Zalewo [] (deutsch Saalfeld) ist eine Stadt im Westen der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Lage Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Preußen, im südwestlichen Teil des mittelalterlichen Pomesanien, der später zum Oberland gehörte. Sie befindet sich am nordöstlichen Ufer des 490 ha großen Ewing-Sees, der zur Eylauer Seenplatte gehört, etwa 20 km westlich von Mohrungen (Morąg). Dorthin führt, die Europastraße 77 Elbląg–Warschau kreuzend, eine untergeordnete Landstraße. In östlicher Richtung führt die Landstraße zum Nachbarort Dzierzgoń. Zum Gemeindebezirk gehören 45 Ortschaften und 26 Dörfer, darunter Dobrzyki, Mazanki, Boreczno und Urowo. Die Landschaft wird von Wäldern und Seen des Oberlands dominiert. Wenige Kilometer südlich der Stadt liegt der Jeziorak-See (Geserichsee). Er ist mit 27 km Ausdehnung der längste See Polens und Ausgangspunkt des Oberländischen Kanals. mini|Stadtpanorama mit Kirche, von Süden gesehen

Geschichte mini|Stadtzentrum aus der Vogelperspektive (nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs, 2005) mini|Ortskirche, bis 1945 evangelisch (Aufnahme 2012) Mittelalter 1225 rief der Herzog Konrad I., der sich gegen die Prußen nicht durchsetzen konnte, den Deutschen Orden zu Hilfe und stellte ihm das Land um den Weichselbogen, das spätere Kulmer Land, zur Verfügung. Der Deutsche Orden warf die Prußen nieder und verschob die Grenzen des Ordenslandes immer weiter nach Osten. Dabei wurden Burgen und Städte errichtet; Christburg entstand 1288.

1299 wurde das Gebiet am Ewing-See für die Besiedelung freigegeben, der erbliche Schultheiß Jacob erhielt von Komtur Heinrich Zuckschwert den Auftrag, eine Siedlung zu gründen. Diese nannte er Saalfeld, nach den deutschen Einwanderern, die aus dem thüringischen Saalfeld und dem Umland kamen. 1305 gab der Komtur Sieghard von Schwarzburg dem Ort die Handfeste, das ist die Erlaubnis, die Siedlung mit Wall und Graben zu schützen. Am 21. Dezember 1320 stellte Komtur Luther von Braunschweig die zweite Handfeste aus, die als Erneuerung der ersten galt. Die letzte Handfeste, ausgestellt vom Trappier und Komtur Günther von Schwarzburg am 25. April 1334, bestätigte alle früheren Privilegien und sprach der Stadt die vollen Stadtrechte zu.

Ab 1320 begann der Bau der Stadt. Zuerst wurden die Grundmauern einer Wehrkirche angelegt, dann entstanden die Stadtmauern. Sie bildeten ungefähr ein Quadrat von 8,4 ha mit einem 90 mal 90 Meter großen Markt in der Mitte. Die etwa 3,5 Meter hohen Mauern wurden aus Feld- und Ziegelsteinen erbaut und mit Türmen versehen. Die Mauer hatte zwei Tore, das Preußisch Marker Tor im Westen und das Mohrunger Tor im Osten. Im Westen reichte der Ewing-See bis an die Mauer heran, die anderen drei Seiten waren mit einem Graben umgeben.

Unter Hochmeister Winrich von Kniprode trat eine Blütezeit von Handel und Gewerbe ein, die 1395 ihren Höhepunkt erreichte und bis zum Krieg mit Polen anhielt. In der Stadt, die damals rund 700 Einwohner hatte, gab es 20 Fleischbänke, 20 Schuhbänke und 16 Brotbänke.

1409 kam es zum Krieg zwischen Polen und dem Deutschen Orden. Nach der Schlacht bei Tannenberg sank der Einfluss des Ordens. Während des Hungerkrieges verwüsteten 1414 polnische Truppen die Gegend von Saalfeld. Kaum hatte sich die Stadt erholt, kam es zum Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) zwischen dem Preußischen Bund und dem Deutschen Orden. 1455 wurde Saalfeld von der Burgbesatzung von Preußisch Mark bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Nach dem Zweiten Thorner Frieden und der damit verbundenen Grenzziehung lag die Stadt direkt an der Grenze zu Polen, was eine Isolierung darstellte und sich negativ auf die Stadtentwicklung auswirkte. Die Pest machte auch vor Saalfeld nicht halt. Um 1475 kamen neue Siedler aus Deutschland und brachten auch den Wiederaufbau in Gang.

1480 wurde im Nordosten der Stadt ein Franziskanerkloster gegründet (Kloster der Barfüßer); es bestand bis 1527 und wurde im Zuge der Reformation aufgelöst. Die Steine der abgerissenen Gebäude wurden teilweise für die Instandsetzung der Burg Preußisch Mark verwendet. Der Legende nach sollen die Klosterkeller unterirdisch mit der Kirche verbunden gewesen sein.

