Gaston ist die Titelfigur einer belgischen Comic-Reihe aus dem Magazin Spirou. Gezeichnet wurde sie von André Franquin vom Februar 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Bis 1967 war der Zeichner Jidéhem als Hintergrundzeichner an der Serie beteiligt. Seit 2023 wird die Serie von dem neuen Autor Marc Delafontaine alias Delaf fortgeführt.

Im französischsprachigen Original heißt die Figur mit vollem Namen Gaston Lagaffe. La gaffe bedeutet auf Deutsch „der Schnitzer“, „das Ungeschick“, „der Ausrutscher“ oder „die Entgleisung“.

Inhalt mini|Wandgemälde in Angoulême: Der Gastophon spielende Gaston und sein Vorgesetzter Demel Gaston ist ein Bürobote in der Redaktion des real existierenden Verlages Dupuis, in der deutschen Ausgabe des Kauka Verlages bzw. des Carlsen-Verlages. Er soll eigentlich die Leserpost bearbeiten, fällt jedoch stattdessen meistens nur durch seine ausgefallenen, meist missglückten Experimente und Basteleien und durch seine Faulheit und Schläfrigkeit auf. Er wird als liebenswerter Chaot und verkanntes Genie dargestellt. In seiner Freizeit spielt er gerne Musikinstrumente, unter anderem Gitarre, Posaune und das absurd laute, von ihm erfundene „Gaffophone“ (deutsch: „Gastophon“ oder auch „Brontosaurophon“).

Seine Vorgesetzten (bis Sketch Nr. 480 Fantasio, danach Demel) versuchen ständig, aber meistens erfolglos, Gaston zu kontrollieren und zum Arbeiten zu bringen. Ein häufiger Running Gag ist, dass sie immer wieder versuchen, mit dem Geschäftsmann Bruchmüller zum Unterschreiben von Verträgen zu kommen, doch immer wieder weiß Gaston dies durch ein Missgeschick unabsichtlich zu verhindern. Selbst wenn ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sein scheinen, macht ihnen Gaston immer wieder unabsichtlich einen Strich durch die Rechnung.

Gaston ist zudem sehr tierlieb und hat im Laufe der Geschichten mehrere Haustiere: eine Katze, eine Lachmöwe mit Namen Har-Har, einen Goldfisch mit Namen Blubblub und eine Mäusefamilie, die in einem Aktenordner wohnt. Weitere Tiere, die im Laufe der Zeit vorkommen, sind ein Igel, eine Kuh, die er bei einer Tombola gewonnen hat, ein Hummer, den er in einem Restaurant vor dem Kochtopf gerettet hat, der Papagei seiner Tante und eine Schildkröte. All diese Tiere stiften Wirbel und Chaos in der Redaktion. Auch für Pflanzen, insbesondere Kakteen, hat er eine Vorliebe, was ebenfalls für einige Gags sorgt.

Ein häufiger Antagonist Gastons ist Wachtmeister Knüsel, ein Polizist, der nur darauf aus ist, an Gaston Strafzettel, meistens für Falschparken, zu verteilen. Teils hat Gaston das Nachsehen, aber meistens steht Knüsel als Verlierer da.

Ein weiterer regelmäßiger Quell für Komik ist Gastons Auto, ein Fiat 509, der in sehr schlechtem Zustand ist und ständig kaputtgeht oder die Insassen und Umgebung in Gefahr bringt. Dennoch liebt Gaston sein Auto, repariert es regelmäßig, stattet es oft mit neuen, selbst gebauten Extras aus und nutzt es häufig als Grundlage für seine Erfindungen und Experimente.

Charaktere mini|Gastons Auto (Fiat 509) auf der Brüsseler Motorshow 2009 Sollten mehrere Namen zu einer Figur aufgelistet sein, so ist der erste Name der aktuelle, alle weiteren aus älteren Übersetzungen.

