Der Rußbussard (Buteo albonotatus), früher als Mohrenbussard bezeichnet, oder Bandschwanzbussard ist ein mittelgroßer, schlanker Greifvogel aus der Gattung Buteo innerhalb der Unterfamilie der Bussardartigen (Buteoninae). Die fast gänzlich schwarze Art kommt in zwei voneinander getrennten Gebieten in den südlichen USA und Nordmexiko, beziehungsweise Südmexiko, Mittelamerika sowie großen Teilen Südamerikas rund um das Amazonasbecken vor. Die Anden werden nach Westen hin nur an wenigen Stellen überschritten. Die Geschlechter sind weitgehend gleich gefärbt, Weibchen sind jedoch merklich größer und wesentlich schwerer als Männchen.
Die im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes brütenden Rußbussarde (südwärts bis Panama) scheinen weitgehend Zugvögel zu sein, die Vögel der übrigen Regionen sind überwiegend Standvögel.R. R. Johnson, R. L. Glinski und S. W. Matteson: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). Version 2.0. In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; doi:10.2173/bna.529 Introduction and Appearance Die Art mischt sich häufig unter kreisende Truthahngeier, die zwar etwas größer sind, deren Flugsilhuette jedoch der eines Rußbussards weitgehend gleicht. Ob Mimikry vorliegt, ist umstritten.Edwin O. Willis: Is the Zone-Tailed Hawk a Mimic of the Turkey Vulture? In: The Condor; Jhrg. 65, Band 4; 1963. S. 313 – 317 html engl.
Der Rußbussard ist sehr anpassungsfähig und findet in unterschiedlichen Landschaftstypen und Klimabereichen geeignete Bruthabitate; er ist eine Art sowohl der heißen Tiefländer und der Küstenebenen, als auch der gemäßigteren Höhenlagen bis 1500 Meter über NHN; es wurden aber auch Brutplätze in Höhen bis zu 3000 Meter bekannt. Er ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren, Vögeln und Reptilien, die er meist in einem langsamen, bodennahen Suchflug aufspürt und am Boden oder in der Luft schlägt.
B. albonotatus wurde 1847 von Johann Jakob Kaup anhand eines aus Mexiko stammenden Balges unter diesem Namen erstbeschrieben. Die Art ist trotz ihres großen und zum Teil disjunkten Verbreitungsgebietes monotypisch.R. R. Johnson, R. L. Glinski und S. W. Matteson: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). Version 2.0. In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; doi:10.2173/bna.529 IUCN und BirdLife sehen mit Stand Ende 2019 keine ernst zu nehmende Bedrohung; entsprechend bewerten sie die aktuelle Bestandssituation mit LC (least concern) und den Populationstrend aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit der Art mit increasing – (zunehmend).R. O. Bierregaard Jr., G. M. Kirwan und J. S. Marks: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, und E. de Juana (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2019 (heruntergeladen von https://www.hbw.com/node/53132 am 9. Dezember 2019).
Die Art ist in Hinblick auf ihre Biologie, Verbreitung und Populationsdynamik noch unzureichend erforscht. Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Informationen betrifft das kleine Verbreitungsgebiet in den südlichen Vereinigten Staaten.
Aussehen Der Rußbussard ist ein mittelgroßer bis großer, schlanker Bussard mit langen, für einen Bussard schmalen Flügeln, langen Beinen und einem verhältnismäßig langen Schwanz. Die Spitzen der Handschwingen schließen beim sitzenden Vogel in etwa mit der Schwanzspitze ab. Der Färbungsdimorphismus beschränkt sich auf die Bänderung des Schwanzes: Männchen zeigen zwei Bänder, Weibchen noch ein sehr schmales drittes. Der Gewichtsdimorphismus ist beträchtlich: Weibchen sind bis 11 % größer und bis zu 26 % schwerer als Männchen, eine Differenz, die insgesamt in einem massigeren Habitus der Weibchen auch feldornithologisch auswertbar ist. Das Jugendgefieder ist dem Erwachsenengefieder sehr ähnlich. Das durchschnittliche Körpergewicht der Männchen beträgt 637 Gramm, das der Weibchen 891 Gramm. Die Gesamtkörperlänge liegt zwischen 46 und 56 Zentimetern. Große Weibchen haben eine Spannweite von bis zu 140 Zentimetern. mini|Adulter, wahrscheinlich männlicher Rußbussard mini|Immaturer Rußbussard mini|Kreisender Truthahngeier. Der Rußbussard mischt sich oft unter kreisende Truthahngeier Rußbussarde verbringen viel Zeit im Flug. Ihr Jagdflug ist ein weihenartiger langsamer Suchflug mit häufigen Richtungsänderungen und Stopps. Beim Segeln sind die Schwingen meist weit gespreizt und die äußeren Handschwingen tief gefingert; die Flügel werden waagrecht oder in V-Stellung gehalten. In dieser Position sind Rußbussarde nur schwer von Truthahngeiern zu unterscheiden; außer diesen kommen andere dunkelmorphige Bussarde, der in weiten Regionen sympatrische Krabbenbussard, eventuell auch der deutlich größere Tryrannenadler als Verwechslungspartner in Frage.
