Picket Fences – Tatort Gartenzaun (Originaltitel: Picket Fences, auf Deutsch: Lattenzäune) ist eine US-amerikanische dramatische Fernsehserie. Zwischen 1992 und 1996 entstanden in vier Staffeln 88 Episoden, die in den Vereinigten Staaten durch CBS und in Deutschland ab 1995 durch Sat.1 erstausgestrahlt wurden. David E. Kelley hatte die Idee zu der Serie und verfasste auch den Großteil der Drehbücher der ersten drei Staffeln. Auch beeinflusst durch Twin Peaks, spielt Picket Fences in einer fiktiven US-Kleinstadt, die als Kulisse für öffentliche und private Probleme des zeitgenössischen Amerika dient. Dabei behandelt die Serie ethisch-moralische Fragestellungen bezüglich Sexualität, Religion, gesellschaftlicher Minderheiten und anderer Themen aus konträren Blickwinkeln, was von Kritikern als provokativ wahrgenommen wurde. Charakteristisch für die Serie sind skurrile Verbrechensarten, vor Gericht ausgefochtene Streitigkeiten und schwarzhumorige Situationen. Die wichtigsten Hauptrollen spielen Tom Skerritt und Kathy Baker. Picket Fences ist eine vor allem hinsichtlich der schauspielerischen Leistungen vielfach preisgekrönte Serie und wurde neben 14 Primetime Emmy Awards mit weiteren renommierten Fernsehpreisen ausgezeichnet. In ihrem Ursprungsland nahmen Einschaltquoten und Zuspruch vonseiten der Kritik im Laufe ihrer Erstausstrahlungszeit zu.
Der deutsche Pay-TV-Anbieter Premiere zeigte die Serie unter dem Titel Rome – Stadt im Zwielicht.
Form Picket Fences wurde hauptsächlich den Genres Drama, Courtroom Drama (auf Deutsch etwa: „Gerichtssaal-Drama“), Polizei- und Krimiserie, Familienserie und – wegen schwarzhumoriger Elemente – Comedy zugeordnet. Typisch für Serien von David E. Kelley, gibt es überdies etliche Elemente der Krankenhausserie. Für den Journalisten Harald Keller ist die Serie eine „gefällige Verknüpfung von leichthin unterhaltenden Elementen mit Problemthemen in einer Form, die oftmals einer Mischung aus Tragikomödie, Musterprozeß und brechtischem Lehrstück gleicht“.Harald Keller: Kultserien und ihre Stars. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 1996, ISBN 3-929470-08-X, S. 107.
Die meisten Episoden beinhalten einen Haupthandlungsstrang und einen oder zwei thematisch damit verknüpfte Nebenhandlungsstränge. Während es in den ersten beiden Staffeln hauptsächlich Episoden mit abgeschlossenen Geschichten gibt, gibt es in der dritten Staffel zwei wichtige, mehrere Episoden umfassende Handlungsstränge.
Inhalt Handlung → Hauptartikel: Staffel 1, 2, 3, 4
Die Serie spielt in der fiktiven Stadt Rome im US-Bundesstaat Wisconsin. Rome ist eine überwiegend von Weißen bewohnte, circa 30.000 Einwohner zählendeThompson 1996, S. 172. Kleinstadt. Häufige Schauplätze innerhalb der Stadt sind das Polizeirevier, das Gerichtsgebäude mit dem fiktiven Namen Hogan County Courthouse und das Wohnhaus der Familie Brock.
Am Beginn vieler Episoden steht die Entdeckung eines Verbrechens bzw. die Feststellung eines vermeintlichen Straftatbestandes. Oft folgen die Ermittlungsarbeit der Polizei und die Vernehmung von Beschuldigten und Zeugen. Häufig werfen die thematisierten Fälle ethisch-moralische Fragen auf, die sowohl innerhalb der Familie Brock als auch von der Polizei und vor dem Gericht kontrovers diskutiert bzw. verhandelt werden. Viele Episoden enden mit dem Urteilsspruch des Richters oder der Jury.
Zu den kontroversen Fragestellungen gehört etwa, inwiefern Selbstverteidigung als Selbstjustiz zu beurteilen ist; ob ein verurteilter Triebtäter wieder Teil der Gesellschaft werden darf; ob ein HIV-positiver Arzt weiterhin praktizieren darf oder inwiefern Kleinwüchsigkeit einen Nachteil für die Persönlichkeitsentwicklung darstellt. Die Rechte anderer gesellschaftlicher Minderheiten, etwa von Obdachlosen, werden auch behandelt. Darüber hinaus wird Gewalt verschiedener Arten thematisiert, darunter häusliche und fiktionale Gewalt. Um letztere etwa geht es bei der Frage, inwieweit Gewaltdarstellungen in Medien für eine Schießerei unter Schülern verantwortlich sind.