Gaston / Jo-Jo (im Original Gaston Lagaffe) ist die Hauptfigur der Serie. Er arbeitet als Redaktionsbote im Verlag und soll eigentlich die Leserpost bearbeiten, verbringt seine Arbeitszeit jedoch stattdessen meistens mit Spielereien, Bastel- und Kochexperimenten oder schläft. Er trägt fast immer dieselbe Kleidung, bestehend aus einem grünen Pullover, blauer oder manchmal auch schwarzer Jeanshose, blau-weißen Espadrilles und roten Socken. Fantasio / Pit (im Original ebenfalls Fantasio) arbeitet als Redakteur beim Verlag und ist Gastons Vorgesetzter, der ihn beaufsichtigt und, meistens erfolglos, versucht, ihn zum Arbeiten zu bringen. Nach Sketch Nr. 480 scheidet er aus der Serie aus (interne Begründung, er sei nun im Außendienst), taucht danach aber noch in ein paar einzelnen Sketchen (zuletzt Sketch 551) auf. Demel / Günter (im Original: Léon Prunelle) löst in Sketch Nr. 481 Fantasio als Redaktionschef ab und übernimmt damit die Aufgabe, Gaston zu beaufsichtigen. Er ist, insbesondere wenn es in der Redaktion hektisch zugeht, nervös, hysterisch und cholerisch und fast immer genervt von Gastons Faulheit und Experimenten. Wenn er aufgeregt ist, stößt er häufig seine Catchphrase „Rogntüdü“ aus. (erster Auftritt Sketch Nr. 207) Peter Bruchmüller (Aimé De Mesmaeker) ist ein korpulenter, cholerischer, arroganter Geschäftsmann, der immer wieder beim Verlag vorbeikommt, um Verträge abzuschließen, was Gaston jedoch stets ungewollt verhindert. (erster Auftritt Sketch Nr. 109) Fräulein Trudel / Hanni (Mademoiselle Jeanne) ist eine naive, junge Mitarbeiterin, die in Gaston verliebt ist und ihn als einzige Person in der Serie stets bewundert und verehrt. (erster Auftritt Sketch Nr. 224) Krause (Yves Lebrac) arbeitet als Zeichner beim Verlag. Er ist auch manchmal genervt von Gaston und ein häufiges Opfer seiner Missgeschicke, steht ihm aber insgesamt wesentlich positiver gegenüber als Demel und tritt gelegentlich als sein Freund und Unterstützer auf. (erster Auftritt Sketch Nr. 207) Herr Bolte (Joseph Boulier) ist der Buchhalter des Verlags. Er ist sehr streng und humorlos und macht seine Arbeit sehr präzise, allerdings wird er immer wieder von Gaston in seiner Arbeit gestört oder diese von Gaston zunichtegemacht. (erster Auftritt Sketch Nr. 195) Wachtmeister Knüsel (Joseph Longtarin) ist ein fieser, strenger Polizist, der immer wieder versucht, an Gaston Strafzettel für Falschparken oder für den schlechten Zustand seines Autos zu verteilen. (erster Auftritt Sketch Nr. 191) Alfons von Gegenüber (Jules-de-chez-Smith-en-face) ist ein Kumpel von Gaston, der sein Büro direkt auf der anderen Straßenseite hat. Er ist wie Gaston sehr faul und experimentierfreudig, und die beiden verbringen ihre Zeit lieber mit allerhand absurden Spielen anstatt zu arbeiten. (erster körperlicher Auftritt Sketch Nr. 458) Felix Pannemann / Knoop / Berti (Bertrand Labévue) ist Gastons Cousin, der zu Depressionen neigt (eine Anspielung auf Franquin, der lange Zeit selbst unter Depressionen litt). (erster Auftritt Sketch Nr. 347) Herr Carlsen (Monsieur Dupuis) ist der Chef des Verlags, der allerdings nur entweder per Telefon in Erscheinung tritt oder von dem man nur die Arme und Beine, aber nie den kompletten Körper oder das Gesicht sieht. (erster körperlicher Auftritt in Sketch Nr. 207) Pruegel und Schlaeger / Kühne und Tätlich / Wüthrich & Schlagetodt (Ducran & Lapoigne) sind zwei stämmige, cholerische Herren, die im unmittelbar angrenzenden Nachbarhaus des Verlags ein Brückenbauunternehmen betreiben und gelegentlich durch Gastons Missgeschicke in Mitleidenschaft gezogen werden. (erster Auftritt Sketch Nr. 297) Elfenfinger-Freddie (Freddy-les-doigts-de-fée) ist ein Berufseinbrecher mit 20 Jahren Erfahrung, scheitert aber im Carlsen-Verlag immer indirekt durch Gaston. Die Angestellten sehen ihn jedoch als Leidensgenossen von Gastons Taten und rufen nie die Polizei. (erster Auftritt Sketch Nr. 497)

Veröffentlichungsgeschichte

Gaston Lagaffe tauchte erstmals am 28. Februar 1957 in der Zeitschrift Spirou auf.Lagaffe fait des automobilistes heureux bei toutenbd.com, abgerufen am 22. Februar 2016 Bei seinen ersten Auftritten stand er einfach herum und verwirrte damit die Angestellten. Später tauchte er in einzelnen Szenen der Serie Spirou und Fantasio auf, um dann eine eigene Serie zu erhalten. Die einzelnen Strips waren zuerst halb-, später ganzseitig.

