Der Bahnhof Wittstock (Dosse) ist der Bahnhof der Stadt Wittstock/Dosse im Norden Brandenburgs. Früher war er ein lokaler Eisenbahnknotenpunkt am Schnittpunkt der Strecken Wittenberge–Buschhof (und weiter über die Landesgrenze nach Neustrelitz) sowie Kremmen–Meyenburg mit eigenem Bahnbetriebswerk. Heute sind noch die Äste in Richtung Wittenberge bzw. Kremmen in Betrieb, der Großteil der Gleisanlagen ist zurückgebaut. Die beiden Empfangsgebäude aus den Jahren 1884 und 1938, ein Güterschuppen mit Kontorhaus und eine Reihe von Bauten im Bahnbetriebswerk sind denkmalgeschützt.
Lage und Name Der Bahnhof liegt am Streckenkilometer 55,5 der Bahnstrecke Wittenberge–Buschhof (gezählt vom Bahnhof Wittenberge) bzw. am Streckenkilometer 65,8 der Bahnstrecke Kremmen–Meyenburg (gezählt vom Bahnhof Kremmen) direkt südlich Rand der Innenstadt von Wittstock/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Während heute für den Namen der Stadt die offizielle Schreibweise Wittstock/Dosse üblich ist, schreibt sich der Bahnhof Wittstock (Dosse) weiterhin mit dem Namen des Flusses Dosse in Klammern. Die Gleisanlagen verlaufen annähernd in West-Ost-Richtung in Verlängerung der Strecke aus Wittenberge. Die Strecke Kremmen–Meyenburg wendet sich am Rand des Bahnhofsbereich nach Südosten bzw. Nordwesten.
Geschichte Vorgeschichte und Bau Die 1846 eröffnete Bahnstrecke Berlin–Hamburg führte über 30 Kilometer südlich von Wittstock durch die Prignitz. Zur Erschließung der Region wurde der Bahnhof Zernitz angelegtLand Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung (Hrsg.), (PDF; 5,7 MB), S. 34/35 und eine Aktiengesellschaft gegründet, die bis 1850 eine Chaussee von Zernitz über Kyritz nach Wittstock bauen ließ.Amtsblatt der Regierung in Potsdam, 1850, Seite 23. Eine Kraftpostverbindung verband Wittstock mit dem Bahnhof in Zernitz.
Einen eigenen Bahnanschluss erhielt Wittstock erst fast 40 Jahre später. Am 15. August 1884 begann die Prignitzer (Aktien-)Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Bau der Bahnstrecke von Perleberg (in Verlängerung einer dorthin 1881 eröffneten Strecke aus Wittenberge) über Pritzwalk nach Wittstock, die am 31. Mai 1885 in Betrieb ging.
Die Strecke von Wittstock aus zur mecklenburgischen Landesgrenze bei Buschhof wurde 1895 verlängert.Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 90 Die Züge fuhren über die Strecke der Mecklenburgischen Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft weiter bis Neustrelitz durch.
Wittstock als Eisenbahnknotenpunkt mini|Neues Bahnhofsgebäude von 1938. (2013) Bereits 1893 hatten die Preußischen Staatsbahnen die Strecke von Berlin nach Kremmen eröffnet. Für die nordwestlich von Kremmen liegenden Städte Neuruppin und Wittstock bot sich so die Möglichkeit einer direkten Verbindung nach Berlin. Die private Kremmen-Neuruppin-Wittstocker Eisenbahngesellschaft wurde unter maßgeblicher finanzieller Beteiligung der anliegenden Städte und Landkreise gegründet, die Bauausführung übernahm die Firma Lenz & Co. Am 16. Dezember 1898 begann der Güterverkehr und am 1. Februar 1899 der Personenverkehr auf der Strecke.Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 64. Der Bahnhof Wittstock (Dosse) der Prignitzer Eisenbahn wurde von den Zügen beider Gesellschaften gemeinsam genutzt und die Bahnhofsanlagen deutlich erweitert.Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 78.
Die Strecke aus Kremmen wurde 1912 von Wittstock aus über Freyenstein (Eröffnung am 1. Februar 1912) nach Meyenburg (14. April 1912) verlängert,Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 68. was zu einer weiteren Erweiterung der Bahnhofsanlagen führte.
