mini|Günter Breithardt, 2009 Günter Breithardt (* 19. Januar 1944 in Haan/Rheinland) ist ein deutscher Mediziner, Kardiologe und emeritierter Universitätsprofessor. Er ist bekannt durch seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Rhythmologie, vor allem der Diagnostik und pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Therapie von Herzrhythmusstörungen und des akuten Herztodes, insbesondere auch der Identifizierung von Arrhythmie-auslösenden Genmutationen. 21 Jahre hat er die Medizinische Klinik und Poliklinik C (Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin) des Universitätsklinikums Münster geleitet. Eine Reihe seiner akademischen Schüler besetzen universitäre Leitungs- und Chefarztpositionen.
Werdegang Von 1963 bis 1968 studierte er Humanmedizin an den Universitäten Tübingen, Wien und Düsseldorf. Mit der Dissertation „Autohistoradiographische Untersuchungen über den Einbau von H-3-Leucin in den hypertrophierten Herzmuskel nach Schwimmtraining“Breithardt et al.: Autohistoradiographische Untersuchungen über den Einbau von H-3-Leucin in den hypertrophierten Herzmuskel nach Schwimmtraining, Archiv für Kreislaufforschung 1969, Band 59, S. 351 am Pathologischen Institut der Universität Düsseldorf wurde Breithardt 1969 zum Dr. med. promoviert. Die Approbation als Arzt erhielt er 1970. Seinen Wehrdienst leistete er 1971 als Stabsarzt am Institut für Wehrmedizin und Hygiene in Koblenz.
Breithardt ist mit einer Norwegerin verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter, die sich – in der Human- bzw. der Veterinärmedizin – ebenfalls auf Kardiologie spezialisiert haben.
Berufsleben Ab 1970 war Breithardt als Wissenschaftlicher Assistent zunächst am Institut für Pathologie der Universität Düsseldorf unter Leitung von Hubert Meessen, ab 1971 an der Medizinischen Klinik und Poliklinik unter Leitung von Franz Loogen, dem Nestor der deutschen Kardiologie, tätig. Die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin erfolgte 1976, für die Teilgebietsbezeichnung Kardiologie 1977. Im Jahr 1978 habilitierte Breithardt sich mit einer Arbeit über „Klinisch-elektrophysiologische Untersuchungen der Sinusknotenfunktion“Datensatz der DNB; abgerufen am 19. Dezember 2019. und wurde Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik B der Universität Düsseldorf. 1982 wurde er zum Professor (C3 auf Zeit) an der Universität Düsseldorf ernannt. Dort leitete er u. a. das Elektrophysiologische Labor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie. 1984 wurde er zum Professor auf Lebenszeit (C3) berufen. 1988 folgte er einem Ruf an die Universität Münster, wo er zum Professor auf Lebenszeit (C4) und zum Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie, inklusive Internistische Intensivmedizin) ernannt wurde. 1991 übernahm er außerdem die Leitung des Bereichs „Koronare Herzkrankheit“ (später Molekulare Kardiologie) am Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung der Universität Münster.
Wissenschaftliche Tätigkeit Forschungsschwerpunkte von Breithardt sind die Klinische Elektrophysiologie, Arrhythmiediagnostik und –therapie, Molekulargenetik von Arrhythmien, Mechanismen von Herzinsuffizienz und von Arrhythmien und akutem Herztod, Mechanismen der Re-Stenose sowie die Arteriosklerose.
