Die Reichspoststation und Posthalterei Cochem wurde bereits wenige Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs im Jahre 1620 gegründet.Walter Kunz (Autor): Die Postkutsche im Raume Cochem, In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 2005, S. 122–127.Die Entstehung des Postamtes Cochem und seine Fortentwicklung bis zum heutigen Tage, Hermann Zilles Sen. (Autor), Cochem 24. April 1989, 6 S. Eine der ältesten Urkunden hierüber datiert vom 23. August 1720, als das Amt des kaiserlichen Postmeisters Johannes Albertus Finger altersbedingt durch den Generalpostmeister Anselm Franz von Thurn und Taxis an den namensgleichen Sohn Johannes Albertus Finger (* 13. Juli 1701) übertragen wurde.
Geschichte und Entstehung der Poststation Cochem Nachdem Kaiser Rudolf II. am 25. Oktober 1603 auf Betreiben des Generalpostmeisters Leonhard I. von Taxis den erfolgreichen Postmeister Jacob Henot aus dem Postamt Köln, in dessen Amtsbereich Cochem in dieser Zeit fiel, entlassen hatte, wurde die neue Position durch den Schwager von Taxis, Johann von Coesfeld besetzt.Theo Winterscheid (Autor): 375 Jahre Post in Cochem, In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 1995, S. 140–146. In der Amtszeit von Coesfeld wurde in Cochem die erste Kaiserliche Taxissche Reichspoststation gegründet, die zum Postamtsbereich Coblenz gehörte. Hierüber existierte ein weiteres Dokument aus den Beständen der Generaldirektion der Thurn und Taxisschen Reichsposten aus dem Jahr 1801, demzufolge die Poststation in Cochem im Jahre 1620 gegründet wurde. Zwar sind diese Akten nicht mehr erhalten, der Grund, so wird angenommen, waren die Wirren der Napoleonischen Kriege, jedoch wird am Gründungsjahr aufgrund der sorgfältigen Bestandspflege von Dokumenten durch Thurn und Taxis kaum gezweifelt.
Über die ersten einhundert Jahre des Cochemer Postwesens ist nur wenig bekannt. Der Postkurs Koblenz-Cochem wurde mit Hilfe von Reitposten bedient. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs, Cochem hatte viele kriegerische Mächte, neben Kaiserlichen Truppen auch Spanier, Schweden und Franzosen gesehen, musste das Postwesen, wie an vielen anderen Orten im Mittelrheingebiet auch, neu aufgebaut werden. Mit dem Wiederaufbau des Postwesens an der Mosel wurde im Februar 1651 in Koblenz der Postverwalter Johann Hausmann betraut. Unterstützung fand er dabei durch den Postverwalter von Lieser. Die größte Schwierigkeit war, dass durch den lang anhaltenden Krieg viele Poststationen aufgegeben worden waren und der Postdienst inzwischen durch Kaufmannsposten wahrgenommen wurde. Hausmann versuchte der Konkurrenz mit günstigeren Portogebühren zu begegnen. Hilfe fand er auf sein Gesuch hin beim Trierer Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern, der am 13. Mai 1651 alle postdienstlichen Aktivitäten der Kaufmannsposten in seinem Herrschaftsgebiet verbieten ließ. Um den entstandenen Mangel an Postenläufen zwischen Koblenz und Trier auszugleichen, wurde die Anzahl der Postläufe auf Anordnung von Lamoral Claudius von Thurn und Taxis von wöchentlich einem auf zwei erhöht.
mini|150px|Erhaltene Relieftafel aus dem Jahr 1699 des ursprünglichen Hauses Finger in Cochem Im Mai 1689 sprengten Soldaten Ludwig XIV. die Burg Cochem und am 26. August 1689 brannten sie schließlich die Stadt nieder. Der Wiederaufbau begann sehr zögerlich und viele der geflüchteten Cochemer kamen erst nach dem Frieden von Rijswijk im Jahre 1697 zurück in die Stadt. Johannes Albertus Finger war zwar kaiserlicher Postmeister in Cochem, jedoch konnte er sein zerstörtes Haus am Marktplatz erst 1699 wieder aufbauen. Es ist davon auszugehen, dass der Postdienst für längere Zeit nicht oder nur stark beeinträchtigt weitergeführt werden konnte. Kaufmannsposten, die inzwischen wieder im Erzstift Trier Fuß gefasst hatten, erhielten jetzt Konkurrenz durch das Cochemer Marktschiff, das einen regelmäßigen Postbeförderungsdienst zwischen Cochem und Koblenz eingerichtet hatte. Beide Dienste verminderten die Thurn und Taxisschen Einnahmen, worauf sowohl das Postamt Koblenz als auch die Postverwalterei Cochem erneut kurfürstliche Verbote erwirkten. 1716 drohte Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg den Marktschiffern und Kaufmannsboten mit Strafen, was jedoch keine Wirkung zeigte und so mussten die Verbote in den Jahren 1717 und 1718 wiederholt werden. Ebenfalls 1718 wurden die längs der Mosel führenden Wege, die für den Postverkehr hergerichtet worden waren, instand gesetzt, da es dort bereits zu einigen Unfällen der Reitposten mit ihren Pferden gekommen war.