Wiederholt thematisiert werden medizinethische Fragen. So etwa geht es um die Rechtmäßigkeit der Verwendung von Fötalgewebe zur Lebensrettung, um Abtreibungen oder um die Legalität von Organspenden und von Kryonik. Sterbehilfe ist auch ein Thema mehrerer Episoden. Als etwa Dr. Jill Brock einem todkranken Patienten auf dessen Wunsch medikamentös beim Sterben hilft, wird sie nach einer kontroversen Diskussion und unter Verweis auf das Gesetz gegen Sterbehilfe zunächst für schuldig befunden, nach einer Verfassungsklage ihrer Rechtsanwälte gegen jenes Gesetz aber wieder freigesprochen.
Nicht selten stehen medizinbezogene Fragen in der Serie in Zusammenhang mit religiösen Überzeugungen. In der Episode In Gottes Hand (Staffel 2) zum Beispiel wird die Frage aufgeworfen, ob der Mann eines Pärchens, das zu den Christlichen Wissenschaftlern gehört, den Ärzten das Einleiten lebensverlängernder Maßnahmen verbieten darf, wenn diese im Widerspruch zu der Religion stehen. In anderen religionsbezogenen Episoden geht es um die Trennung von Kirche und Staat, um Stigmatisation oder um eine Geburt trotz Jungfräulichkeit der Mutter.
Die dritte Staffel erzählt auch zwei Geschichten, die sich über mehr als zwei Episoden erstrecken. Dazu gehört eine gerichtliche Auseinandersetzung um einen Mord, die sich auch um die Frage dreht, inwieweit der Angeklagte bei seiner Aussage in Polizeigewahrsam auf sein Recht auf anwaltlichen Beistand verzichtet hat. Im Rahmen dieses Falles wird auch die Berufungsverhandlung vor dem Obersten Bundesgericht geschildert. In dem anderen Handlungsstrang jener Staffel geht es um die Integration farbiger Schüler aus einer von Jugendkriminalität geprägten Großstadt in das schulische Leben von Rome. Die Vertreter Romes wehren sich zunächst gegen jene Schülerverlegung, müssen die entsprechende Anordnung eines schwarzen Bundesrichters, die auch unter Androhung von Waffengewalt durchgesetzt werden soll, dann aber letztlich akzeptieren.
In vielen Episoden der vierten, der letzten, Staffel stehen die persönlichen Beziehungen und Liebschaften der Hauptfiguren im Fokus. Gerichtsverhandlungen gibt es seltener. Zu diesen gehört ein Mordprozess, in dem Papst Johannes Paul II. als Hauptbelastungszeuge gegen einen homosexuellen Angeklagten aussagt und von der Verteidigung als voreingenommen beschuldigt wird. Ein anderer Mordprozess, in dem ein Jude des Mordes an einem Nazi-Anhänger angeklagt ist, wird von demonstrierenden Neonazis, die mit Hakenkreuzarmbinden der Verhandlung beiwohnen, und Juden begleitet.
Bestandteile der Geschichten sind oftmals ungewöhnliche Todesarten oder Leichname in außergewöhnlichem Zustand. Zum Beispiel wird ein toter Mensch in einer Geschirrspülmaschine oder erfroren in einer Gefriertruhe aufgefunden. Ein anderes Mal hat eine Frau die obere Hälfte ihres ungeliebten Mannes mit einer Dampfwalze zerquetscht. Es gibt weitere groteske Aspekte, die in der Serie vorkommen. So etwa kommt ein kleinwüchsiger Zirkusmitarbeiter auf einem Zirkuselefanten nach Rome geritten. Bei der Bergung der gefrorenen Leiche des Bürgermeisters bricht der Kopf ab und kullert bis vor die Füße des Sheriffs. Unerwartete Wendungen in der Handlung bzw. der Aufklärung von Kriminalfällen sind nicht selten. Beispielsweise gibt eine Frau, die gegen ihren mordverdächtigen Mann aussagen soll, im Zeugenstand den Mord plötzlich selbst zu.