Zwischen 1935 und 1938 kam es zu einem größeren Umbau der Bahnhofsanlagen. Neue Anschlussgleise gingen auf der Westseite des Bahnhofs zwischen den Strecken nach Wittenberge und Meyenburg in Betrieb.Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 96. Neben dem Empfangsgebäude aus der Eröffnungszeit der Strecke wurde ein neues, größeres Bahnhofsgebäude gebaut, das am 18. Januar 1938 in Betrieb ging. Das alte Gebäude wurde fortan für Wohnungen genutzt.
Am 28. Mai 1967 endete der Personenverkehr zwischen Wittstock und Meyenburg. Die Strecke wurde stillgelegt und wenig später abgebaut.Erich Preuß: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Transpress, Berlin 1994, ISBN 3-344-70906-2, S. 72. 1974 wurde ein Anschluss mit vier Gleisen für eine Autobahnbaustelle nahe Wittstock gebaut.
Entwicklung nach 1990 mini|Güterschuppen als Teil der LAGA 2019
Die Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bestellten 1998 den Reiseverkehr zwischen Wittstock und Mirow ab. Im September 2004 wurde die Strecke offiziell stillgelegt.Eisenbahn-Bundesamt, Liste der seit 1994 stillgelegten Strecken im Bundesland Brandenburg. Zwischen 2003 und 2005 wurde der Bahnhof Wittstock grundlegend im Rahmen der Arbeiten für das Projekt „Prignitz-Express“ umgebaut. Nicht mehr benötigte Gleisanlagen wurden entfernt, auch die Einbindung des Gleises in Richtung Mirow wurde ausgebaut. Die Strecke in Richtung Neuruppin wurde in dieser Zeit gesperrt. Am 27. Februar 2005 gingen Strecke und der umgebaute Bahnhof offiziell wieder in Betrieb. Im November/Dezember des gleichen Jahres wurden die beiden Stellwerksgebäude abgerissen.Torsten Pridöhl, Informationstafel vor Ort
Seit 2007 ist der Haltepunkt Liebenthal Bahnhofsteil des Bahnhofs Wittstock. Die Stadt Wittstock/Dosse kaufte 2013 das alte Bahnhofsgebäude und den Güterschuppen,Wittstock kauft Bahnhof und Geräteschuppen. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 21. November 2013, . zwei Jahre später auch das neue Bahnhofsgebäude.Wittstock will Bahnhof ausbauen. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 27. März 2018, .
Im Jahr 2019 fand die Landesgartenschau in Wittstock (LAGA) statt. Aus diesem Anlass wurden beide Bahnhofsgebäude sowie der Güterschuppen, die lange Zeit zuvor leer gestanden hatten und verfielen, saniert. Sie werden unter anderem von touristischen und medizinischen Einrichtungen genutztTourist Information ist jetzt im Bahnhof. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 8. März 2019, online und waren teilweise auch Teil der Landesgartenschau.
Personenverkehr Der Personenverkehr hatte stets nur lokale Bedeutung. Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre verkehrten im Wesentlichen in Richtung Kremmen und Mirow zwischen vier und sechs Personenzug-Paare am Tag, in Richtung Pritzwalk ein oder zwei Paare mehr, in Richtung Meyenburg drei bis vier Zugpaare am Tag. Viele Züge fuhren zwischen Wittenberge und Neustrelitz (bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auch weiter bis Strasburg) beziehungsweise Meyenburg und Kremmen (teilweise weiter bis Berlin), nach dem Zweiten Weltkrieg nur bis Velten durchgehend.
