Duncan Alvin MacPherson (* 3. Februar 1966 in Saskatoon, Saskatchewan; † wahrscheinlich am 9. August 1989 in Neustift im Stubaital, Österreich) war ein kanadischer Eishockeyspieler, der in seiner dreijährigen professionellen Karriere für die Springfield Indians in der American Hockey League (AHL) und die Indianapolis Ice in der International Hockey League (IHL) auf der Position des Verteidigers spielte.
MacPherson verschwand 1989 bei einem Skiurlaub am Stubaier Gletscher in Tirol unter ungeklärten Umständen. Sein verstümmelter, lebloser Körper wurde im Juli 2003, 14 Jahre später, aufgrund der Schneeschmelze zufällig durch einen Pistenarbeiter des Skigebiets entdeckt. MacPherson brach mit seinem Snowboard wahrscheinlich durch eine Schneebrücke in eine Gletscherspalte und wurde durch nachfolgende Pistenpräparationen vollständig begraben. Wie er letztlich zu Tode kam, konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Das Verhalten der zuständigen österreichischen Behörden kurz nach dem Verschwinden bis zu den Ermittlungen nach Auffinden der Leiche wird bis heute sowohl von Angehörigen des Kanadiers als auch medial kritisiert.
Der US-amerikanische Schriftsteller John Leake verfasste über den Fall ein Buch, in dem er, genauso wie die Eltern MacPhersons, den Behörden Schlamperei und Vertuschung vorwarf.
Karriere als Eishockeyspieler MacPherson wurde im kanadischen Saskatoon in der Provinz Saskatchewan als Sohn von Lynda und Bob MacPherson geboren. Er begann früh mit dem Eishockeysport und wurde im Sommer 1982 in das lokale Juniorenteam, den Saskatoon Blades, aufgenommen, wo er auf der Position des linken Verteidigers in der Western Hockey League (WHL) spielte. Eine Zeit lang spielte er dabei mit dem späteren Publikumsliebling der Toronto Maple Leafs Wendel Clark. Beim NHL Entry Draft 1984 wurde der talentierte Defensivmann an der 20. Position von den New York Islanders ausgewählt, für die er jedoch nie spielen sollte. Er verblieb bei den Blades und war in seinen vier Jahren der Fan Favourite, während er von seinen Gegnern aufgrund seiner robusten und harten Spielweise respektvoll als MacFearsome (MacFurchterregend) bezeichnet wurde. In 189 Einsätzen konnte MacPherson 21 Tore erzielen und bei 98 weiteren Treffern assistieren.Profil von Duncan MacPherson In: Hockey Draft Central (abgerufen am 28. Dezember 2019)About Duncan MacPherson In: Cold a Long Time (abgerufen am 28. Dezember 2019)
Ab der Saison 1986/87 spielte er in der American Hockey League für die Springfield Indians (AHL), einem Farmteam der New York Islanders, für die er in seinem ersten Jahr jedoch aufgrund einer Knieverletzung nur sporadisch zum Einsatz kam. Dies änderte sich in der nächsten Spielzeit 1987/88, in der er die überwiegende Anzahl an Spielen bestritt und fünf Tore und 14 Assists sammelte. In der folgenden Saison 1988/89 rutschte er immer weiter aus der Rotation und war parallel bereits für die Indianapolis Ice in der International Hockey League (IHL) im Einsatz. Nach dieser enttäuschenden Spielzeit wurde MacPherson, letztlich auch aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit, aus seinem Vertrag mit den Islanders ausbezahlt und schließlich entlassen.The Man in the Ice In: Esquire vom 29. Januar 2007 (abgerufen am 28. Dezember 2019)
Vermisstenfall Chronologie der Europareise MacPherson wurde angeboten, als Spielertrainer für den schottischen Verein Dundee Tigers zu arbeiten. MacPherson erwog das Angebot, akzeptierte es jedoch vorerst nicht. Um sich das Land und die Spielstätten der Mannschaft anzusehen, wollte MacPherson am 12. August 1989 in Dundee eintreffen.
