Schowti Wody (; , englische Transkription Zhovti Vody, zu deutsch „Gelbe Wasser“) ist eine Stadt mit Oblast-Bedeutung im Zentrum der Ukraine. Sie ist eine der jüngsten Städte der Ukraine und mit 46.200 Einwohnern (1. April 2017) die achtgrößte Stadt der Oblast Dnipropetrowsk.
Die Stadt ist Teil der Agglomeration Krywyj Rih, einer in der wohl wichtigsten Eisenerz-Region Osteuropas, dem Krywbass, gelegenen Metropolregion, die wiederum zur Wirtschaftsregion Dnepr zählt. hochkant=1.4|mini|Blick auf die nach dem Bolschewiken Grigori Petrowski benannte Hauptstraße der Stadt hochkant=1.5|mini|Skyline vom Tal der Schowta gesehen Schowti Wody ist ein Zentrum der Förderung und Weiterverarbeitung von Uran und besitzt eine der weltweit drei Minen, die kommerziell Scandium produzieren.Scandium: Characteristics, Origin and Applications auf goarticles.com (englisch) auf hardassetsinvestor.com (englisch)
Geographie Geographische Lage Schowti Wody befindet sich in der Eurasischen Steppe im historischen Gebiet des „Wilden Feldes“ am Rande des Dneprhochlands. Die Schowta (dt. „die Gelbe“), ein Nebenfluss des Inhulez, fließt durch die Stadt, die administrativ im Westen der Oblast Dnipropetrowsk an der Grenze zur Oblast Kirowohrad liegt.
Nachbargemeinden Die die Stadt umgebenden, mit etwa 25 Einwohnern/km² dünn besiedelten Rajons sind im Osten der Rajon Pjatychatky mit den Gemeinden Bohdano-Nadijiwka, Sawro und Marjaniwka sowie im Westen der zur Oblast Kirowohrad gehörende Rajon Petrowe mit der Gemeinde Kosazke.
Relief Das Stadtgebiet liegt auf einer Ebene in Höhe. Das Tal der Schowta liegt in Höhe und die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist hoch. Der niedrigste Punkt der Stadt liegt auf Höhe am Boden der stillgelegten Erzgrube „Kapital“.topographische Karte Schowti Wody auf maps.vlasenko.net (russisch)
Stadtgliederung Das Stadtgebiet erstreckt sich auf einer Länge von 7,7 km von Norden nach Süden und 5,3 km von Westen nach Osten und umfasst eine Fläche von 3325 ha (33,25 km²). Der Stadtkern von Schowti Wody hat einen nahezu rechteckigen Grundriss, dessen Länge von Norden nach Süden 2,4 km und in Ost-West-Richtung 3,5 km beträgt. Ein Großteil der Straßen der Stadt sind von Bäumen, insbesondere Aprikosenbäumen, gesäumt. mini|Altstadt mit Puschkin-Denkmal
Der Stadtkern gliedert sich in drei Teile.
Der östliche Teil der Stadt ist der älteste. Er wurde in den 1950er Jahren erbaut. Hier befindet sich unter anderem der Palast der Kultur mit dem ihn umgebenden „Ehrenpark“, das Stadthistorische Museum, im Süden das Naherholungsgebiet „Kinderpark“ wie auch ein Denkmal zu Ehren des russischen Dichters Alexander Puschkin. mini|Wohnhäuser im Westen der Stadt
Der mittlere Teil wurde in den 1970er bis 1980er Jahren errichtet. Hier ist das Zentrum der Stadt, in dem sich unter anderem die Haupteinkaufsstraße, die „Straße des 50. Jahrestages des Komsomol“ (ukr. ), das Rathaus und das „Institute of Business Strategie“ befindet. Die Wohnhäuser in diesem Stadtgebiet sind sogenannte Chruschtschowkas.
Der westliche Teil, der in den späten 1980er Jahren und frühen 1990er Jahren erbaut wurde, ist der jüngste der Stadt. Er ist zu seinem größten Teil eine Trabantenstadt, beherbergt aber auch den ständigen Markt (ukr. /) der Stadt.
Nördlich des Stadtkernes befindet sich das Gewerbe- und Industriegebiet der Stadt, das sich jedoch durch Schließung von Minen und Industriebetrieben mittlerweile in teilweise desolatem Zustand befindet. Der Osten und Südosten der Stadt ist suburban geprägt.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Schowti Wody (Жовтоводська міська громада/Schowtowodska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 3 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten DörferКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 709-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Дніпропетровської області", bis dahin bildete sie zusammen mit dem Dorf Sucha Balka die gleichnamige Stadtratsgemeinde Schowti Wody (Жовтоводськаміська рада/Schowtowodska miska rada) unter Oblastverwaltung im Westen des sie umgebenden Rajons Pjatychatky.
Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon KamjanskeВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Schowti Wody Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Marjaniwka Мар’янівка Марьяновка (Marjanowka) Sucha Balka Суха Балка Сухая Балка (Suchaja Balka) Wolotschajiwka Волочаївка Волочаевка (Wolotschajewka)
Verkehrsinfrastruktur mini|hochkant=1.2|Busbahnhof
Innerstädtisch gibt es neben dem Individualverkehr den öffentlichen Nahverkehr, bestehend aus einigen Buslinien, mit denen man zum Preis von 3 UAH eine Strecke im Stadtgebiet zurücklegen kann, sowie zahlreichen Taxen.
Der Fernverkehr wird über den Busbahnhof (ukr. ) im Nordwesten der Stadt abgewickelt. Der Busbahnhof gehört zum Regionalen Unternehmen der Bus-Stationen Dnepropetrovsk (ukr. ).Abfahrtszeiten vom Busbahnhof Schowti Wody auf der Website des „Regionalen Unternehmens der Bus-Stationen Dnepropetrovsk“, abgerufen am 24. Januar 2015. Von diesem bestehen mehrmals täglich Direktverbindungen mit Reisebussen, unter anderem nach Kiew, Dnipro, Oleksandrija, Krywyj Rih und Krementschuk, sowie mit kleinen Überlandbussen, den sogenannten Marschrutkas, in die Nachbarorte, wie zum Beispiel stündlich zum Preis von 8,39 ₴ zum Bahnhof in Pjatychatky zur Weiterreise mit dem Zug.Busbahnhof Schowti Wody (russisch)
Schowti Wody verfügt im Norden der Stadt lediglich über einen Güterbahnhof (Schowti Wody 2), der über eine Stichstrecke mit der Hauptstrecke in Pjatychatky verbunden ist.
Die nächstgelegenen Flughäfen sind die Flughäfen Krywyj Rih und Dnipro. 4 km westlich der Stadt, auf dem Gemeindegebiet von Kosazke liegt der ehemalige mit einer 400 m langen Start- und Landebahn.
Straßennetz mini|hochkant=0.6|Ortseingangsschild
Außerhalb der Stadt sind die Straßen oft uneben, nicht gesichert und von Schlaglöchern geprägt. Durch die Stadt verläuft die Regionalstraße P 74 (bis 1. Januar 2013 Territorialstraße T–04–18),Ministerkabinett der Ukraine am 18. April 2012 Kiew № 301 Über die Genehmigung der Liste der öffentlichen Straßen von nationaler Bedeutung (ukrainisch) die über eine Länge von 121 km von Schyroke über Krywyj Rih, Tscherwone und an Bohdano-Nadijiwka vorbei bis nach Pjatychatky führt. Außerdem beginnt hier die Territorialstraße T–12–10, die über Petrowe, Werbljuschka und Dolynska führt und nach 118 km in Ustyniwka endet.
Bei Schowte, gut zehn Kilometer nördlich der Stadt verläuft die, für ukrainische Verhältnisse in gutem Zustand befindliche, Fernstraße M 04/E 50, die in westliche Richtung bis Snamjanka und von dort als N 01 weiter nach Kiew führt. In östliche Richtung verbindet sie die Stadt mit Dnipro und im weiteren Verlauf mit dem Donezbecken und Russland.
Das Kfz-Kennzeichen der Stadt ist seit 2004, wie in der gesamten Oblast: AE.
Klima
Schowti Wody liegt, wie 25 % des ukrainischen Gebietes, in der Vegetations- und Klimazone der Steppe, auf agritour.com.ua. in der ein gemäßigtes kontinentales Klima mit milden Wintern und warmen (manchmal heißen) Sommern herrscht.
mini|links|„Ehrenpark“ im Januar
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,5 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit −5,5 °C, der wärmste Monat ist der Juli mit 21,3 °C.
Die Regentage betragen im Jahresdurchschnitt 125, die Anzahl der Gewittertage beträgt 22, die Anzahl der Tage mit Hagel sind 5 und an 53 Tagen schneit es im Jahresmittel.
Die höchste Windgeschwindigkeit herrscht im Januar und Februar, die niedrigste Windgeschwindigkeit ist im Sommer.
Die Luftfeuchtigkeit beträgt im Jahresdurchschnitt 73,9 %, wobei diese zwischen durchschnittlich 61 % im August und durchschnittlich 89 % im Dezember schwanken kann.
