Star! ist eine 1967 aufwändig gedrehte, knapp dreistündige US-amerikanische Filmbiografie in Gestalt eines Filmmusicals von Robert Wise. Julie Andrews spielt die Hauptrolle der gefeierten angloamerikanischen Bühnenschauspielerin Gertrude Lawrence (1898–1952). Der Film kostete gut 14 Millionen Dollar und spielte in den USA nur etwa vier Millionen Dollar ein.

mini|Gertrude Lawrence (1917)

Handlung New York, 1941. Die gefeierte britische Theaterschauspielerin Gertrude Lawrence, die gerade mit Lady in the Dark am Broadway Triumphe feiert, schaut sich eine Dokumentation über sich in Form eines Wochenschau-Zusammenschnitts an und beginnt, sich an die Anfänge ihre berauschenden Karriere zu erinnern, die vor gut einem Vierteljahrhundert begann. 1915 verlässt die 17-jährige Gertrude das Haus ihrer Mutter in Bermondsey und geht nach Brixton, um sich ihrem Vater anzuschließen. Arthur Lawrence und seine Bühnenpartnerin Rose treten zu dieser Zeit in einer schäbigen Music Hall auf. Dennoch übt diese Theaterwelt von Anbeginn eine magische Anziehungskraft auf das junge Mädchen aus, und Gertrude beschließt, sich ebenfalls auf die Bühnenbretter zu begeben. Ihr erstes Engagement führt sie als Chorsängerin in einer André-Charlot-Revue ins Londoner West End. Der um ein Jahr jüngere Nachwuchsmime und Nachwuchsautor Noël Coward, ein ausgewiesener Bonvivant und Spötter und zugleich enger Freund Gertrudes seit frühester Jugend, wird ihr treuester Begleiter und ironischer Kommentator ihrer gesamten Karriere. Lawrences Überengagement und der unbedingte Wille, das Rampenlicht für sich zu erobern, führen dahin, dass man Gertrude bereits zu Beginn ihrer noch jungen Karriere am liebsten hinauswerfen möchte. Doch in dem Inspizienten Jack Roper, der ihr Talent erkennt, findet Gertrude einen Fürsprecher. Beide verlieben sich ineinander und heiraten schließlich.

Doch diese Verbindung steht, trotz der Geburt beider Tochter Pamela, unter keinem guten Stern. Noch im schwangeren Zustand will Gertrude in Burlington Bertie auftreten und heimst damit beim Publikum großen Erfolg ein. Gertrude und Jack, das stellt sich rasch heraus, streben zu sehr in unterschiedliche Richtungen. Während Jack sich eine häusliche Gattin erhofft, die sich nun um das gemeinsame Kind kümmert, strebt Gertrude zurück auf die Bühne. In dieser Zeit lernt sie den britischen Edelmann Sir Anthony Spencer kennen, der ihr erst gute Manieren beibringt und dann den letzten gesellschaftlichen Schliff gibt, sodass sie als Lady der schicken Londoner Society reüssieren kann. Gertrude avanciert zum Liebling der Londoner Upper Class, doch als sie eines Tages vorgibt, krank zu sein und dadurch eine Charlot-Revue-Vorstellung schwänzt, wird sie gefeuert: Irgend jemand hat sie putzmunter an der Seite Sir Antonys in einem Dinner Club ausgemacht. Und wieder ist Freund Noël zur Stelle. Er überredet André Charlot, es noch einmal mit Gertrude zu versuchen und sie als Star herauszustellen. Die neue Charlot-Revue wird auch am Broadway ein Riesenerfolg, und rasch avanciert Gertrude Lawrence zum Darling der feinen New Yorker Gesellschaft. Ein Verehrer reiht sich an den nächsten, darunter auch der amerikanische Berufskollege Charles Fraser und der New Yorker Börsenmakler Ben Mitchell. Gertrude genießt es, derart begehrt zu sein, und ihre Popularität erreicht dank dem beschwingten Musical Oh, Kay! 1926 einen neuen Höhepunkt. Sie liebt aber auch ihre Freiheit, denn fest binden möchte sie sich noch immer nicht. Und so lässt sie alle drei Männer, Sir Anthony, Fraser und Mitchell, zappeln.

