Das Südliche Oribi oder Bleichböckchen (Ourebia ourebi) ist eine Antilopenart aus der Gattung der Oribis innerhalb der Familie der Hornträger. Es ist im südlichen Afrika verbreitet und bewohnt dort offene und trockene Landschaften in Tieflagen bis hin zu höheren Gebirgsregionen. Die Tiere zeichnen sich durch ihr geringe Körpergröße, ihr rötlich braunes Fell, ihren langen Hals und die kleinen sowie spitzen Hörner aus, die nur männliche Individuen tragen. Sie leben in kleinen Herden oder treten als Einzeltiere in Erscheinung. Die jeweilige Sozialstruktur in einer speziellen Region wird wahrscheinlich stark durch äußere Bedingungen beeinflusst. Als Hauptnahrung dienen Gräser und Krautpflanzen. Nicht nur die Zusammensetzung, auch die Wahl bestimmter Pflanzenteile variiert jahreszeitlich, so dass das Südliche Oribi als selektiver Pflanzenfresser angesehen werden kann. Weibliche Tiere bringen in der Regel pro Geburt ein Junges zur Welt, das nach sechs Monaten unabhängig ist. Die Art wurde im Jahr 1783 wissenschaftliche eingeführt. Ursprünglich galten alle Oribis als zu einer Art gehörig, diese wurde jedoch im Jahr 2011 aufgespalten. Der Bestand des Südlichen Oribi ist gefährdet.
Merkmale mini|Südliches Oribi, Männchen Das Südliche Oribi ist eine kleine bis mittelgroße Antilope. Seine Kopf-Rumpf-Länge reicht von 89 bis 115 cm, hinzu kommt ein 7,5 cm langer Schwanz. Die Schulterhöhe variiert von 51 bis 63,5 cm, das Gewicht beträgt bei männlichen Tieren 10,5 bis 17,5 kg, bei weiblichen 7,5 bis 17 kg. Als einziger Vertreter der Oribis sind die Männchen beim Südlichen Oribi größer als die Weibchen. Wie alle Oribis zeichnet sich auch das Südliche Oribi durch einen schlanken Körperbau mit langem Hals und langen Gliedmaßen aus. Das Fell ist auf dem Rücken rötlich-braun gefärbt, allerdings fehlt hier der für die anderen Oribis typische gesprenkelte Einschlag. Die Unterseite erscheint weißlich gefärbt. Aufgrund der jahreszeitlichen Schwankungen besteht beim Südlichen Oribi ein Unterschied zwischen dem Sommer- und Winterfell, was bei anderen Oribis nicht der Fall ist. Im Sommer ist das Fell kurz und weich, im Winter dicker und zotteliger. Der weiße Farbton der Unterseite findet sich auch an der Kehle und am Kinn. Der Schwanz zeigt sich dagegen schwarz getönt. Markant sind des Weiteren die weißen, eher langen Ohren und der ebenso gefärbte Augenring. Unterhalb der Ohren tritt als Merkmal aller Oribis ein dunkler, haarloser Hautfleck auf. Die Voraugendrüse unterhalb der Augen hebt sich als vertikale Falte hervor und ist vor allem bei den Männchen deutlich ausgeprägt, sie nimmt einen größeren Teil des Raumes zwischen Auge und Maul ein. Der Nasenspiegel ist allgemein nackt. Auf der Stirn tritt zumeist bei Weibchen, seltener bei Männchen eine schwarze Markierung auf. Hörner kommen nur bei den Männchen vor, sie sind schlank sowie spitz und haben an der Basis horizontale Rippeln. Bei Jungtieren werden sie häufig von einer Keratinschicht umhüllt, die sich mit der Zeit verliert. Ihre Länge schwankt zwischen 9,9 und 13,4 cm, im Durchschnitt liegt sie bei 11,7 cm. Die Schädellänge variiert von 14,6 bis 17,3 cm.