In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg gab es einen durchgehenden Eilzug von Wittenberge nach Strasburg und zurück. In den 1950er und frühen 1960er Jahren fuhr ein langlaufender Personenzug von Berlin über Oranienburg, Löwenberg, Neuruppin, Wittstock, Meyenburg, Karow, Güstrow nach Rostock. In der zweiten Hälfte der 1980er und den früheren 1990er Jahren verkehrte werktags früh ein direkter Zug von Wittstock über Pritzwalk, Neustadt (Dosse) nach Potsdam und nachmittags zurück.diverse Kursbücher
Von 1992 bis 1994 gab es kurzzeitig Versuche, mit einem Eilzugpaar Wittenberge–Wittstock–Neustrelitz die Reisezeiten zu verkürzen. Das Angebot wurde 1994 auf den drei verbliebenen Streckenästen vertaktet. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verkehrten in Wittstock drei Linien, jeweils im Zweistundentakt. RB 71 Wittenberge–Wittstock (Dosse) RB 72 Wittstock (Dosse)–Neustrelitz Hbf (bis zur Abbestellung 1998) RB 57 Wittstock (Dosse)–Neuruppin
Mit der Wiederinbetriebnahme der Strecke von Neuruppin in Richtung Kremmen nach mehrjähriger Sanierung verkehrten statt der bisherigen Linien unter der Liniennummer RE 6 durchgehende Züge von Wittstock über Neuruppin und Hennigsdorf in Richtung Berlin. Nachdem der Abschnitt Wittstock–Neuruppin zwischen 2003 und Anfang 2005 wegen Sanierungsarbeiten voll gesperrt war, wird seit Wiederinbetriebnahme der RE 6 bis Wittenberge durchgebunden. Die Züge der Regional-Express-Linie RE 6 verkehren seitdem zwischen Berlin und Wittenberge über Hennigsdorf, Neuruppin und Wittstock im Stundentakt, bis Anfang 2019 am Wochenende auf dem Abschnitt zwischen Neuruppin, Wittstock und Wittenberge nur alle zwei Stunden. Während der Landesgartenschau 2019 wurde der Stundentakt auch auf die Wochenendtage ausgedehnt, nach einer kurzen Unterbrechung im Herbst 2019 wurde dies zum Fahrplanwechsel im Dezember zu einem dauerhaften Angebotsbestandteil.
Verkehrsanbindung Am Bahnhof gibt es folgende Verkehrsangebote: Linie Linienverlauf Takt (min) EVU RE 6 Wittenberge – Perleberg – Pritzwalk – Wittstock (Dosse) – Neuruppin – Bahnhof Wustrau-Radensleben – Kremmen – Hennigsdorf (b Berlin) – Falkensee – Berlin-Spandau – Berlin-Charlottenburg 60 DB Regio Nordost Stand: 14. Dezember 2025
Zusätzlich halten am Bahnhof Busse mehrerer Linien des kreiseigenen Verkehrsbetriebes Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft.
Anlagen Denkmalschutz Eine Reihe von Bauten im Bahnhofsbereich sind denkmalgeschützt. Laut Denkmalliste des Landkreises betrifft das den „Bahnhof Wittstock, bestehend aus altem Bahnhofsgebäude, neuem Bahnhofsempfangsgebäude mit Güterschuppen und Kontorgebäude sowie Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen mit Drehscheibe, Wagenwerkstatt, Schlosserei/Schmiede mit integriertem Wasserturm, Wasserkran und Badehaus“, so steht es in der Denkmalliste des Landes Brandenburg.Amtliche Baudenkmalliste Ostprignitz-Ruppin. (Stand 31. Dezember 2018), online.
Der ehemalige Lokschuppen war im August 2023 das Denkmal des Monats der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg.
Erstes Empfangsgebäude mini|Das alte Empfangsgebäude Beide Empfangsgebäude wurden auf der Nordseite der Gleisanlage errichtet. Im Westen steht das erste Empfangsgebäude von 1885. Es ist ein zweigeschossiger, massiver Ziegelbau mit Satteldach und acht Achsen, vier davon mit einem Risalit zur Bahnsteigseite. Auf älteren Aufnahmen ist ein Turm auf der Ostseite des Gebäudes zu sehen, der nicht mehr existiert. Nach 1990 stand es jahrelang leer, bis die Stadt es 2013 kaufte und sanierte. 2019 zog ein medizinisches Versorgungszentrum in das Gebäude ein.Besucheransturm im Ärztehaus am Bahnhof. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 6. November 2019, online.
Zweites Empfangsgebäude Das zweite, 1938 eröffnete, Empfangsgebäude steht östlich des ersten, etwas zurückgesetzt vom Bahnsteig. Es ist ein monumentaler, zweigeschossiger und 19-achsiger Ziegelbau mit Walmdach. Bis nach 1990 wurde es für Bahnzwecke genutzt und stand seitdem ebenfalls bis zum Kauf durch die Stadt lange leer. Es wird seit 2019 von der Touristinformation der Stadt genutzt. Seit 2020 befindet sich auch das Bürgerbüro der Stadt im Bahnhofsgebäude.Bürgerberatung soll vom Landkreis zur Stadt wechseln . In: Märkische Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2019, online.
Güterschuppen und Kontorhaus mini|Güterschuppen mit Kontorgebäude vor der Sanierung (2013)