mini|hochkant=1.3|Stolpersteine in Axams mini|hochkant=1.3|Stolperstein für Hans Vogl und Platzhalter für Hilde Vogl in Zell am Ziller Die Liste der Stolpersteine in Tirol enthält die Stolpersteine im österreichischen Bundesland Tirol, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten in Tirol ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers.
Die erste Verlegung in Tirol fand am 20. September 2019 in Zell am Ziller statt.
Die Verlegung von sechs Stolpersteinen in Wattens löste eine politische Kontroverse aus. Eine Bürgerinitiative stellte sich gegen die ablehnende Haltung der damaligen Innsbrucker Vizebürgermeisterin Ursula Schwarzl von den Grünen, die Stolpersteine in der Landeshauptstadt nicht genehmigte.ORF (Tirol): Stolpersteine werden zum Politikum, 9. August 2020.Tiroler Tageszeitung (Innsbruck): „Stolpersteine für Tirol“: Initiative will NS-Opfer in ganz Tirol sichtbar machen, 8. August 2020.
Tirol während der NS-Herrschaft Tirol ist traditionell ein konservativ dominiertes Bundesland mit hohem Anteil an Katholiken, einem starken Bauernbund und wenig Industrie. Bereits in der Zwischenkriegszeit dominierte die Tiroler Volkspartei das politische Geschehen.Michael Forcher: Kleine Geschichte Tirols, Haymon, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-85218-902-4.Roman Spiss: (PDF; 417 kB). In: erinnern.at. Unterrichtsmaterial, abgerufen am 6. Jänner 2020. Sie erreichte in der Ersten Republik bei den Landtagswahlen stets absolute Mehrheiten – mit Ergebnissen zwischen knapp 60 % und mehr als 65 % – und stellte durchgehend den Landeshauptmann. Die Sozialdemokratie hatte in Tirol stets einen schweren Stand, konnte sich aber als zweitstärkste Kraft etablieren. Auch die deutschnationalen Kräfte waren in den Zwischenkriegsjahren in bescheidener Stärke im Tiroler Landtag vertreten, nicht jedoch die Kommunisten und die Nationalsozialisten. Ihr bestes Ergebnis erzielte die NSDAP 1925 mit 3.260 Stimmen, das waren 2,07 % der Wählerschaft. Damit scheiterte sie erneut beim Versuch, in den Landtag einzuziehen.Friedrich Stepanek, Simon Lukasser: . Landtagswahlkämpfe im Bundesland Tirol 1919–1933. In: Herbert Dachs, Michael Dippelreiter, Franz Schausberger (Hrsg.): Radikale Phrase, Wahlbündnisse und Kontinuitäten – Landtagswahlkämpfe in Österreichs Bundesländern 1919 bis 1932. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2017, ISBN 978-3-205-20587-6, S. 452. Trotzdem war der Jubel anlässlich des Einmarsches der deutschen Truppen im März 1938 und des sogenannten Anschlusses Österreichs an das Dritte Reich groß, Innsbruck war im Handumdrehen mit NS-Fahnen beflaggt und die noch junge Schriftstellerin Gertrud Fussenegger, frühere Studentin der Universität Innsbruck, huldigte dem Führer in Versform im Völkischen Beobachter:
mini|hochkant=1.3|Innsbruck im März 1938 Seherisch beschrieb die Dichterin damit eine Szene, die sich erst am 5. April 1938 in Innsbruck zutragen sollte, als Adolf Hitler zur Visite in die Tiroler Landeshauptstadt kam. Das NS-Regime etablierte sich schnell und friktionsfrei im katholisch geprägten Tirol. Gauleiter wurde Franz Hofer, ein überzeugter und brutaler Nationalsozialist, der den Ehrgeiz hatte, den neuen Gau Tirol-Vorarlberg ehestmöglich „judenfrei“ zu machen. Sein Vorgehen war schnell und von äußerster Brutalität. Bereits während der Novemberpogrome des Jahres 1938 wurden vier angesehene Bürger Innsbrucks erschlagen oder erstochen. Um kein Aufsehen zu erregen, verzichtete die lokale SS auf Uniformen und Schusswaffen. Die Mord- und Rauboperation wurde mitten in der Nacht in Zivilkleidung durchgeführt. Den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Richard Berger, warf man in den Inn. Tirol und Vorarlberg hatten jeweils nur eine kleine jüdische Population, nur 407 Menschen in diesen beiden Bundesländern gaben bei der Volkszählung 1934 an, der jüdischen Konfession anzugehören. Das waren 2,1 % aller damals in Österreich lebenden Juden.Österreichische Historikerkommission: Schlussbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Band 1. Oldenbourg, Wien 2003, S. 85–87. Gezählt wurden 365 Juden in Tirol und 42 in Vorarlberg. Wie weit sich die Population zwischen 1934 und 1938 veränderte, ist nicht bekannt. Für diese kleine Gruppe war die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ein Exempel, was auch ihnen bevorstehe. Viele verließen umgehend ihre Heimat, die meisten anderen wurden in Wien in Sammelquartieren untergebracht. Am 15. März 1939 wurde Tirol für „judenfrei“ erklärt.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Innsbruck/Tirol (Österreich). In: jüdische-gemeinden.de, Abgerufen am 6. Jänner 2020.
