miniatur|Gespinst in der Bodenvegetation miniatur|Raupen im unteren Teil eines Gespinstes im Landschaftsschutzgebiet Diedersdorfer Heide und Großbeerener Graben miniatur|Sich abseilende Raupen der Gespinstmotte
Die Gespinst- und Knospenmotten (Yponomeutidae) sind eine Familie der Schmetterlinge. Weltweit gibt es etwa 900 Arten. Davon sind aus Europa 116 Arten bekannt, 74 kommen auch in Mitteleuropa vor. Hauptverbreitungsgebiet sind die Tropen.
Beschreibung Ihre Vorderflügel sind häufig weißlich mit dunklen Punkten, ihre Hinterflügel grau; geschlossen bilden diese eine steile Dachform. Die Falter haben eine Flügelspannweite von bis zu 25 Millimetern. Nach der Eiablage erfolgen 4–5 Larvenstadien mit unterschiedlicher Färbung.
Die Raupen mancher Gespinstmottenarten minieren in Blättern und Nadeln. Andere ernähren sich auch von Knospen oder entfaltetem Laub, auch von Blüten. Namengebend sind die Gespinste, in denen sie sich, je nach Art einzeln oder in Gruppen, verpuppen. Insgesamt kann man die Raupen der Gespinst- und Knospenmotten auf etwa 50 Pflanzenfamilien finden, sie ernähren sich hauptsächlich von Süßgräsern (Poaceae) oder Laubgehölzen. Gespinste können ganze Bäume und auch Bänke umfassen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Gespinste als Malgrund für Spinnwebenbilder verwendet.
Einige Arten wie die Apfelbaumgespinstmotte schädigen Obst- und Gartengehölze und werden deshalb bekämpft.
Bevorzugt bei trockener und heißer Witterung kommt es schon seit Jahrhunderten immer wieder zu Massenvermehrung und Kahlfraß der jeweiligen Raupenfutterpflanzen.
Systematik (Auswahl) Scythropiinae Scythropia crataegella (, 1767)
Yponomeutinae Cedestis gysseleniella (, 1839) an Wald- und Küstenkiefer Ocnerostoma friesei , 1966 an Waldkiefer Paraswammerdamia nebulella (, 1783) an Weißdorn und Vogelbeere Prays Eschen-Zwieselmotte (Prays fraxinella) (, 1784) an Esche Olivenmotte (Prays oleae) (, 1788) an Olive Prays ruficeps (, 1854) an Esche Swammerdamia compunctella (, 1855) an Weißdorn und Vogelbeere Swammerdamia pyrella (, 1789) an Apfel, Birne und Weißdorn Yponomeuta Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella (, 1813)) an Pfaffenhütchen Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella (, 1758)) an Gewöhnlicher Traubenkirsche Yponomeuta irrorella (, 1796) Apfel-Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus , 1838) an Apfel Pflaumen-Gespinstmotte (Yponomeuta padella (, 1758)) an Schlehe, Weißdorn, Pflaume und Kirsche Faulbaum-Gespinstmotte (Yponomeuta plumbella (, 1775)) an Pfaffenhütchen, Faulbaum, und Schlehe Yponomeuta rorrella (, 1796) Sedum-Gespinstmotte (Yponomeuta sedella (, 1833)) an Fetthenne Zelleria hepariella , 1849
Argyresthiinae Argyresthia Argyresthia albistria (, 1828) Argyresthia goedartella (, 1758) an Birke und Erle Kirschblütenmotte (Argyresthia pruniella (, 1759)) an Kirsche, Pfirsich u. a. Argyresthia pygmaeella (, 1775) an Weide Argyresthia retinella , 1839 an Weide, Birke und Pappel Argyresthia spinosella , 1849 an Schlehe Wacholderminiermotte (Argyresthia trifasciata , 1871) an Wacholder, Zypresse, Lebensbaum u. a.
Eindämmung Die Schadwirkung ist meist gering. Einige Schlupfwespen und Erzwespen sind natürliche Gegenspieler. Spezifische Pheromone können eingesetzt werden. Wird eine Pflanze jedes Jahr befallen, so kann man sie im April mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis behandeln, welches einen Stoff produziert, der sich durch den Verdauungsprozess in Schmetterlingsraupen zu einem Gift umwandelt, woraufhin die Raupen sterben. Da das Gift nur für Schmetterlingsraupen tödlich ist, bleiben viele andere Insekten davon verschont.Bekämpfung der Gespinstmottenraupe
Verwendung der Gespinste in der Kunst mini|Agnus Dei. Aquarell auf Raupengespinst von Johann Burgmann, um 1790 Anders als der Name suggeriert, wurden für Spinnwebenbilder die Gespinste von Gespinstmotten verwendet, nur in Ausnahmefällen tatsächlich Spinnweben.
Quellen Einzelnachweise
Literatur Hans-Joachim Hannemann: Federmotten, Gespinstmotten, Echte Motten.- Tierwelt Deutschlands Teil 63, 1977 Thomas Kaltenbach, Peter Victor Küppers: Kleinschmetterlinge. Verlag J. Neudamm-Neudamm, Melsungen 1987, ISBN 3-7888-0510-2
Weblinks
www.lepiforum.de Small Ermine Moths (Yponomeuta): Their Host Relations and Evolution (englisch) Biologie und natürliche Regulation von Gespinstmotten - WSL Merkblatt für die Praxis – PDF (3,3 MB)