mini|Anton Goering – Porträt (1869) Christian Anton Goering, auch: Göring (* 18. September 1836 in Schönhaide; † 7. Dezember 1905 in Leipzig), war ein deutscher Forschungsreisender, Naturwissenschaftler, Maler und Zeichner. Er betätigte sich als Vogelkundler, Zoologe und Tierpräparator. Auf den Spuren Alexander von Humboldts betrieb er ab 1856 und ab 1866 auf zwei Forschungsreisen in Südamerika botanische, ornithologische und geografische Studien. Dabei sammelte und präparierte er seltene Tiere und hielt seine Eindrücke in Zeichnungen und Landschaftsaquarellen fest. Mit seiner Arbeit leistete Goering einen wichtigen Beitrag zur Erforschung Venezuelas. Außerdem lieferte er Illustrationen zu verschiedenen Publikationen, unter anderem zu Brehms Tierleben.

Leben Anton Goering wurde am 18. September 1836 als Sohn des „Mechanicus“ Heinrich Goering und dessen Frau Christiane, geb. Funk, in Schönhaide bei Thonhausen im heutigen Altenburger Land geboren. Durch seinen Vater, ein ornithologischer Sammler und Präparator, interessierte sich auch der Sohn schon früh für die Natur.

Kindheit, Ausbildung und erste Anstellung (1842–1856) Anton Goering besuchte die örtliche Schule. Seine ersten künstlerischen Fertigkeiten erwarb er in der Kunstschule Bernhard von LindenausLandesarchiv Thüringen - Staatsarchiv Altenburg, Lindenau-Zach’sche Stiftung, 1-96-0224 in Altenburg, 20 km von Schönhaide entfernt. Im September 1850 wurde in Crimmitschau der „Ornithologischer Verein des Pleißengrundes“ gegründet, in welchem Vater und Sohn Goering Mitglieder waren.

Durch einen Freund seines Vaters, den Bäckermeister Carl Oberländer aus Greiz, lernte er 1850 den bekannten „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm in Renthendorf kennen. Von ihm erhielt Anton Goering wertvolle Ratschläge für seine spätere Arbeit als Präparator. Auf Einladung Brehms verbrachte Anton Goering 1851 drei Tage in Renthendorf und erhielt umfangreiche ornithologische Unterweisungen.Anton Goering: Erinnerungen an den alten Brehm. In: Ornithologische Monatszeitschrift. 21, 1896, S. 106–111.

Weitere naturwissenschaftliche Anregungen bekam er auch von Alfred Brehm, dem Sohn Christian Ludwig Brehms sowie den Mitgliedern der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes. Mit ihnen blieb er sein Leben lang und sogar auf Reisen in Kontakt und wissenschaftlichem Austausch.

Durch die Fürsprache Johann Heinrich Gottfried Apetz (1794–1857), dem damaligen Direktor der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes in Altenburg, erhielt Anton Goering eine Stelle als Präparator und Konservator im Zoologischen Museum der Universität Halle. Sein Lehrer wurde Hermann Burmeister.Otto Taschenberg: Geschichte der Zoologie und der zoologischen Sammlungen an der Universität Halle 1694–1894. Halle 1921, S. 90.

Im Auftrag Burmeisters reiste er 1855 nochmals zu Familie Brehm nach Renthendorf, um für die Sammlung des Museums Vogelbälge auszuwählen, die Alfred Brehm von seiner Nordafrikareise mitgebracht hatte. Es war die letzte Begegnung Anton Goerings mit seinem Mentor Christian Ludwig Brehm.

Erste Forschungsreise (1856–1858) alternativtext=Naturforschender Verein des Pleißengrundes zu Obergrünberg, Erste Reihe rechts sitzend: Anton Goering, daneben Vereinsgründer Gottfried Lampert (1836–1902).Das Foto entstand vermutlich am 3. Januar 1863 als Goering einen Vortrag über seine Forschungsreise nach Brasilien hielt (Fotografie, Museum Burg Posterstein)|mini|Naturforschender Verein des Pleißengrundes zu Obergrünberg, Erste Reihe rechts sitzend: Anton Goering, daneben Vereinsgründer Gottfried Lampert (1836–1902). Das Foto entstand vermutlich am 3. Januar 1863 als Goering einen Vortrag über seine Forschungsreise nach Brasilien hielt (Fotografie, Museum Burg Posterstein) Anton Goering unternahm als Begleiter Hermann Burmeisters seine erste Forschungsreise nach Südamerika. Im September 1856 schiffte er sich in Hamburg ein und erreicht nach fast sechs Wochen Fahrt Rio de Janeiro. Zwei Jahre dauert die Reise durch die La-Plata-Staaten Brasilien, Uruguay und Argentinien. Anton Goering begleitete die Expedition mit Unterbrechungen als Zeichner und Präparator bis zu seiner Heimreise 1858 nach Deutschland. Über diese Reise hielt Anton Goering am 3. Januar 1863 einen Vortrag vor den Mitgliedern des „Naturforschenden Vereins des Pleißengrundes zu Obergrünberg“, in dem er seit 1862 Mitglied war.

