mini|2017: Bevölkerungsstruktur von Indien Laut der Volkszählung von 2011 lag die Einwohnerzahl Indiens bei 1.210.854.978 (1,2 Milliarden). Für 2022 wurde die Einwohnerzahl auf 1.417.173.170 Personen geschätzt. Allein der indische Bundesstaat Uttar Pradesh wäre mit seinen über 200 Millionen Einwohnern das sechstbevölkerungsreichste Land der Welt und ist die bevölkerungsreichste subnationale Entität. In Indien lebt damit ca. 18 % der Weltbevölkerung auf nur 2 % der weltweiten Landesfläche. Charakteristisch für Indiens Bevölkerungsstruktur ist ein relativ junges Durchschnittsalter. Das Medianalter der Bevölkerung wird für 2020 auf 28,4 Jahre geschätzt. Dies ist eine Folge der lange Zeit hohen Fertilitätsraten in Indien. Durch den besseren Zugang zu Verhütungsmitteln, gezielten Maßnahmen der Regierung zur Geburtenkontrolle und der gesellschaftlichen Modernisierung ist diese allerdings stark im Sinken begriffen. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer pro Frau lag 2017 noch bei 2,2 Kindern und nähert sich damit dem Durchschnitt der Industrieländer an, wobei es starke Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und gesellschaftlichen Gruppen im Land gibt. Im Jahr 1960 lag die Kinderzahl noch bei 5,9 pro Frau. Gleichzeitig sank die Kindersterblichkeit der unter 5-Jährigen in Indien von über 27 % kurz nach der Unabhängigkeit des Landes 1947 auf 3,9 % im Jahr 2015 und wird für 2020 auf 3,4 % geschätzt. Aufgrund der großen demografischen Dynamik in der Vergangenheit wächst die Bevölkerung trotz der sinkenden Fertilitätsrate weiter, was durch den hohen Anteil an jungen Menschen im gebärfähigen Alter verursacht wird. Indien überholte deshalb im Jahr 2023 die Volksrepublik China als einwohnerreichstes Land der Erde. Die mittlere Bevölkerungsprognose der Vereinten Nationen geht für Indien von einer Bevölkerung von 1,6 Milliarden im Jahr 2050 aus. Für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts wird von einem Abflachen der Bevölkerungsdynamik ausgegangen und ein Rückgang der Bevölkerung prognostiziert.

Als Land von kontinentalem Ausmaß verfügt Indien über eine sehr große Vielfalt an ethnischen Gruppen, Sprachen, Kulturen, Bräuchen und Religionen, welche die jedes anderen unabhängigen Flächenstaates übertreffen. Das Land bildet keine homogene Einheit und ist damit eher mit den Kontinenten Afrika oder Europa als mit der Volksrepublik China vergleichbar, mit der Indien oft verglichen wird. Indien hat hunderte ethnische Gruppen und jede größere Religion ist vertreten, ebenso wie vier große Sprachfamilien (Indoeuropäische, Dravidische, Austroasiatische und Tibetobirmanische) sowie isolierte Sprachen und eine Vielzahl an regionalen Dialekten. Offiziell anerkannt sind in Indien 23 Sprachen, von denen am ehesten Englisch und Hindi eine überregionale Bedeutung zukommt. Weitere Komplexität ergibt sich aus den großen Unterschieden zwischen den Bevölkerungsgruppen in Bezug auf soziale Parameter wie Einkommen und Bildung. Die soziale Situation hat sich durch die Modernisierung und das wirtschaftliche Wachstum im heutigen Indien für große Teile der Bevölkerung verbessert, was sich auch in demografischen Indikatoren wie der steigenden Lebenserwartung und der sinkenden Kindersterblichkeit niederschlägt. Gleichzeitig ist Indien nach wie vor das Land mit der höchsten Anzahl an armen Personen sowie das Land mit der größten Zahl unterernährter Einwohner.

Eine Volkszählung zur Erfassung der Bevölkerung wird in Indien alle 10 Jahre durchgeführt. Die letzte Volkszählung fand im Jahre 2011 statt und die nächste war für das Jahr 2021 angesetzt, wurde aber aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben und ist nunmehr für 2026 geplant.