Am 23. August 1720 erhielt der Cochemer Johannes Albertus Finger (* 13. Juli 1701) das Amt seines gleichnamigen Vaters durch den Generalpostmeister Anselm Franz von Thurn und Taxis als neuer kaiserlicher Postmeister mit dem Auftrag: „die Briefe zu colligiren und zu distribuiren, das porto einzunehmen und Uns oder Unserem Ihme vorgesetzten Reichs Postambt Coblentz zu verrechnen, alle Ordinarien, benebens denen Staffetten,... zu empfangen und zu bestellen“.
Zur Etablierung eines Postwagenverkehrs über die Eifelhöhen zwischen Koblenz und Trier wurde am 25. April 1725 ein Vertrag zwischen Kurfürst Neuerburg und dem Generalpostmeister Anselm von Thurn und Taxis abgeschlossen. In diesem Vertrag wurde das Kurfürstentum Trier dazu verpflichtet, a. jede Konkurrenz für die Thurn und Taxissche Post abzustellen (gemeint waren kurfürstliche Boten, die Briefbeförderung durch Fuhrleute und Marktschiffe), b. Fuhrleute und das Cochemer Marktschiff auf Verlangen des Postamts visitieren zu lassen und c. die für Reit- und Fahrposten erforderlichen Straßen und Brücken zwischen Koblenz und Trier zu bauen und bei Bedarf instand zu setzen. Um Cochem an diese Eifellinie anzubinden, wurde am 25. Mai 1725 der Befehl erteilt, die erforderlichen Straßen herzurichten und zu pflegen. Am 28. März 1726 teilte der Kurfürst dem Generalpostmeister Thurn und Taxis mit, dass die erforderlichen Arbeiten abgeschlossen seien und der Personen- und Frachtverkehr aufgenommen werden könne.
In der Eifel ließ Fürst Thurn und Taxis weitere Postanstalten in Polch, Kaisersesch, Lutzerath, Wittlich und Hetzerath einrichten und die an der Mosel gelegenen Postanstalten wurden jetzt zusätzlich über die neue Postwagenlinie – von der Eifelhöhe kommend – bedient. Zwischen Cochem, Lutzerath und Alf sowie zwischen Kaisersesch und Karden verkehrten Botenposten entweder zu Fuß oder zu Pferd. Obwohl die neuen Postverbindungen zu einer Verbesserung der Infrastruktur in der Eifel und an der Mosel geführt hatten, unterließen es die Cochemer Marktschiffer trotz bestehenden Verbots der kurfürstlichen Regierung nicht, weiterhin Briefbeförderung zwischen Cochem und Koblenz durchzuführen. Aus diesem Grund musste die Marktschifferin Ley am 16. November 1730 vor den Rat der Stadt Koblenz treten, weil ihr Marktschiff wiederholt unerlaubt Briefe befördert hatte. Daher forderte das Koblenzer Postamt eine Visitation ihres Schiffes, da man dort weitere Briefe vermutete.Theo Winterscheid (Autor): Postalische Erschließung der Mosel-Eifel-Region, In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 2006, S. 63–66.
Nachdem Karl Anselm von Thurn und Taxis im Jahre 1773 das Amt als Generalerbpostmeister von seinem Vater Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis übernommen hatte, ließ er das gesamte Postpersonal auf sich vereidigen. Hierzu zählte auch Maria Katharina Gertrud Finger als Leiterin der Postanstalt in Cochem. Zu dieser Zeit hatte bereits ein Josef Finger einen Anspruch auf die Nachfolge als Postverwalter in Cochem, woraus geschlossen wurde, dass die Familie Finger, die bereits 1624 aus Bernkastel-Kues nach Cochem verzogen war, ein Familienbetrieb war, und die Post auf männliche und weibliche Mitglieder weiter vererbt wurde.
