mini|Bedrohung durch Weltraumwaffen nach Darstellung des US-Verteidigungsministeriums
Weltraumwaffen sind Waffensysteme, die im Weltraum stationiert gegen Ziele im Weltraum und auf der Erde einsetzbar sind, oder Waffensysteme, die von der Erde aus gegen Ziele im Weltraum eingesetzt werden können.James Clay Moltz: Crowded orbits: conflict and cooperation in space. Columbia Univ. Pr., New York 2014, ISBN 978-0-231-15912-8, S. 125 Neben den USA unternehmen insbesondere die Volksrepublik China, Japan, Russland und Indien erhebliche Anstrengungen zum Ausbau ihrer im Weltraum stationierten Waffen- und Aufklärungssysteme.Joan Johnson-Freese: Space as a strategic asset. Columbia University Press, New York 2007, ISBN 978-0-231-13654-9 forbes.com, abgerufen am 3. März 2016
Existierende und geplante Waffensysteme
Antisatellitenwaffen mini|Antisatellitenrakete (ASAT) der US-Luftwaffe aus den 1980er Jahren
Antisatellitenwaffen sind darauf ausgerichtet, im Orbit befindliche gegnerische Satelliten zu zerstören oder unschädlich zu machen.
Antisatellitenraketen (auch ASAT-Raketen) sind boden- oder luftgestützte Flugkörper, die Ziele im Orbit angreifen können. „Killersatelliten“ Auch boden-, luft- oder weltraumgestützte Laserwaffen könnten als Antisatellitenwaffe eingesetzt werden. Funkstörsysteme (Jammer) können Satellitenkommunikationssysteme mit elektronischen Mitteln vorübergehend oder permanent stören.
Weltraumgestützte Waffensysteme Im Weltraum stationierte Laser
mini|Zukunftsvision des US Space Command für das Jahr 2020: Ein gerichteter, im Weltall stationierter Hochleistungslaser zerstört präzise ein terrestrisches Ziel (Computergrafik bzw. -zeichnung)
Auch Weltraumgestützte Laser (Space Based Laser, SBL) befinden sich in der Entwicklung. Führend ist hierbei unter anderem der US-Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Lockheed Martin.Vgl. Nach derzeitigem Stand ist ihre praktische Anwendbarkeit allerdings noch begrenzt. Das Hauptproblem ist die Bereitstellung der gewaltigen Mengen an Energie für einen wirksamen Einsatz.Kenneth W. Barker: Airborne and Space-Based Lasers – An Analysis of Technological and Operational Compatibility. Air University – Maxwell Air Force Base, 1999 , au.af.mil, abgerufen am 30. Dezember 2011
„Rods from God“
Rods from God (deutsch: Stäbe von Gott) sind Wolframstäbe, die hypothetisch als Bunkerbrecher eingesetzt werden könnten. Das Metall Wolfram hat den höchsten Schmelzpunkt aller reinen Metalle und eine ähnlich hohe Dichte wie Gold. Wolframkörper könnten daher ohne großen Masseverlust einen Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen. Diese Technik würde auf ein frühes Konzept des Luftkriegs im Ersten Weltkrieg zurückgreifen: Auch damals wurden sogenannte Fliegerpfeile, meist aus Stahl, in großer Zahl statt Bomben auf gegnerische Truppen abgeworfen, die diese durch ihre Aufschlagwucht töteten.
Elektromagnetische Bomben
Durch die Erzeugung eines elektromagnetischen Pulses in großer Höhe könnten gegnerische elektrische Anlagen weiträumig gestört werden.
Konventionelle Schusswaffen
In der Sowjetunion wurden Versuche unternommen, militärische Raumstationen des Typs Almas mit einer aus der Flugzeugkanone NR-23 abgeleiteten Schnellfeuerkanone auszurüsten. Mindestens auf der Raumstation Saljut 3 wurde diese Waffe praktisch erprobt. Über Einzelheiten und Ergebnisse der Versuche ist offiziell nur wenig bekannt. Problematisch beim Einsatz von Schusswaffen im Weltall ist der Rückstoß, der die Bahn des Raumflugkörpers mit der Schusswaffe an Bord verändert und treibstoffverbrauchende Kurskorrekturmaßnahmen erforderlich machen kann.