Historische Entwicklung Aufgrund seiner fruchtbaren Böden und fortgeschrittenen Zivilisation machte Indien bzw. Südasien in der gesamten Geschichte der Menschheit einen bedeutenden Anteil der Weltbevölkerung aus. Als älteste Zivilisation auf dem Subkontinent gilt die Indus-Kultur, welche auch als eine der ältesten Hochkulturen gilt. Sie entwickelte sich etwa in den Jahren 2800–1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des indischen Subkontinents (vorwiegend heutiges Pakistan). Auch wenn es keine verifizierbaren Bevölkerungsschätzungen gibt, hat sie Überreste von großen Städten hinterlassen. Eine Änderung der Bevölkerungsstruktur ergab sich mit der Ankunft der Indoarier auf dem Subkontinent ca. 1500 v. Chr., welche den Beginn der Vedischen Zeit einläutete. In dieser Zeit wurde auch das Kastensystem eingeführt, welches Indiens Gesellschaft bis heute prägt. Inwieweit dieses auch auf ethnischen Kriterien zur Trennung von Indoariern und ursprünglicher Bevölkerung basiert, ist umstritten. In der heutigen Bevölkerung sind deshalb zwei dominante Abstammungslinien vorhanden: ANI (historische Nordinder) und ASI (historische Südinder). Während Gene der historischen Nordinder vorwiegend in höheren Kasten und bei den Sprechern indo-europäischer Sprachen vorkommen, sind die Gene der historischen Südinder vor allem in Südindien und unter den Sprechern dravidischer Sprachen verteilt. Während die Gene der ANI Verwandtschaft mit Völkern in Europa, dem Kaukasus und dem Naher Osten aufweisen, kommen die der ASI fast ausschließlich in Südasien vor.

Die meisten Schätzungen gehen von einer stetigen Steigerung der Bevölkerung auf dem indischen Subkontinent von der Ankunft der Indoarier bis zum Jahr 0 aus. Zu Beginn des ersten Jahrtausends lag die Bevölkerung in der mittleren Schätzung bei ca. 60 Millionen. Danach kam es zu einer Verlangsamung des Wachstums. Im frühen Mittelalter bis 1000 n. Chr. war die Bevölkerung weitgehend stagnant. Das Bevölkerungswachstum stieg dann im späten Mittelalter (während des Sultanats Delhi) zwischen 1000 und 1500. Eine rasche Bevölkerungsexpansion erlebte Indien während des Mogulreichs (16. bis 19. Jahrhundert) aufgrund von Agrarreformen, die die landwirtschaftliche Produktion intensivierten und einer Proto-Industrialisierung. Das Land erlebte neben dem wirtschaftlichen Aufschwung auch zunehmende Urbanisierung und ca. 15 % der Bevölkerung lebten im 19. Jahrhundert in Städten, was ein höherer Wert als im damaligen Westeuropa war. Für 1820 wird mit einer Bevölkerungszahl von ca. 200 Millionen auf dem indischen Subkontinent ausgegangen.

Während der britischen Herrschaft (ab 1857) und bereits zuvor unter dem Einfluss der Britischen Ostindien-Kompanie stagnierte der Anteil der Bevölkerung, welcher in Städten lebte. Das Bevölkerungswachstum war aufgrund der hohen Sterblichkeit und schlechter Lebensbedingungen relativ niedrig. Indien fiel damit im Vergleich zu den Weltregionen, welche in dieser Zeit ihre Industrialisierung erlebten, deutlich zurück. Unter der britischen Herrschaft kam es zudem immer wieder zu schweren Hungersnöten. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann das Bevölkerungswachstum sich langsam dank besserer Lebensbedingungen zu beschleunigen. Die Bevölkerungszahl lag 1901 bei 293,6 Millionen und stieg bis 1941 auf 389,0 Millionen. Die durchschnittliche Lebenserwartung wurde für 1925 auf 27,6 Jahre geschätzt.

Die Unabhängigkeit Indiens erfolgte 1947. Der Subkontinent wurde in zwei Staaten aufgeteilt, den säkularen (Hindu‑)Staat Indien und den kleineren islamischen Staat Pakistan. Hierbei erfolgte eine Trennung anhand religiöser Kriterien ohne historischen Vorläufer. Bei der Schaffung der beiden Staaten kam es zu einem Bevölkerungsaustausch zwischen den beiden Staaten, bei der die hinduistische Bevölkerung Pakistans in Richtung Indien floh und Teile der muslimischen Bevölkerung nach Pakistan abwanderten, Hunderttausende wurden massakriert. Die erste Volkszählung im unabhängigen Indien 1951 ergab eine Einwohnerzahl von 361 Millionen. Nach der Unabhängigkeit erfolgte eine regelrechte Bevölkerungsexplosion in Indien. Als Gründe gelten die Bemühungen der Regierung, eine bessere Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, während sich gleichzeitig kulturelle Vorstellungen über die traditionelle Großfamilie nur langsam änderten. Das Bevölkerungswachstum löste weit verbreitete Besorgnis vor Hungersnöten und Überbevölkerung aus. Dank der Grünen Revolution ab den 1960er Jahren konnte die Versorgungslage der Bevölkerung jedoch verbessert werden und diese weiter wachsen. Im Jahre 2000 überschritt die Einwohnerzahl von Indien schließlich die Marke von einer Milliarde. Mit Urbanisierung und besserer Bildung von Frauen begann das relative Bevölkerungswachstum allerdings zu fallen.