Der Widerstand war spärlich und er kam spät. Der Historiker Horst Schreiber stellte fest: Alexander Wallner, Claudia Bucher, Markus Seeber: (PDF; 4,6 MB). In: erinnern.at, Abgerufen am 6. Jänner 2020. Zwischen 1938 und 1940 spielte der legitimistisch-monarchistische Widerstand eine gewisse Rolle, danach wurde er durch Verhaftungen, Einzelhaft, Dunkelarrest und Schläge gebrochen. Vereinzelt gab es auch Widerstand seitens Geistlicher, doch der wesentliche Anteil des Widerstands gegen das NS-Regime stammte aus Sozialisten und Kommunisten, die mindestens 24 Mitglieder verloren.
Die Marktgemeinde Zell am Ziller vermeldet auf ihrer Website, dass es bei der Abstimmung über den Anschluss 1938 in Zell drei Nein-Stimmen gab. Die Zahl der Ja-Stimmen wird nicht erwähnt. Nach dem Untergang des NS-Regimes stellte man fest: Ein Ausflug in die Geschichte des Ortes. In: gemeinde-zell.at, Abgerufen am 6. Jänner 2020.
Verlegte Stolpersteine Axams In Axams wurden drei Stolpersteine verlegt. Maria Jordan und Aloisia Magerle wurden Opfer der Aktion T4, Ludwig Sobotnik wurde – so Die Grünen in ihrem Stolperstein-Antrag – „auf Grund seiner sexuellen Orientierung seiner Freiheit und Menschenrechte beraubt“.Antrag betreffend „Verlegung eines Stolpersteins für den in Axams 153 wohnhaften, deportierten und im KZ Bergen-Belsen zu Tode gekommenen/ermordeten Ludwig Sobotnik (1885–1944)“ Er wurde vom NS-Regime ermordet.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px IN AXAMS WOHNTEMARIA JORDANGEB. KIRCHERJG. 1881'EINGEWIESEN' 1941HARTHEIMERMORDET 29.5.1941'AKTION T4' MusikpavillonAxams , geborene Kircher, wurde am 15. März 1881 in Axams geboren, 1941 eingewiesen und am 29. Mai 1941 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Sie war ein Opfer der Aktion T4.ORF: Mittelgebirge: Stolpersteine für NS-Opfer, 6. Juli 2024.Gedenkort Hall: Maria Jordan, abgerufen am 3. November 2024. 120px HIER WOHNTEALOISIA MAGERLEJG. 1898'EINGEWIESEN' 1940HARTHEIMERMORDET 10.12.1940'AKTION T4' MusikpavillonAxams wurde 1898 geboren, am 10. Dezember 1940 in die Tötungsanstalt Hartheim eingewiesen und dort am selben Tag ermordet, mutmaßlich in der dortigen Gaskammer. Mehr ist über Aloisia Magerle nicht bekannt. Die Veranstalter wollten mit den Stolpersteinen in Axams, Birgitz und Götzens unter anderem an Opfer der Aktion T4 erinnern, „denen das nationalsozialistische Gewaltregime das Menschsein aberkannt und sie zum Ziel von Verfolgung und Vernichtung gemacht hat.“
Der Stolperstein wurde vor ihrem vormaligen Wohnhaus verlegt.Mein Bezirk: Stolpersteine – Zeichen der Erinnerung im Westl. Mittelgebirge, 26. Juni 2024.120px HIER WOHNTELUDWIG SOBOTNIKJG. 1885VERHAFTETVERURTEILT § 175DEPORTIERT 1943DACHAU, BUCHENWALD1944 BERGEN-BELSENERMORDET 14.4.1944 Gries 14vorm. Axams 153 wurde am 5. August 1885 in Wien geboren. Seine Eltern waren der Schneidermeister Johann und dessen Ehefrau Emilie. Während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg erkrankte er an Malaria und Lungentuberkulose, weshalb er danach bis 1935 auf Krücken angewiesen war. Er war krankheitsbedingt arbeitslos und erhielt eine Invalidenrente. 