Das Grönländische Nationalmuseum und -archiv (, , NKA) ist der Zusammenschluss aus dem Nationalmuseum und dem Nationalarchiv von Grönland.
Geschichte Gründung Die Idee, ein Museum in Grönland zu errichten, entstand erstmals bereits 1913, als Inspektor Ole Bendixen mit dem südgrönländischen Landesrat diesen Vorschlag behandelte, um die Plünderung archäologischer Fundstätten zu verhindern. Aus finanziellen Gründen wurden die Pläne vorerst nicht konkretisiert, aber 1921 begann das Dänische Nationalmuseum mit dem Einsammeln und Registrieren des grönländischen Kulturerbes. Daneben wurden bereits zahlreiche Gegenstände in öffentlichen und privaten Gebäuden in Nuuk gelagert, während andere durch Verkäufe außer Land gerieten. Erst im Zuge der Dekolonialisierung Grönlands in den 1950er Jahren befasste man sich erneut mit der Gründung eines grönländischen Museums, wofür sich vor allem Otto Rosing aussprach. Daraufhin wurde 1955 eine Arbeitsgruppe gegründet, die unter anderem aus Polizeimeister Carl Frederik Bistrup Simony, Laborassistent Jens Kreutzmann, Fischer Hans Holm, Fischereileiter Peter Egede und Lehrer Nikolaj Rosing bestand. Diese sollte aktiv an der Museumsgründung arbeiten.
Bereits kurz darauf wurde ein Ausstellungssaal im Ziegenstall des Missionsgebäudes der Herrnhuter Brüdergemeine in Noorliit eröffnet. 1962 legte das Dänische Nationalmuseum dem Landesrat einen Plan zur Errichtung eines Museumsgebäudes vor, der wegen der hohen Kosten von einer Million Kronen abgelehnt wurde. Zur Debatte standen auch die Einrichtung eines Museums im Missionsgebäude selbst, ein Umbau der Gebäude im Kolonialhafen, sowie eine Finanzierung durch Spenden aus der Bevölkerung, wobei in der Zeitung dazu aufgerufen wurde, dass jeder Bewohner 25 bis 50 Øre spenden sollte. Im September 1963 beschloss der Landesrat wegen des Drucks schließlich die Pläne zu konkretisieren. Am 1. Oktober 1964 wurde ein Aufsichtsrat für das neue Museum gebildet. Anschließend begann man damit, die Ausstellungsgegenstände vom Ziegenstall in das benachbarte Hauptgebäude zu bringen.
Das Museum im Missionsgebäude mini|Das Herrnhuter-Gebäude, alter Standort des Museums Am 23. August 1966 wurde das Museum offiziell als grönländisches Landesmuseum eröffnet. Bereits im Frühsommer war ein Teil des Museums anlässlich des Besuchs des dänischen Staatsministers Jens Otto Krag inoffiziell eröffnet worden. In den ersten Jahren war das Museum noch relativ unorganisiert. Da ein Großteil der Sammlung von der Bevölkerung gespendet worden war, wusste man nicht richtig, worum es sich handelte, es fehlten Registraturen und das Museum wurde dafür kritisiert, beispielsweise aufgrund von Unwissenheit Kleidung aus Einzelstücken aus verschiedenen Zeitperioden und Regionen zusammenzustellen und damit ein fehlerhaftes Gesamtbild zu vermitteln. Die Sammlung wuchs schnell an, unter anderem durch die Unterstützung des Vereins Grønlandsk Folkekunst, der grönländisches Kunsthandwerk herstellen und verkaufen ließ, Lotterien durchführte und Postkarten verkaufte und somit Geld einnahm, dass das Museum für den Erwerb neuer Gegenstände nutzen konnte. Aufgrund von nachlassenden Einnahmen wurde der Verein 1981 aufgelöst und alle Aufgaben an das Museum übergeben.
Erst 1971 erhielt das Museum offiziell den Status als Landesteilsmuseum, während es zuvor nur als Provinzmuseum klassifiziert worden war. Damit konnte das Museum fortan vom dänischen Staat subventioniert werden, was die finanzielle Lage stark verbesserte. Am 1. Oktober 1976 wurde das grönländische Museumsgesetz beschlossen und damit erhielt es offiziell den Status eines Landesmuseums. In Verbindung damit verpflichtete man sich, Lokalmuseen zu errichten, die dem Landesmuseum unterstellt werden sollten. Mit dem Museumsgesetz ging auch die Gründung eines Museumsrats einher. Außerdem wurde erstmals ein Mitarbeiter vollzeitangestellt, indem Jens Rosing zum Museumsleiter ernannt wurde. In den 1970er Jahren wuchs das nationale Bewusstsein für die identitätsschaffenden Eigenschaften des grönländischen Kulturerbes im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Zuge der kommenden Einführung der Hjemmestyre.