Zeit des Herzogtums / Königreichs Preußen Im Vertrag von Krakau wurde der Ordensstaat 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt. Der Hochmeister und nunmehrige Herzog Albrecht erhielt es als Lehen von seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I. Dieses Herzogtum wurde in den Samländischen, Natangischen und Oberländischen Kreis eingeteilt. Kreisstadt des Oberländischen Kreises wurde bis 1752 Saalfeld. Nach der Aufhebung des katholischen Bistums Pomesanien 1587 richtete Markgraf Georg Friedrich in Saalfeld das Oberländische Evangelische Konsistorium ein, das bis 1751 Bestand hatte. 1587 wurde in Saalfeld neben Lyck und Tilsit eine Fürstenschule eingerichtet, die bis zum Abitur führte. Diese Schule bestand bis 1805. Im 16. Jahrhundert kamen weitere Siedler, vor allem evangelischen Glaubens, die im katholischen Königreich Polen verfolgt wurden. Außerdem wanderten arme Bauern ein, die in der polnischen Adelsrepublik keine Zukunft sahen. Damals entstand der polnische Ortsname Zalewo durch Anpassung des Namens Saalfeld an polnische Aussprachegewohnheiten und unter Beeinflussung durch das polnische Wort Zalew (stehendes Gewässer). Die polnischen Ortsnamen der Wohnplätze auf dem Gebiet der heutigen Gmina Zalewo wurden nach 1945 durch eine Kommission zur Namensänderung festgelegt.

1626 wurde das Herzogtum Preußen in den Schwedisch-Polnischen Krieg hineingezogen. 1628/29 besetzte der schwedische König Gustav II. Adolf Saalfeld. Nach dem Frieden von Stuhmsdorf (heute Sztumska Wieś) 1635 kam kurz Frieden in das Land. 1655 wurde Polen erneut von den Schweden unter Karl X. Gustav angegriffen, wieder zogen die Truppen durch Saalfeld. Erst nach dem Friedensschluss von Oliva 1660 herrschte Ruhe. Die Stadt war ruiniert, Stadtmauern, Tore und Häuser zerstört. Kaum war die Stadt wieder aufgebaut, fiel sie 1688 einem Großbrand erneut zum Opfer, Rathaus und die gesamte Stadtmitte waren erneut zerstört. Fünf Jahre später war die Stadt wieder aufgebaut, aber 1701 setzten die Kämpfe um die Vorherrschaft im Ostseeraum wieder ein. Mit dem Krieg suchte die Pest die Stadt heim, sie brach 1704 aus und dauerte bis 1710 – es starben 702 Einwohner, nur sieben überlebten die Krankheit.

Der Wiederaufbau der Stadt wurde von Friedrich Wilhelm I. durch Steuerbefreiung und staatliche Bauhilfe gefördert. 1726 hatte die Stadt bereits wieder 139 Häuser und 199 Einwohner. 1752 verlor die Stadt durch eine neue Kreiseinteilung ihren Rang, Saalfeld war ab diesem Zeitpunkt nur eine Stadt im Kreis Mohrungen. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war Saalfeld zeitweise russisch besetzt. Neues Unglück kam 1767 – 73 Einwohner starben an den Pocken.

1713 wurde Saalfeld Garnisonsstadt. Zuerst lagen in der Stadt zwei Eskadronen des Reiter-Regiments von Geßler, zeitweise auch eine Eskadron des Kürassier-Regiments Nr. 1 von Wrangel. Danach kamen zwei Eskadronen des Kürassier-Regiments Nr. 4, später der Stab und eine Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 4 von Rosepusch sowie eine Eskadron des Kürassier-Regiments Nr. 5 (1819–1852). Bis 1859 blieb eine Eskadron des Ulanen-Regiments Nr. 8 in der Stadt, letzte Einheit war eine Batterie der Feldartillerie. Die Hauptwache befand sich bis 1852 im östlichen Teil des Rathauses. Die Reitbahn wurde an der späteren Bahnhofsstraße angelegt, die Stallungen standen in der Preußisch Marker Vorstadt und der Exerzierplatz lag auf dem Gebiet des Gutes Ebenau (heute Półwieś). 1866 wurde die Garnison aufgelöst.

