Walter Josef Lorenz (* 8. März 1932 in Witkowitz, Tschechoslowakei; † 9. September 2026 in Heidelberg) war ein deutscher Biophysiker und Professor für Nuklearmedizin und Biophysik an der Universität Heidelberg.

Werdegang Lorenz verbrachte seine Jugendjahre und die Schulzeit in Freiberg, wo sein Vater, Robert Lorenz aus Nesselsdorf, Oberbahnmeister der Eisenbahngesellschaft Stauding-Stramberg-Wernsdorf war, seine Mutter Mathilde, geb. Liss, stammte aus Engelswald.Walter J. Lorenz: Meine Kindheit und Jugend in Mähren. In: Alte Heimat Kuhländchen 2-2022, S. 114 Die Familie Lorenz kam 1946 im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach Heidelberg, wo Walter Lorenz nach dem Abitur 1952 an der Universität Heidelberg Physik studierte.

Als Diplomand und Doktorand arbeitete er von 1956 bis 1959 am Max-Planck-Institut für Kernphysik (MPI) unter Betreuung von Walther Bothe, Wolfgang Gentner und Ulrich Schmidt-Rohr. 1961 erfolgte die Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften an der Universität Heidelberg; 1967 die Habilitation (Dr. habil.) an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg mit der Arbeit „Die Bedeutung eines Kernreaktors für die medizinische Forschung und die klinische Praxis“ und erhielt die Venia legendi für das Fachgebiet „Nuklearmedizin, insbesondere Biophysik“. 1973 wurde er zum Professor an die Universität Heidelberg berufen.

Von 1964 von 31. März 1997 war er Leiter der Abteilung für Biophysik und medizinische Strahlenphysik des Instituts für Nuklearmedizin (seit 1987: Institut für Radiologie und Pathophysiologie; seit 1992: Forschungsschwerpunkt Radiologische Diagnostik und Therapie) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Wissenschaftliche Arbeiten Unter seiner Leitung wurde am DKFZ für die patientenbezogene Forschung der erste Forschungsreaktor im Bereich der medizinisch-biologischen Forschung in Betrieb genommen. 1970 wurde ein Zyklotron, das von der AEG gebaut worden war, im Neubau des DKFZ installiert und 1972 in Betrieb genommen. Lorenz war wesentlich an der Entwicklung der quantitativen Funktionsszintigraphie, die mit der Einführung der Datenverarbeitung einherging, beteiligt. In der Zeit um 1968 fiel auch die Entwicklung einer Positronen-Szintillationskamera, einem Vorgänger des heutigen Positronen-Emissions-Tomographen. Seine Offenheit neuen Entwicklungen gegenüber zeigte sich auch darin, dass 1972 die Erforschung und Entwicklung des Ultraschalls für die Tumordiagnostik in das Programm des von ihm geleiteten Heidelberger Instituts für Nuklearmedizin aufgenommen wurde.

1976 erfolgte im DKFZ die Installation und Inbetriebnahme des ersten Ganzkörper-Computer-Tomographen (CT) in der Bundesrepublik Deutschland. Aber nicht nur im diagnostischen Bereich setzte Walter Lorenz auf neue Methoden, wie später auf die Magnet-Resonanz-Tomographie (1985) und auf die Positronen-Emissions-Tomographie (1986), sondern auch auf dem therapeutischen Sektor trieb er Forschungsprojekte voran, wie zum Beispiel den Einsatz schneller Neutronen in der Tumortherapie (1976) und die von ihm vorgeschlagene Entwicklung der stereotaktischen Konvergenzbestrahlung mit einem Linearbeschleuniger (1979), die später von seinen Mitarbeitern zur klinischen Anwendungsreife entwickelt wurde. Insgesamt bildete Lorenz 150 Diplomanden und Doktoranden aus, sechs seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter führte er zur Habilitation.

Ehrungen Scheffel-Preis der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe 1952 für sehr gute Leistungen im Fach Deutsch sowie weitere Schul-Preise Stadtmeister von Heidelberg in der Meisterklasse Schach 1953 Ehrennadel Alma mater Lipsiensis der Universität Leipzig 1989 Georg von Hevesy-Rudolf-Schönheimer-Medaille 1992 der Nuklearmediziner, Klinikphysiker und Radiochemiker der Neuen Bundesländer Sudetendeutscher Kulturpreis 2002 für Wissenschaft des Freistaats Bayern und der Sudetendeutschen LandsmannschaftGunnar Brix: Laudatio auf Walter J. Lorenz. In: Europäische Kulturzeitschrift Sudetenland 2-2002, S. 213 Richard-Glocker-Medaille 2007 der Deutschen Gesellschaft für Medizinische PhysikRichard-Glocker-Medaille Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik e.V. Großer Sudetendeutscher Kulturpreis 2007 des Freistaats Bayern und der Sudetendeutschen LandsmannschaftWolfhard Semmler: Laudatio auf Walter J. Lorenz. In: Europäische Kulturzeitschrift Sudetenland 2-2007, S. 208 Wahl zum ordentlichen Mitglied der naturwissenschaftlichen Klasse der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in München (2007)

Werke (Auswahl) Das Publikationsverzeichnis von Lorenz umfasst 216 Zeitschriftenbeiträge, 4 Hochschulschriften und 513 Veröffentlichungen von Büchern und Buchbeiträgen. Darunter sind folgende Monographien: Herstellung von Szintillationskristallen aus Anthrazen und Untersuchungen über ihre relative Lichtausbeute. MPI für Physik, Heidelberg (1968) Untersuchungen an einem Gasszintillationszähler. Diplomarbeit, Naturwiss. Fakultät der Universität Heidelberg (1959) Elastische Streuung von Deuteronen bei 11,8 MeV. Dissertation, Naturwiss. Fak. der Universität Heidelberg (1961) Die Bedeutung eines Kernreaktors für die medizinische Forschung und die klinische Praxis. Habil.-Schr., Med. Fak. der Universität Heidelberg (1968) Die Bedeutung eines Kernreaktors für die medizinische Forschung und die klinische Praxis. Hüthig, Heidelberg (1970) Medizinische Physik. 2 Bände, Hüthig, Heidelberg (1977)

Weblinks

Forschungsberichte von Walter J. Lorenz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ)

Einzelnachweise

Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Biophysiker Kategorie:Teilchenbeschleuniger-Physiker Kategorie:Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) Kategorie:Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann