mini|hochkant|Christine Aschbacher (2020)

Christine Aschbacher (* 10. Juli 1983 als Christine Kowald in Graz) ist eine österreichische Unternehmerin und ehemalige Politikerin (ÖVP). Von 29. Jänner 2020 bis 11. Jänner 2021 war sie Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend der österreichischen Bundesregierung Kurz II, bis sie wegen Plagiatsvorwürfen zurücktrat.

Leben Christine Aschbacher stammt aus Wundschuh bei Graz, wo sie die Volksschule besuchte. Während ihrer Schulzeit wurde sie zur Schulsprecherin gewählt und war in den 2000er Jahren Mitglied des Bundesvorstands und Trainerin der ÖVP-nahen Österreichischen Schülerunion.Thomas Prior: Die türkisen Seilschaften. In: Die Presse, 7. Jänner 2020, abgerufen am 12. Jänner 2021: Kurt Polly: Ausgebildete Trainer/innen – als Mentorin bzw.Mentor – können Schüler/innen als ‚incoming trainers‘ Erfolgstipps und Insidertricks authentisch vermitteln. Mit dieser Unterstützung und „Sicherheitsnetz“ verlaufen persönliche Entwicklungen bedeutend rascher. In: News Train the Trainer. Polly  Partner – Pro Concept Unternehmensberatung (Hrsg.), 26. Februar 2008, abgerufen am 12. Jänner 2021:

Studium An der Fachhochschule Wiener Neustadt studierte sie ab 2002 Management-, Organisations- und Personalberatung, Marktkommunikation und Vertrieb. Das Studium schloss sie 2006 als Magistra (FH) ab, der Betreuer ihrer Diplomarbeit Kompetenzen im Vertrieb – Anforderungen im Key Account Management war Karl Pinczolits.. Stand vom 15. Dezember 2020, abgerufen am 10. Jänner 2021. Außerdem studierte sie ab 2011 Industrial Engineering and Management an der Slowakischen Technischen Universität, Fakultät für Werkstoffwissenschaften in Trnava; das Studium schloss sie im August 2020 als PhD mit einer Dissertation ab. (Zu der Qualität der Arbeiten siehe unten.)

Während ihrer Ausbildung baute sie das Netz Bildungsmentoring für Schüler und Studierende mit auf. Sie selbst wurde von der früheren ORF-Moderatorin Regina Preloznik unterstützt.

Berufliche Tätigkeit Von 2003 bis 2006 war sie Mitarbeiterin bei Piewald Management Training, anschließend bis 2012 Consultant bei Capgemini Consulting. Von Juni 2012 bis Dezember 2013, dem Ende der Amtszeit der Regierung Faymann I, war sie im Kabinett von Finanzministerin Maria Fekter im Bundesministerium für Finanzen tätig. Von Jänner 2014 bis Oktober 2014 leitete sie als Beamtin das zentrale Risikomanagement in diesem Ministerium. Anschließend war sie bis Mai 2015 Mitglied im Kabinett von Reinhold Mitterlehner im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Seit Juni 2015 ist sie selbstständige Unternehmensberaterin, ab September 2015 betrieb sie die Agentur Aschbacher Advisory. 2017 ist sie Mitglied des Aufsichtsrates der GBG Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH geworden. Im Jänner 2021, nachdem sie ihren Rücktritt vom Ministeramt verkündet hatte, verzichtete sie auf eine Rückkehr ins Finanzministerium, von dem sie als Beamtin für ihre anderen Tätigkeiten karenziert worden war.

Politik Am 31. Dezember 2019 wurde im Zuge der Regierungsbildung 2019 bekannt, dass sie in der Bundesregierung Kurz II Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend werden sollte. Am 7. Jänner 2020 wurde sie als Bundesministerin ohne Portefeuille von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt, ab dem 8. Jänner war sie Bundesministerin im Bundeskanzleramt. Am 29. Jänner 2020 wurde sie vom Bundespräsidenten nach Änderung des Bundesministeriengesetzes als Bundesministerin für Arbeit, Familie und Jugend in der Bundesregierung Kurz II angelobt.

