Der Neuturm der Stadtbefestigung von Worms war der nordöstliche Eckturm des äußeren Mauerrings und besonders prächtig gestaltet.

Geografische Lage Das Fundament des Turms ragte in den Rhein hinein Armknecht: Die Wormser Stadtmauern, S. 62. und war zugleich der nördlichste Punkt der Stadtbefestigung entlang der Rheinfront. Der Turm schützte die benachbarte Goldene Pforte (ein rheinseitiges Stadttor) und einen vorgelagerten Hafenkran. Hotz, Juni 1982, S. 5. In der heutigen Topografie entspricht das dem Bereich des Handelshafens, wo heute ein Großsilo die Wormser Stadtsilhouette ziert. Irene Spille: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 10 (Stadt Worms). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1992, ISBN 978-3-88462-084-7, S. 44.

Geschichte Der Neuturm soll der erste Turm der äußeren Befestigung gewesen sein, der erbaut wurde – die Bauzeit ist aber nicht belegt. Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis zu dem Turm stammt von 1368.

Der Turm wurde von den französischen Besatzern 1689 zerstört, wozu 30 Sprengminen erforderlich waren. Hotz, Juli 1982, S. 21. Die verbliebene Ruine stand noch lange und wurde erst beim Bau des Hafens 1893 beseitigt. Armknecht: Die Wormser Stadtmauern, S. 62; Wolfgang Grün: Die Stadtmauer von Worms. Stadtarchiv Worms, Worms 1998. ISBN 3-00-002765-3, S. 14.

Bauwerk Der Neuturm war – nach allen erhaltenen Darstellungen – ein besonders imposanter Turm, der die Nordostecke der äußeren Mauer überragte. Hotz, Juni 1982, S. 5. Er stand auf einem besonders befestigten Podest. Armknecht: Die Wormser Stadtmauern, S. 62. Der Turm wies sechs gewölbte Stockwerke mit je zwei kleinen rechteckigen Fenstern zum Rhein in den oberen Stockwerken auf. In Höhe des Mauerabschlusses umlief den Turm ein vorkragender Gang.

Geschmückt war der Neuturm mit einem Zinnenkranz über einem Bogenfries und einem hohen, pyramidenförmigen Dach, umgeben von vier achteckigen Ecktürmchen mit spitzen Turmhelmen. Hotz, Juni 1982, S. 5. Auf der Darstellung von Peter Hamman war er flussseitig mit einem Marienbild geschmückt, auf der Darstellung von Sebastian MünsterSebastian Münster: Cosmographey. Hencicpetrina, Basel 1572, S. DCXCIII–DCXCVI: Darstellung von Worms von der Ost-, also der Rheinseite gesehen, um 1550. Abgedruckt bei: Eugen Kranzbühler: Verschwundene Wormser Bauten. Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt. Kräuter’sche Buchhandlung, Worms 1905, Tafel vor S. V. Stadtarchiv Worms: Abt. 217 Nr. 1478. ist es ein Ritter. Der prächtige Turm galt als „der Stolz der Stadt“. Heribert Isele: Das Wehrwesen der Stadt Worms von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Masch. Diss. Heidelberg [1951?], S. 59.

Wissenswert Der Neuturm war namensgebend für die Neuturmstraße. Erich Schwan: Die Straßen- und Gassennamen im mittelalterlichen Worms = Der Wormsgau. Beiheft 1. Stadtbibliothek, Worms 1936, S. 18.

Galerie

Literatur Karl Heinz Armknecht: Die Wormser Stadtmauern. In: Der Wormsgau 9 (1970/1971), S. 54–65. Walter Hotz: Wehrhaftes Worms. Kunstgeschichte der Stadtbefestigung. 2) Türme und Tore der Spätgotik und der Renaissance. In: Wormser Monatsspiegel vom Juni 1982, S. 5–11. [zitiert: Hotz, Juni 1982]

Einzelnachweise

Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Worms Kategorie:Stadtbefestigung Worms