Zeitzone Die Stadt befindet sich, wie die gesamte Ukraine, in der osteuropäischen Zeitzone. Das bedeutet, dass die Uhren gegenüber der Koordinierten Weltzeit (UTC) um zwei Stunden und gegenüber der in Deutschland geltenden mitteleuropäischen Zeit um eine Stunde vorgehen.
Geologie mini|Förderturm der „Nowa“- Erzmine
Schowti Wody befindet sich geologisch im zentralen Teil des ukrainischen Schildes am Übergang vom Dneprhochland zur Schwarzmeersenke im Norden des Krywbass mit Gesteinsschichten, die reiche Eisenerzlagerstätten enthalten. Diese Schichten sind nord-südlich gefaltet. In der einzig verbliebenen Mine der Stadt (Nowaja-Glubokaja) wird Eisenerz gefördert, das auch Magnetit und das äußerst seltene Scandium, ein Metall der Seltenen Erden, enthält, das hier bei der Aufbereitung uranhaltiger Erze anfällt. Von den 2 Tonnen weltweitem jährlichen Scandiumverbrauch (Stand 2001) stammen 400 kg (20 %) aus Schowti Wody. (französisch) Außerdem wurden Vorkommen von Molybdän entdeckt, die aber noch nicht genutzt werden.Rohstoffvorkommen auf mnenie.dp.ua, abgerufen am 6. April 2013 (russisch)
Die Böden sind sehr fruchtbare Schwarzerdeböden, die zu den ertragreichsten Böden der Welt gehören.
Bergbaufolgen mini|hochkant=1.4|Alte Erz- und Urangrube „Kapital“
Die Hinterlassenschaften des Uranabbaus führen zu einer langfristigen Gefährdung der Bevölkerung und der Umwelt durch erhöhte Strahlenbelastung.Radiation characteristics of Dnepropetrovsk region.Radionuclides in the Environment: International Conference on Isotopes in Environmental Studies: Aquatic Forum 2004, 25-29 October, Monaco Seite 208 ff. − 17. FEBRUAR 2011.Bericht des russischen Senders TVC auf www.tvc.ru (russisch) Die Konzentration von Radon in Wohnhäusern ist deutlich erhöht, wahrscheinlich wegen der Tailings, die rund um die Stadt deponiert sind, und des schwachradioaktiven Abraums der Uranminen, der beim Bau der Altstadt verwendet wurde. Auch das Trinkwasser weist erhöhte Strahlenwerte auf.Kontamination von Inhulez und seiner Nebenflüsse (ukrainisch) Unabhängige Strahlenmessungen ergaben teilweise eine Strahlenbelastung, deren Werte über dem 100fachen der natürlichen Strahlendosis lagen und somit mit Werten aus der evakuierten Sperrzone von Tschernobyl vergleichbar sind.
Die Anerkennung des vollen Umfanges und der Wirkung der Verschmutzung setzt sich nur langsam durch. Im Jahr 2003 erarbeitete die Regierung einen Aktionsplan für den „Radioaktiven- und Sozialschutz der Bevölkerung von Schowti Wody“, der eine aufwändige Sanierung von Umweltschäden sowie die Bereitstellung von neuen Wohnungen, besserem Essen sowie einer besseren medizinischen und sozialen Versorgung vorsah. Aufgrund politischer Instabilität und einem Mangel an Geld ist jedoch seither nur wenig erreicht worden, (englisch) wenn man von den in zahlreichen Häusern der Stadt durchgeführten Radon-Messungen absieht. (ukrainisch)
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) empfiehlt in einem Report von 2006 eine Sanierung der Tailings bei Schowti Wody.RADIOLOGICAL CONDITIONS IN THE DNIEPER RIVER BASIN Assessment by an international expert team and recommendations for an action plan – VIENNA, 2006 (PDF; 6,4 MB) Seite 18ff (englisch)
Geschichte
Ursprünge Ein skythischer Kurgan (Grabhügel) innerhalb des Stadtgebietes lässt auf eine frühe Besiedlung durch Skythen im Altertum schließen.
Die Gegend von Schowti Wody wurde durch die Schlacht bei Schowti Wody und dem aus ihr resultierenden Sieg der ukrainischen Saporoger Kosaken unter Bohdan Chmelnyzkyj über die polnisch-litauischen Truppen unter Stefan Potocki zu Beginn des Chmelnyzkyj-Aufstandes am 16. Mai 1648 berühmt. auf kismeta.com (englisch)
Die ersten Siedler im Tal der Schowta waren flüchtige Bauern, Kosaken genannt, die hier fischten, jagten und die ersten Unterkünfte errichteten. (PDF) auf der offiz. Webseite der Stadt, abgerufen am 23. November 2014.