mini|250px|Hwang Woo-suk

Hwang Woo-suk (* 29. Januar 1953en:WP: Zu Hwangs Geburtstag gibt es aufgrund unterschiedlicher Kalendersysteme unterschiedliche Daten. Nach dem Gregorianischen Kalender wurde er am 29. Januar 1953 geboren. Ältere Koreaner geben ihr Geburtsdatum jedoch häufig nach dem koreanischen Lunisolarkalender an, dem zufolge Hwang am 15. Dezember 1952 geboren wurde, woraus auch renommierte Institutionen bereits das gänzlich falsche Datum 15. Dezember 1953 konstruiert haben. im Landkreis Buyeo-gun, Chungcheongnam-do, Südkorea) ist ein südkoreanischer Veterinärmediziner und Wissenschaftler, dem zum Jahreswechsel 2005/06 nachgewiesen wurde, einen der größten Fälschungsskandale der modernen Forschungsgeschichte verursacht zu haben.

Hwang hatte im Jahre 2004 zunächst weltweite Aufmerksamkeit erregt, als er große Fortschritte in der Stammzellenforschung bekannt gab: Einer von ihm veröffentlichten Studie zufolge war es ihm gelungen, erstmals mit Hilfe eines Zellkerntransfers einen geklonten menschlichen Embryo zu konstruieren und aus ihm Stammzellen abzuleiten. Im Jahr darauf folgten Publikationen über einen geklonten Hund und elf angeblich maßgeschneiderte embryonale Stammzell-Linien mit dem Erbgut kranker Menschen. Im Dezember 2005 stellte sich jedoch heraus, dass die elf Stammzell-Linien, die am 17. Juni 2005 in der renommierten Zeitschrift Science veröffentlicht und auf deren Titelblatt formatfüllend abgebildet waren, als Totalfälschung zu gelten haben. Anfang Januar 2006 wurde auch die Stammzell-Publikation aus dem Jahr 2004 als Fälschung enttarnt. Das Klonen eines Hundes im Jahr 2005 wurde als korrekt ausgeführt anerkannt.

Hwang forschte an der Seoul National University (Staatliche Universität Seoul, SNU) und wurde zum Dekan des tiermedizinischen Colleges gewählt, bis er im November 2005 aufgrund erster Vorwürfe von allen wissenschaftlichen und öffentlichen Ämtern zurücktrat und im Dezember auch seinen Lehrstuhl aufgab.

Wissenschaftliche Laufbahn Hwang Woo-suk stammt aus einfachen sozialen Verhältnissen und erhielt als einziger seiner Grundschulklasse eine akademische Ausbildung. 1982 wurde er zum Doktor der Tiermedizin promoviert, seit 1999 erarbeitete er sich das Handwerkszeug zum Klonen von Tieren.

Im Jahr 2004 wurde Hwang international bekannt, nachdem er die erfolgreiche Gewinnung menschlicher Stammzellen aus einem geklonten Embryo publiziert hatte. Nach der Veröffentlichung dieser Arbeitsergebnisse wurde der Professor aus Seoul ein weltweit umworbener Star der Wissenschaft und ein in seiner Heimat gefeierter Nationalheld. Die südkoreanische Post widmete ihm Briefmarken, und die nationale Eisenbahn stiftete ihm eine lebenslange Freifahrtkarte. Nicht zuletzt seine Ablehnung von Angeboten ausländischer Forschungsinstitute unter Hervorhebung seiner nationalen Loyalität förderten seine Popularität in Südkorea. Er stand unter besonderem Polizeischutz, da die südkoreanische Regierung eine Entführung nach Nordkorea fürchtete. Die in seinem Institut geklonten Schweineembryonen wurden ebenfalls mit polizeilichem Begleitschutz zur Tierhaltung transportiert, um dort in Säue eingepflanzt zu werden.

Hwangs Forschungen zu neuartigen Therapieverfahren sollten nämlich nicht allein auf menschlichen embryonalen Stammzellen beruhen; vielmehr experimentierte er gleichzeitig mit Methoden der Xenotransplantation von Herz, Leber und Nieren bei gentechnisch veränderten Schweinen, denen Immun-Gene des Menschen eingefügt worden waren. Auf diese Weise sollten Abstoßungsreaktionen vermieden werden, die bei fremdem transplantierten Gewebe regelmäßig auftreten.

Aus seiner Arbeitsgruppe stammt auch der erste geklonte Hund namens Snuppy, der im August 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde; Snuppy ist ein Akronym, das aus der Abkürzung der Staatlichen Universität Seoul (im Englischen SNU: Seoul National University) und puppy (englisch für „Welpe“) gebildet wurde. Das US-amerikanische Magazin Time kürte den Klonhund zur erstaunlichsten Innovation des Jahres 2005.