Am 9. Jänner 2021 gab Aschbacher nach Plagiatsvorwürfen ihren Rücktritt vom Ministeramt bekannt.

Privates Christine Aschbacher ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Ihre Schwester Barbara Walch wurde 2019 Bürgermeisterin von Wundschuh. Beider Vater, Alois Kowald, war Bürgermeister der Gemeinde Neudorf ob Wildon, ihr Onkel Josef Kowald war Funktionär im Österreichischen Bauernbund und Landtagsabgeordneter.Steirerin Aschbacher wird neue ÖVP-Ministerin. In: krone.at. 31. Dezember 2019, abgerufen am 13. Jänner 2020.Mann mit Draht zur Jugend. In: neuesland.at. 26. Jänner 2018, abgerufen am 13. Jänner 2020.

Plagiatsvorwürfe Diplomarbeit Am 7. Jänner 2021 zeigte Stefan Weber Mängel in Aschbachers Diplomarbeit auf, die sie an der Fachhochschule Wiener Neustadt bei Karl Pinczolits eingereicht hatte. Unter anderem wurden Weber zufolge Ideen- und Textplagiate entdeckt. Neben diesen Mängeln in der wissenschaftlichen Redlichkeit hat Weber auch sprachliche Defizite aufgezeigt. Dennoch wurde die Arbeit von Pinczolits mit „sehr gut“ beurteilt, was Zweifel an den Qualitätsstandards der Fachhochschule aufwarf.Verdacht: Abgeschrieben & schlecht übersetzt. „Ausnahmen sind Seepocken“: Das ist Aschbachers Skandal-Doktorarbeit. In: oe24.at, 11. Jänner 2021, abgerufen am 12. Jänner 2021. Aschbacher wies die Plagiatsvorwürfe in einer Presseaussendung als „Unterstellungen“ zurück; sie habe ihre akademischen Arbeiten „stets nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und der Beurteilung durch anerkannte Professoren vertraut“. Sie lege jedoch ihr Amt „aufgrund von Anfeindungen zum Schutz ihrer Familie“ zurück.Der Standard, Arbeitsministerin Aschbacher tritt nach Plagiatsvorwürfen zurück, 10. Januar 2021, abgerufen am 27. Januar 2021 Ein Ermittlungsverfahren wurde von der Fachhochschule Wiener Neustadt im Jänner 2021 eingeleitet, das im September 2021 urteilte, dass sie den Titel behalten dürfe, da zwar „Mängel bei der Einhaltung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis“ vorliegen, aber „keine Täuschungsabsicht“. Grundlage für den Entscheid lieferte ein Gutachten der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) unter dem Vorsitz von Philipp Theisohn.Christoph Budin: [Ex-Ministerin Aschbacher keine „Titel-Schummlerin“] Kronenzeitung, 29. September 2021. Stefan Weber kritisierte die ÖAWI in einem offenen BriefStefan Weber: Offener Brief an die ÖAWI zum Fall Mag.a (FH) Christine Aschbacher, PhD vom 01.10.21 und bezeichnete das Vorgehen der FH Wiener Neustadt in dem Fall als „Hochschulkorruption“ und „Beschiss“.Weber zu Aschbacher-Prüfung: „Es ist alles ein Beschiss“ Puls 24, 30. September 2021.

Dissertation Weber monierte auch im Exposé von Aschbachers Dissertation Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen an der Slowakischen Technischen Universität Bratislava (STU) mutmaßliche Plagiate. Der Journalist Armin Wolf schrieb dazu in einem Thread auf Twitter: Armin Wolf: Posting in einem Thread auf Twitter, 8. Jänner 2021, abgerufen am 13. Jänner 2021.

Ein ausgewiesenes Zitat aus der im Mai 2020 eingereichten Dissertation, das große sprachliche Ungereimtheiten aufzeigt:Jan Michael Marchart: Die „wissenschaftliche Katastrophe“ um Ministerin Aschbacher weitet sich aus. Nicht nur in der Diplomarbeit der türkisen Politikerin fand Plagiatsjäger Stefan Weber etliche abgeschriebene Passagen – sondern auch in Aschbachers Doktorarbeit. In: derStandard.at, 9. Jänner 2021, abgerufen am 12. Jänner 2021.