Verbreitung Das Südliche Oribi kommt im südlichen Afrika vor. Dort hat es eine fleckenhafte Verbreitung südlich des Sambesi. Die nördlichen Bereiche erstrecken sich vom äußersten Nordosten Namibias über den Norden Botswanas bis in den Westen Simbabwes. In Mosambik tritt die Art in der Provinz Gaza und in der Umgebung des Flusses Save auf. In Südafrika bewohnt sie die Bereiche von den Provinzen Limpopo über KwaZulu-Natal nach Süden bis nach Ostkap. Die südliche Grenze wird wahrscheinlich am Great Fish River erreicht. Einzelne Populationen sind auch aus dem Osten Lesothos und aus Eswatini bekannt. Die Tiere bevorzugen offene Graslandschaften mit Themada-, Rendlia- und Hyparrhenia-Grasbeständen. Der Baum- und Buschanteil ist meist gering, dichtere Gestrüpp- und Gehölzstände führen meist zur Abnahme einer lokalen Population. Mitunter besiedeln die Tiere auch Regionen mit steinigem Untergrund. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegelniveau bis auf 2200 m in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga. Dabei bevorzugt das Südliche Oribi sanfte Hangneigungen von 0 bis 10 °, was sowohl für mittlere Gebirgslagen um 600 bis 1500 m als auch für höhere um 2000 m gilt. In nahrungsreichen Gebieten wie in KwaZulu-Natal kann die Populationsdichte bei 4 bis 18 Individuen je Quadratkilometer liegen, sie geht in weniger ertragreichen Landschaften auf 0,1 bis 0,4 Tiere auf einer vergleichbar großen Fläche zurück.
Lebensweise Territorialverhalten Das Südliche Oribi lebt einzelgängerisch oder in kleineren Herden beziehungsweise in Familienverbänden. Die Sozialstruktur ist relativ variabel ausgeprägt. Im Highmoor State Forest Land, einer Region mit rund 2100 m Höhenlage in den Drakensbergen in KwaZulu-Natal, besteht die durchschnittliche Gruppengröße aus 2,2 Individuen mit einer Variation von eins bis sechs Tieren. Mehr als die Hälfte aller Beobachtungen fällt auf Paare mit Angehörigen beider Geschlechter, teilweise auch mit Nachwuchs. Am zweithäufigsten treten einzelne Männchen bei mehr als einem Viertel aller Sichtungen auf, gefolgt von einzelnen Weibchen bei jeder zehnten Sichtung. Größere Gruppen hingegen mit einem Männchen und mehreren Weibchen, sogenannte Harems, ließen sich nur in rund 19,5 % der Fälle nachweisen. In tiefer gelegenen Regionen um 1200 m in den Drakensbergen wurden ähnliche Verhältnisse ermittelt. Paare kommen hier zu einem Drittel vor, ein weiteres Drittel entfällt auf Einzelgänger mit gleichen Anteilen von Männchen und Weibchen. Ein knappes Viertel machen größere Gruppen aus. Die Gruppenbildungen des Südlichen Oribi stehen dadurch in deutlichem Kontrast zu den weiter nördlich und eher tropisch verbreiteten Oribis, bei denen größere Harems häufiger auftreten, was in mehr als der Hälfte aller Beobachtungsfälle dokumentiert wurde. Anzunehmen ist daher, dass das Sozialgefüge der Oribis stark vom Ertragsreichtum einer Landschaft abhängig ist und die Tiere daher in gemäßigteren Klimaten mit stärkeren jahreszeitlichen Schwankungen dazu neigen, in kleineren Gruppen oder solitär zu leben. Möglicherweise zeigen die Männchen des Südlichen Oribi ein territoriales Verhalten. Nach Untersuchungen im Highmoor State Forest Land besetzen sie Reviere von 42 bis 62 ha Ausdehnung. In der gleichen Region nutzen Weibchen Landflächen von etwa 36 ha Größe. Ihre Reviergrenzen kennzeichnen die männlichen Tiere mit Duftmarken. Dies erfolgt über das Reiben des Kopfes mit der Voraugendrüse in der Vegetation, wodurch ein dunkles Sekret zurückbleibt. Teilweise überdecken sie auch den Urin und Kot der weiblichen Tiere mit ihren eigenen Fäkalien oder markieren die entsprechenden Stellen mit Duftsekreten. Außerdem verjagen sie konkurrierende Individuen. Manchmal duldet jedoch ein dominantes Männchen einen unterwürfigen Geschlechtsgenossen im eigenen Territorium, das dann auch weniger häufig markiert wird. Dadurch senkt er das Risiko, von einem ebenfalls dominanten Rivalen vertrieben zu werden, nimmt aber offensichtlich eine verminderte Fortpflanzungsmöglichkeit in Kauf, die durch die Anwesenheit des unterwürfigen Tieres entstehen kann. In dieser Eigenschaft ähnelt das Südliche Oribi dem Serengeti-Oribi.