Bald plagen Gertrude Lawrence ernsthafte Sorgen, denn sie gibt das verdiente Geld mit vollen Händen wieder aus und steht bald am Rande des Bankrotts. Ihr flüchtiger, flatterhafte und vor allem kostspieliger Lebensstil ist das Eine, das Andere ist die wenige Zeit, die Gertrude verbleibt, um sich im ausreichenden Maße um Pamela zu kümmern. Dieses Verhalten führt rasch zur Entfremdung zwischen Gertrude und ihrer schnell reifenden, fernab von ihr lebenden Tochter. Es kommt zu einem körperlichen Zusammenbruch Gertrudes, begründet in völliger Überarbeitung. Schließlich kann Lawrence eine Privatinsolvenz verhindern und steigt mit neuen Rollen wie etwa in Cowards Tonight at 8:30 zu neuen künstlerischen Höhenflügen, Ruhm und Erfolg auf. Mit dem Stück Susan and God wagt Gertrude einen neuen Schritt: erstmals versucht sie sich nicht in einem leichtgewichtigen Stück, sondern an einem dramatischen Stoff. Dem Bühnenerfolg des Stars steht weiterhin der große Misserfolg in ihrem Verhältnis zu Pamela gegenüber: Ihre Tochter streicht kurzerhand einen geplanten, gemeinsamen Urlaub, woraufhin Gertrude übermäßig zu trinken beginnt und im stark alkoholisierten Zustand auf einer von Coward ihr zu Ehren gegebenen Überraschungsgeburtstagsfeier erscheint und alle Anwesenden beleidigt.

Unter den Attackierten befindet sich auch Richard Aldrich, ein arrivierter und gesellschaftlich anerkannter und vermögender Gentleman aus New England, der eine eigene Theatergesellschaft betreibt. Aldrich begleitet Gertrude, die nicht mehr ganz Herrin ihrer fünf Sinne ist, von der Geburtstagsparty nach Hause. Anders als all die „Höflinge“ um sie herum, die Gertrude bislang stets Honig ums Maul geschmiert haben, sagt er ihr seine ehrliche Meinung, was Gertrude zunächst sehr verletzt. Fortan wird sie so manchen Streit mit dem anständigen Richard suchen, doch der weiß stets richtig und klug zu reagieren. Gertrude nimmt sie sein Angebot an, in Aldrich’s Cape Cod Playhouse die Hauptrolle in dem Stück Skylark zu übernehmen. Die Anschlussproduktion Lady in the Dark, in der Lawrence an der Seite des noch weitgehend unbekannten Danny Kaye auftritt, wird 1941 zu einem persönlichen Triumph der Künstlerin. Gertrude Lawrence, die, nachdem Coward Aldrich als einen „sehr klugen Mann“ bezeichnet hat, weiß nun endlich, dass sie in Richard denjenigen Mann gefunden hat, den sie schon immer gesucht hatte. Jetzt endlich willigt sie ein, ihn zu heiraten.Ihr späterer Erfolg in The King and I (1951) und ihr Tod – ein Jahr später – infolge eines unheilbaren Leberkrebses werden in dem dreistündigen Film nicht thematisiert.

Produktionsnotizen mini|Hauptdarstellerin Julie Andrews

Vorgeschichte Die Idee zu diesem Film entstand unmittelbar nach Abschluss der Dreharbeiten zu dem Robert-Wise-Musical Meine Lieder – meine Träume, in dem ebenfalls Julie Andrews die weibliche Hauptrolle gespielt hatte. Sie soll angesichts der angenehmen Zusammenarbeit mit dem Filmteam sogleich zugesagt haben, mit Wise auch die nächste Musical-Großbiografie Star! zu drehen.Hintergrundbericht im AFI Catalog Ihre Gage betrug eine Million Dollar.

Produktion Star! wurde ab dem 12. April bis zum 15. Dezember 1967 an verschiedenen Drehorten auf zwei Kontinenten gefilmt: London, Dennis und Cape Cod (Massachusetts), New York City, Los Angeles, Yorkers (New York), Mill Neck (New York) und in Antibes (Frankreich). Der Film erlebte seine Weltpremiere in London im Rahmen einer Royal Premiere am 18. Juli 1968. In Deutschland lief Star! am 11. Oktober 1968 an. Die US-Premiere fand erst elf Tage darauf, am Rivoli Theatre am Broadway in New York, statt.

Regisseur Robert Wise zeichnete auch als Herstellungsleiter verantwortlich. Saul Wurtzel übernahm die Produktionsleitung. Die Filmbauten entwarf Boris Leven, unterstützt von Walter M. Scott und Howard Bristol (Ausstattung). Die Kostüme entwarf Donald Brooks. Komponist Lennie Hayton übernahm auch die musikalische Leitung. Die zahlreichen optischen Spezialeffekte verantworteten L. B. Abbott, Art Cruickshank und Emil Kosa junior.