Am 2. August trat er die Reise von Saskatoon über Edmonton nach Europa an. Er wollte zunächst ehemalige Weggefährten besuchen, welche mittlerweile bei europäischen Vereinen spielten. Über London kommend, traf er am 3. August in Nürnberg ein, wo er seinen alten Freund und ehemaligen Mentor George Pesut traf, welcher wie er in Saskatoon aufgewachsen war und nun beim EHC 80 Nürnberg unter Vertrag stand. Als Pesut mit der Mannschaft zu einem Turnier nach Prag abreiste, überließ er MacPherson seinen roten Opel Corsa, mit welchem dieser am 7. August nach Füssen aufbrach. Beim EV Füssen spielte sein ehemaliger Saskatoon-Teamkollege Roger Kortko. Am nächsten Tag kündigte er sich bei Freunden im italienischen Bozen an und wollte ursprünglich am 10. August das geliehene Auto nach Nürnberg zurückbringen und von dort aus nach Schottland weiterreisen.
Doch kurzfristig beschloss MacPherson, in Österreich Skifahren zu gehen und nicht nach Südtirol zu fahren, teilte diese Absicht jedoch niemandem mit. In der Nähe des Stubaier Gletschers mietete er sich ein Zimmer in einem Hostel. In dieser Zeit kontaktierte er den neuen Besitzer der Dundee Tigers, den Kanadier Ron Dixon, um ihm die Annahme des Vertragsangebots mitzuteilen. Er erwähnte, dass er plane, mit dem Zug von Nürnberg nach Frankfurt am Main zu fahren, um von dort aus den Flug nach Schottland anzutreten. Roger Kortko war der letzte Bekannte, der ihn sah, und Dixon der letzte, der mit ihm sprach. Am 12. August kam er nicht wie vereinbart in Dundee an. Nachdem George Pesut am 15. August wieder nach Nürnberg zurückkehrte, war er verwundert, dass sein Auto nicht wie vereinbart zurückgebracht worden war und MacPhersons Habseligkeiten noch in seinem Apartment waren. Am nächsten Tag kontaktierte ein Spielertrainer der Tigers seine Eltern und nach Rücksprache mit Pesut stellte dieser erneut einen Tag später eine Vermisstenanzeige bei der Nürnberger Polizei.The chronology of events In: Planet Ski vom 13. Mai 2009 (abgerufen am 28. Dezember 2019)
Lokalisierung MacPhersons Mitte August 1989 war abzusehen, dass MacPherson verschwunden war und die deutsche Polizei startete eine umfangreiche Suchaktion, die jedoch ohne Erfolg blieb. Auch Freunde und die Familie, welche aus Kanada nach Nürnberg gereist waren, beteiligten sich an dieser. Man erwog die Möglichkeiten eines Verbrechens oder eines unentdeckten Autounfalls, denn auch Pesuts rotes Fahrzeug tauchte nicht wieder auf. Die kanadische Interpol sandte Information über MacPherson an verschiedene Nachbarländer Deutschlands. Da die Eltern Bob und Lynda bei der Suche laut eigener Aussage nicht ausreichend unterstützt wurden, machten sie sich selbstständig auf, um in den umliegenden Ländern Italien, Österreich und der Schweiz nach dem Vermissten zu suchen. Am 31. August trafen diese in Innsbruck ein, dort wusste man nichts von Duncan MacPherson und setzte vorerst auch keine Suchmaßnahmen in Gang. Erst ab dem 18. September begann die Polizei, Hotels und Hostels nach seinem Verbleib abzusuchen.
Am 20. September 1989 strahlte der ORF auf das Drängen der Eltern hin eine Vermisstenmeldung in Tirol heute aus. Ein Mitarbeiter des Skigebiets am Stubaier Gletscher erkannte das Fahrzeug, mit welchem MacPherson unterwegs gewesen war, und kontaktierte die Behörden. Am 22. September wurde das Fahrzeug als jenes von George Pesut identifiziert. Ein weiterer Mitarbeiter des Skigebiets gab zu Protokoll, dass dieses erst nach dem 1. September dort abgestellt wurde. Eine Aussage, die sich später als falsch herausstellte, denn es stand sechs Wochen lang unverändert an derselben Stelle, wurde in diesem Zeitraum jedoch von niemandem als auffällig betrachtet.
