Maria Felicitas Daelen-Strecker (* 22. Februar 1905 in DüsseldorfBiographische Angaben in Fragebogen. Military Government of Germany und Einstellung des Frl. Dr. med. Maria Daelen als Referentin des Referats "Tuberkulosenfürsorge", Hessisches Staatsministerium. Personalakte im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Signatur HHStAW 527-II-3748.; † 5. Oktober 1993) war eine deutsche Ärztin und Regierungsbeamtin.

Leben und Werk Maria Daelen-Strecker war die Tochter aus der ersten Ehe von Katharina von Kardorff-Oheimb mit dem Industriellen Felix Daelen. Sie besuchte in Wiesbaden die Schule und machte dort 1922 das Abitur. Anschließend studierte sie Medizin in Hamburg (1923–1925), München (1925–1927) und Berlin (1927–1929). In Berlin legte sie 1929 ihr Staatsexamen ab und wurde 1932 dort auch zum Dr. med. promoviert. Von 1930 an zunächst als Assistenzärztin im Krankenhaus Westend tätig, wurde sie 1933 wegen „Antinazi-Einstellung“ entlassen und war dann bis 1938 in der Charité tätig.

1938 eröffnete sie eine eigene Praxis für Innere Krankheiten in Berlin-Schöneberg.Fragebogen. Military Government of Germany. Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Signatur 527-II-3748. Während ihrer Tätigkeit (bis 1945) als Kreisärztin konnte sie verschiedenen Künstlern helfen, sich dem Kriegsdienst zu entziehen. 1945 floh sie vor der Gestapo nach Österreich.Maren Richter: Aber ich habe mich nicht entmutigen lassen..., S. 79; Fußnote 57 auf S. 184 räumt ein, dass sie evtl. von Freunden vor den Russen gerettet und fortgebracht worden sei. Ende 1945 kehrte sie nach Bayern zurück, nahm vorübergehend eine Stelle im UNNRA Krankenhaus an und stand dann bis Februar 1946 als Ärztin in einem Kriegsgefangenenlager in amerikanischen Diensten.Lebenslauf. HHStAW 527-II-3748.

Am 25. März 1946 wurde sie auf Wunsch von Wilhelm von Drigalski im hessischen Innenministerium als Referentin für Tuberkulosebekämpfung und Mütter- und Säuglingsschutz eingestellt. Sie war dann entscheidend und „mit großem Optimismus“K. Lydtin: Buchbesprechung: M. Daelen. Die BCG Schutzimpfung. Bayerisches Ärzteblatt 6: Nr. 6 (Juni 1951) 100 daran beteiligt, in Hessen die BCG-Impfung einzuführen.Svend K. Svendsen, Maria Daelen: Über BCG-Schutzimpfung. Mit besonderer Berücksichtigung der Organisation in Hessen. 1948Maria Daelen: Über die BCG-Schutzimpfung mit vorläufigen Resultaten aus Hessen. Neue Medizinische Welt 1 (1950) 377Maria Daelen, unter Mitwirkung von W. Catel, K. Freudenberg, F. Lütgerath, H. Saame: Die BCG-Schutzimpfung. Walter De Gruyter, Berlin 1950. Mit dem proklamierten Erfolg dieser Tuberkulose-Schutzimpfung, sowie der sinkenden Rachitishäufigkeit in Frankfurt nach Hans Joachim Tholucks dortiger Aktion wurde Prophylaxe ein attraktives Tätigkeitsfeld für die Gesundheitspolitik (Public Health der Amerikaner),Karl Michael Hartlmaier: Ein kleines süßes Zuckerbonbon. Fluor, eine Waffe gegen die Zahnfäule. In: Die Gesundheit. Unabhängige Monatsschrift zur Förderung und Pflege richtiger Lebensführung. Band 3, Nr. 9, 1952, S. 6.Ferdinand Vergin: Die Bedeutung des Fluors für die Zähne. In: Deutsche Dentistische Zeitschrift. Band 6, 1952, S. 798 die sich dabei der Unterstützung durch die chemische und pharmazeutische Industrie sicher sein konnte.Hans Joachim Tholuck: Vortrag In: Bericht über den deutschen Krankenkassentag 1950. Vom 9. bis 11. Oktober 1950 in München. Verlag der Ortskrankenkasse, Lübeck 1951, S. 107–119, hier S. 116.Hans Joachim Tholuck: Amerika härtet seine Zähne. In: Die Ortskrankenkasse. Band 33, 1951, S. 233Ludwig von Manger-Koenig: Zur Gesundheitspolitik des Staates. In: H. Albach et al.: Zukunftsprobleme unserer Wirtschaft dargestellt am Beispiel der Pharma-Industrie. Gabler, Wiesbaden 1976, S. 25. Das half, den Haushaltsausschuss des hessischen Landtags für die Finanzierung einer „hessischen Fluoraktion“ zur Kariesprophylaxe zu gewinnen, die Maria Daelen ebenfalls in Angriff genommen hatte.Tagesgeschichte. Hessen. Zahnärztl. Praxis 3:Nr. 16 (1952) 748