Als im Oktober 1794 französische Revolutionstruppen während des Ersten Koalitionskriegs mit Frankreich bis an den Rhein vorgedrungen waren, kam es zu ersten Einbußen beim Postverkehr. Frankreich gliederte alle linksrheinischen Gebiete ein und 1795 wurde durch die Zentralregierung in Aachen ein Generalinspekteur für das Postwesen zwischen Rhein, Mosel und Maas bestimmt. Zudem wurde die Straße zwischen Koblenz und Trier zu einer von acht Hauptpostwegen für den linksrheinischen Postverkehr ernannt. Das Postwesen gehörte jetzt zur französischen Staatspost und es wurde noch mehr auf Wirtschaftlichkeit geachtet als bei Thurn und Taxis, sodass viele Postanstalten, zu denen auch Cochem gehörte, geschlossen werden mussten. Um die Postbeförderung dennoch aufrechterhalten zu können, gründeten die Bürgermeistereien mit Genehmigung der Verwaltungseinheit Kanton Cochem (franz.: Canton de Cochem) ein eigenes Botenwesen zwischen den verbliebenen Postämtern. Ein Bote verkehrte nun zwischen den Bürgermeistereien Mairie Cochem und Mairie Kaisersesch, um Dienstpost und Privatsendungen für die Bevölkerung auszutauschen. 1799 versuchte man in Cochem eine französische Postanstalt einrichten zu lassen, die von der Familie Finger übernommen werden sollte, was allerdings nicht gelang. Erst 1806 wurde in Cochem eine kleine Briefsammelstelle an der Ecke Schloßstraße/Herrenstraße eingerichtet, die von den zwei unverheirateten Schwestern Birk, im Volksmund Postjuffern genannt, betrieben wurde.
Als die Franzosen während der Befreiungskriege im Jahre 1814 alle linksrheinischen Gebiete räumen mussten, übernahm die seit 1806 bestehende private Thurn-und-Taxis-Post dort wieder den Postbeförderungsdienst. Cochem erhielt jedoch vorerst kein neues Postamt. Nachdem Preußen auf dem Wiener Kongress das spätere Gebiet der Rheinprovinz erhalten hatte, war das Ende der privaten Thurn-und-Taxis-Post abzusehen. Am 1. Juli 1816 wurden die rheinischen Postanstalten preußisch.Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Band 35, Rheinische Postanstalten, P. Hanstein 1919 Cochem erhielt vor dem Oktober 1817 auf Weisung des Berliner Generalpostamts als oberster preußischer Postbehörde ein neues Postwärteramt. Bereits ab dem 1. Januar 1817 ließ der Generalpostmeister Johann Friedrich von Seegebarth einheitliche Aufgabe- bzw. Tagesstempel einführen, die unterhalb des Ortsnamens den Tag der Briefaufgabe als Zahl und den Monat in Buchstaben auswies.Cochem in der Stempeldatenbank stampsX Der älteste existierende Cochemer Stempel stammt vom 9. Juli 1822.
Um dem wachsenden Bedarf bei der Beförderung von Post und Fracht besser gerecht zu werden, wurde 1820 die erste Kariolpost für den Posttransport mit Pferdewagen zwischen Cochem und Lutzerath eingerichtet, die dreimal wöchentlich fuhr. Die Postlinie Koblenz-Trier wurde seit dem 1. Juli 1820 ebenfalls dreimal wöchentlich als Schnellpost mit einem Vierspänner bedient. Die bereits bestehende Verbindung zwischen Cochem und Lutzerath erhielt am 1. September 1835 die Genehmigung, zusätzlich zur Post auch zwei Personen befördern zu dürfen. Hierzu setzte man jetzt einen Zweispänner ein, der die Linie ab dem 1. Oktober 1839 einmal täglich bediente. Abfahrt in Cochem war um 8 Uhr, die Rückfahrt von Lutzerath startete jeweils um 15 Uhr. Die Fahrzeit dauerte 2 Stunden und der Fahrpreis betrug 12 Silbergroschen. Seit dem 1. September 1835 bestand ebenfalls noch eine Kariolpost mit Alf, Zell, Traben-Trarbach und Bernkastel. Zu Beginn des Jahres 1837 wurde der Postexpedition Cochem eine Posthalterei für ordinäre Posten durch das Generalpostamt angegliedert, wobei für die fahrplanmäßigen Posten sowohl Pferde als auch Wagen zu stellen waren.
Nachdem Preußen am 15. November 1850 die Briefmarke eingeführt hatte, wurden zur Entwertung der Marken Ringnummernstempel verwendet. Cochem erhielt in dieser Zeit die Stempelnummer 253. Um die seit 1847 tätigen Landbriefträger zu entlasten, erfolgte 1852 eine Aufforderung an die Gemeinden, auf ihre Kosten Briefkästen einzurichten. In Cond und Sehl leistete man der Forderung bis zum 1866 keine Folge, da die Post in Cochem ja so nahe liegen würde.
mini|120px|Meilenstein aus dem Jahr 1852