mini|Rotfuchsbesatz auf Kragen und Manschetten (2018)
Als Pelzbesatz im engeren Sinn werden vor allem mit Pelz belegte Kragen oder Kapuzen verstanden. Weiter gefasst bezeichnet der Begriff jede auf Textilkleidung aufgebrachte Fellapplikation. Bevorzugt besetzt werden, neben dem Kragen, die Kragen- und Vorderkanten, die Ärmelkanten oder Manschetten, der Saum und die Taschenkanten. Insbesondere der Pelzkragen kann, statt fest angenäht, lose oder abnehmbar gearbeitet sein.
Bei einer Pelzjacke oder einem Pelzmantel meint Pelzbesatz einen aus einer zweiten Fellart gearbeiteten Oberkragen.G. Thiébault: Die Kunst der Pelzverbrämung. In: Die Pelzwirtschaft,1. Januar 1965, Berlin und Frankfurt am Main, S. 92–94.
Allgemein Wenn der Pelzbesatz eine Verbrämung, also eine Umrandung der Kanten von Textilkleidung ist, kann dieser eine Fortsetzung beziehungsweise das Sichtbarmachen eines Pelzfutters nach außen sein, oder ein alleiniges Besetzen der Kanten. Wobei häufig, auch bei einem pelzgefütterten Kleidungsstück, für die Verbrämung oder den Kragenbesatz eine wertvollere oder für den Besatz geeignetere, attraktivere Fellart als für die Ausfütterung gewählt wird. Eine Sonderform des Pelzkragens ist der glockig fallende Wellenkragen.
Geschichte mini|Besatz aus gerupftem Biberfell (Katrina Rotondo, 2024) Das Besetzen von Kleidern und Mänteln hat eine lange Tradition. Bereits steinzeitliche Malereien in der Höhle von Altamira in Spanien zeigen Jäger mit einem Beinkleid, das mit einem Ziegenfell besetzt ist.
Im Altertum findet sich insgesamt unter den höheren Ständen nur wenig Pelz, lediglich die Landbevölkerung, insbesondere die Hirten, nutzten wärmende Schaf-, Ziegen- oder Fuchspelze.
Das änderte sich völlig nach der sogenannten Völkerwanderung (etwa 375–568). Karl der Große war zwar einfach in seiner Lebensweise und tadelte den Kleideraufwand an seinem Hof, sein Mantel war jedoch, der Zeit entsprechend, pelzbesetzt. Die Hofkleidung wurde prunkhaft, an die Stelle eines einfachen Wamses trat eine zeremonielle Hofkleidung. Als wichtigste Fellarten für Besatz und Innenfutter wurden Zobel, Marder und Hermelin genannt, weniger oft für Deutschland Iltis, Wiesel und Fuchs. Im aufkommenden Bürgertum kleideten sich Kaufherren und Handwerker bald mehr oder weniger in Pelz. Die Kleidungsstücke jener Zeit waren Heuke, Tappert und Schaube. Sie waren mit Grauwerk (Feh) oder noch kostbareren Sorten ausgefüttert. Mächtige, pelzbesetzte Kragen schmückten die Kleidung nach außen. Bei nicht so kostspieligen Ausführungen genügte ein breiterer oder schmalerer Besatz. Fast immer gehörte jedoch der Pelz dazu, sei es nur als schmales Streifchen, das die Schaube, einen Halsausschnitt oder die Mantelschlitze umsäumte.