Vom 19. November 1948 bis 11. Februar 1949 hatte sie als einzige Frau in einer deutschen Ärztegruppe eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten von Amerika unternommen. In ihrem Bericht vom 15. April 1949 schrieb sie im Abschnitt Zahnpflege: „Ein in Amerika sehr beliebtes Mittel zur Behandlung und Erhaltung der Zähne ist Fluor (Fluorine). Wir haben dieses Mittel mit nach Deutschland gebracht – sowie die Veröffentlichung über die Zusammensetzung – und hoffen, es auch bei uns einführen zu können. Fluor soll eine bedeutende Wirkung auf die Zähne haben und vor allem die Caries verhüten.“Maria Daelen: Bericht über die Studienreise der deutschen Ärztegruppe durch die Vereinigten Staaten von Amerika (v. 19.11.48–11.2.49). Zusammengestellt am 15. April 1949 Im Juli 1949 wurde in Frankfurt auf Initiative des Zahnarztes Hans Joachim Tholuck der Deutsche Ausschuss für Jugendzahnpflege (DAJ) gegründet,Tagungsberichte. Staatssekretär Dr. Krohn-Detmold: „Derzeitige Probleme der Jugendzahnpflege“ Dtsch. Zahnärztl. Zeitschr. 4 (1949) 1570 auf dessen Veranlassung hin zunächst Versuche mit lokaler Applikation von Fluoridlösungen durchgeführt wurden, die aber eine Schädigung der Zahnpulpa verursachten.H. J. Tholuck: Berichte aus dem Organisationsleben. Über die Tätigkeit des Deutschen Ausschusses für Schulzahnpflege. Zahnärztl. Praxis 3:Nr. 1 (1952) 32–37, hier S. 34 Der Ausschuss wurde dann von Maria Daelen gebeten, die Gesundheitsämter bei der Organisation einer hessischen Fluoridtabletten-Aktion zu unterstützen. Hierbei wollte die Gesellschaft für angewandte Chemie („Gefach“, Wiesbaden) ihre gerade patentierten Fluorid-Dragees (auf Basis einer auf Zucker aufgetropften Natriumfluorid-Lösung)Gefach, Gesellschaft für angewandte Chemie m. b. H., Wiesbaden: Verfahren zur Herstellung von zur Einführung von Fluor in Zähne geeigneten Mitteln. Deutsches Patent DE834886, vom 9. Februar 1950; für die Bekanntmachung wurde von den Antragstellern um eine Verzögerung von drei Monaten gebeten: Dokument DE000G0001030MAZ vom 7. Februar 1950. Als Erfinder werden Gerhard Landré und Friedrich Hüter genannt. Das Produkt wurde unter dem Warenzeichen Prodentin registriert: Warenzeichenblatt Teil I, Heft 15, 14. August 1950, S. 1115. an hessischen Schulkindern testen lassen und bot an, die Kosten für Durchführung, Untersuchungen und Auswertung durch zahnmedizinische Universitätsinstitute zu tragen. Die von Maria Daelen dazu eingeholten Gutachten der Professoren Hans Heuser, Joachim von Reckow und Siegfried Morgen, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen, befürworteten solche Tests, adressierten im Wesentlichen Dosierungsfragen, teils mit Blick auf den noch unbekannten Fluoridgehalt der regionalen Wasserquellen, und gingen ganz am Rande auf die Möglichkeit der Trinkwasserfluoridierung ein.Hans Heuser: Kariesprophylaxe mit dem natriumfluoridhaltigen Präparat "Prodentin" der Gesellschaft für angewandte Chemie m. b. H., Wiesbaden. Schreiben vom 27. Februar 1950 an die Abt. Gesundheitswesen des Hessischen Staatsministeriums. Stadtarchiv Kassel A5.53 13611S. Morgen: Kariesprophylaxe mit natriumfluoridhaltigen Mitteln, insbesondere mit dem "Prodentin" der "Gesellschaft für angewandte Chemie m. b. H." Wiesbaden. Schreiben vom 15. März 1950 an die Abt. Gesundheitswesen des Hessischen Staatsministeriums. Stadtarchiv Kassel A5.53 13611 Vom Innenministerium wurden Abschriften der Gutachten auch an Heinrich Hornung weitergeleitet, der sie dem Kasseler Regierungspräsidium als Stütze für sein Fluoridierungsprojekt in Kassel-Wahlershausen vorlegte.H. Hornung: Fluorierung des Trinkwassers. Schreiben vom 29. Dezember 1950 an den Magistrat der Stadt Kassel. Stadtarchiv Kassel A5.53 13611 Ein weiteres Gutachten von Oskar Eichler, unter den konsultierten Beratern der einzige mit ausgewiesener Erfahrung in der Fluoridforschung,O. Eichler: Karies und Fluor. Vortrag bei der Wissenschaftlichen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am 28. bis 31. Juli 1949 in Wiesbaden. Veröff. in Genese und Prophylaxe der Karies, Heft 4 der Reihe Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Vorträgen. Carl Hanser Verlag, München, 1950O. Eichler: Die Pharmakologie anorganischer Anionen. Die Hofmeistersche Reihe. Handbuch der experimentellen Pharmakologie, Ergänzungswerk, Band 10, Springer Verlag Berlin 1950 wurde „aufgrund einer Intrige“ nicht von der hessischen Landesregierung verwertet.O. Eichler, I. Appel, R. Ritter: Über den Stoffwechsel von Zahnkeimen und Zahnsäcken von Hunden, gemessen mit P-32. Dtsch. Zahnärztl. Zeitschr. 8 (1953) 605; O. Eichler: Science and Fate. Annu. Rev. Pharmacol. 12 (1972) 1–19, hier S. 13

