Die Kiesgrube bei Baumbach ist eine ehemalige Kiesabbaufläche in der Flussaue der Fulda im hessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Noch während der laufenden Auskiesung erfolgten Renaturierungs- und Gestaltungsmaßnahmen, mit dem Ziel, die Uferareale so zu gestalten, dass vielfältige Biotope entstehen können. Um diesen Bereich, der Vögeln Brutstätten, Trittsteine und Nahrungshabitate bietet, dauerhaft zu schützen wurde das Gewässer mit seinen Ufern als Naturschutzgebiet ausgewiesen.Lothar und Sieglinde Nitsche, Marcus Schmidt: Naturschutzgebiete in Hessen, Band 3. S. 177 und 178.

Geografische Lage Der Kiessee befindet sich nördlich von Baumbach, einem Ortsteil von Alheim im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das in einer Fuldaschleife liegende Schutzgebiet wird westlich von der Kreisstraße 68 nach Niederellenbach begrenzt.

Naturräumlich wird der Bereich dem „Rotenburger Fuldatal“ im „Fulda-Werra-Bergland“ des „Osthessischen Berglands“ zugeordnet.Naturräumliche Gliederung nach Otto Klausing im Umweltatlas Hessen auf atlas.umwelt.hessen.de; abgerufen am 18. Dezember 2019.

Unterschutzstellung Mit Verordnung vom 7. März 1995 des Regierungspräsidiums in Kassel wurde die „Kiesgrube bei Baumbach“ zum Naturschutzgebiet erklärt. Mit der Unterschutzstellung sollte die Kiesabgrabung mit ihren Uferbereichen als Brut, Rast und Nahrungsbiotop für zahlreiche Vogelarten sowie als Lebensraum seltener und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten dauerhaft geschützt und durch geeignete Pflegemaßnahmen weiter entwickelt werden. Verordnung über das Naturschutzgebiet „Kiesgrube bei Baumbach“ vom 7. März 1995 im Staatsanzeiger für das Land Hessen, Ausgabe 13/1995 vom 27. März 1995, S. 1086 f. Das Schutzgebiet besitzt eine Größe von 22,96 Hektar, hat die nationale Kennung 1632026 und den WDPA-Code 164074.„Kiesgrube bei Baumbach“ in der Weltdatenbank zu Schutzgebieten; abgerufen am 18. Dezember 2019.

links|mini|Die Aue bei Baumbach ist Teil des Landschaftsschutzgebiets „Auenverbund Fulda“. Das Naturschutzgebiet liegt vollständig im Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Fulda“, zu dem Flächen entlang der Fulda in mehreren Landkreisen gehören. Zweck der Unterschutzstellung, des im Jahr 1993 ausgewiesenen Gebiets, ist die Erhaltung der durch unterschiedliche Durchfeuchtungsstufen geprägten Wiesen- und Ufervegetationstypen sowie die Wiederherstellung naturnaher Gewässerabschnitte, durch die Umwandlung von Ackerland in extensiv genutztes Grünland.Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Fulda“ vom 28. Januar 1993 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Ausgabe 4/1993 vom 2. März 1993, S. 56 f.„Auenverbund Fulda“ in der Weltdatenbank zu Schutzgebieten; abgerufen am 18. Dezember 2019.

Das Schutzgebiet mini|Nach der Beendigung des Kiesabbaues und der Renaturierungsarbeiten haben Auwaldgehölze fast alle vegetationsfreien Ufer besiedelt. Bereits in der Zeit, als man die Kieslager in der Flussschleife noch ausbeutete, wurde mit den Renaturierungs- und Gestaltungsmaßnahmen begonnen. In Zusammenarbeit mit dem Kiesabbauunternehmen und den Naturschutzverbänden wurden die Uferbereiche so geformt, dass sich vielfältige Lebensräume entwickeln können. Das, im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft durch den Neuausbau einer Eisenbahnstrecke angekaufte Gebiet, bekam Flachufer, Buchten, Flachwasserzonen und Inseln. Im Laufe von einigen Jahren konnten so die ausgekiesten Bereiche einem Regenerationsplan entsprechend gestaltet werden. Die Überwachung der Arbeiten wurde von Mitgliedern der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz übernommen.Heinrich Wacker: „Kiesgrube bei Baumbach“ in Kurzerläuterung zur Exkursion in die „Fuldaaue“ in Vogel und Umwelt, Zeitschrift für Vogelkunde und Naturschutz in Hessen, Band 8, Heft 1–2, S. 83 f. Wiesbaden, Juni 1994.

Die Gestaltungsmaßnahmen blieben nicht ohne Erfolg. Das Gebiet ist mit seinen vielfältigen Flachwasserzonen zu einem wichtigen Brut-, Nahrungs- und Rastplatz für Vögel geworden. Bis 2003 konnten 65 Vogelarten nachgewiesen werden. Mit zweiundzwanzig, nach der Vogelschutzrichtlinie geschützten Arten erreichte das Naturschutzgebiet eine Spitzenstellung unter den rund siebzig Beobachtungsgebieten im mittleren Fuldatal.

Nach der Beendigung des Kiesabbaues und der Renaturierungsarbeiten entwickelte sich an den Ufern und auf den Inseln ein Auwald. Mit dem Verschwinden der vegetationsfreien Zonen verließen die früher zahlreich rastenden Watvögel das Schutzgebiet. Weil auch Verlandungsbereiche mit Röhrichten und einer Schwimmblattzonen fehlen, brüten nur noch wenige Wasservögel im Schutz der weit ins Wasser ragenden Äste der Weidengebüsche.

Zu den noch häufig nachgewiesenen Zug- und Rastvögeln gehören Zwergtaucher, Grau- und Silberreiher, Kormoran, Gänsesäger, Reiher- und Tafelente, Fischadler, Flussuferläufer und Eisvogel.

Das Naturschutzgebiet wird von dem Hessischen Forstamt Rotenburg und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Naturschutzes betreut.Angabe von der Schautafel zum Naturschutzgebiet „Kiesgrube bei Baumbach“.

Touristische Erschließung Der Fulda-Radweg, der auch Hessischer Radfernweg R1 genannt wird, verläuft vom Sportplatz Baumbach nach Heinebach vorbei an der nordöstlichen Spitze des Schutzgebiets. Hier hatte ein Aussichtsturm zum Beobachten der Vogelwelt eingeladen. Nachdem er in einer Julinacht im Jahr 2018 komplett niederbrannte, ist ein Blick auf die Wasserfläche nur noch eingeschränkt möglich.„Aussichtsturm an Radweg R 5 abgebrannt - schneller Einsatz der Feuerwehr“ auf der Webseite von osthessen-news.de; abgerufen am 18. Dezember 2019.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Schutzgebiet der IUCN-Kategorie IV Kategorie:Naturschutzgebiet im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Kategorie:Geographie (Alheim) Kategorie:Schutzgebiet (Umwelt- und Naturschutz) in Europa Kategorie:Schutzgebietsgründung 1995