolomiten befand sich die 2. Brigade mit den Regimentern 5, 6 und 7 und dem 2. Gebirgsartillerieregiment. Die 3. Brigade war mit den Regimentern 8 und 9 und dem 3. Gebirgsartillerieregiment für die Karnischen und Julischen Alpen zuständig. Ende 1935 entstanden aus diesen „Brigaden“ fünf Divisionen:
1. Alpini-Division Taurinense in Turin (3. und 4. Alpini-Regiment in Pinerolo und Aosta, 1. Gebirgsartillerieregiment in Turin) 2. Alpini-Division Tridentina in Meran (5. und 6. Alpini-Regiment in Meran und Sterzing, 2. Gebirgsartillerieregiment in Meran) 3. Alpini-Division Julia in Udine (8. und 9. Alpini-Regiment in Udine und Görz, 3. Gebirgsartillerieregiment in Udine) 4. Alpini-Division Cuneense in Cuneo (1. und 2. Alpini-Regiment in Mondovì und Cuneo, 4. Gebirgsartillerieregiment in Cuneo) 5. Alpini-Division Pusteria in Bruneck (7. und 11. Alpini-Regiment in Belluno und Bruneck, 5. Gebirgsartillerieregiment in Belluno)
Ende 1941 kam noch eine 6. Alpini-Division Alpi Graie (Ivrea) dazu, die vorwiegend gegen Partisanen in Montenegro eingesetzt wurde. Sie führte Reserveverbände und das 6. Gebirgsartillerieregiment.
Zweiter Weltkrieg mini|Alpini im Zweiten Weltkrieg, 1941 Auch im Zweiten Weltkrieg zeigten die Alpini-Regimenter, dass sie vergleichbaren Verbänden anderer Streitkräfte in nichts nachstanden. Im desaströsen italienischen Feldzug gegen Griechenland zeichnete sich die Alpini-Division Julia im Pindos-Gebirge besonders aus. Ihr isoliertes Vordringen brachte sie jedoch bald in eine unhaltbare Lage. Im September 1942 wurde auf Wunsch Mussolinis ein ganzes Alpini-Armeekorps als Teil der italienischen 8. Armee in die russische Steppe geschickt. Es bestand aus den Alpini-Divisionen Tridentina, Julia und Cuneense. Am 13. Januar 1943 wurde es im Verlauf einer Kesselschlacht am Don von der Roten Armee abgeschnitten. Hinter der Front kämpfte es bei starkem Frost zwei Wochen lang ununterbrochen gegen überlegene sowjetische Kräfte, bis es sich am 26. Januar in der Schlacht bei Nikolajewka unter enormen Verlusten durchsetzte und sich bis Ende des Monats wieder deutschen Truppen anschließen konnte.