Charbielin (deutsch Ludwigsdorf, 1945–1947 Ludwików) ist eine Ortschaft der Landgemeinde Głuchołazy (Ziegenhals) in Polen. Sie liegt im Powiat Nyski (Kreis Neisse) in der Woiwodschaft Oppeln.

Geographie mini|links|Blick von der Bischofskoppe auf Charbielin (etwa Bildmitte) Geographische Lage Das Straßendorf Charbielin liegt im Südwesten der historischen Region Oberschlesien. Der Ort liegt etwa vier Kilometer östlich des Gemeindesitzes Głuchołazy (Ziegenhals), etwa 20 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Nysa und etwa 62 Kilometer südwestlich der Woiwodschaftshauptstadt Opole.

Der Ort liegt in der Nizina Śląska (Schlesische Tiefebene) innerhalb der Płaskowyż Głubczycki (Leobschützer Lößhügelland) im Grenzbereich zum Góry Opawskie (Oppagebirge) in den Sudety Wschodnie (Ostsudeten). Charbielin liegt an der Prudnik. Südlich des Dorfes verläuft die Bahnstrecke Krnov–Głuchołazy.

Nachbarorte Nachbarorte von Charbielin sind im Norden Nowy Las (Neuwalde), im Osten Wierzbiec (Wackenau) sowie im Westen der Gemeindesitz Głuchołazy (Ziegenhals).

Geschichte mini|Kirche St. Johannes Enthauptung mini|Gefallenendenkmal Das Mittelalter Der Ort wurde 1263 erstmals urkundlich als villa Ludvigi erwähnt. In der Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis aus den Jahren 1295–1305 wird der Ort als „Ludvici villa“ genannt.Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis 1381 erfolgte eine Erwähnung des Ortes als Ludwici villa sowie 1411 als Ludwigisdorff. Ludwigsdorf in Preußen Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Ludwigsdorf mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1794 wurde im Dorf eine Schule eingerichtet. Nach der Neuorganisation der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Ludwigsdorf ab 1816 zum Landkreis Neisse im Regierungsbezirk Oppeln. 1845 bestanden im Dorf eine Scholtisei, eine katholische Kirche, eine katholische Schule und 178 weitere Häuser. Im gleichen Jahr lebten in Ludwigsdorf 1167 Menschen, davon elf evangelisch.Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 386. 1855 lebten 1075 Menschen im Ort. 1865 bestanden im Ort 39 Bauer-, 34 Gärtner- und 63 Häuslerstellen sowie eine Brauerei, eine Brennerei, eine Wollspinnerei sowie zwei Schankwirtschaften.Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865, S. 1028. 1874 wurde der Amtsbezirk Neuwalde gegründet, welcher aus den Landgemeinden Ludwigsdorf und Neuwalde und den Gutsbezirken Ludwigsdorf und Neuwalde bestand.Territorial Amtsbezirk Neuwalde 1885 zählte Ludwigsdorf 959 Einwohner.AGOFF Kreis Neisse

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1933 lebten in Ludwigsdorf 879 und 1939 861 Menschen. Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Neisse. Im Januar 1945 führte die Evakuierung des KZ Auschwitz die Häftlinge zu Fuß auch durch die Region Ludwigsdorf, in der Nähe des Dorfes starben viele KZ-Insassen, 11 davon sind in einem Gemeinschaftsgrab auf dem örtlichen Pfarrfriedhof begraben. Die Rote Armee eroberte Ludwigsdorf Ende März 1945.

Ludwików und Charbielin in Polen 1945 kam das Dorf zu Polen und wurde zunächst in Ludwików 1947 dann in Charbielin umbenannt. In den Jahren 1945–1950 gehörte Charbielin zur Woiwodschaft Schlesien, ab 1950 zur Woiwodschaft Oppeln und ab 1999 zum wiedergegründeten Powiat Nyski. In den 1970er Jahren wurde in Charbielin eine neue Wohnsiedlung gebaut, die hauptsächlich für die Angestellten der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft bestimmt war.

Sehenswürdigkeiten Die römisch-katholische Kirche der Enthauptung St. Johannes des Täufers (poln. Kościół Ścięcia św. Jana Chrzciciela) wurde 1302 erstmals erwähnt. Der heutige Bau stammt größtenteils aus dem Jahr 1780 und wurde im barocken Stil errichtet, das Spitzbogenportal stammt noch von dem gotischen Vorgängerbau.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, S. 213 ISBN 3-422-03109-X 1945 brannte die Kirche nieder, wobei ein Großteil der Inneneinrichtung sowie die Turmhaube zerstört wurden. 1957 bis 1958 wurde die Kirche vereinfacht wieder aufgebaut. Die letzte Renovierung des Gotteshauses fand in den Jahren 2010 und 2011 statt. Das Gebäude hat eine klassizistische Ausstattung. Der Hauptaltar zeigt in einem Bild die Enthauptung Johannes des Täufers; er stammt aus der Zeit um 1800.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, S. 213 ISBN 3-422-03109-X Umgeben ist die Kirche von einer neogotischen Backsteinmauer, und einem ebenfalls geschützten Friedhof mit dem Gemeinschaftsgrab der KZ-Insassen von Auschwitz. Das Kirchengebäude steht seit 1966 unter Denkmalschutz.Denkmalregister der Woiwodschaft Oppeln (polnisch; PDF; 913 kB) Der Komplex eines Gutshauses aus dem 19. Jahrhundert samt dem umgebenden Park, er beherbergt heute einen Landwirtschaftsbetrieb.Denkmalregister Gmina Głuchołazy (polnisch) Der St.-Antonius-Bildstock

Wohnhäuser aus dem 19. und 20. Jahrhundert

landwirtschaftliche Speichergebäude aus dem 19. Jahrhundert Das Schulgebäude aus Backstein aus dem 19. und 20. Jahrhundert

Persönlichkeiten Wilhelm Jelinek (1889–1952), Metallarbeiter, Autor, Betriebsratsvorsitzender und Vertreter des Anarchosyndikalismus Emmy Herzog (1903–2009), Autorin Bernhard Kühnel (* 1927), Prälat von Caravelí

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Einzelnachweise

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