Erwachsenengefieder Der sitzende Rußbussard ist weitgehend schwarz (oft mit einem leichten Braunton), nur gelegentlich scheinen am Nacken einige weiße Federbasen durch. Die Stirn ist immer weiß, manchmal mit ein paar schwarzen Strähnen durchsetzt. Dieses Merkmal ist auch beim fliegenden Vogel meist erkennbar. Die ungefiederte Zügelregion ist blassgrau. Der relativ lange, schwarze Schwanz ist auf der Oberseite zweimal, eher unauffällig mittelgrau gebändert und grau gerandet. Das Subterminalband ist etwas breiter als das zweite, der Schwanzbasis nähere Band. Die Innenfahnen der meisten Handschwingen sind hellgrau, wodurch bei stark gespreizten Federn in diesem Flügelbereich auch auf der Oberseite hellere Farbelemente erkennbar werden. Auch auf der Unterseite sind das Körpergefieder und die Unterflügeldecken schwarz oder braunschwarz. Die Schwingen, der für einen Bussard schmalen, tief gefingerten Flügel sind silberfarben und dicht und schmal dunkel gebändert. Die beiden Farbelemente kontrastieren scharf und ergeben das typische zweizonale Flugbild. Der Schwanz ist auf der Unterseite deutlich weiß gebändert. Zwei Bänder sind vollständig durchgezogen, bei Weibchen häufig noch ein fast strichförmiges drittes. Der Schnabel ist zur Spitze hin dunkel, am Ansatz hell hornfarben, die Wachshaut ist dottergelb; ebenso gefärbt sind die ab dem Intertarsalgelenk ungefiederten Beine. Die Iris der Augen ist dunkelbraun.
Jugendgefieder Insgesamt ähnelt das Jugendgefieder bereits sehr stark dem Adultkleid. Der Farbton tendiert in unterschiedlichem Ausmaß ins Bräunliche. Auf dem gesamten Körper verteilt, stärker jedoch auf der Bauchseite zeigen sich weiße Flecken und Tupfen. Das zweizonale Färbungsmuster der Unterflügel ist noch deutlicher als bei Erwachsenen, da die Schwingen aufgrund der schwächeren dunklen Linierung heller erscheinen. Deutlich unterscheidet sich die Färbung des Schwanzes: Dieser ist auf der Oberseite graubraun und nur undeutlich gebändert, auf der Unterseite wie die Schwingen gefärbt und nur schwach gebändert.
Mauser Zur Mauser gibt es kaum Angaben. Die Küken vermausern ihre Schlupfdunen im Nest und tragen beim Ausfliegen das Jugendgefieder. Ob die Großfedern zu dieser Zeit schon ihre volle Länge erreicht haben, ist nicht bekannt, jedenfalls sind die Jungvögel beim Verlassen des Nests voll flugfähig. Ob im zweiten Lebensjahr eine Mauser in ein Immaturgefieder erfolgt, und wann die Mauser ins Adultgefieder stattfindet, ist ebenso unbekannt wie die Mausersequenz der Adulten.
