Das Corpus Vasorum Antiquorum Österreich ist das österreichische Teilprojekt des internationalen Corpus Vasorum Antiquorum (CVA).

Das Projekt und seine Geschichte Österreich trat dem internationalen CVA-Projekt 1935 bei. Durch den Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938, der bis 1945 Bestand hatte, erschien der erste CVA-Band Österreichs, der Band Wien 1 mit Vasen der Universität Wien und aus der Sammlung Franz von Matsch's, 1942 als Teilband Deutschland 5. Seit 1949 ist Österreich wieder eigenständiger Teil des internationalen CVA-Projektes.

1951 wurde der CVA Österreich als Kommission zu einem eigenständigen Projekt bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), ein 1952 vorgebrachtes Ansinnen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für einen Verbleib Österreichs beim deutschen CVA wurde abschlägig beschieden. Die Publikationsgeschwindigkeit war zunächst recht langsam. Zu Beginn und am Ende der 1950er Jahre erschien jeweils ein Band, jeweils von Fritz Eichler zur Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien, wo er beschäftigt war, verfasst. 1974 legte er einen dritten Band nach, zehn Jahre später erschien der vierte Band. Nachdem schon in den 1960er Jahren kein Band erschienen war, dauerte es nach dem 1984er Band sehr lange Zeit bis zu einer weiteren Publikation. 1994 wurde die Kommission Teil der Forschungsstelle Archäologie, diese wurde 2000 in das Institut für Kulturgeschichte der Antike umgewandelt. Um den nationalen wie auch internationalen Austausch zu fördern, wurde 2005 ein CVA-Arbeitskreis gegründet. Jährlich führt der Arbeitskreis ein Treffen durch, zu dem auch Gäste geladen werden. Erstes Ergebnis war die Einigung auf bindende Publikationsrichtlinien. 2011 erschien schließlich nach 27 Jahren wieder ein österreichischer CVA-Band, 2014 mit einem Band zur Universitätssammlung in Graz erstmals ein Band nicht zum Kunsthistorischen Museum. Mit drei Bänden waren die 2010er Jahre so ertragreich wie kein Jahrzehnt zuvor.

Naturwissenschaftliche und digitale Methoden Seit dem fünften Band werden bei den für das CVA-Projekt üblichen Aufnahmen auch moderne naturwissenschaftliche Untersuchungen betrieben, was das österreichische Projekt derzeit von allen anderen nationalen CVA-Projekten unterscheidet und ist damit auch dem Bereich der Archäoinformatik zuzuordnen.

Es werden optische 3D-Scanner basierend auf dem Prinzip des strukturierten Lichts verwendet, um die Gefäße als hoch-aufgelöstes 3D-Modell zu erfassen. Die 3D-Vermessung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Pattern Recognition and Image Processing (PRIP group, heute CVLab bzw. Computer Vision Club) der TU Wien und dem Forensic Computational Geometry Laboratory (FCGL) der Universität Heidelberg. Profilschnitte und Abrollungen der Gefäße werden mit dem GigaMesh Software Framework erstellt und mit Inkscape finalisiert. Anlässlich der Ausstellung im Louvre zum 100-jährigen bestehen des internationalen CVA Projekts wurde die Abrollung eines Aryballos der KFU Graz in einer eigenen Vitrine ausgestellt um die neuen Methoden des digitalen Zeitalters zu repräsentieren. Die Visualisierungen waren in der zweiten Jahreshälfte 2019 zu sehen.

Zur Bestimmung der Farbpigmente wurden Multispektralmessungen an markanten Stellen durchgeführt. Insbesondere bei weißgrundigen Vasen kommt diese Technik zur Anwendung, da die nach dem Brand aufgetragenen Farben meistens vergangen sind. Mit Hilfe der Röntgenfluoreszenzanalyse werden Versuche durchgeführt um die Pigmente der Bemalung zu bestimmen. Der Einsatz von industrieller Computertomographie ermöglicht zusätzliche Einblicke zur Materialität der Keramiken.

Ein Teil der optisch 3D-vermessen Gefäße sind in der Online-Datenbank zur Erforschung der Entwicklung von Gefäßformen und -maßen (ODEEG) der ÖAW abrufbar. Allerdings sind die 3D-Modelle nur in stark reduzierter Auflösung unter der sehr restriktiven CC-BY-NC-SA Lizenz verfügbar und damit kaum für weitere Projekte nutzbar.

Beihefte

Seit 2013 erscheinen Beihefte zum Corpus Vasorum Österreich, in denen die wissenschaftlichen Ergebnisse sowie die Pilotstudien aus dem Bereich der Vasenforschung nach Themen zusammengefasst und publiziert werden.

Die Bände des Corpus Vasorum Antiquorum Österreich

Die Reihe wird seit Band 2 im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften publiziert, Band 1 erschien im Verlag Schroll. Publikationssprache ist Deutsch.

