mini|hochkant=2|Innenhof der Moritzburg und Eingang zum Kunstmuseum (2021)

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) ist das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in der Moritzburg Halle. Es ging aus dem 1885 gegründeten Städtischen Museum für Kunst und Kunstgewerbe der Stadt Halle (Saale) hervor. In seiner mehr als 130-jährigen Geschichte entwickelte es sich zu einem der bedeutenden Museen für die bildende und angewandte Kunst der Moderne in Deutschland.

Museumsgeschichte Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg Das heutige Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) wurde als Städtisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe im Jahr 1885 im alten Eich- und Waagamt am Großen Berlin im Süden der historischen Altstadt Halles gegründet. Die kleine Gründungssammlung konnte bereits durch den ersten ehrenamtlich tätigen Kurator des Museums, Franz Otto, erweitert werden, unter anderem 1899 durch den Ankauf der Südseesammlung von Franz Emil Hellwig und vor allem durch Schenkungen diverser Kunstsammler, wie zum Beispiel durch Adolph Thiem.

1904 wurde der zweite Standort des Museums in der Ruine der ehemaligen erzbischöflichen Residenz, der Moritzburg, im nordwestlichen Teil des historischen Altstadtzentrums eröffnet. Hierfür wurde im seit dem 17. Jahrhundert zerstörten Südflügel des Bauensembles ein historisierender Nachbau des Thalamts am Hallmarkt errichtet. Das Renaissancegebäude, Sitz des halleschen Salzgrafen, wurde 1881 abgetragen, die beiden historischen Zimmer (Festzimmer und Gerichtszimmer), einzigartige Beispiele manieristischer Innenraumgestaltung in Mitteldeutschland, wurden original geborgen und in das Obergeschoss des Neubaus in der Moritzburg integriert. 1904 wurde das nach Entwürfen von Karl Rehorst errichtete Talamt in der Moritzburg als Museum eröffnet. Bis 1913 wurde der Aufbau der Südwestbastion und der sogenannten Wehrgänge im Ostflügel zur Stadt abgeschlossen. Erst 1917 wurde der eindrucksvolle Kuppelsaal in der Südwestbastion als tonnengewölbter Ausstellungssaal fertiggestellt. Bis 1920 fungierten die Räume am Großen Berlin als Gemäldegalerie vornehmlich der zeitgenössischen Kunst und die Räume im Talamt in der Moritzburg zur Präsentation der Alten Meister und der kunsthandwerklichen Sammlung.

mini|hochkant|Max Sauerlandt, erster Direktor des Museums mini|hochkant|Lovis Corinth: Selbstporträt, 1909 – eine der frühen Erwerbungen zeitgenössischer Kunst von Max Sauerlandt. 1908 wurde Max Sauerlandt als erster von der Stadtverwaltung bezahlter Verwalter der städtischen Sammlungen berufen; ab 1910 war er offiziell Direktor des Museums. Er erweiterte maßgeblich die beiden Sammlungsstränge der bildenden und angewandten Kunst und legte den Fokus auf die zeitgenössische Kunst der Moderne. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erwarb er bedeutende Konvolute an Arbeiten z. B. von Max Liebermann, Max Slevogt, Lovis Corinth, dem jungen Max Beckmann, Wilhelm Lehmbruck, Emil Nolde und Christian Rohlfs. Der Ankauf von Noldes Abendmahl im Jahr 1913 verursachte ein Jahr später einen national ausgetragenen Museumsstreit um die Frage, ob ein Museum berechtigt ist, zeitgenössische Kunst zu erwerben. Die Gegenposition zu Sauerlandt vertrat Wilhelm von Bode, Direktor der Königlichen Gemäldegalerie in Berlin.

Weimarer Republik 1919 wechselte Max Sauerlandt als Direktor nach Hamburg an das Museum für Kunst und Gewerbe. Dennoch bestimmte er die Entwicklung des halleschen Museums noch bis 1926. Sauerlandts Nachfolger Burkhard Meier war nur ein Jahr im Amt. 1921 wurde sein Vertrag nach Ablauf des Probejahrs nicht verlängert. In der Folge der Inflation wurde die Direktorenstelle aus dem kommunalen Haushalt gestrichen. Die Leitung des Museums teilten sich der Oberbürgermeister Richard Robert Rive, der Stadtbaurat Wilhelm Jost und der kommissarisch amtierende Direktor des Museums, Paul Thiersch, Gründungsrektor der Kunstschule in der Burg Giebichenstein.