Musiknummern Folgende zwanzig Musiknummern werden gespielt, überwiegend gesungen von Julie Andrews und/oder Daniel Massey:

1. Ouvertüre (Medley: Star! / Someone to Watch Over Me / Jenny / Dear Little Boy / Limehouse Blues) 2. Star! 3. Piccadilly 4. Oh, it’s a Lovely War 5. In My Garden of Joy 6. Forbidden Fruit 7. N’ Everything 8. Burlington Bertie from Bow 9. Parisian Pierrot 10. Limehouse Blues 11. Someone to Watch Over Me 12. Dear Little Boy (Dear Little Girl) 13. Entr’acte – Star! 14. Someday I’ll Find You 15. The Physician 16. Do, Do, Do 17. Has Anybody Seen our Ship? 18. My Ship 19. The Saga of Jenny 20. Haupttitel „Star!“ (Instrumentalversion)

Weiters wurden für diesen Film Kompositionen von Kurt Weill, Cole Porter und Ira Gershwin verwendet.

Synchronisation Rolle Darsteller SynchronsprecherGertrude LawrenceJulie AndrewsMaria KörberRichard AldrichRichard CrennaClaus BiederstaedtSir Anthony SpencerMichael CraigGert Günther HoffmannNoël CowardDaniel MasseyHarry WüstenhagenCharles FraserRobert ReedMichael ChevalierArthur LawrenceBruce ForsythDietrich FrauboesRoseBeryl ReidTina EilersJack RoperJohn CollinNorbert LangerAndré CharlotAlan OppenheimerSiegfried DornbuschJack BuchananGarrett LewisJoachim PukaßBen MitchellAnthony EisleyLutz MoikDanJ. Pat O’MalleyErich FiedlerGastgeberinAnna LeeAlice TreffJerry PaulDamian LondonPeter SchiffJeannie BanksElizabeth St. ClairAlmut EggertLord ChamberlainLester MatthewsKurt MühlhardtScheidungsrichterSeymour GreenPaul WagnerChamberlains SekretärBernard FoxKlaus SonnenscheinPartygastHaskell CoffinWolfgang VölzDiplomatRoger DelgadoErich Poremski

In der deutschen Fassung führt Friedrich Schoenfelder als Off-Sprecher durch das Geschehen.

Rezeption Veröffentlichung und Konsequenzen Der Film sollte sich als Kassenflop erweisen, erschien er doch zu einer Zeit, in der bereits das New-Hollywood-Kino mit seinen wichtigsten Vertretern Peter Bogdanovich, Francis Ford Coppola, Martin Scorsese und Dennis Hopper vollkommen neue Wege des Filmemachens beschritt. Star! galt als hoffnungslos antiquiert und wie aus der Zeit gefallen. Die Kritiken waren entsprechend durchwachsen, Verrisse nicht eben selten. Um zu retten was zu retten ist, wurde der Film kurz nach seiner US-Premiere vom Verleih wieder zurückgezogen und anschließend massiv umgeschnitten. Im Oktober 1969 kam Star! erneut in die US-Kinos, diesmal unter dem Titel Those Were the Days. Die Länge dieser gekürzten Fassung betrug nunmehr nur noch rund zwei Stunden.

Star! betrieb zu einem Zeitpunkt, in dem das Fernsehen den Kinosälen längst Zuschauermassen abspenstig gemacht hatte, einen unerhörten, nicht mehr zeitgemäßen Aufwand, der sich nicht amortisieren ließ. Wie das American Film Institute feststellte, gab es 24 Musicalnummern, 105 verschiedene Filmsets, und es wurden allein für Julie Andrews 114 Kostüme angefertigt. Das Fachblatt Variety erinnerte daran, dass Star! damals der achtteuerste Film in der US-Geschichte gewesen sei. Dazu kam, dass Fachleute wie die Starkritikerin Pauline Kael von The New Yorker den Machern des Films eine grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber der historischen Lawrence unterstellte und dass zu deren „Inkompetenz auch noch Unannehmlichkeit“ hinzukäme. Newsweek verglich Star! schließlich mit einer überlangen Beerdigungszeremonie, die durchzuhalten ebenfalls nicht ganz unmöglich sei und befand, dass die meisten Lieder „mittelmäßig oder schlechter“ seien.

Kritiken