Der Krabbenbussard (Buteogallus anthracinus) ist ein mittelgroßer bis großer, stämmiger Greifvogel aus der Gattung Buteogallus innerhalb der Unterfamilie der Bussardartigen (Buteoninae). Die fast gänzlich schwarze oder schwarzbraune Art mit breiten, gerundeten Flügeln und kurzem gebänderten Schwanz, kommt in den südlichen USA, den Küstenbereichen Mexikos und Mittelamerikas, sowie im nördlichen und nordöstlichen Südamerika vor. Die Geschlechter sind weitgehend gleich gefärbt; Weibchen sind nur unmerklich größer, aber wesentlich schwerer als Männchen. Jungvögel unterscheiden sich mit ihrer braunen Oberseite und der deutlich auf hellem Grund braun gesprenkelten Bauchseite deutlich von adulten Krabbenbussarden.
Die im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes brütenden Krabbenbussarde (USA und nördliches Mexiko) sind weitgehend Zugvögel, die Vögel der übrigen Regionen Standvögel. J. H. Schnell: Common Black Hawk (Buteogallus anthracinus). In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; Version 2.0. Introduction and Appearance Die Art kommt ausschließlich in Wassernähe, bevorzugt in feuchten Habitaten, wie Mangroven, Marschen, Watten, versumpften Flussufern und ähnlichem vor, wo sie sich als Nahrungsgeneralist vorwiegend von jenen Tieren ernährt, die mit dem geringsten Aufwand zu erbeuten sind. Fische, Reptilien und auch Krabben spielen aber immer eine besondere Rolle.J. H. Schnell: Common Black Hawk (Buteogallus anthracinus). In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; Version 2.0. Diet
Laut IUCN ist Buteogallus anthracinus, von dem mit Stand Ende 2019 fünf Unterarten anerkannt werden, nicht gefährdet (LC = least concern).Factsheet auf BirdLife InternationalR. O. Bierregaard Jr., D. A. Christie, P. Boesman, G. M. Kirwan, J. S. Marks: Common Black Hawk (Buteogallus anthracinus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, E. de Juana (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2019 (heruntergeladen von https://www.hbw.com/node/53111 am 16. Dezember 2019) Der Gattungsname (Buteogallus = Hühnerbussard) bezieht sich auf die langen Beine, das Artepitheton anthracinus (griech. ανθρακινός = holzkohlefarben) auf die Gefiederfärbung der Art.James A. Jobling: The Helm Dictionary of scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010. ISBN 978-1-4081-2501-4
Aussehen Der Krabbenbussard ist ein mächtiger, massiv gebauter, fast einheitlich schwarzer oder schwarzbrauner Bussard mit langen Beinen und kurzen, breiten, vor allem im Bereich der Armschwingen deutlich gebuchteten Flügeln. Der kurze, meist breit gefächerte Schwanz weist eine markante, breite, weiße Mittelbinde auf. Er fliegt mit langsamen, kräftigen, tief durchgezogenen Flügelschlägen und segelt mit annähernd waagrecht gehaltenen Flügeln. Ein Färbungsdimorphismus besteht nicht, der reverse Größendimorphismus ist marginal und kann nicht zur Geschlechtsbestimmung herangezogen werden. Wesentlich deutlicher ist der Gewichtsdimorphismus. Jungvögel sind mit brauner Oberseite und gesprenkelter Unterseite deutlich unterschiedlich gefärbt. Männchen wiegen durchschnittlich 790, Weibchen 1200 Gramm. Die Größe liegt im Bereich von 50 – 56 Zentimetern.