Umzug in den Kolonialhafen mini|Der Neubau neben den historischen Gebäuden 1976 begann man öffentliche Diskussionen darüber, ob grönländisches Kulturerbe aus Dänemark nach Grönland zurückgegeben werden sollte. Das Nationalmuseum war dieser Absicht positiv gegenüber eingestellt, während man am Arktisk Institut fürchtete, dass eine Herausgabe eines großen Teils der Sammlung zum Schließen führen könnte. Selbst von Seiten des grönländischen Landesmuseums aus gab es Bedenken, da es sowohl an museologisch qualifiziertem Personal als auch an Platz mangelte, um eine so große Menge an Gegenständen aufnehmen zu können. Zum gleichen Zeitpunkt kam es im Museumsgebäude zu einer Mottenplage, die die Kleidersammlung und die Fotosammlung stark beschädigte. Das Gebäude war zudem undicht, viel zu klein und klimatisch und brandschutztechnisch ungeeignet. Deswegen wurde beschlossen, das Museum umzusiedeln und die Gebäude des Kolonialhafens umzubauen. Die Bauarbeiten wurden 1977 begonnen und sollten in drei Etappen durchgeführt werden. 1978 wurde die erste Etappe abgeschlossen und das Museum konnte am 27. August 1978 anlässlich des 250. Stadtjubiläums am neuen Standort eröffnen. In Verbindung damit wurde mit Claus Andreasen erstmals ein Museologe im Landesmuseum angestellt, der Jens Rosing als Museumsleiter ablöste und bis 1990 im Amt blieb. Erst 1980 wurde der letzte Bauabschnitt beendet. Am neuen Standort wurden auch erstmals die Mumien von Qilakitsoq ausgestellt, die 1972 gefunden, aber erst 1978 eingesammelt und untersucht worden waren. In Verbindung damit gab es Diskussionen, ob man die Mumien überhaupt ausstellen dürfe oder ob dies aus ethischen Gründen verwerflich war. Schließlich entschied man sich dafür, vor allem in Bezug darauf, dass sie (bis heute) das bedeutendste Objekt des Museums darstellen.
1980 wurde erstmals eine Museumskonferenz durchgeführt. Hintergrund war, dass das Museum eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten eingegangen war, ohne die dänischen Behörden darüber zu informieren, obwohl das grönländische Museumswesen zu diesem Zeitpunkt noch unter der Verantwortung Dänemarks stand. Die Museumskonferenz resultierte in gesteigerter Zusammenarbeit und einer weiteren Professionalisierung des Museumswesens in Grönland. 1980 erhielt das Museum eine zusätzliche Einnahmequelle, da Ole Winstedt, der das Fernsehen in Grönland eingeführt hatte, sein Vermögen testamentarisch einer Stiftung vermachte, die das Museum finanziell unterstützen sollte.
Das Museumswesen unter grönländischer Regie Am 1. Januar 1981 wurde die Verantwortung hierfür im Rahmen der Hjemmestyre an Grönland übergeben. Dafür verabschiedete das Inatsisartut ein eigenes Museumsgesetz sowie ein eigenes Denkmalschutzgesetz. Das Landesmuseum wurde damit dem grönländischen Kulturministerium unterstellt und löste seinen Aufsichtsrat auf. 1982 trat man auch aus der Dänischen Kulturhistorischen Museumsvereinigung aus. 1982 wurde erstmals ein Teil der Sammlung des Dänischen Nationalmuseums nach Grönland zurücküberführt. Hierbei handelte es sich um Kunstwerke von Aron von Kangeq und Jens Kreutzmann. Um die weitere Rücküberführung zu organisieren, wurde kurz darauf Helge Schultz-Lorentzen angestellt, der das Grönlandsekretariat des Nationalmuseums leiten sollte. Er übte das Amt bis 1997 aus, bevor Einar Lund Jensen übernahm. Wenig später wurde auch eine Zusammenarbeitskommission gegründet. Es wurde ein Rahmen geschaffen, um herauszufinden, welche Sammlungen nach Grönland überführt werden sollten. Sowohl in Dänemark als auch in Grönland sollten repräsentative Sammlungen vorhanden sein, die sich für Museumsvermittlung eignen. Zusammengehörige Sammlungen sollten nach Möglichkeit nicht aufgeteilt werden. Zudem sollten sowohl grönländische Interessen beim Erwerb kulturell besonders bedeutender Sammlungen als auch dänische museumshistorische Interessen beachtet werden. Bis 2001 sind etwa 35.000 Objekte an Grönland zurückgegeben worden, während rund 100.000 weiterhin in Dänemark lagen. Da man die Aufgabe damit als abgeschlossen ansah, wurde das Grönlandsekretariat aufgelöst. Die Repatriierung wurde als so erfolgreich und exemplarisch angesehen, dass das Museum vom 12. bis zum 15. Februar 2007 eine internationale Konferenz mit dem Titel The Conference on Repatriation of Cultural Heritage im Hotel Hans Egede in Nuuk durchführte.