Bevölkerungsschätzungen bis 1820 In der folgenden Tabelle sind Schätzungen für die Bevölkerung Indiens (einschließlich des heutigen Pakistan und Bangladeschs) bis 1820 aufgeführt. JahrMaddison (2001)Angus Maddison (2001), The World Economy: A Millennial Perspective, , OECD Development CentreClark (1967)Angus Maddison (2001), The World Economy: A Millennial Perspective, , OECD Development CentreJohn D. Durand, 1974, Historical Estimates of World Population: An Evaluation, University of Pennsylvania, Population Center, Analytical and Technical Reports, Number 10, page 9Biraben (1979)Durand (1974)John D. Durand, 1974, Historical Estimates of World Population: An Evaluation, University of Pennsylvania, Population Center, Analytical and Technical Reports, Number 10, page 10McEvedy (1978)MittelwertBevölkerungWachstumpro JahrhundertBevölkerungWachstumpro JahrhundertBevölkerungWachstumpro JahrhundertBevölkerungWachstumpro JahrhundertBevölkerungWachstumpro JahrhundertBevölkerungWachstumpro Jahrhundert10000 v. Chr.——————————4000 v. Chr.————————3,9 %3,9 %2000 v. Chr.————————9,4 %9,4 %500 v. Chr.————————10 %10 %400 v. Chr.———————6,3 %13,2 %200 v. Chr.————35,4 %——6,3 %22,5 %1——−9,3 %—6,5 %18,8 %2000 %1,7 %−1,1 %0 %7,1 %1,1 %4000 %1,7 %−18,6 %0 %7,4 %−0,7 %5000 %0 %3,1 %0 %6,5 %1,3 %6000 %0 %12,1 %0 %6,5 %2,3 %7000 %0 %35,1 %0 %10,3 %5,9 %8000 %0 %−16,3 %0 %10,3 %−0,5 %9000 %−3,5 %−13,2 %0 %11,4 %0 %10000 %−3,5 %5,3 %0 %11,4 %2,1 %11008 %3,5 %27,5 %8,4 %3,9 %8,6 %12008 %3,5 %27,5 %8,4 %3,8 %9 %13008 %0 %27,5 %8,4 %6 %9,3 %14008 %3,3 %7 %8,4 %6,8 %7 %15008 %3,3 %7 %8,4 %6,4 %7 %160022,8 %26,6 %52,6 %20,7 %30 %30,1 %165022,2 %125 %20,7 %20,7 %24,4 %36,2 %170022,2 %77,8 %20,7 %20,7 %21,8 %31,3 %175021,8 %0 %9 %20,7 %12,9 %12,1 %180021,8 %−10,8 %9 %——18,4 %8 %182021,8 %0 %9 %——47,7 %22 %

Moderne Volkszählungen 1871 bis 2011 Folgende Volkszählungsergebnisse gelten von 1871 bis 1891 für Britisch-Indien und ab 1901 für die heutige Republik Indien in ihren aktuellen Grenzen. ZensusjahrBevölkerungWachstum (%)1871238.831.000–1881253.896.0006,31891287.223.00013,11901238.396.327–1911252.093.3905,81921251.321.213−0,31931278.977.23811,01941318.660.58014,21951361.088.09013,31961439.234.77121,51971548.159.65224,81981683.329.09724,71991846.421.03923,920011.028.737.43621,520111.210.854.97717,7

Demografische Indikatoren

Geburten und Todesfälle mini|2011: Fertilitätsrate in Indien nach Distrikt Typisch für Entwicklungs- und viele Schwellenländer übersteigt die Anzahl der Geburten die der Todesfälle deutlich. Dies liegt vorwiegend an dem niedrigen Durchschnittsalter der Bevölkerung und einer Fertilität, die noch leicht über dem Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau liegt. Knapp jedes fünfte Kind weltweit wird damit in Indien geboren und Indien ist das Land mit dem weltweit höchsten natürlichen Geburtenüberschuss. Indien ist auch global das Land mit den meisten Kindern und Jugendlichen, was eine erhebliche Herausforderung für das Bildungs- und Sozialsystem darstellt. Die Kindersterblichkeit konnte über die Zeit deutlich zurückgedrängt werden. Dennoch starben zwischen 2015 und 2020 geschätzt knapp 6,2 Millionen Kinder unter 5 Jahren.