Initial führte er am Institut für Pathologie der Universität Düsseldorf elektronenmikroskopische und histoautoradiographische Untersuchungen zur Organkonservierung in Zusammenarbeit mit der Abteilung für angewandte und klinische Pharmakologie (Prof. M. Siess) der Philipps-Universität Marburg durch.Breithardt G, Herold R, Knieriem HJ, Schuier FJ, Siess M. Vergleichende morphologische und funktionelle Untersuchungen am überlebenden Meerschweinchenvorhof. Verh Dtsch Ges Kreislaufforsch. 1971;37:267-75; Breithardt G, Knieriem HJ, Schuier FJ, Herold R, Hischebeth G, Siess M. Elektronenmikroskopische Untersuchungen des Meerschweinchenvorhofes nach Konservierung mit verschiedenen Gasen und Gasgemischen. Virchows Arch B Cell Pathol. 1972;10:210-28
Nach Wechsel in die Klinik von Franz Loogen gegen Ende 1971 war Breithardt in zunehmendem Maße, zusammen mit seinem Mentor Ludger SeipelBreithardt G, Borggrefe M. Ludger Seipel: an early comer in clinical electrophysiology at 80 years. Clin Res Cardiol 2020;109:527-528, an der sich entwickelnden Klinischen Elektrophysiologie beteiligt. Er wurde führend in der Erforschung der Sinusknotenfunktion. Breithardt war einer der Pioniere der signalgemittelten Elektrokardiographie und entwickelte ein umfangreiches Programm für die elektrophysiologische Kartierung (Mapping), indem seine Arbeitsgruppe – zusammen mit den Herzchirurgen – eine der größten Kohorten von Patienten aufstellte, die sich einer Operation aufgrund von lebensbedrohlicher ventrikulärer Tachykardie unterzogen.CURRICULUM VITAE Günter Breithardt, Universität Münster; abgerufen am 18. Dezember 2019. Er ist Mitherausgeber von vier Auflagen (1993, 2003, 2009 und 2013) des Standardwerks Cardiac Mapping zur Lokalisationsdiagnostik von Herzrhythmusstörungen.
Zu seinen klinischen Pionierleistungen gehören die weltweit ersten Katheterablationen der AV-Überleitung und einer rechtsseitigen akzessorischen Bahn mit einer „incessant“ supraventrikulären Reentry-Tachykardie mittels Hochfrequenzstrom im Jahr 1986 in Düsseldorf mit dem von Peter Osypka entwickelten HAT 100-Generator, der eine reproduzierbare Dosis-Wirkungs-Kurve erlaubte. Hierbei wurde ein Katheter mit kontinuierlicher Spülung verwendet, um Gerinnsel oder Überhitzung der Katheterspitze zu verhindern, was später zu einem Standard wurde.Breithardt G, Borggrefe M. The dawn of radiofrequency catheter ablation for cardiac arrhythmias, Heart Rhythm 2021; 18(3): 485-486; DOI:10.1016/j.hrthm.2020.11.030 Die Methode der Ablation mittels Hochfrequenzstrom gilt heute als Standardtherapie., Website Universitätsklinikum Münster, o. D., abgerufen am 12. Februar 2020. Bereits zwei Jahre zuvor, 1984, hatte er – zusammen mit den Herzchirurgen der Universität Düsseldorf – als erster in Deutschland einen Implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) eingesetzt.Mathias Vogel: Herz schlägt weiter für Kardiologie, Westfälische Nachrichten, 13. Februar 2009; abgerufen am 11. Januar 2021. Fünf Jahre später, 1989, war es seine Arbeitsgruppe, die als weltweit erste einen ICD der 3. Generation implantierten.
Unter seiner Leitung wurde an der Universität Münster ein Forschungsprogramm initiiert, das sich speziell mit den Mechanismen von Arrhythmien und Herzinsuffizienz befasste und die Molekulargenetik sowie eine Vielzahl von Tiermodellen von Mäusen bis zu Kaninchen in vivo und ex vivo umfasste.
Seine Arbeitsgruppe war an dem Konsortium beteiligt, das die ersten Genmutationen für das Brugada-Syndrom identifizierte, die erste für die Sinusknotenerkrankung verantwortliche Mutation beschrieb und Plakophilin-2 als die häufigste Mutation identifizierte, die der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie zugrunde liegt.Wissenschaftspreis der Gertrud-Spitz-Stiftung – Preisträger 2016, Deutsche Stiftung für Herzforschung; abgerufen am 11. Januar 2021.
Anerkannt ist Breithardts Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs.Fakultät verleiht Preise, Neue Westfälische, 29. Januar 2016; abgerufen am 5. März 2020. Er hat in seiner Klinik junge Mediziner mit Potenzial gefördert.Auszeichnung für Prof. Günter Breithardt, Management & Krankenhaus, 4. Mai 2016; abgerufen am 9. Januar 2021. Mehr als 20 seiner akademischen Schüler sind in universitären Leitungspositionen und Chefarztpositionen.Deutsche Herzstiftung: , Pressemitteilung 14/2016, 3. Mai 2016; abgerufen: 4. August 2019Anna Reiss: Forßmann-Preise für herausragende Herz-Kreislaufforschung vergeben, HDZ Pressemitteilung, 28. Januar 2016.