Am 1. November 1982 wurde das Landesarchiv gegründet. Es befand sich ursprünglich an der Stelle der heutigen Landesbibliothek (B-1728).NKA's historie. Nunatta Katersugaasivia Allagaateqarfialu. Am 1. Januar 1991 wurden beide Institutionen unter dem heutigen Namen zusammengelegt und im Folgejahr zog das Landesarchiv nach Umbauten mit zum Museum um. Zugleich löste Emil Rosing Claus Andreasen als Museums- (und jetzt auch Archiv-)Leiter ab. Hintergrund war vor allem eine Effektivierung durch gesteigerte Zusammenarbeit sowie eine bessere Platznutzung, da beide Institutionen über Sammlungen mit ähnlichen Materialien verfügten. Der Einzug des Archivs sorgte jedoch für noch weniger Platz in den Museumsgebäuden, sodass unter anderem eine Lagerhalle für das Museumsmagazin angemietet werden musste und einer der Ausstellungsräume aufgegeben werden musste, um ihn als Magazin zu nutzen. Dies war einer der Gründe für den Bau des grönländischen Universitätscampus Ilimmarfik, wo das Archiv 2007/08 einzog, während es administrativ weiterhin mit dem Museum vereinigt blieb.
Seit 1981 pflegt das Nationalmuseum enge Zusammenarbeiten mit verschiedenen anderen Institutionen. Wegen fehlender konservatorischer Möglichkeiten wird ein Teil der eigentlich repatriierten Sammlungen beispielsweise in Dänemark aufbewahrt, bis entsprechende technisch ausgerüstete Räumlichkeiten in Grönland existieren. Daneben werden gemeinsame Forschungsprojekte durchgeführt. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen und Streitigkeiten wurde 2014 ein großer Teil der Archivsammlung des Arktisk Institut ans NKA übergeben. Seit 2012 werden auch Archivalien aus dem Rigsarkivet ans NKA zurücküberführt. Zu den bedeutendsten Zusammenarbeitspartnern in Dänemark gehören das Dänische Nationalmuseum, Statens Naturhistoriske Museum, Knud Rasmussens Hus in Hundested, die mittlerweile aufgelöste Kommission für Wissenschaftliche Untersuchungen in Grönland und das ebenfalls geschlossene Dansk Polarcenter. Das NKA hat zudem enge Zusammenarbeit mit verschiedenen skandinavischen Kulturinstitutionen und hat auch aus diesen Ländern Sammlungen mit Bezug zu Grönland erhalten. Daneben besteht ein regelmäßiger Austausch über verschiedene nordische Konferenzen und Foren. Das Nationalmuseum ist seit 1984 über Dänemark im International Council of Museums aktiv vertreten. 2015 ließ die skandinavische Unterabteilung eine Konferenz in Grönland durchführen. Zu weiteren engen Partnern außerhalb des nordischen Raums gehören das Prince of Wales Arctic Heritage Centre in Yellowknife, das Rijksmuseum voor Volkenkunde in Leiden, das Museon in Den Haag, dem Institut de Cultura de Barcelona in Barcelona und das Nationalmuseum für Ethnologie in Osaka.
Die Rolle des Nationalmuseums Das NKA ist die Dachorganisation für alle Museen in Grönland, vor allem die zahlreichen Lokalmuseen in den meisten Städten des Landes.
Das Nationalmuseum ist seit 2006 in der grönländischen Museumsvereinigung NUKAKA (Nunatsinni Katersugaasiviit Kattuffiat „Verband der Museen in Grönland“). Zuvor war diese unter dem Namen Nunatsinni Katersugaasiveeqqat Kattuffiat („Verband der Lokalmuseen in Grönland“) nur der Verbund der kleinen grönländischen Museen, der 1993 gegründet wurde, um gemeinsam Konflikte mit dem Nationalmuseum lösen zu können.Om Nukaka. NUKAKA.