Der Krabbenbussard kann leicht mit dem Rußbussard, dem er bis auf Habitus und Färbung des Schwanzes weitgehend gleicht, und im Süden des Verbreitungsgebietes mit dem sehr ähnlich gefärbten, aber etwas größeren Schwarzbussard verwechselt werden. mini|hochkant|Krabbenbussard. In der Mitte Juvenile mini|hochkant| Adulte Krabbenbussarde im Flug (Oben Jungvogel)
Adultgefieder Die gesamte Ober- und Unterseite des sitzenden Vogels ist schwarz mit leichten Brauntönen, die sich mit zunehmender Abnutzung des Gefieders verstärken. Der Kopf ist ebenfalls schwarz; heller, oft rehbraun, ist eine Region hinter der Schnabelbasis; über dem Schnabelansatz zeigt sich oft eine weißliche Stelle. Bei gesträubten Nackenfedern sind deren weiße Basen erkennbar. Aus der Nähe ist die geringfügig hellere Randung der Konturfedern und eine undeutliche Bänderung der Schwingenoberseite und des befiederten Laufbeins zu erkennen; dadurch entsteht vor allem im frischen Gefieder ein marmorierter oder gewellter Eindruck. Der Schwanz überragt die Flügelspitzen deutlich. Beim fliegenden Vogel ist die Buchtung der Flügel im Bereich der Armschwingen auffällig. Die Schwingenunterseite ist leicht rötlichbraun und undeutlich schwarzgrau gebändert. Die Handschwingen sind in der terminalen Hälfte deutlich dunkler als in der basalen, die Armschwingen deutlich dunkel gerandet. Die beiden äußersten Handschwingen sind in der basalen Hälfte teilweise weiß, wodurch auf der Unterseite der Flügel eine längliche weiße Region entsteht. Der schwarze, weiß gerandete Schwanz weist annähernd in seiner Mitte auf Ober- und Unterseite ein markantes weißes Band auf. Die Beine sind orangegelb. Der mächtige Hakenschnabel ist an der Spitze dunkel hornfarben, zum Ansatz hin von einer dottergelben Wachshaut überzogen. Die Iris ist dunkelbraun.
Jugendgefieder Jungvögel haben einen längeren Schwanz und deutlich schmälere, geringer gebuchtete Flügel. Das Oberseitengefieder ist dunkelbraun; viele Federn sind hellbraun oder mattweiß gerandet, wodurch ein gefleckter Eindruck entsteht. Das Kopfgefieder ist heller und strähnig dunkelbraun durchsetzt. Deutlich ist ein hellbrauner Überaugenstreif. Das Unterseitengefieder ist auf cremefarbenem Grund unregelmäßig dunkelbraun getropft, ebenso die Unterflügeldecken, die jedoch intensiv schwarz gestrichelt und gefleckt sind. Die bräunlichen Schwingen sind eng schwarz liniert. Der im Vergleich zu Adulten etwas längere und schmälere Schwanz weist einige unterschiedlich breite dunkelbraune Bänder auf und schließt mit einem breiten, dunklen Band ab. Der Schnabel ist etwas heller als der Ausgefärbter, die Wachshaut tendiert ins Grüngelbliche. Ebenso sind die Laufbeine gefärbt. Die Iris ist dunkelbraun.
Vor allem in Panamá werden mit einer gewissen Regelmäßigkeit blassbraune Jungvögel mit weißen Gefiederanteilen beobachtet. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen um schizochrome Vögel, die kaum das Erwachsenenalter erreichen. Anmerkung: Schizochromismus ist ein Gendefekt, der bewirkt, dass Melanin vollkommen fehlt; die schwarzen Gefiederanteile erscheinen deshalb cremefarben oder mattweiß
Mauser Die Abfolge der Mauser ist nicht völlig klar und variiert wahrscheinlich je nach Brutgebiet. Die folgenden Angaben gelten für nordamerikanische Vögel.
Küken beginnen mit 15 Tagen mit dem Federwechsel in das erste Jugendgefieder, der mit dem Verlassen des Nestes abgeschlossen ist. Nicht alle Großfedern sind zu diesem Zeitpunkt voll entwickelt. Vom ersten Wegzug kehren die Jungvögel mit unterschiedlichen Merkmalen (meist einige schwarze Steuerfedern und einige voll ausgefärbte Schwingen) des ersten Erwachsenengefieders zurück; offenbar hat im Winterquartier ein teilweiser Wechsel des Großgefieders stattgefunden. Im weiteren Verlauf des Frühjahres vermausern sie das gesamte Gefieder und tragen danach das erste Erwachsenenkleid. Dieses ist relativ nahe dem endgültigen Adultgefieder, nur die Bauchseite ist noch immer gefleckt und die Schwingen weisen auf der Unterseite das zweizonale Aussehen des Jugendgefieders auf, sind aber dunkler als dieses. Es ist nicht klar, ob sie bereits im darauffolgenden Jahr in das definitive Erwachsenengefieder wechseln, oder ob noch eine Komplettmauser mit einer weiteren Annäherung an das Adultgefieder stattfindet. Danach erfolgt jährlich ein kompletter Federwechsel (Weibchen während der Brutzeit, Männchen danach. Ziehende Bussarde unterbrechen die im Brutgebiet begonnene Mauser und komplettieren sie im Überwinterungsgebiet).