1920 musste das Museum die Räumlichkeiten am Großen Berlin räumen. Seit 1921 sind sämtliche Sammlungen in der Moritzburg konzentriert und ausgestellt. Im Herbst 1924 vermittelte Max Sauerlandt den Erwerb von 24 expressionistischen Werken aus der Sammlung von Ludwig und Rosy Fischer. Ab Frühjahr 1925 war sie im Kuppelsaal der Moritzburg zu sehen. Damit rückte das Museum in die erste Reihe der deutschen Kunstmuseen der Moderne auf.

Unter der Leitung von Alois Schardt, Direktor seit 1926, erhielt das Museum 1929 als eines der ersten überhaupt eine elektrische Beleuchtung. Unter Schardt erfolgte zudem der Ausbau der Gemäldesammlung u. a. durch ein repräsentatives Konvolut mit Arbeiten des russischen Konstruktivisten El Lissitzky sowie z. B. der Bauhaus-Meister Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee.

mini|Das sogenannte Talamt, der Gründungsbau des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) in der Moritzburg. (2013) Für einen Auftrag der Stadt holte Schardt 1929 Lyonel Feininger mit einem Aufenthaltsstipendium nach Halle. Im Obergeschoss des Torturm der Moritzburg hatte man ihm ein Atelier eingerichtet. Die berühmte Serie seiner 11 Halle-Bilder wurde 1931 zusammen mit 29 dazugehörigen Zeichnungen geschlossen für das Museum angekauft. Durch weitere wichtige Erwerbungen, unter anderem von Franz Marc und Oskar Kokoschka, erarbeitete sich das hallesche Museum bis 1933 einen legendären Ruf als eines der bedeutendsten Museen für die Kunst der Moderne in Deutschland.

1931 vollendete Charles Crodel im damaligen Gymnastiksaal der Universität, der heute sogenannten Crodel-Halle im ersten Untergeschoss des Westflügels der Moritzburg, das Wandbild Wettlauf der Atalante und des Hippomenes (vollendet am 21. November 1931). 1936 ließen es die Nationalsozialisten übertünchen. Der Saal ist seit einem Wasserschaden während der Errichtung des Erweiterungsbaus des Kunstmuseums 2005 bis 2008 nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und soll in absehbarer Zeit saniert werden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde untersucht, wie die von Schimmelpilzen befallene Bausubstanz dekontaminiert werden kann.

Nationalsozialismus Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und deren Diffamierung der Kunst der Moderne als „Entartete Kunst“ geriet die hallesche Sammlung in Gefahr. Der dem Museum wohlgesonnene langjährige Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale), Richard Robert Rive, wurde in den Ruhestand versetzt. Seinem nationalsozialistischen Nachfolger, Johannes Weidemann, war die Ausrichtung des städtischen Kunstmuseums ein Dorn im Auge. Er verfolgte die Aussonderung der Kunst der Moderne.

Museumsdirektor Alois Schardt war im Mai 1933 Mitglied der NSDAP geworden und leitete die hallesche Ortsgruppe des Kampfbunds für deutsche Kultur. Im Sommer 1933 wurde er nach Berlin berufen, wo er die Präsentation der Modernen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzenpalais Unter den Linden neu ordnen sollte. Da er seine Aufgabe nicht zur Zufriedenheit der nationalsozialistischen Kulturfunktionäre machte, wurde er im November 1933 nach Halle (Saale) zurückgeschickt. Fortan war er um seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand bemüht, was ihm jedoch erst 1936 gelang. In Halle (Saale) kämpfte Schardt ab 1934 gegen die Anordnungen des Oberbürgermeisters, die Kunst der Moderne aus dem öffentlichen Museumsrundgang zu entfernen, was Schardt mit vielfältigen Argumentationen verweigerte. So wurde er im Februar 1935 beurlaubt und Hermann Schiebel, Rektor der Kunstschule in der Burg Giebichenstein, kommissarisch mit der Leitung des Museums beauftragt. Schiebel räumte die Ausstellungsflächen des Museums für eine Ehrung des berühmtesten Sohnes der Stadt, Georg Friedrich Händel, anlässlich dessen 250. Geburtstages. Ab November 1935 präsentierte er die Sammlung des Museums im öffentlichen Rundgang bis zur Kunst um 1900, im Dachgeschoss des Talamts war gegen ein zusätzliches Entgelt und Eintragung von Namen und Adresse in ein „Gästebuch“ die sogenannte Sonderpräsentation „Entartete Kunst“ zu sehen. Berühmtester Besucher dieser Präsentation war der irische Dramatiker Samuel Beckett, der Halle auf seiner Deutschlandreise zum Jahreswechsel 1936/37 besuchte.