Von Halle nach London – Künstlerische Weiterbildung (1859–1866) 1859 kehrte Anton Goering nach Halle zurück und nahm seine Stelle am Zoologischen Museum der Universität Halle wieder an. Bereits nach kurzer Zeit zog er jedoch nach Leipzig und studierte zwischen 1860 und 1864 Zeichnen, Malen und Bildhauerei bei Hermann Knaur.Otto Taschenberg: Geschichte der Zoologie und der zoologischen Sammlungen an der Universität Halle 1694–1894. Halle 1921, S. 91. Hierfür erhielt er ein Stipendium der Lindenau-Zachschen Stiftung. In den Akten der Verwaltungskommission der Stiftung taucht er in den Jahren 1861 und 1862 als „Bildhauer Anton Göring“, auch mit dem Zusatz „Schönhaide“ auf. 1863 ist nur sein Name unter den Künstlerstipendien zu finden.Bestand Nr. 50: Acten der Verwaltungskommission der Lindenau-Zachschen Stiftung betreffend das Rechnungs- und Kassenwesen 1855–1879, Staatsarchiv Altenburg.

1864 erhielt Goering das „Lindenau-Zachsche Reisestipendium“ und begann ein Studium bei Joseph Wolf in London, der für seine hervorragenden Tierzeichnungen bekannt war. Über ihn lernte er vermutlich auch seinen späteren Gönner Philip Lutley Sclater kennen. Diese Verbindung ermöglichte Goering 1866 eine eigene Studienreise.

Studienreise nach Venezuela (1866–1874) Anton Goering erhielt 1866 als korrespondierendes Mitglied der Zoological Society of London den Auftrag, eine eigene Studienreise nach Südamerika zu unternehmen. Sein Hauptziel war Venezuela, wo er acht Jahre lang für die Sammlung des Natural History Museums Vogelbälge anfertigte und die Flora des Landes erforschte. Er entdeckte unter anderem die bis dahin bei Forschern unbekannten Höhlen bei Caripe.

Nach seiner Rückkehr 1874 heiratete Anton Goering Maria Rost aus Eisenberg. Das genaue Datum ist unbekannt.

Die späten Jahre (1876–1905) Seit 1876 lebte Anton Goering in Leipzig und war als Landschaftsmaler und Illustrator tätig. Er verfasste Artikel für verschiedene Zeitschriften und Bücher, hielt Vorträge und nahm an Kunstausstellungen teil. Belegt sind die Kunstausstellungen 1880 in Eisenberg sowie 1882 in Altenburg.

Für seine Verdienste wurde Anton Goering 1892 zum Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg und des Ornithologischen Vereins zu Leipzig ernannt. 1883 verlieh ihm Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg den Ehrenprofessorentitel und 1893 den Herzoglich Sachsen-Ernestinischer Hausorden.

Seine Reiseeindrücke veröffentlichte Anton Goering 1893 in Leipzig unter dem Titel „Vom tropischen Tieflande zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela“.

Nach langer Krankheit starb Anton Goering am 7. Dezember 1905 in Leipzig, vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Leipziger Johannisfriedhof.

Forschungsreisen Erste Forschungsreise durch die La-Plata-Staaten (1856–1858) Seit 1854 arbeitete Anton Goering als Präparator und Konservator im Zoologischen Museum der Universität Halle unter der Leitung von Hermann Burmeister. Als Burmeister 1856 eine Forschungsreise durch die La-Plata-Staaten Brasilien, Argentinien und Uruguay plante, bat er Goering, ihn auf dieser Expedition als Zeichner und Präparator zu begleiten.

Die Tagebuchaufzeichnungen Anton Goerings geben neben den Reiseberichten Burmeisters Aufschluss über das Reisegeschehen. In der Sammlung des Leibniz-Instituts für Länderkunde in Leipzig sind zwei Reisetagebücher, ein Skizzenbuch sowie verschiedene Druckgrafiken Anton Goerings erhalten geblieben. Eines der Tagebücher widmet sich dieser ersten Südamerikareise. Das hauptsächlich mit Bleistift verfasste Buch ist mit vielen Skizzen versehen.