Figuren mini|hochkant|Tom Skerritt, Darsteller des Jimmy Brock (1994) mini|hochkant=1.1|Kathy Baker, Darstellerin der Jill Brock (1993) Der etwa 50 Jahre alte Jimmy Brock ist der Sheriff von Rome und im Gegensatz zu seiner Frau und seinen Kindern Agnostiker. Er ist in zweiter Ehe mit Dr. Jill Brock verheiratet, einer Hausärztin, die manchmal auch als Chirurgin und Notärztin arbeitet. Mitunter sind Jimmy und Jill auch im Schulausschuss oder im Stadtrat tätig. Oft sind sie bezüglich der vor Gericht verhandelten Fälle unterschiedlicher Meinung. Zusammen haben sie zwei pubertierende Söhne, den älteren Matthew und den jüngeren Zachary. Sie sind oft an jugendlichem Schabernack beteiligt, so etwa am Schießen per Kartoffelkanone auf Menschen. Zachary geht ab der zweiten Staffel seinem Wunsch nach, wie sein Vorbild, Rechtsanwalt Wambaugh, Jude zu werden. Bis zur dritten Staffel lebt auch die jugendliche Kimberly Brock, Jimmys Tochter aus erster Ehe, mit im Haus. Kimberly ist selbstsicher und direkt, mitunter auch rebellisch. Wenn es um das Erklären von Sachverhalten wie etwa dem religiösen Glauben geht, ist sie für ihre beiden Halbbrüder eine Ersatzmutter. In der zweiten und dritten Staffel arbeitet sie außerschulisch als Assistentin für Wambaugh, in der vierten studiert sie Medizin.
Mit im Polizeirevier arbeiten die Deputys Kenny Lacos und Maxine Stewart. In manchen Nebenhandlungssträngen geht es um ihre Liebschaften, teils zu anderen Partnern, teils zueinander. Ginny Weedon ist eine ältere, nur 1,30 m große Frau, die in den ersten beiden Staffeln im Rezeptionsdienst des Polizeireviers arbeitet. Sie ist sehr neugierig und lauscht gern an geschlossenen Türen. Sie wird früh in der dritten Staffel erfroren in ihrer Tiefkühltruhe entdeckt, in die sie wohl beim Griff nach einer Konservendose versehentlich gestürzt ist.
Carter Pike ist der Coroner von Rome und hilft der Polizei öfters auch kriminalistisch, wobei ihn der Sheriff nicht selten als übereifrig empfindet. Unter den Einwohnern von Rome steht er unter dem Verdacht, nekrophil zu sein. Er ist zwischen 35 und 40 Jahre alt und versucht mehrfach, seinem Junggesellendasein ein Ende zu setzen. Wegen mangelndem diesbezüglichen Erfolges versucht er zu Beginn der vierten Staffel verzweifelt, aber erfolglos, Suizid. Um endlich Vater zu werden, nimmt er in der dritten Staffel eine Leihmutter in Anspruch, die die Schwangerschaft aber trotz seines Widerspruchs wieder abbricht. In der vierten Staffel lernt er seine künftige Ehefrau Sue kennen.
mini|hochkant=0.7|links|Fyvush Finkel, Darsteller des Douglas Wambaugh (1994) Douglas Wambaugh ist ein jüdischer Rechtsanwalt im Alter von Anfang 70, der oft als Pflichtverteidiger auftritt. Die Frage, ob seine Mandanten schuldig sind, will er von ihnen meist gar nicht beantwortet haben. Er schafft es manchmal selbst mit absurden Argumenten, Prozesse zu gewinnen. Argumenten und Scherzen, die auf Kosten anderer Personen gehen, ist er nicht abgeneigt. In manchen Gerichtsverhandlungen wirft er der Anklagevertretung plötzlich vor, ihm nur zu widersprechen, weil er Jude sei, und wird danach vom Richter gemaßregelt. Den Richter wie auch sich selbst würdigt er gern als „Original“. Bei Trauerfeiern und anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen ist Wambaugh oft der einzige, der eine Rede hält, oder der erste, der eine Unterhaltung beginnt. Mit der Begründung, dass er mit geschmacklosen Bemerkungen antisemitische Vorurteile fördere, möchte ihn der Rabbi in der zweiten Staffel sogar aus seiner Gemeinde ausschließen, jedoch erfolglos. In der dritten Staffel erfährt er, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist. Zu Beginn der vierten Staffel lässt sich seine Ehefrau von ihm scheiden, weil er seinen ehelichen Pflichten nicht nachgekommen ist. Ein seltener in der Serie auftretender Rechtsanwalt ist Franklin Dell.
Als Staatsanwalt ist zu Beginn der ersten Staffel Barnaby Woods tätig. Bald stellt sich heraus, dass er der geheimnisvolle Gast ist, der in den Badewannen fremder Häuser badet. Als solcher stirbt er schließlich an Streuströmen. Ab der zweiten Staffel tritt als Staatsanwalt und Gegner Wambaughs in vielen Gerichtsprozessen John Littleton auf, der ab der dritten Staffel zu den Hauptfiguren gehört und unter den Hauptfiguren der einzige Schwarze ist. Nach dem Tod seines Bruders gibt er seinen Job früh in der vierten Staffel auf.