Seit 1806 führte Preußen Krieg gegen das napoleonische Frankreich. Im Januar 1807 rückten die ersten französischen Truppen in Saalfeld ein, im Februar gab es ein Gefecht. Ein französischer Offizier verhinderte die Plünderung der Stadt. Saalfeld blieb 32 Wochen unter französischer Besetzung, während dieser Zeit unterhielten die Franzosen ein Lazarett in der Stadt, und die Kirche diente als Mehlmagazin. Bei einer Typhus-Epidemie starben 300 Franzosen und 145 Einwohner. Am 6. Juni zog Napoleon, von Schloss Finckenstein (heute Kamieniec) kommend, in die Stadt und blieb eine Nacht bei Steuerinspektor Glaser (Markt 52). Nach der Niederlage in Russland flohen die Reste der Grande Armée durch die Stadt.

mini|Stadtplan von Saalfeld (1833) Zeit von 1813 bis 1939 Bei der Selbstbewaffnung der Provinz Ostpreußen zum Befreiungskampf gegen die Franzosen, die ohne Befehl König Friedrich Wilhelms III. im Februar 1813 begann, flossen auch Saalfelds letzte Mittel in die Ausrüstung der Landwehrsoldaten. 1816 wurde eine jüdische Gemeinde in Saalfeld gegründet. Die 46 Personen dieser Gemeinde bauten 1838 mit Hilfe der Kaufleute Rosenbach und Laserstein ein Bethaus in der Gefängnisgasse. 1844 wurde es zur Synagoge erweitert. 1831 grassierte die aus Polen eingeschleppte Cholera; 66 Tote waren die Folge. Die Seuche kam 1849 und 1855 erneut in die Stadt.

Um 1840 erholte sich die Wirtschaftslage der Stadt. Ein Domän-Rentamt wurde 1847 eingerichtet, es war für die Verwaltung der umliegenden staatlichen Güter zuständig – 57 Ortschaften wurden ihm zugeteilt. Dieses Amt bestand bis 1874. 1852 legte man die Höhere- und die Elementarschule zu einer allgemeinen Stadtschule zusammen, zusätzlich wurde 1854 eine Privatschule für Mädchen gegründet. 1852 brannte das Rathaus völlig ab und damit auch ein Teil des Stadtarchives. Es wurde nicht wieder aufgebaut. 1868 trat eine Typhus-Epidemie auf, 119 Bürger starben. Für die Hinterbliebenen wurde eine Waisenhausstiftung gegründet und 1870 ein Waisenhaus eröffnet. Dieses wurde 1878 in ein Männer-Altersheim umgewandelt, das bis 1945 existierte. Im gleichen Jahr wurde Saalfeld der Sitz eines Königlichen Amtsgerichtes für die Stadt und 12 Kirchspiele, es unterstand dem Landgericht in Braunsberg. 1883 wurde die „Kaiserliche Post“ fertiggestellt. In der Nacht vom 11. zum 12. Oktober 1898 brannte das Gerichtsgebäude des Amtsgerichts Saalfeld in der Klosterstraße nieder. Die gerade neu gegründete Feuerwehr konnte die angrenzenden Häuser retten. Auf dem Platz wurde 1901 ein Neubau mit einem Gefängnis errichtet.

1852 hatte Saalfeld 2.148 Einwohner. Vor allem für die Wirtschaft war der Bau von Straßen und Eisenbahnlinien bedeutsam. Folgende Chausseen wurden von Saalfeld aus errichtet: 1854–1859 nach Maldeuten (heute Małdyty) und Mohrungen, 1896–1896 nach Rosenberg, 1899–1903 nach Preußisch Mark (heute Przezmark) und Christburg sowie 1901–1904 nach Liebemühl. 1891 begann der Bau der Eisenbahnlinie Elbing–Saalfeld–Osterode–Hohenstein, 1892 wurde der Bahnhof fertiggestellt. Die gesamte Eisenbahnlinie wurde am 1. September 1893 eröffnet. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte Saalfeld eine Ziegelbrennerei, eine Käsefabrik, Gerbereien und Färbereien, und die Reichsbank unterhielt ein Warendepot in der Stadt. 1902 wurde das städtische Elektrizitätswerk in Betrieb genommen, damit konnte die Stadt eine elektrische Straßenbeleuchtung installieren.

Am 2. September 1905 feierte die Stadt das 600-jährige Jubiläum. Dazu wurde eine Sondermedaille mit dem Stadtwappen geprägt. Die Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt 2.587 Einwohner, 2.436 waren evangelisch, 72 katholisch und 69 jüdischen Glaubens.

Die Kriegslasten des Ersten Weltkriegs waren auch in Saalfeld zu spüren. 1914 wurde neues Papiergeld herausgegeben und 1918 neue Münzen geprägt. Infolge der Novemberrevolution 1918 kontrollierte ein Soldatenrat den Bürgermeister. Um Ausschreitungen zu stoppen, wandten sich die Bürger an den Kommandeur eines in Saalfeld stehenden Schützenbataillons und organisierten einen Selbstschutz. Diese Truppe wurde aber nicht eingesetzt. Für die 200 Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtete man im Park ein Gefallenenehrenmal, welche der Königsberger Bildhauer Professor Stanislas Cauer schuf.