An der Universität Düsseldorf war Breithardt Mitglied im DFG-Sonderforschungsbereich SFB 30 Kardiologie und Mitgründer und stellvertr. Sprecher des nachfolgenden Sonderforschungsbereiches 242 „Komplikationen der Koronaren Herzkrankheit“, einschließlich Plötzlicher Herztod, später in Münster Gründer und Sprecher des SFB 556 „Herzinsuffizienz und Arrhythmien – von den molekularen Grundlagen zur Klinik“ (1999–2003)SFB 556: Herzinsuffizienz und Arrhythmien – von den molekularen Grundlagen zur Klinik, GEPRIS (DFG); abgerufen am 8. Februar 2021., Mitgründer des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) und stellv. Vorsitzender des BMBF-geförderten multizentrischen CAD-REF-Registers zur Erfassung von Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) und chronischen Nierenerkrankungen.
Breithardt ist Gründungsmitglied und war von 2003 bis 2015 Vorsitzender des Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET), einer international anerkannten Forschungsplattform zum Thema VorhofflimmernNatascha Plankermann: Aus dem Takt, Die Welt, 24. November 2013; abgerufen am 5. März 2020.. Das AFNET wurde bis 2014 im Rahmen der Kompetenznetze in der Medizin vom BMBF gefördertVerein, Website Kompetenznetz Vorhofflimmern; abgerufen am 8. Februar 2021.; seither ist es eine selbständige Akademische Forschungsplattform, die seit Januar 2015 mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) kooperiert.DZHK Studien, Website Kompetenznetz Vorhofflimmern; abgerufen am 8. Februar 2021. Durch sieben internationale Konsensuskonferenzen hat das AFNET zusammen mit dem Partner EHRA zur Ausrichtung der internationalen Forschung auf diesem Gebiet beigetragen.AFNET / EHRA Konsensuskonferenzen, Website Kompetenznetz Vorhofflimmern e. V.; abgerufen am 8. Februar 2021.
Breithardt und seine Gruppe haben Drittmittel eingeworben, die Peter-Lancier-Stiftungsprofessur,Jutta Reising: Bildgebung des Herzens, Pressestelle Universität Münster, 19. Mai 2003; abgerufen am 7. April 2021. die Peter-Osypka-Stiftungsprofessur,, Osypka-Website; abgerufen am 7. April 2021. eine Stiftungsprofessur „EMAH“ der Fördergemeinschaft EMAHDrei Stiftungsprofessuren auf einen Streich, Pressestelle Universität Münster, 6. Juni 2005; abgerufen am 7. April 2021. und eine Schwerpunktprofessur Molekulare Genetik myokardialer Erkrankungen des Landes NRW,Erste Schwerpunktprofessor für erblich bedingte Herzmuskelerkrankungen an der Universität Münster, Pressestelle des Landes NRW, 27. März 2009; abgerufen am 7. April 2021. die am Uniklinikum Münster den Aufbau einer mehrgliedrigen Klinik mit selbständig geleiteten Schwerpunkten Kardiologie I (inkl. Intensivmedizin und Angiologie), II und III, sowie dem Institut für Genetik von Herzerkrankungen und dem Herz-MRT-Zentrum ermöglicht haben.
Aktivität in Gremien und Fachgesellschaften Breithardt war in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) u. a. Mitbegründer – und von 1983 bis 1986 Vorsitzender – der Arbeitsgruppe Arrhythmiediagnostik, Mitglied der Kommission für Klinische Kardiologie (1985–1997), Mitglied des Beirats der DGK (1988), Mitbegründer des Vereins und späteren Instituts für klinisch-kardiovaskuläre Forschung (IKKF) (1997–98) sowie Vorsitzender der Interdisziplinären Task Force „Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern“Interdisziplinäre Versorgung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), EMAH Stiftung; abgerufen am 19. Dezember 2019. (2004–2018), Vorsitzender der Kommission für Wissenschaftliche Qualität (2009–2013) und Vorsitzender der Task Force „Spezielle Rhythmologie“ (2011–2015). 1997 wurde er zum Präsidenten der Gesellschaft (Amtsperiode 1999–2001) gewählt.Curriculum Vitae G. Breithardt, Historisches Archiv der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; abgerufen am 19. Dezember 2019.