Weltraumgestützte Raketenwaffen
Raumflugkörper können auch mit Raketenwaffen ausgestattet sein. Diese haben gegenüber Schusswaffen den Vorteil des fehlenden Rückstoßes.
Ausbringen von Weltraumschrott
Durch Ausbringen von Kleinstkörpern zum Beispiel mit Hilfe einer Splitterbombe, die auf Kollisionskurs mit einem anderen Raumflugkörper sind, kann dieser leicht zerstört werden, weil schon kleinste Trümmer hohe Einschlagenergien mit sich bringen. Objekte am Erdboden werden hierbei nicht gefährdet.
Geschichte mini|Die US Air Force Satellite Control Facility (CSTC) auf der Sunnyvale AFS, Kalifornien, Anfang bis Mitte der 1980er Jahre – damals die einzige Einrichtung dieser Art Der erste Test einer Antisatellitenwaffe erfolgte in den USA bereits im Oktober 1959, als eine zweistufige Feststoffrakete des Projektes Bold Orion in großer Höhe von einer B-47 („Stratojet“) aus gestartet wurde, um den Satelliten Explorer 6 abzufangen. Der Test war erfolgreich, wobei der Satellit in 6,4 km Entfernung passiert wurde. Damals war die Raumfahrt gerade einmal zwei Jahre alt. Schon kurze Zeit nach dem Start des Sputnik 1957 betonte der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower: „Auf die Verteidigung bezogene Zielsetzungen im Weltraum sind jene, denen höchste Priorität beizumessen ist, weil sie zu unserer unmittelbaren Sicherheit beitragen“.Zitiert nach
Zur Hochzeit des Kalten Kriegs stand die Weltraumpolitik sowohl der USA als auch die der Sowjetunion unter dem ideologischen Vorzeichen des Wettlaufs ins All. Als Reaktion auf den so genannten Sputnik-Schock, der dem Westen unter anderem schlagartig klargemacht hatte, dass sowjetische Interkontinentalraketen jederzeit US-amerikanisches Territorium hätten erreichen können, unterzeichnete Präsident Eisenhower am 29. Juli 1958 den National Aeronautics and Space Act, mit dem die US-Weltraumbehörde NASA ins Leben gerufen wurde. Schon am 7. Januar 1958 war die DARPA gegründet worden (damals noch als ARPA).Joan Johnson-Freese: Space as a strategic asset. Columbia University Press, New York 2007, ISBN 978-0-231-13654-9 forbes.com, abgerufen am 3. März 2016
Im April 2024 versuchte eine Mehrheit von Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, mithilfe einer von den USA und Japan eingebrachten Resolution ein Wettrüsten im All zu verbieten. Der Versuch scheiterte aber am Veto Russlands.
Weltraumwaffenprojekte verschiedener Nationen
Vereinigte Staaten von Amerika mini|Frühes Konzept eines Brilliant-Pebbles-Raketenabwehr-Killersatelliten Ein Militärprojekt der USA ist das gemeinschaftliche Vorhaben der US-Luftwaffe und der DARPA namens FALCON, ein Akronym für Force Application and Launch from CONtinental United States, bei dem alltaugliche Hyperschall-Maschinen zum Transport von Waffen oder anderem Gerät in den Weltraum, aber auch zum schnellen Eingreifen an beliebigen Punkten des Planeten gebaut werden sollen. In der Zielprojektion des in drei Phasen gegliederten Vorhabens sollten bis zum Jahr 2009 9000 nautische Meilen in weniger als zwei Stunden zurückgelegt werden können (16.668 Kilometer, entsprechend einer Geschwindigkeit von mehr als 8300 Kilometer pro Stunde).
mini|Modell des Hypersonic-Technology-Vehicle HTV-1
Der US-Konzern Lockheed Martin erhielt im August 2004 den Zuschlag, HTVs für das FALCON-Programm von US Air Force und DARPA zu bauen. Die ursprüngliche HTV-Konstruktion (HTV-1) sollte im September 2007 Flugtests absolvieren, noch unterstützt von Booster-Raketen, wobei man eine Geschwindigkeit von Mach 19 in einer Höhe von 30 bis 45 Kilometer anstrebte (in dieser Höhe wären das knapp 20.000 Kilometer pro Stunde). Im Mai 2006 wurde der Bau von zwei HTV-1-Flugzeugen allerdings abgebrochen, weil der Zulieferer C-CAT Probleme mit der Delaminierung der kurvenförmigen Anströmkanten der Außenhaut der Maschinen gehabt haben soll. Stattdessen wurde direkt zum Projekt HTV-2 übergegangen, dessen erste Testflüge im April 2010 und August 2011 stattfanden.
