Karl August Neumann (* 29. Juli 1892 in Elberfeld; † 18. September 1947 in Berlin-CharlottenburgStandesamt Charlottenburg von Berlin, Sterbeurkunde Nr. 4190 vom 20. September 1947 (Landesarchiv Berlin)) war ein international gefragter Opernsänger (Bariton), Konzertsänger und Opernregisseur.

Karl August Neumann war ein Enkel des Opernsängers und -intendanten Angelo Neumann und der Sohn des Orientalisten Karl Eugen Neumann. Nach dem Start seiner Karriere 1917 in Mainz war Karl August Neumann an verschiedenen Opernhäusern tätig, u. a. in Elberfeld, Halle, Wien (Volksoper) und Leipzig, bevor er 1933 von Heinz Tietjen an die Berliner Staatsoper Unter den Linden berufen wurde. Im selben Jahr sang er bei den Bayreuther Festspielen die Partie des Beckmesser in Richard Wagners Meistersingern.Nachweis in Wagnermania: Bayreuth

Neumann wirkte an mehreren Uraufführungen bekannter Werke mit, u. a. von den Komponisten Eugen d’Albert (Die schwarze Orchidee, 1928), Ernst Křenek (Das Leben des Orest, 1930), Eduard Künneke (Die große Sünderin, 1935) und Mark Lothar (Schneider Wibbel, 1938). Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Elektronische Ausgabe der dritten, erweiterten Auflage. Directmedia, Berlin 2004

Während der Zeit des Nationalsozialismus konnte Karl August Neumann nur mit einer von Generalintendant Heinz Tietjen erwirkten Sondergenehmigung auftreten. Er war seit 1923 mit der Schauspielerin Irma Grawi (* 1890 in Hannover; † 1963 in Berlin) verheiratet, die nach damaliger Definition „Volljüdin“ war,Irma Neumann war ab Herbst 1944 in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert, s. Arolsen Archives womit Neumann nicht Mitglied der Reichstheaterkammer sein durfte. Mit der Sonderregelung aber trat er weiter bei zahlreichen Opernproduktionen und als Konzertsänger im In- und Ausland auf. Im Sommer 1944 wurde er dann wegen angeblicher „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet. Er wurde wegen Kontakten zu Franz Jakob, neben Anton Saefkow einer der Protagonisten der neu formierten kommunistischen Widerstandsorganisation, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Neumann habe von der illegalen Betätigung der Gruppe „glaubhafte, wenn auch nicht sehr tiefgehende Kenntnisse“ gehabt. Noch am 2. Januar 1945, während Neumann im Gefängnis saß, erteilte ihm Joseph Goebbels persönlich Berufsverbot.Bärbel Schrader: „Jederzeit widerruflich“: die Reichskulturkammer und die Sondergenehmigungen in Theater und Film des NS-Staates. Metropol Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-70-3, S. 262

Nach Kriegsende kam Karl August Neumann aus dem Gefängnis frei und wehrte sich gegen die übergangslose Weiterbeschäftigung, ja oft Bevorzugung der durch NSDAP-Engagement belasteten Sängerkollegen wie etwa Willi Domgraf-Fassbaender und Josef Greindl.Bärbel Schrader: „Jederzeit widerruflich“: die Reichskulturkammer und die Sondergenehmigungen in Theater und Film des NS-Staates. Metropol Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-70-3, S. 265 Er starb 1947 in einem Berliner Krankenhaus nach einer Darm-Operation.

Literatur Neumann, Karl August. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände), S. 3333 Karl August Neumann in: Verstummte Stimmen: die Bayreuther Festspiele und die 'Juden' 1876 bis 1945. Metropol-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-087-5, S. 333

Weblinks Karl August Neumann bei Operissimo auf Basis des Großen Sängerlexikons

Einzelnachweise

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