Im englischsprachigen Original von Richard Branson, in dessen Buch Like A Virgin: Secrets They Won’t Teach You at Business School (Virgin Books, 2012) formuliert, und von Melissa Stanger im Business Insider im September 2012 zitiert, heißt es:

Ein anderes Zitat, einem Artikel der Online-Ausgabe der Zeitschrift Forbes entnommen, weist sinnentstellt die Forschung des Autors Robert Tucker als jene von Aschbacher aus, in dem sie „in my work“ durch „in dieser Dissertation“ ersetzte:

Das Zitat im Original in Forbes.com:

Nach Aschbachers Rücktritt wurden Zweifel daran laut, ob die in die Dissertation eingearbeiteten Interviews tatsächlich stattgefunden haben. Einer der Geschäftsführer des Unternehmens Urbas bezweifelte, . Ein zweites Unternehmen teilte über eine Interviewpassage mit:

Am 11. Jänner 2021 beschuldigte Weber Aschbacher, auch in dem gemeinsam mit Benjamin Schmacher und ihrem Dissertationsbetreuer Jozef Sablik verfassten wissenschaftlichen Aufsatz Managertypen aus theoretischer Sicht plagiiert und erneut keine verständliche und grammatikalisch korrekte Sprache verwendet zu haben. Dieser Aufsatz wurde am 15. April 2020 eingereicht und im Juni 2020 publiziert. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Österreich wegen der COVID-19-Pandemie im ersten Lockdown, während Aschbacher als Arbeitsministerin dafür verantwortlich war, Mittel gegen die explodierenden Arbeitslosenzahlen zu finden.

Im Februar 2023 wurde bekannt, dass die von der Slowakischen Technischen Universität Bratislava (STU) zur Überprüfung der Vorwürfe eingesetzte Kommission „aus hausinternen Verantwortlichen, Professoren anderer slowakischer Hochschulen und ausländischen Experten für Forschungsintegrität“ zum Urteil gekommen war, dass es sich bei der Dissertation um kein Plagiat handeln würde. Die Universität veröffentlichte keine Auskunft über den Ablauf und die Details der Prüfung. Aschbacher sei „berechtigt, ihren akademischen Grad ,PhD‘ zu führen“. Der Journalist Armin Wolf schrieb auf Twitter dazu, mit diesem Prüfungsergebnis mache die STU „ihre Doktortitel praktisch wertlos“. Martin Halla vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz sieht „den guten Ruf der STU, ‚falls sie den je hatte‘, mit der Bestätigung des Doktortitels für deren wissenschaftliche Arbeit ‚komplett ruiniert‘“.

Publikationen Kompetenzen im Vertrieb – Anforderungen im Key Account Management. Diplomarbeit. Fachhochschule Wiener Neustadt, eingereicht im April 2006.Rudolf Mitlöhner, Johanna Hager: Irritationen um Diplom- und Doktorarbeit von Ministerin Aschbacher. In: Kurier.at, 8. Jänner 2021, abgerufen am 12. Jänner 2021 (Artikelanfang frei lesbar).

mit Jozef Sablik: Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen. (slowakischer Titel: DIZAJN ŠTÝLU RIADENIA PRE INOVATÍVNU SPOLOČNOSŤ.) Dissertation. Fakultät für Werkstoffe und Technologien in Trnava an der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava. Trvna, Mai 2021 (Volltext online (PDF; 2,3 MB) auf meineabgeordneten.at, abgerufen am 12. Jänner 2021).Aschbacher, C. — Sablik, J. Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen. Dissertation thesis. 2020. In: Academic Information System der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava, 5. September 2020.

Weblinks

. Christine Aschbacher auf meineabgeordneten.at. . In: Website des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend. Stefan Weber: Suchergebnisse für: Aschbacher. In: plagiatsgutachten.com – Blog für wissenschaftliche Redlichkeit (mit allen von Weber zu dem Thema veröffentlichten Blog-Artikel).

Einzelnachweise

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