Stimmrepertoire Die Art ist akustisch nur in der Vorbrutzeit auffällig. Häufigster, zu dieser Zeit zu hörender Ruf, ist ein sehr lang gezogener, polyfon nasaler, in der Tonhöhe abfallender und ausklingender Ruf.Xeno-canto: Revierruf Der Kommunikationsruf zweier fliegender Vögel ist eine gereihte Ruffolge, die eher einen Pfiffcharakter aufweist.Xeno-canto: Flugruf. In der Nestlingszeit ist vom Weibchen bei Anflug des beutetragenden Männchens oft ein Stakkato heller, spitzer, aber nicht besonders lauter Rufe zu hören.R. R. Johnson, R. L. Glinski und S. W. Matteson: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). Version 2.0. In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000; doi:10.2173/bna.529 Sounds and Vocal Behavior
Verbreitung Brutgebiet mini|250px|Verbreitungsgebiet des Rußbussards Bis auf die gut erfassten Brutvorkommen in den USA, sind sowohl das genaue Verbreitungsgebiet als auch die Bestandsdichte in vielen Bereichen des wahrscheinlichen Brutareals weitgehend unbekannt; im Besonderen gilt das für den zentralen und südlichen Teil Mexikos und die meisten Staaten Mittelamerikas. Die Art kommt überall nur zerstreut vor und ist nirgendwo häufig.
In den USA brüten einige Paare im südlichen und zentralen New Mexico; etwas dichter ist der Brutbestand im westlichen Arizona und im südwestlichen Texas. Zunehmende Brutzeitbeobachtungen im südwestlichen Utah und im südlichen Nevada deuten auf eine leichte Nordausweitung des Brutareals hin. In Nevada wurde auch 2005 die erste Brut festgestelltScott H. Stoleson und Giancarlo Sadotti: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). Publikation des US Forest Service. Gelegentlich brütet der Rußbussard im südlichsten Kalifornien und regelmäßig etwa bis zur Mitte der Baja California in Mexiko. Ob dort weitere Vorkommen weiter südlich bestehen ist ebenso unbekannt wie die Verbreitung der Art in weiten Teilen West-, Zentral- und Südmexikos. In Zentralmexiko ist B. albonotatus südwärts bis San Luis Potosí als Brutvogel nachgewiesen.R. R. Johnson, R. L. Glinski und S. W. Matteson: Zone-tailed Hawk (Buteo albonotatus). Version 2.0. In: The Birds of North America (A. F. Poole and F. B. Gill, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA, 2000 Distribution Im südlichen Sonora in Teilen Sinaloas und Durangos scheinen residente Populationen beheimatet zu sein. In Mittelamerika sind Brutvorkommen in Nicaragua, Costa Rica sowie in etwas größerer Dichte in Panama bekannt. mini|links|Im Norden des Verbreitungsgebietes sind flussbegleitende Gehölze in Canyons ein bevorzugtes Bruthabitat In Südamerika ist das Verbreitungsgebiet zwar sehr ausgedehnt, doch soweit bekannt, kommt die Art nirgendwo flächendeckend vor. Noch weit in das 20. Jh. hinein wurden alle Sichtungen der Art für Zugvögel aus dem Norden gehalten. Das Verbreitungsgebiet umschließt in einem annähernd geschlossenen Gürtel das Amazonasbecken. Von Kolumbien meist östlich der Anden südwärts über das östliche Ecuador und das östliche Peru bis Ostbolivien; im Süden bestehen Brutvorkommen in Paraguay und Nordargentinien. In Brasilien ist bis auf eine Lücke am Amazonasdelta ein unterschiedlich breiter Gürtel an der Atlantikküste Brutgebiet; Teile des südöstlichen und südlichen Cerrados (Provinzen Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Goiás) scheinen jedoch nicht besiedelt zu sein. Aus dem nördlichen Südamerika werden aus dem Norden der Guayanastaaten, sowie aus Nord- und Zentralvenezuela Brutvorkommen gemeldet. Besiedelt sind auch Trinidad, Paraguaná und wahrscheinlich einige kleine Pazifikinseln Costa Ricas und Panamas. Westlich des Andenhauptkammes bestehen zwei isolierte Verbreitungsinseln im Umland von Guayaquil in Ecuador, sowie in der Provinz Pisco in Peru.
Lebensraum mini|links|Im Norden Südamerikas sind die Llanos Brutgebiet