mini|hochkant=1.40|Technische Zeichnung Großer Doppeldecker und im Flug Otto Lilienthal 1895 Der Große Doppeldecker entstand 1895 als Weiterentwicklung des Normalsegelapparates von Otto Lilienthal, des ersten in Serie gebauten (Gleit)-Flugzeugs der Geschichte. Es ist, wie dieses, ein Hängegleiter. Die Steuerung erfolgt durch Gewichtsverlagerung.
Entwicklung Ziel war es, die tragende Fläche des erprobten Normalsegelapparates zu vergrößern, ohne dabei die Spannweite zu erhöhen, was die Steuerung durch die sehr eingeschränkten Möglichkeiten zur Gewichtsverlagerung im Lilienthalschen Cockpit weiter erschwert hätte. Lilienthal hatte im gleichen Jahr das kleinere Sturmflügelmodell bereits zum Kleinen Doppeldecker erweitert. Der Große Doppeldecker baute auf den Erfahrungen auf. Er war eine der zahlreichen nur von Lilienthal selbst geflogenen Konstruktionen. Fotografisch belegt sind zahlreiche Flüge mit beiden Doppeldeckern vom Fliegeberg in Lichterfelde bei Berlin und 1896 nur mit dem Großen Doppeldecker am Gollenberg (Havelland) nahe der Gemeinde Stölln im Havelland. Es handelt sich um die ersten erfolgreichen Doppeldecker der Geschichte.
Konstruktionsdetails Die untere Tragfläche entspricht vollständig der des Normalsegelapparates. Die obere Tragfläche ist nicht wie die untere zusammenlegbar, sondern nur in der Mitte teilbar. Damit ist auch der Doppeldecker einfach auf eine gut handhabbare Transportbreite von zwei Metern demontierbar.
Neben der angestrebten Erhöhung der Tragkraft der größeren Flügelfläche veränderte die obere Tragfläche die flugmechanischen Eigenschaften gegenüber dem Eindecker. Der höhere Auftriebsmittelpunkt führte zu stabilerem Flugverhalten und einer besseren Handhabbarkeit im Flug. Lilienthal verfolgte das Ziel, sich stärkeren Winden anvertrauen zu können, um in den von ihm angestrebten „dauerhaften Flug“ (Segelflug) zu kommen.
Technische Daten Spannweite: 6,7 m Masse: 25 kg maximale Flugweiten (von Lilienthal erreicht): 250 m Gleitzahl: 4
Rekonstruktion mini|Andrew Beem (Windsports, LA) fliegt den Nachbau des Großen Doppeldeckers bei Monterey (Kalifornien), 29. Juli 2019 Das Original ist nicht erhalten. Es existieren jedoch mehrere Exemplare des zu Grunde liegenden Normalsegelapparates. Rekonstruktionen des Doppeldeckers existieren in verschiedenen Museen. Die Rekonstruktion war mit großer Genauigkeit auch durch zahlreiche detailreiche Fotografien möglich.
Untersuchungen zur Flugstabilität und -steuerung sowie praktische Flüge wurden 2019 durch Markus Raffel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt durchgeführt. Die Versuche waren eine Weiterführung der bereits 2016 erfolgten aerodynamischen und flugmechanischen Untersuchung des Normalapparates durch das Institut.
Literatur Zum Flugzeugbau Lilienthals: Stephan Nitsch: Vom Sprung zum Flug. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1991, ISBN 3-327-01090-0, Neuauflage unter dem Titel Die Flugzeuge von Otto Lilienthal. Technik – Dokumentation – Rekonstruktion. Otto-Lilienthal-Museum Anklam 2016, ISBN 978-3-941681-88-0
Siehe auch Luftfahrt Geschichte der Luftfahrt
Weblinks
Aus den erhaltenen Fotografien von Lilienthals Flügen hat der Niederländer Johannes Hogebrink die realistische filmische Animation eines typischen Fluges am Fliegeberg in Lichterfelde hergestellt. Robert Gast: Sternstunde der Technik – Otto Lilienthal und der Traum vom Fliegen. Neue Zürcher Zeitung, 19. Mai 2016.
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte des Segelfluges (Deutschland) Kategorie:Gleitflugzeug Kategorie:Otto Lilienthal Kategorie:Erstflug 1895