An manchen Orten scheint reine Pelzbekleidung als Zeichen der Sparsamkeit und Schlichtheit gegolten haben, verfeinernde Verbrämung dagegen schon als Luxus. Aus dem 13. Jahrhundert berichtete der Florentiner Chronist Giovanni Villani: „In der genannten Zeit (1260) lebten die Bürger von Florenz nüchtern … und gaben wenig aus. Sie kleideten sich und ihre Frauen in grobes Tuch und viele trugen das bloße Pelzwerk ohne Tuch …“Eva Nienholdt: Pelz in der Tracht des frühen und hohen Mittelalters. Kapitel II der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 3, 1955, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 93. Primärquelle Cronica, Lib. VI, Cap. 69. Zitiert nach Floerke. Das ganze Mittelalter hindurch nahm die erste Stelle unter den mit Pelz gefütterten oder verbrämten Obergewändern ein ärmellos getragener Mantel ein.Eva Nienholdt: Pelz in der Tracht des frühen und hohen Mittelalters. Kapitel II der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 3, 1955, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 93. Als Ende des 14. Jahrhunderts die Mode zu weiten Gewandformen überging und für den Mann der Tappert aufkam, wurde reichlich mit Pelz gefüttert und besetzt. Fast immer waren die Einschnitte und Ränder, die unteren wie die seitlichen, die Halsausschnitte und die Ärmelschlitze mit Fell verbrämt. Dies änderte sich kaum, als in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts die europäische Tracht wieder enger wurde. Im 15. Jahrhundert findet man den Pelz unter anderem an den spitzen Ausschnitten und am Saum der französisch/niederländischen Frauenkleider. In Deutschland war die Mode züchtiger, die Kleider 15. Jahrhunderts hatten eine Pelzumrandung an dem kleinen, runden Halsausschnitt. Während in Italien die Männer des 15. Jahrhunderts häufig eine modische, pelzbesetzte Tracht trugen, war sie bei den Frauen verhältnismäßig selten.Eva Nienholdt: Pelz in der Tracht des frühen und hohen Mittelalters. Kapitel III der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 5, 1955, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 163–169.
mini|Französischer Kavalier, 17. Jh. Mit der in den letzten beiden Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts aufkommenden Schaube war der Pelz nicht mehr nur ein schmaler rahmender Besatz, sondern wurde zum breiten ausladenden Schulterkragen, als Aufschlag an den Vorderkanten ließ er gleichzeitig ein prächtiges Pelzfutter sehen.Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 16. Jahrhunderts. Kapitel IV der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 1, 1956, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig, S. 17–25. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann ein Rückgang der Pelzverbrämung, der sich im 17. Jahrhundert fortsetzte. Die Kleidung wurde legerer. Da, wo die Pelzumrandung blieb, wurde sie schmaler. Der modische Kavalier trug jedoch eventuell einen halblangen Überrock, bei dem jetzt auch die seitlichen Schlitze, die Tascheneinschnitte und die Ärmel pelzverbrämt waren. In den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts dominierte der Justaucorps die Herrenmode, ein langer Leibrock. In der Frauenmode spielte die Verbrämung im 17. Jahrhundert eine fast noch geringere Rolle als bei den Männern. In Holland wurden im Winter öfter mit Pelz gefütterte und verbrämte Kleider getragen. Ganz dominierend und für Holland charakteristisch, ab etwa 1633 abgebildet, war jedoch ein Jäckchen, das offenbar nur im Haus getragen wurde, der wohl „reizvollste Bestandteil der holländischen Frauenkleidung“ jener Zeit. Es war aus farbigem Atlas oder Samt gearbeitet, mit weißem Fell umrandet.Frithjof Van Thienen: Das Kostüm der Blütezeit Hollands, 1600-1660. Deutscher Kunstverlag, 1930, S. 97.Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven und London, 2020, S. 120–121, ISBN 978-0-300-22720-8 . Die Art des Felles scheint nicht überliefert zu sein, dem offenbar häufigen Gebrauch nach dürfte es sich um das reichlich verfügbare, preiswerte Kaninfell gehandelt haben. Es wurde auch vermutet, dass es gelegentlich Flaumfedern gewesen sein könnten.
In den Beitexten zu den Kleiderordnungen wurde häufig gegen den Pelzkragen opponiert, wenn er aus unerlaubtem kostbaren Material bestand, wie aus gutem, das heißt echtem Zobel. Bei den mitteleuropäischen Damen kam im 17. Jahrhundert ein häufig bis zu den Schultern reichender rundlicher, vorn zugespitzter Kragen auf, der bis in das nächste Jahrhundert hinein aktuell blieb, mit dem sie das tiefe Dekolleté bedecken konnten. Der Name „Palatin“ oder auch „Palatine“, angeblich nach der Lieselotte von der Pfalz benannt, wurde bald die allgemeine Bezeichnung für Pelzkragen. Mit dem verstärkt in Mode kommen der Muffe wurden auch Zusammenstellungen von kleinen Pelzaccessoires aus dem gleichen Fell aktuell, sogenannte Pelzgarnituren. Das konnten kleine Pelzkrawatten, große Schals oder lose Kragen sein, zusammen mit einer Pelzmütze, vielleicht Pelzhandschuhen und fast immer mit einem Muff. In Straßburg trugen die Damen üppige Pelzkappen. Anstelle eines pelzverbrämten Kragens waren die ausladend abstehenden Epauletten des Kragenrocks mit Pelz verbrämt oder besetzt.Eva Nienholdt, Das Pelzgewerbe 1956/3. Primärquelle Straßburgisch Trachten buchlein, ca. 1960: Ein Jungfer so in Straßburger Tracht zu Gottes Tisch gehet und Ein fraw im kragen rock.