Mitte September 1856 reiste Anton Goering mit dem Zug von Halle über eine Zwischenstation in Magdeburg nach Hamburg, wo er sich mit Hermann Burmeister und dessen beiden Söhnen traf. Die Schiffsreise begann am 29. September 1856. Zusammen mit den Söhnen Burmeisters schiffte sich Goering auf dem Segelschiff „Dorothea“ ein. Die Fahrt dauerte sechs Wochen. Der Leiter der Expedition, Hermann Burmeister, reiste mit dem Schnelldampfer „Tamar“ der Royal Mail Steam Packet Company von Southampton.Leibniz-Institut für Länderkunde, Archiv für Geographie, Nachlass Anton Goering, 291/3.

Am 1. Dezember 1856 ging die Reise mit dem Dampfschiff weiter nach Montevideo. Bereits unterwegs kam es zu ersten Spannungen innerhalb der Reisegruppe.

Am 15. Dezember 1856 unternahm die Reisegruppe einen Ausflug nach Mercedes. Die Reise mit der Postkutsche dauerte drei Tage. Die Route verlief von Montevideo aus nach San José, weiter über Perdido nach Mercedes, das sie am 17. Dezember 1856 erreichten. Begeistert beschrieb Anton Goering seine verschiedenen Tätigkeiten und seine Eindrücke:

Am 1. Januar 1857 reiste die Gruppe zurück nach Montevideo. Das Verhältnis zwischen Burmeister und Goering schien sich in dieser Zeit verschlechtert zu haben. Anton Goering schrieb in sein Tagebuch:

Was genau zu diesem Streit führte, bleibt unklar.

Am 3. Januar 1857 kam die Reisegruppe wieder in Montevideo an. Zwei Tage später begab sich Anton Goering noch einmal mit Burmeisters Sohn auf einen Ausflug nach Canelones, wo sie 90 Vögel fingen und präparierten. Am 16. Januar reisten sie zurück nach Montevideo. Dort kam es am 17. Januar 1857 zum Bruch zwischen Goering und Burmeister. Die Wege trennten sich.

Anton Goering finanzierte sich seine Weiterreise durch Uruguay bis nach Argentinien durch das Präparieren von Vögeln, mit Zeichnungen und Schnitzarbeiten selbst. Im August 1857 reiste Goering von Montevideo nach Buenos Aires. Quer durch Argentinien führte ihn sein Weg weiter nach Mendoza. Erst dort trafen Burmeister und Goering wieder zusammen.

Bis Ende 1858 begleitete Anton Goering Burmeister wieder auf seiner Expedition als Zeichner und Präparator. Dann trat er die Heimreise nach Deutschland an. Einen Teil der gesammelten Tiere und Pflanzen nahm er mit nach Halle, wo er 1859 eintraf. Hermann Burmeister folgte 1860.

Die Ausbeute der über drei Jahre dauernden Forschungsreise war beachtlich. Burmeisters Verzeichnis in den Kuratorial-Akten (Amtliche Akten) spricht von mehr als 9000 Objekten,Otto Taschenberg: Geschichte der Zoologie und der zoologischen Sammlungen an der Universität Halle 1694–1894. Halle 1921, S. 80. darunter Insekten-, Amphibien- und Vogelpräparate, die aus Südamerika in die Sammlung des Zoologischen Museums der Universität Halle übergingen und dort bis heute unter Burmeisters Namen erhalten sind.

Zweite Forschungsreise nach Venezuela (1866–1874) Auf Fürsprache seines Gönners Philip Lutley Sclater erhielt Anton Goering 1866 die Möglichkeit, als korrespondierendes Mitglied der Zoological Society of London eine eigene Studienreise nach Südamerika zu unternehmen. Sein Hauptziel war Venezuela, wo er acht Jahre lang für die Sammlung im Natural History Museum Vogelbälge anfertigte und die Flora des Landes erforschte.Anton Goering: Vom tropischen Tieflande bis zum ewigen Schnee. Eine malerische Schilderung des schönsten Tropenlandes Venezuela. Aldalbert Fischer’s Verlag, Leipzig 1893, S. 2.

Am 18. September 1866, seinem 30. Geburtstag, reiste Anton Goering in London ab. Sein vorläufiges Ziel war Trinidad. Die Zeit auf dem Meer vertrieb man sich unter anderem mit dem Studium der von Bord aus gefangenen Meeresbewohner.Leibniz-Institut für Länderkunde, Archiv für Geographie, Nachlass Anton Goering, 291/4.