1935 eröffnete er mit dem Erbteil nach seinem Vater einen Gemischtwarenladen im 3. Wiener Gemeindebezirk, musste das Geschäft aber bereits im Jahr darauf zusperren. Er hatte einen Lebensgefährten, Ferdinand Schuhmann, mit dem er seit zehn Jahren in einem „eheähnlichen Verhältnis“ lebte. Die beiden Männer gingen nach Tirol und verdingten sich in der Gastronomie. Sobotnik fand 1937 eine Stelle als Portier in Innsbruck und Schuhmann als Arbeiter in Zirl. 1938 wurden beide verhaftet und zu sechs Wochen Kerker verurteilt. Nach der Haftentlassung zog das Paar nach Axams. Am 22. April 1942 wurde Ludwig Sobotnik erneut verhaftet, dieses Mal in Wien – gemeinsam mit drei weiteren Männern – beim Verlassen des Esterházybades im 6. Gemeindebezirk. Er wurde verhört und gab zu Protokoll: „Ich bin homosexuell veranlagt“. Er wurde nach § 175 Strafgesetzbuch zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt, kam aber nach Verbüßen der Haft nicht frei, sondern wurde am 10. Jänner 1943 in das KZ Dachau überstellt. Ludwig Sobotnik wurde Ende Oktober 1943 in das KZ Buchenwald überstellt und von dort im April 1944 in das KZ Bergen-Belsen, wo er am 14. April 1944 sein Leben verlor. Als offizielle Todesursache wurde Lungenentzündung im Akt vermerkt.QWIEN: Ludwig Sobotnik (Tirol), abgerufen am 7. Juli 2024.
Birgitz In Birgitz wurde ein Stolperstein verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px IN BIRGITZ LEBTEMARIA HASLWANTERGEB. OBERDANNERJG. 1887'EINGEWIESEN' 1941HARTHEIMERMORDET 20.3.1941'AKTION T4' PfarrkircheBirgitz , geborene Oberdanner, wurde am 2. März 1887 in Birgitz geboren. Sie wurde Mutter von dreizehn Kindern. Im Jahr 1941 wurde sie wegen Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt in Hall in Tirol eingewiesen und dort mit Medikamenten ruhig gestellt. Gesundheitlich ging es ihr besser und ihr Mann stellte einen Antrag auf Entlassung, schrieb, er wolle sich um seine Frau kümmern. Ende März 1941 wurde dem Ehemann mitgeteilt, dass seine Frau in eine andere Pflegeanstalt überstellt wurde. Maria Haslwanter wurde am 20. März 1941 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet.
Ihr Urenkel Matthias Haslwanter recherchierte ihr Schicksal sowie das Schicksal von fünf anderen Opfern, an deren Schicksale nun Stolpersteine erinnern
Götzens In Götzens wurde ein Stolperstein verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEKONRAD ABENTHUNGJG. 1908'EINGEWIESEN' 1940HARTHEIMERMORDET 6.1.1941'AKTION T4' Krapfengasse 3Götzens wurde am 12. Juni 1908 in Götzens geboren, am 10. Dezember 1940 in die Tötungsanstalt Hartheim eingewiesen und dort am 6. Januar 1941 ermordet, mutmaßlich in der dortigen Gaskammer. Mehr ist über Konrad Abenthung nicht bekannt. Die Veranstalter wollten mit den Stolpersteinen in Axams, Birgitz und Götzens unter anderem an Opfer der Aktion T4 erinnern, „denen das nationalsozialistische Gewaltregime das Menschsein aberkannt und sie zum Ziel von Verfolgung und Vernichtung gemacht hat.“Universität Innsbruck: Verlegung Stolpersteine Axams – Birgitz – Götzens, abgerufen am 3. November 2024
Der Stolperstein wurde vor seinem vormaligen Wohnhaus verlegt.Die Verlegung des Stolpersteines wurde verschoben. IN GÖTZENS WOHNTEALOIS JOSEFTHOMASATJG. 1881'EINGEWIESEN' 1941HARTHEIMERMORDET 21.5.1941'AKTION T4' Brunnen beim GriesGötzens wurde 1881 geboren, 1941 eingewiesen und am 21. Mai 1941 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet.
Leisach In Leisach in Osttirol wurde ein Stolperstein verlegt.