Ernährung Die Hauptnahrung des Südlichen Oribi setzt sich überwiegend aus Gräsern und Krautpflanzen zusammen, gelegentlich verzehrt es auch Blätter. Im Gorongosa-Nationalpark in Mosambik umfasst das Nahrungsspektrum der Tiere elf Grasarten und sieben Baumarten. Dem gegenüber besteht die Nahrung des Südlichen Oribi im Golden-Gate-Highlands-Nationalpark in der südafrikanischen Provinz Freistaat aus insgesamt rund 22 verschiedenen Pflanzenarten. Zu den am häufigsten konsumierten Gräsern gehören Vertreter von Sporobolus und Themada, die jeweils einen Anteil von 17,6 und 10,8 % erreichen. Weitere in größeren Mengen gefressene Gräser gehören zu Monocymbium und zu den Zypergräsern. Während Gräser fast das gesamte Jahr über aufgenommen werden, steigt vor allem in der Zeit des Südsommers der Anteil an Krautpflanzen wie Strohblumen oder Kreuzblumen an. Dies gilt aber auch für die Sporobolus-Gräser, von denen das Südliche Oribi im Südsommer fast ausschließlich die Blüten vertilgt. Von Watsonia bevorzugt die Art im gleichen Zeitraum die Blätter, im Südwinter hingegen rupft sie die Knollen heraus. Auf einzelnen privaten Farmen in KwaZulu-Natal ließen sich insgesamt 38 wichtige Nahrungspflanzenarten der Art identifizieren. Unter den Gräsern dominieren neben Themada auch Andropogon, Monocymbium oder Hyparrhenia. Ebenso sind hier jahreszeitliche Variationen im Ernährungsverhalten der Tiere erkennbar. Im Frühjahr überwiegen Themada-Gräser in der Nahrung, deren Anteil im Südsommer und Herbst zugunsten von Andropogon und Hyparrhenia stark zurückgeht. Nach Untersuchungen im Mount Sheba National Reserve in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga stellt hier Andropogon die prinzipielle Hauptnahrung des Südlichen Oribi dar, gefolgt von Liebesgräsern. Allerdings wechseln die Tiere nach größeren Buschfeuern schnell auf frisch nachwachsende andere Gräser um, die dann über einen höheren Nährstoffgehalt verfügen. Nehmen in der Zeit vor einem Buschfeuer Andropogon-Gräser noch mehr als zwei Drittel an der Gesamtnahrung ein, geht ihr Anteil nach einem Brand auf null zurück und es überwiegen bei Weitem Themada-, Rendlia- oder Schwingelgräser. Erstere decken unter Umständen dann fast den gesamten Nahrungsbedarf ab. Insgesamt kann das Südliche Oribi als deutlich selektiv in seiner Nahrungsaufnahme angesehen werden.
In der Regel verbringen die Tiere rund 20 bis 38 % ihrer Tagesbeschäftigung mit der Nahrungsaufnahme. Am häufigsten fressen sie in den frühen Morgenstunden und am späten Abend. Dabei meidet das Südliche Oribi Waldränder und bevorzugt Bereiche inmitten höherwachsender Grasflächen für einen eventuellen schnellen Rückzug bei aufziehender Gefahr. Lediglich bei einem sehr hohen Nahrungsangebot frisst es auch in baumbewachsenen Arealen. Anzunehmen ist, dass in solchen Fällen die Möglichkeit einer schnelleren und höheren Energiezufuhr der Gefahr einer Erbeutung durch Fressfeinde entgegensteht. Zumeist ziehen sich die Tiere nach dem Fressen in dichtes Gras zurück.
Fortpflanzung Die meisten Mutter-Jungtiergruppen werden im Südsommer von Dezember bis Mai beobachtet, was auf eine jahreszeitlich eingeschränkte Fortpflanzungsphase hindeutet. Paarungsaktivitäten finden nach Untersuchungen im Highmoor State Forest Land zwischen April und Mai statt, so dass bei einer Trächtigkeitsdauer von rund 210 Tagen die Geburt des Nachwuchses in den Beginn des Südsommers fällt. Den ersten Monat verbringen die Jungen im Gras liegend in relativer Nähe zur Mutter. Ab einem Alter von drei Monaten folgen die Jungen dem Muttertier. Sie erreichen mit ungefähr einem halben Jahr ihre Unabhängigkeit. Beobachtungen in KwaZulu-Natal haben gezeigt, dass das Südliche Oribi verschiedene Fortpflanzungsstrategien verfolgt. In Regionen mit einer höheren Qualität an Nahrungsressourcen und damit größeren Gruppenbildungen paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen und lebt somit polygyn. Diese Gemeinschaften sind aber weitgehend instabil. In höheren Lagen mit häufig schlechterem Nahrungsangebot treten zumeist monogame Paare auf. In gewisser Weise hat auch die Anzahl und Dichte der Beutegreifer in einer Region Einfluss auf das generelle Fortpflanzungsverhalten.
Fressfeinde und Parasiten