Suchaktionen und erste Ungereimtheiten Nun war offensichtlich, dass MacPherson nicht mehr lebendig aufgefunden werden konnte, und die Suche konzentrierte sich auf das Umland rund um den Stubaier Gletscher. Die Polizei und Bergrettung starteten am 23. September eine Suchaktion, welche jedoch erfolglos verlief. Den Eltern des Verschwundenen wurde von den Verantwortlichen des Skigebiets mitgeteilt, dass der August 1989 zu warm zum Skifahren war und die lokale Gendarmerie vertrat die Theorie, dass er höchstwahrscheinlich beim Wandern in der Umgebung verunglückt war und nicht entdeckt wurde. Dass jedoch sehr wohl Pisten im August präpariert waren, erfuhr man erst durch eine zufällige Begegnung mit dem Snowboard-Lehrer Walter Hinterhölzl, welcher das Fahndungsposter auf dem Fahrzeug der Eltern MacPhersons sah. Dieser konnte sich letztlich erinnern, ihm eine Unterrichtsstunde gegeben zu haben.
Hinterhölzl gab an, dass sich MacPherson am 9. August ein Snowboard sowie passende Schuhe entlehnt und sich für den Snowboard-Unterricht bei ihm eingeschrieben hatte. Dieser dauerte zwei Stunden und endete um zirka 12:45 Uhr. Anschließend aßen die beiden zusammen und MacPherson hing sein nasses Sweater, einen Rollkragenpullover und seinen Gürtel in Hinterhölzls Zimmer zum Trocknen auf. Außerdem fixierte er eine weitere Übungsstunde mit dem Trainer am nächsten Tag. MacPherson kehrte am Nachmittag auf die Piste – an diesem Tag war lediglich eine einzige für den Skibetrieb geöffnet – zum selbstständigen Training zurück und Hinterhölzl sah ihn den gesamten Tag nicht mehr. Um 14:30 Uhr wurde er zuletzt von Zeugen beim Snowboarden gesehen. Die Liftanlage stellte um 16 Uhr ihren Dienst ein, und nach dem Betreten seines Büros fielen Hinterhölzl die Gegenstände MacPhersons auf. Dies sorgte bei ihm jedoch weder an diesem noch in den nächsten Tagen für Beunruhigung, da er glaubte, dass MacPherson seine Sachen einfach vergessen hatte. Trotz der Anzeichen, dass MacPherson noch am selben Tag auf der Skipiste verunfallt war, hielt der Gendermariebeamte weiter die Theorie eines Wanderunfalls für am wahrscheinlichsten und ordnete keine Suchaktion auf der Piste an.
Es konnte nicht mit letztlicher Sicherheit geklärt werden, ob MacPherson seine Ausrüstung zurückgegeben hatte. Einerseits konnte sich Hinterhölzl schlicht nicht mehr daran erinnern, und der Verantwortliche des Geschäfts, wo er sich das Snowboard und die Schuhe gemietet hatte, hatte keine Erinnerung an den Kanadier und das Mietprotokoll des Monats August bereits entsorgt. Seine Aussagen, dass er kein Snowboard vermisse, bestätigten die Annahme der österreichischen Behörden, dass MacPherson erst nach seinem Aufenthalt am Gletscher verschwand. Vier Monate später erhielt die Familie ein Protokoll der kanadischen Botschaft, in welchem bekräftigt wurde, dass die Ausrüstung zurückgegeben wurde. Sein Führerschein, welcher wahrscheinlich als Pfand hinterlegt wurde, und seine Straßenschuhe wurden niemals wiedergefunden.
Am 25. September 1989 teilte die Polizei den MacPhersons mit, dass Duncan in keinem Hostel oder Hotel in Tirol als Gast in Erscheinung getreten war. Hinterhölzl jedoch war sich sicher, in welcher Jugendherberge er übernachtet hatte, und vier Tage später präsentierte ein Angestellter der Jugendherberge den Eltern seine Anmeldung in dieser, welche mit seiner Unterschrift bestätigt war.
Im Oktober beteiligten sich auch kanadische Suchtrupps in der Gletscherregion an der Suche nach dem Vermissten, welche aber genauso wie neue Ermittlungen im Juli 1990 keine Ergebnisse brachte. Im Februar 1993 wurde ein junger Mann in Deutschland aufgefunden, welcher offenbar an Amnesie litt und mit der Beschreibung MacPhersons übereinstimmte. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass diese Person nicht der Gesuchte war.
Auffinden des Leichnams und eine ungeklärte Todesursache