Zahlreiche Gemälde waren ab 19. Juli 1937 auf der gleichnamigen Propagandaschau in München zu sehen und wurden später gegen Devisen ins Ausland verkauft. Im August 1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten aus der Sammlung Werke von Walther Bötticher, Otto Dix, Josef Eberz, Lyonel Feininger, Ludwig Gies, George Grosz, Erich Heckel, Karl Hofer, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, El Lissitzky, August Macke, Franz Marc, Gerhard Marcks, Ludwig Meidner, Paula Modersohn-Becker, Otto Mueller, Edvard Munch, Emil Nolde, Max Pechstein, Hans Reichel, Christian Rohlfs, Fritz Schaefler, Karl Schmidt-Rottluff, Julius Tinzmann und Kurt Otto von Tuch (1877–1963) beschlagnahmt.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin Damit verlor das Museum seine herausragenden Werke, das, was seine Identität bis dahin ausmachte.

Zum Aufbau und Verlust der ersten Moderne-Sammlung veranstaltete das Museum 2019/20 die große Sonderausstellung Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback.

Von Sommer 1939 bis 1945 war der Kunstjournalist und NSDAP-Funktionär Robert Scholz Direktor des Museums. Unter seiner Leitung wurden weitere der verbliebenen Werke der Moderne veräußert und fanden fortan Ausstellungen nationalsozialistischer Kunst sowie Propagandaausstellungen statt. Das Museum war bis Kriegsende geöffnet, wenngleich die verbliebenen Sammlungsbestände entweder in den Untergeschossen gesichert oder zum größten Teil in einen Stollen bei Bösenburg ausgelagert waren. Im Wesentlichen fanden bis Kriegsende externe Sonder- und Propagandaausstellungen statt.

Sowjetische Besatzungszone und DDR Bereits im Juli 1945 beschloss der hallesche Magistrat, die als „entartet“ verlorenen Bestände zurückzuerwerben. Dem ersten Nachkriegsdirektor des Museums, Gerhard Händler, gelang es, 1947/48 mit finanziellen Mitteln des Ministeriums für Volksbildung des Landes Sachsen-Anhalt in der Sowjetischen Besatzungszone eine neue Sammlung moderner Kunst aufzubauen, die sich in der Tradition der verlorenen Sammlung verstand und gleichzeitig moderne Kunst integrierte, die zwischen 1933 und 1945 geschaffen wurde, darunter Werke von Alexej von Jawlensky, Ernst Wilhelm Nay oder Carl Hofer. Auf diese Weise begründete er mit bedeutenden Erwerbungen eine neue Sammlung, die heute wesentliche Elemente der aktuellen Sammlungspräsentation des Museums Wege der Moderne. Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert ausmacht.

Am 7. Oktober 1948 wurde das Museum wieder eröffnet und die neu erworbenen Werke wurden in der ersten Nachkriegspräsentation der Sammlung der Öffentlichkeit gezeigt. Im Herbst desselben Jahres setzte mit Alexander Dymschitz’ Artikeln in der Täglichen Rundschau die sogenannte Formalismusdiskussion ein. So sah sich Händler massiver Kritik an seinem Museumskonzept ausgesetzt, der er sich durch Flucht über West-Berlin in die westlichen Besatzungszonen entzog. Nachfolgerin wurde Dorothea Haupt, die schon seit 1946 Mitarbeiterin des Museums war, und selbst einige Zeit später nach Westdeutschland migrierte.

1950 bis 1952 erfolgte unter Heinz Arno Knorr eine Zentralisierung der Museumsverwaltung in Sachsen-Anhalt. Museen und Sammlungen in Halle (Saale), Dessau, Freyburg und anderen Orten wurden zur sogenannten Landesgalerie Sachsen-Anhalt vereint.