Mit dem ausgehenden 16. Jahrhundert verlor die männliche Tracht ihre führende Rolle in der Entwicklung der Mode. In der Herrenmode gab es nur wenig Pelzbesatz, der Pelz bestimmte das modische Bild kaum noch mit. Es gibt jedoch aus der Zeit durchaus noch Abbildungen von pelzgefütterten und -verbrämten Herrenmänteln und Umhängen. Der aus dem 17. Jahrhundert übernommene Umhang war im 18. Jahrhundert noch gefragt, auch zusammen mit Pelzverbrämungen. Gelegentlich finden sich Abbildungen eines mit Pelz umrandeten Leibrocks mit einem Pelzkragen. Im Gegensatz zu den Herren nahm der Pelzbesatz bei den Damen im 18. Jahrhundert zu. Das Frauenkostüm begann sich selbständig zu entwickeln. Nachdem sich der Fransen- und Tressen-Besatz der aus der, für die europäische Mode tonangebenden, französischen Mode kommende Louis-quatorze-Zeit überholt hatte, wurde das festliche Kleid oder der Manteau, ein sich vorn öffnendes, den Unterrock freigebendes Obergewand, stattdessen gern mit Pelz verbrämt.Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 18. Jahrhunderts. Kapitel VI der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 5, 1955, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 235–245.
Am Herrscherornat, an weltlichen sowie geistlichen Ordens- und Amtstrachten war der Pelz in vielen Ländern ein wesentliches Statussymbol. Innerhalb einer Hierarchie zeigte die Art des Felles teilweise den sozialen Rang seines Trägers an.Andrea von Hülsen-Esch: Gelehrte im Bild: Repräsentation, Darstellung und Wahrnehmung einer sozialen Gruppe im Mittelalter. (Beispiel: Statuten der Universität von Montpellier). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, ISBN 3-525-35199-2 (books.google.de). Dominierende Fellarten waren Hermelin, Feh und gelegentlich Zobel. Beim Fürsten- oder Königsmantel hielt sich die Tradition an manchen Königshöfen bis in das 21. Jahrhundert, wie auch in anderen Bereichen zuletzt stark bedrängt durch die verstärkt aufgekommene Diskussion über das Recht auf Tiernutzung. Als Besatz befindet sich das weiße Fell des Winterhermelins an den Vorderkanten, vielleicht auch am Saum, in der Regel als Fortsetzung des Fellfutters. Der zugehörende große Kragen ist ebenfalls hermelinbesetzt. Diensttrachten mit Pelzbesätzen, oft auch mit Pelzfuttern, waren die Kleidung weltlicher und geistlicher Ordensgemeinschaften, die Schaube oder der Mantel bürgerlicher Amtsträger, wie Bürgermeister, Ratsherren und Universitätsvorsteher. Beim Klerus war es unter anderem die Almucia der Stiftsherren und die Mozzetta für die höchste Geistlichkeit.Eva Nienholdt: Pelz am Herrscherornat, an weltlichen sowie geistlichen Ordens- und Amtstrachten. Kapitel X der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 3, 1958, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 132–138. In der Militäruniform und bei den Soldatenpelzen kommt der Pelzbesatz wesentlich nur als Kragenbesatz und Kapuzenverbrämung vor.Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 18. Jahrhunderts. Kapitel XI der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 6, 1958, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig u. a., S. 271–276. Als Fliegerjacke oder Bomberjacke fand die Pilotenjacke des Zweiten Weltkriegs Eingang in die Zivilmode, entweder als wattierte Kurzjacke, als Pelzjacke oder mit Fellkragen.
19. Jahrhundert