Stimme Krabbenbussarde sind das gesamte Jahr über zu hören; in der Vorbrutzeit sind sie akustisch besonders auffällig. Der Hauptruf, der situativ vielfältig variiert und angepasst wird, ist eine Serie von schrillen, oft überkippenden, kurzen und hohen Ruffolgen mit polyfoner, quietschender, zuweilen auch nasaler Klangcharakteristik; die Rufe erinnern eher an Specht- oder Falkenrufe als an die eines Bussards. Die Tonhöhe nimmt anfangs zu und das Intervall zwischen den Einzelelementen verkürzt sich; meist ab der Mitte der Ruffolge fällt die Tonhöhe wieder ab und der Ruf klingt aus.xeno-canto: Ruffolge Nur wenige Elemente umfassende Ruffolgen in ruhigerer, weniger schriller Tonlage, dienen als Kommunikationsruf.xeno-canto: Kommunikationsruf
Verbreitung Brutgebiet mini|300px|Verbreitung des Krabbenbussards Der Krabbenbussard kommt vom Süden der Vereinigten Staaten (zentrales und südliches Arizona, südwestliches New Mexico und südliches Texas; gelegentlich auch südliches Utah) südwärts über Mexiko, wo er in einem unterschiedlich breiten Streifen die pazifischen Küstengebiete und jene an der Golfküste besiedelt, bis Mittelamerika vor, wo er ebenfalls an beiden Küsten Brutvogel ist, im Innenland aber wie in Mexiko weitgehend fehlt. Brutvorkommen bestehen in den Küstenregionen Yucatáns und auf einigen vorgelagerten Inseln (Isla de Cozumel, Islas de la Bahía, beziehungsweise Isla del Rey und anderen, der panamaischen Küste vorgelagerte Inseln). In Südamerika ist ein Küstenstreifen an der Karibikküste im Norden Kolumbiens, Venezuelas und Westguayanas Brutgebiet. Auch auf Trinidad und St. Vincent brütet die Art. Weitere Vorkommen bestehen an der kolumbianischen Pazifikküste und etwas isoliert in der Provinz Guayas in Ecuador. (Vor allem in den Küstenregionen des Golfes von Guayaquil und den vorgelagerten Inseln)Juan José Alava, Miguel Saavedra, Xavier Arosemena, Madeleine Calle, Carlos Vinueza, Pedro J. Jiménez, Raúl Carvajal, F. Hernán Vargas: Distributional records and potential threats to the Common (Mangrove) Black Hawk (Buteogallus anthracinus subtilis) in southwestern Ecuador. In: Boletín SAO, Jhrg. 20, Folge 2, 2011 Brutzeitbeobachtungen liegen auch aus dem nördlichsten Peru vor. In Kolumbien reichen die Brutvorkommen entlang des Río Magdalena (und wahrscheinlich auch entlang des Río Meta) weit ins Innenland.
Lebensraum mini|links|Lebensraum der Art am Río Yaqui Die Bruthabitate dieser Art liegen immer am, oder in der Nähe von Wasser, sei es an der Meeresküste oder in den Uferregionen von Wasserläufen. Dauernd wasserführende Gerinne sind wesentlich, zumindest aber müssen während der Trockenperioden größere stehende Wasserflächen oder Sumpfabschnitte bestehen bleiben. So weit die Brutgebiete nicht an der Küste liegen, wo Mangrove der bevorzugte Lebensraum ist, brütet die Art in flussbegleitenden Gehölzen und Galeriewäldern unterschiedlicher Baumzusammensetzung. Dichtere Bestände mit hohen, alten Bäumen (Pappeln, Weiden, Sycomoren, Föhren, in Mexiko und Mittelamerika häufig Pithecellobium dulce und in höher gelegenen Gebieten Eichen und Arctostaphylos sp.) werden nur vereinzelt stehenden Bäumen deutlich vorgezogen. An der Küste besiedelt er die meerseitigen Bereiche von Mangrove, sowie die Ränder von Küstenlagunen, Randzonen von Schwemmebenen, Marschen, überflutete Waldgebiete und baumbestandenes, dauernd feuchtes Grasland mit stehenden Pfützen und Teichen. Kultiviertes, besiedeltes Land meidet der Krabbenbussard, extensive Viehzucht toleriert er jedoch. In montanen Gebieten brütet er ausschließlich in Galeriewäldern entlang von dauernd wasserführenden Flüssen.J. H. Schnell: Common Black Hawk (Buteogallus anthracinus). In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; Version 2.0. Distribution
Sofern Krabbenbussarde nicht an der Küste vorkommen, können sie entlang von Wasserläufen hochgelegene Gebiete von an die 2000 Meter über NHN besiedeln (Arizona, Mexiko), die Hauptverbreitung liegt jedoch in Regionen unter 500 Metern.