In den meisten Ländern ist das Klonen von menschlichen Embryonen verboten, in Südkorea hingegen wird diese Form der Stammzellenforschung von der Regierung stark gefördert. Der Klonexperte Hwang wurde deshalb zum ersten von insgesamt zehn „obersten Wissenschaftlern“ des Landes erklärt, die Südkorea einen internationalen Spitzenplatz auf diesem Gebiet sichern sollen.

Fälschungsvorwürfe Im Mai 2005 präsentierte Hwang Woo-suk mit seinem Team elf maßgeschneiderte StammzellenlinienWoo Suk Hwang et al.: Patient-Specific Embryonic Stem Cells Derived from Human SCNT Blastocysts. In: Science. Band 308, Nr. 5729, 2005, S. 1777–1783, doi:10.1126/science.1112286, für die angeblich nur 185 gespendete Eizellen verwendet wurden: Entstanden auf der Basis von angeblich 31 geklonten Embryonen galt dies als eine vergleichsweise effiziente „Ausbeute“; dies ist eine wichtige Voraussetzung für einen eventuellen zukünftigen Einzug therapeutischen Klonens in den medizinischen Alltag. Die Verbesserung der Klonierungstechniken wurde denn auch von seinen Forscherkollegen als der wichtigste Aspekt dieser im Mai von Science zunächst online und am 17. Juni 2005 auch im gedruckten Magazin als Titelgeschichte veröffentlichten Studie angesehen.

Im November 2005 kam es zu einem ersten Skandal in Hwangs Labor, als der Forscher einräumen musste, dass zwei seiner Mitarbeiterinnen Eizellen gegen Bezahlung für die Embryonenforschungen gespendet hatten. Hwang stritt ab, von diesem (in Südkorea anfangs legalen) Vorgang gewusst zu haben. Im Zuge der darauf folgenden Diskussionen trat Hwang jedoch als Vorsitzender der Weltstammzellenbank zurück und zog sich auch aus allen anderen staatlichen und privaten Organisationen zurück. Mitte Dezember 2005 kamen Vorwürfe hinzu, Hwang habe die Daten seiner Veröffentlichung zu den elf Stammzell-Linien manipuliert.

Angestoßen worden war die öffentliche Debatte durch einen Fernsehbericht der Munhwa Broadcasting Corporation (MBC), den ein ehemaliger leitender Mitarbeiter von Hwangs Labor, Ryu Young-Joon, bereits Anfang Juni 2005 angeregt hatte.David Cyranoski: Whistle-blower breaks his silence. In: Nature. Band 505, Nr. 7485, 2014, S. 593 f., doi:10.1038/505593a

Die Untersuchung der Vorwürfe Eine Untersuchungskommission seiner Universität kam zunächst zu dem Ergebnis, dass mindestens neun der elf Stammzellenlinien, die er geklont haben will, keine eigenständigen Zelllinien seien, die Daten der Publikation also vorsätzlich gefälscht wurden. Hwang bot daraufhin den Rücktritt von seiner Professur an, betonte allerdings weiterhin, er habe die Technik zur Gewinnung von Stammzell-Linien sehr wohl beherrscht.

Ende Dezember gab die Untersuchungskommission in einem weiteren Zwischenbericht bekannt, dass die am 17. Juni 2005 in Science veröffentlichte Studie eine Totalfälschung sei. Hwang habe keinerlei Nachweise dafür erbringen können, dass er tatsächlich auf den Patienten maßgeschneiderte embryonale Stammzellen herstellen konnte. Die Publikation basiere auf zwei Zelllinien, die aus normal befruchteten Eizellen gewonnen wurden, und zwar nicht im Labor von Hwang, sondern im Seouler Miz Medi Hospital, das eng mit dem Team von Hwang kooperiert hatte. DNA-Analysen hätten gezeigt, dass die beiden Zelllinien nicht mit der Patienten-DNA übereinstimmten.

Im endgültigen Bericht der Untersuchungskommission, der am 10. Januar 2006 veröffentlicht wurde, hieß es dann, von allen vermeintlichen Forschungsergebnissen habe lediglich das erfolgreiche Klonen des Hundes Snuppy aus dem Jahr 2005 Bestand. Hingegen habe Hwangs Team keinerlei wissenschaftliche Belege für die Herstellung von menschlichen embryonalen Stammzellen erbringen können. Auch die Ergebnisse der 2004 in Science veröffentlichten Studie über die angeblich erste Gewinnung einer Stammzelllinie aus einem geklonten menschlichen Embryo seien gefälscht; u. a. seien Fotos und DNA-Analysen manipuliert worden. Zwar habe Hwang tatsächlich menschliche Embryonen geklont und bis zur Blastozyste kultiviert, er habe es aber nicht vermocht, daraus Stammzellen zu gewinnen.

