Die Neuroferritinopathie ist eine sehr seltene angeborene Erkrankung mit fortschreitender, der Chorea Huntington ähnelnder Bewegungsstörung und geringer Wahrnehmungsstörung. Sie ist eine spät beginnende Form der Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn (NBIA).

Synonyme sind: Basalganglien-Erkrankungen, adulte; Ferritin-abhängige Neurodegeneration; Ferritinopathie, hereditäre; NBIA Typ 2

Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahre 2001 durch den britischen Humangenetiker Andrew R. J. Curtis und Mitarbeiter.A. R. Curtis, C. Fey, C. M. Morris, L. A. Bindoff, P. G. Ince, P. F. Chinnery, A. Coulthard, M. J. Jackson, A. P. Jackson, D. P. McHale, D. Hay, W. A. Barker, A. F. Markham, D. Bates, A. Curtis, J. Burn: Mutation in the gene encoding ferritin light polypeptide causes dominant adult-onset basal ganglia disease. In: Nature genetics. Band 28, Nummer 4, August 2001, S. 350–354, doi:10.1038/ng571, PMID 11438811.

Verbreitung Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, bislang wurde über weniger als 90 Betroffene berichtet. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant.N. Kumar, P. Rizek, M. Jog: Neuroferritinopathy: Pathophysiology, Presentation, Differential Diagnoses and Management. In: Tremor and other hyperkinetic movements. Band 6, 2016, S. 355, doi:10.7916/D8KK9BHF, PMID 27022507, (Review).

Ursache Der Erkrankung liegen Mutationen im FTL-Gen auf Chromosom 19 Genort q13.33 zugrunde, welches für ein Protein „Ferritin light chain“ kodiert.S. H. Yoon, N. Y. Kim, Y. J. Kim, C. H. Lyoo: Novel Ferritin Light Chain Gene Mutation in a Korean Patient with Neuroferritinopathy. In: Journal of movement disorders. Band 12, Nummer 1, 01 2019, S. 63–65, doi:10.14802/jmd.18062, PMID 30732435, .

Dadurch wird die Funktionsfähigkeit des Ferritin und die Eisenpermeabilität verändert.J. R. McNally, M. R. Mehlenbacher, S. Luscieti, G. L. Smith, A. A. Reutovich, P. Maura, P. Arosio, F. Bou-Abdallah: Mutant L-chain ferritins that cause neuroferritinopathy alter ferritin functionality and iron permeability. In: Metallomics : integrated biometal science. Band 11, Nummer 10, Oktober 2019, S. 1635–1647, doi:10.1039/c9mt00154a, PMID 31513212, .

Es kommt zu abnormaler Eisenablagerung im Gehirn, insbesondere den Basalganglien, der Substantia nigra und dem Nucleus dentatus.Radiopaedia

Mutationen dieses Genes liegen auch dem Hyperferritinämie-Katarakt-Syndrom zugrunde.

Klinische Erscheinungen Klinische Kriterien sind: Manifestation meist im 4. bis 6. Lebensjahrzehnt ausschließlich neurologische Auffälligkeiten wie Chorea, Dystonie, Bradykinesie, Dysarthrie Chorea-artige Bewegungsstörung hauptsächlich im Gesicht, Zunge und Mund sowie den Armen, üblicherweise asymmetrisch

Diagnose Die Diagnose beruht auf den klinischen Veränderungen, dem erniedrigten Ferritin im Blutserum und wird bildgebend durch den Nachweis der Eisenablagerung in den Basalganglien und angrenzenden Hirnarealen mittels Magnetresonanztomographie bestätigt. Eine generalisierte Hirnatrophie kann auch vorliegen.

Differentialdiagnostik Abzugrenzen sind: Chorea Huntington HDL 4 (SCA17) Chorea-Akanthozytose McLeod-Syndrom juvenile Form der Parkinson-Krankheit Acaeruloplasminämie Niemann-Pick-Krankheit Typ C

Therapie Eine spezifische Behandlung ist derzeit nicht bekannt.

Verlauf Der Verlauf ist fortschreitend mit Verschlechterung über die Jahre und Jahrzehnte.

Einzelnachweise

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