Mittel für eine Tablettenaktion wurden zwar schon 1950 bereitgestellt, dann aber doch anderweitig darüber verfügt und später erneut beantragt. Bis dahin war die Zahl der Hersteller von Fluorid-Präparaten, die sich an der Aktion beteiligen wollten, erheblich gestiegen.H. J. Tholuck: Die Hessische Fluoraktion. Zahnärztl. Mitteil. 40:Nr. 22 (1952) 561 Nach Besprechungen mit der Fluorkommission des DAJ am 27. Juni 1952 und 6. August 1952 verschickte Maria Daelen zur Vorbereitung der Tabletten-Aktion Rundschreiben an die Regierungspräsidenten in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden mit der Bitte, die Gesundheitsämter von Gemeinden, die an der Aktion teilnehmen wollen, vom Staatlichen Chemischen Untersuchungsamt Frankfurt kostenlos die jeweils genutzten Wasserquellen auf ihren Fluoridgehalt untersuchen zu lassen. Erst dann könne darüber entschieden werden, in welchen Orten die Fluoridtabletten an die Schulkinder verteilt werden.M. Daelen: Kariesprophylaxe durch Fluoridgaben; Untersuchung des Trinkwassers auf Fluorgehalt. Schreiben an die Regierungspräsidenten in Darmstadt, Kassel, Wiesbaden vom 6. August 1952. Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 508–7283

Bereits im April 1950 zur Regierungsmedizinalrätin ernannt und im November 1950 zur Oberregierungs- und -medizinalrätin befördert unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, arbeitete Maria Daelen ab Juli 1953 als Hilfsreferentin in der Gesundheitsabteilung des Bonner Innenministeriums, die unter Leitung von Franz Redeker und Friedrich Koch (stellvertretender Leiter) stand.Kleine Mitteilungen. Der Öffentl. Gesundheitsdienst 11:Nr. 9 (Dezember 1949) 328 Koch, den sie seit seiner Tätigkeit als Medizinalreferent beim Regierungspräsidium Darmstadt kannte, unternahm Anstrengungen, sie nach Bonn zu holen.Maren Richter: Aber ich habe mich nicht entmutigen lassen. Maria Daelen – Ärztin und Gesundheitspolitikerin im 20. Jahrhundert. Wallstein Verlag, Göttingen. Zweite Auflage 2020.Mit Friedrich Koch zusammen publizierte Daelen 1954 das Werk Das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Thieme Verlag, Stuttgart. Mit Urkunde vom 24. Dezember 1953 wurde Daelen in den Bundesdienst übernommen, deshalb auf eigenen Antrag aus dem Dienst des Landes Hessen entlassen und arbeitete dann im Bundesinnenministerium (Abteilung Gesundheitswesen) und im später neu geschaffenen Bundesgesundheitsministerium.Frank Bösch, Andreas Wirsching (Hrsg.): Hüter der Ordnung. Die Innenministerien in Bonn und Ost-Berlin nach dem Nationalsozialismus. Wallstein Verlag, Göttingen 2018. ISBN 978-3-8353-3206-5 Als Delegierte vertrat sie Deutschland im Europarat und in der Weltgesundheitsorganisation. Innerhalb der hessischen Landesregierung wurde ihre „Fluoraktion“ zunächst von Fritz Hensel, nach dessen Tod (1958)Deutsche Fluorkommission. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 46, 1958, S. 743. von dem Zahnarzt Georg Wode (früher: Wrzodek; 1924–2003) weitergeführt.Georg Wrzodek: Ist eine Kariesprophylaxe mit Fluor-Dragées erfolgversprechend? In: Zahnärztliche Mitteilungen, Nr. 7, vom 1. April 1959.Durchführung von Fluoridierungsaktionen bei Kindern und Jugendlichen in Hessen zur Kariesprophylaxe. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 508 Nr. 7283.Personalakte Georg Wrzodek. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Bestand 527 Nr. II 53919.