Nach Franquins Tod 1997 erschienen keine neuen Strips mehr, da Franquin verfügt hatte, dass kein anderer Zeichner seine Figuren übernehmen dürfe und die Rechte an seinen Figuren bei seiner Familie verblieben. Nachdem im Jahr 2014 die Rechte an Gaston und dem Marsupilami an den Verlag Dupuis gingen, hat Gaston, gezeichnet u. a. von Yoann, wieder Auftritte in Comicgeschichten.Spirou und Fantasio, Band 52 (Der Page der Sniper Alley), erschienen im Februar 2015

In Deutschland

In Deutschland wurden die Gaston-Comics zuerst von 1968 bis 1978 vom Kauka Verlag in Fix und Foxi abgedruckt. Gaston hieß dort Jo-Jo (abgeleitet von Josef), und ihm wurde ein starkes Stottern angedichtet. Auch sonst wurden, wie bei Kauka damals üblich (siehe auch: Siggi und Babarras), die Dialoge und Gags sehr frei und teilweise sinnverändernd übersetzt.

Ab 1981 erschien Gaston im Carlsen Verlag (zeitweise in der Sparte Semic), diesmal mit korrekter Übersetzung. Neben Bänden im Album-Format erschienen in der Reihe Carlsen Pocket auch Taschenbücher. Nachteilig war an dieser Veröffentlichung das völlige Durcheinander in der Chronologie. Dieses Problem wurde schließlich mit der Neuauflage Gesammelte Katastrophen ab 1993 behoben. Die letzte Auflage dieser Ausgabe erschien 2001.

Von Juli 2008 bis August 2010 veröffentlichte der Carlsen Verlag die einzelnen Bände im Monatsrhythmus neu. Dabei wurde die Übersetzung noch einmal überarbeitet, um sie näher an das Original heranzubringen und die Namen, welche teilweise in der Serie durcheinandergingen, zu vereinheitlichen. Zudem wurde noch einmal der Inhalt überarbeitet. So sind einige Sketche, welche bei vorherigen Auflagen nur in neu gezeichneten Versionen zu sehen waren, nun in den Originalversionen restauriert worden; das Zusatzmaterial, teilweise nie in Deutschland veröffentlicht, wurde an die chronologisch korrekten Stellen gesetzt und die Kolorierung überarbeitet sowie das Lettering vereinheitlicht.

Im Januar 2006 erschien in der FAZ-Reihe Klassiker der Comic-Literatur eine Gaston gewidmete Ausgabe, die hauptsächlich Halbseiter mit neuer, sehr eng am Original orientierter Übersetzung bot.

Ende 2015 erschien unter dem Namen Der Ganze Gaston erstmals eine Gesamtausgabe, die alle Gags in fünf Bänden im Schuber zusammenfasst und zudem einiges an teilweise nie zuvor in Deutschland veröffentlichtem Zusatzmaterial und Hintergrundinformationen über die Comicserie bietet.

2019 läuft in Deutschland die Softcover-Serie von 2008 aus und bei Carlsen erscheint stattdessen eine neue Hardcover-Serie, in welcher Kolorierung und Lettering (letzteres auf Wunsch von Franquins Erben) überarbeitet wurden. Die Chronologie wird noch einmal korrigiert und durch zusätzliches Material kommt noch ein weiterer Band hinzu.

Fortführung durch Delaf Im März 2022 kündigte der Verlag Dupuis beim Internationalen Comicfestival in Angoulême Gastons Rückkehr an. Der Frankokanadier Marc Delafontaine („Delaf“) habe ein neues, 48-seitiges Album fertiggestellt, das am 19. Oktober 2022 mit einer Startauflage von 1,2 Millionen Exemplaren erscheinen solle. Franquins Tochter Isabelle wandte sich daraufhin an ein Brüsseler Gericht, da ihr Vater verfügt habe, dass Gaston nach seinem Tod nicht weiterleben solle. Isabelle Franquin hatte zuvor bereits gegen die Veröffentlichung des Ablegers „Gastoon“, in dem es um Gastons im Kindesalter befindlichen Neffen geht, geklagt; der Streit endete mit einer außergerichtlichen Einigung. Um „eine ruhige und objektive Debatte zu ermöglichen“, entschied der Verlag im Mai 2022, das Erscheinen dieses Bands vorerst auszusetzen.Aus Gastons Comeback wird vorerst nichts bei spiegel.de vom 16. Mai 2022, abgerufen am 16. Mai 2022

Nachdem der Rechtsstreit zwischen dem Verlag Dupius und Isabelle Franquin in einem Schiedsverfahren beigelegt wurde, erschien der Band am 22. November 2023.

Bände