Die nun als Totalfälschung geltenden Science-Publikationen waren nicht allein von Hwang Woo-suk veröffentlicht worden, sondern wiesen die Namen zahlreicher Ko-Autoren auf. Deren mögliche Mitwisserschaft, speziell die von Kang Sung-keun (), der mit Hwang im gleichen Labor arbeitete, blieb ungeklärt. Der Untersuchungsbericht forderte strenge Strafen für den Klonforscher.

Anfang Februar 2006 teilte der südkoreanische Rechnungshof überdies mit, ein Teil der staatlichen Forschungsgelder sei auf Hwangs Privatkonten geleitet worden, ohne dass man deren genaue Verwendung nachvollziehen könne. Daraufhin wurde auch ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren gegen den Forscher eingeleitet.

Hwang Woo-suk bezeichnete sich laut einem südkoreanischen Pressebericht vom 31. Dezember 2005 zum wiederholten Male als Opfer eines Komplotts. In Presseberichten von Anfang März 2006 hieß es dann aber, Hwang habe gegenüber der Staatsanwaltschaft eingeräumt, selbst den Auftrag zur Fälschung der Befunde über angebliche Stammzelllinien gegeben zu haben. Der von ihm beauftragte Mitarbeiter habe normale Körperzellen aufgereinigt, in jeweils zwei Röhrchen verteilt und dann als geklonte Zellen präsentiert. Er wiederholte zugleich seine frühere Zusicherung, die Technik zum Klonen patientenspezifischer embryonaler Stammzellen seit 2004 zu beherrschen.Süddeutsche Zeitung vom 7. März 2006, S. 16

Die Sanktionen gegen Hwang durch die Universität Mitte März 2006 wurde bekannt, dass Hwang die südkoreanische Lizenz zur Arbeit auf dem Gebiet der Stammzellforschung entzogen wurde. Ferner teilte die Nationaluniversität in Seoul mit, dass sie ihn aus dem Hochschuldienst entlassen und seine künftigen Pensionsansprüche halbieren werde. Als Folge der Entlassung werde Hwang zudem für fünf Jahre der Zugang zu öffentlichen Forschungszuschüssen versperrt. Zugleich wurden Gehaltskürzungen und Disziplinarstrafen gegen vier weitere Professoren verhängt, denen für maximal drei Monate die Lehrbefugnis und für 18 Monate die Befugnis zur Beteiligung an Promotionsverfahren entzogen wurde. Zwei der so Bestraften waren für die umstrittenen Studien als Co-Autoren mitverantwortlich, die beiden anderen hatten sich als Co-Autoren ausweisen lassen, obwohl sie keinerlei Anteil an den Studien gehabt hatten.Science. Band 311, 24. März 2006, S. 1695

Der Prozess gegen Hwang Am 12. Mai 2006 wurde gegen Hwang von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wegen Betrug und Unterschlagung sowie wegen Verstößen gegen ein südkoreanisches Bioethik-Gesetz.Science. Band 312 vom 19. Mai 2006 Auch gegen fünf weitere Mitglieder seines Teams wurde Anklage erhoben: gegen drei Personen wegen Betrug, gegen eine wegen Verstößen gegen das Bioethik-Gesetz und gegen eine weitere Person wegen Vernichtung von Beweismaterial und Behinderung der Justiz.

Die 150 Seiten starke Anklageschrift gesteht Hwang zu, dass er und sein Team zunächst tatsächlich davon überzeugt waren, die Stammzelllinie „Nummer 1“ – die Grundlage der Veröffentlichung von 2004 war – aus einer geklonten Blastocyste gewonnen zu haben. Gleichwohl hätten zwei getrennte Untersuchungen der Seoul National University ergeben, dass die Zellen – ähnlich dem Entstehen von eineiigen Zwillingen – durch Parthenogenese entstanden seien. Vorzuwerfen sei Hwang jedoch, dass sein Team über keine ordnungsgemäßen Aufzeichnungen zu dieser ersten Stammzelllinie verfügt habe und daher die wissenschaftlichen Aussagen zu dieser Stammzelllinie nicht nachweisbar gewesen seien. Hwang habe stattdessen seine Mitarbeiter Park Jong-hyuk () und Kim Sun-jong () beauftragt, Fotos, DNA-Testergebnisse und weitere Daten zu erfinden.