Nachdem von der Bush-Regierung im August 2006 schon die National Space Policy neu gefasst wurde, wurde im Januar 2007 eine Überarbeitung der Doktrin „Space Operations“ gebilligt, in der abermals die militärische Überlegenheit der USA im Weltall im Zentrum steht. Hervorgehoben wird neuerlich, die militärische Dominanz der USA basiere auf der Überlegenheit im Weltraum: „Um sie beizubehalten, müssen unsere Luftstreitkräfte den Weltraum wirksam verteidigen“, heißt es im Dokument, das die seit 2001 geltende Doktrin der US Air Force ablöst. Darüber hinaus müssten Steuerungselemente am Boden besonders geschützt werden.
Die Stationierung von Massenvernichtungswaffen, also z. B. atomarer Waffen, im Weltall ist durch internationale Abkommen wie etwa den Weltraumvertrag und die SALT-Verträge verboten worden. Russland, China und auch Kanada sowie verschiedene andere Länder wollten das Stationieren jedweder Waffen im All seit Jahrzehnten im Rahmen eines Vertrags zum Schutz des Weltraums untersagen lassen; die USA stellten sich seit Ronald Reagans Star-Wars-Initiative Mitte der 1980er Jahre beständig dagegen.
Die Neuformulierung der National Space Policy von 2006 schreibt fest, dass sich die USA bei ihrer Weltraumpolitik künftig keinerlei supranationalen Instanzen oder Richtlinien unterwerfen werden. Zudem soll Staaten, die den Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderhandeln, der Zugang zum All verwehrt werden. Unklar ist, ob damit die Anwendung militärischer Gewalt durch die USA – etwa zur Verhinderung von Raketenstarts anderer Nationen – verbunden ist.
Das USSTRATCOM hat, der National Space Policy folgend, im Oktober 2006 anlässlich seiner Strategic Space and Defense Conference in Omaha (Nebraska) einen Space Control Plan beschlossen. Vorrangig ist demnach die Verteidigung US-amerikanischer Satelliten gegen Angriffe, wobei es darauf ankomme, die situationsabhängige Lageeinschätzung („situational awareness“) zu verfeinern, also alle Objekte im All zu verfolgen und jene zu identifizieren, die eine Gefahr für US-Satelliten darstellen könnten.Vgl. Meldung der Air Force Times
Seit 2005 beherbergt die Vandenberg AFB zudem das Joint Space Operations Center (also das Gemeinsame Weltraumoperationszentrum) der US-Luftwaffe. (Bekanntgabe der USAF via Spacewar.com)
Die USA beabsichtigen, ab 2025 eine neue Generation weltraumgestützter Raketenabwehrwaffen zu entwickeln.https://aviationweek.com/podcasts/check-6/podcast-brilliant-pebbles-are-back
Sowjetunion/Russland
Während die Vereinigten Staaten seit Ende der 1950er Jahre an militärischen Projekten im und fürs All arbeiten (wenngleich auch mit schwankendem Nachdruck), stellte die Sowjetunion ihre Bemühungen auf diesem Gebiet 1983 beinahe vollständig ein. In Moskau war man offenbar zu dem Schluss gekommen, den Rüstungswettlauf mit dem potenziellen Feind – insbesondere wirtschaftlich – nicht länger durchstehen zu können. Nach der Selbstauflösung der Sowjetunion 1991 wurden die Aufwendungen für militärische wie zivile Raumfahrt in Russland reduziert; zahlreiche Vorhaben wurden fallen gelassen.
Eines der bekanntesten, technisch am weitesten gediehenen Weltraumwaffen-Projekte der Sowjetunion war das Fractional Orbital Bombardment System (FOBS), eine Interkontinentalrakete, die von der Erdumlaufbahn aus ein Ziel ansteuern konnte. Die Besonderheit des Systems bestand darin, dass der Angegriffene anhand der Flugbahn im All keine Rückschlüsse auf das Ziel hätte ziehen können. Das Projekt wurde ab den 1960er Jahren erprobt, 1983 aber gemäß dem SALT-II-Vertrag von 1979 eingestellt.