BandOrtMuseum beziehungsweise SammlungTeilbandWissenschaftlicher BearbeiterJahrAnmerkungenISBN1WienKunsthistorisches MuseumWien 1Fritz Eichler1951Die rotfigurigen attischen Trinkgefäße und Pyxiden2WienKunsthistorisches MuseumWien 2Fritz Eichler1959Rotfigurige attische Vorratsgefäße 13WienKunsthistorisches MuseumWien 3Fritz Eichler1974Rotfigurige attische Vorratsgefäße 24WienKunsthistorisches MuseumWien 4Alfred Bernhard-Walcher1984Bronzezeitliche Keramik aus Zypern ISBN 3-7001-0679-3.5WienKunsthistorisches MuseumWien 5Elisabeth Trinkl2011Attisch rotfigurige Gefäße, weißgrundige Lekythen ISBN 978-3-7001-6612-2.6GrazOriginalsammlung des Instituts für Archäologie der Karl-Franzens-UniversitätGraz 1Maria Christidis, Stephan Karl, Gabriele Koiner, Gerda Schwarz201493 Objekte verschiedener Stilrichtungen und Regionen. – Digitalisate bei oapen.org (ganzer Band in einer Datei) und bei austriaca.at (kapitelweise) ISBN 978-3-7001-7529-2.7WienKunsthistorisches MuseumWien 6Claudia Lang-Auinger, Stephan Karl, Bettina Kratzmüller2019Bronzezeitliche und eisenzeitliche Gefäße aus Zypern – attisch geometrische und protoattische Gefäße. – Digitalisate bei oapen.org (ganzer Band in einer Datei, 914 MB[!]) und bei austriaca.at (kapitelweise) ISBN 978-3-7001-8267-2.8InnsbruckSammlungen der Universität Innsbruck und Tiroler Landesmuseum FerdinandeumInnsbruck 1Gertrud Nachbaur2020Attisch rotfigurige Keramik ISBN 978-3-7001-8576-5.

Bände in Arbeit

Kunsthistorisches Museum Wien Stephan Karl: attisch-geometrisch, attisch schwarzfigurig Erwin Pochmarski: eisenzeitlich italisch, sardisch Claudia Lang-Auinger: zyprische Keramik Elisabeth Trinkl: attisch schwarzfigurige Hydrien

Institut für Archäologien, Universität Innsbruck und Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Veronika Gertl: geometrisch, korinthisch, attisch schwarzfigurig, Varia Hanna Ehlotzky: mykenisch

Universalmuseum Joanneum, Graz Stephan Karl: Sammlung griechischer und italischer Vasen (in Vorbereitung)

Beihefte zum Corpus Vasorum Antiquorum Österreich BandTitelHerausgeberJahrBemerkungISBN1Interdisziplinäre Dokumentations- und VisualisierungsmethodenElisabeth Trinkl2013 Digitalisat bei austriaca.at ISBN 978-3-7001-7145-4.2ΦΥΤΑ ΚΑΙ ΖΩΙΑ. Pflanzen und Tiere auf griechischen VasenElisabeth Trinkl, Claudia Lang-Auinger2016Tagungsband zum internationalen Symposion Pflanzen und Tiere auf griechischen Vasen, 26. bis 28. September 2013 an der Universität Graz ISBN 978-3-7001-7815-6. 3 Griechische Vasen als Medium für Kommunikation. Ausgewählte Aspekte. Akten des internationalen Symposiums im Kunsthistorischen Museum Wien, 5.–7. Oktober 2017 Claudia Lang-Auinger, Elisabeth Trinkl 2021 ISBN 978-3-7001-8463-8.

Leitung

Leiter (Obleute) 1949–1970: Fritz Eichler 1971–1975: Rudolf Noll 1975–1991: Hedwig Kenner 1991–1993: Hermann Vetters 1996–2008: Friedrich Krinzinger seit 2009: Andreas Pülz

Koordination Claudia Lang-Auinger

Literatur Claudia Lang-Auinger: Corpus Vasorum Antiquorum – Das österreichische Projekt. In: Forum Archaeologiae – Zeitschrift für klassische Archäologie. 46/III (2009). Elisabeth Trinkl (Hrsg.): Interdisziplinäre Dokumentations- und Visualisierungsmethoden (= Corpus Vasorum Antiquorum. Österreich. Beiheft 1). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2013, ISBN 978-3-7001-7145-4 (Digitalisat).

Weblinks

Homepage der Kommission für das Corpus Vasorum Antiquorum bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften CVA online

Einzelnachweise

Kategorie:Antike Vasenmalerei Kategorie:Archäologische Publikation Kategorie:Sachliteratur (Klassische Altertumswissenschaft) Kategorie:Forschungsprojekt in Österreich