John Swanson Jacobs (* 1815 oder 1817Jacobs war zwei Jahre jünger als seine bekanntere Schwester Harriet. Die Berechnung seines Geburtsdatums hängt daher von ihrem ab. Ihre Biographin Yellin, die zahlreiche Dokumente über Harriet Jacobs und ihre Familie in Edenton untersucht hat, nennt 1813 als Harriets Geburtsjahr, ohne genauere Angaben zu Tag, Monat oder auch nur Jahreszeit zu machen; Allerdings nennt Harriets Grabstein als Geburtsdatum den 11.2.1815 (Johns Grabstein trägt keine Daten). Mary Maillard, die 2017 die Briefe von Harriets Tochter herausgegeben hat, vertritt die These von 1815 als Geburtsjahr in einem 2013 veröffentlichten Artikel: Johns Biograph Schroeder folgt Yellin, weist aber darauf hin, dass Johns Sterbeurkunde als Geburtsdatum den 9.2.1818 angibt. Die Daten und Altersangaben in diesem Artikel folgen Schroeder und Yellin. in Edenton, North Carolina; † 19. Dezember 1873 in Cambridge, Massachusetts) war ein schwarzerSein Herausgeber und Biograph Schroeder nennt ihn „an ex-American, a Black citizen of the world“, Autor und Aktivist gegen die Sklaverei. Nach seiner Flucht aus der Sklaverei erlangte er Bekanntheit in den Kreisen der Sklavereigegner im Nordosten der USA und unternahm einige Vortragsreisen zusammen mit Frederick Douglass. Nach der Verabschiedung des Fugitive Slave Law von 1850 musste er die USA verlassen. In Australien veröffentlichte er 1855 seine Autobiographie, The United States Governed by Six Hundred Thousand Despots („Die Regierung der Vereinigten Staaten durch 600.000 Despoten“), in einer Tageszeitung. Anlässlich der Neuveröffentlichung 2024 wurde sie „aufgrund ihres globalen Horizonts und ihres unzensierten Zorns einzigartig“ im Genre der Sklavenerzählungen genannt. Sie ist auch wertvoll für das Verständnis des von seiner Schwester Harriet Jacobs verfassten autobiographischen Klassikers Erlebnisse aus dem Leben eines Sklavenmädchens, in dem er eine wichtige Rolle spielt.
Leben Herkunft Die ersten namentlich bekannten Vorfahren von Jacobs sind Tenea und Primus, die in den 1720er oder frühen 1730er Jahren als Sklaven nach North Carolina verschleppt wurden. Die Tochter ihrer Tochter Lucy, Maria Knox, unternahm 1792 mit ihren fünf Kindern und mit Jack Cotton, dem Vater der Kinder, eine spektakuläre„one of the largest and most daring escapes on record“, Flucht nach New Bedford. Das älteste der Kinder, Athena, war zu diesem Zeitpunkt fünfzehn Jahre alt.Laut der Anzeige in der Virginia Gazette, and General Advertiser vom 2. Mai 1792, mit der der Sklavenhalter Ambrose Knox nach ihnen suchen ließ, Jack Cotton fand Zuflucht auf einem Walfänger, und über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Maria und drei ihrer Kinder, unter ihnen Athena, wurden knapp sechs Jahre später erneut versklavt. Athena ist um die Wende zum 19. Jahrhundert zusammen mit ihrem jungen Sohn Elijah auf einer Plantage im Pasquotank County von North Carolina bezeugt. Auf derselben Plantage lebte auch Tom Copper, der 1802 den „größten Sklavenaufstand in der Geschichte North Carolinas“ organisierte. Jacobs’ Herausgeber und Biograph Jonathan Schroeder bringt die Erfahrung des Aufstands in Verbindung mit Elijahs Hass auf die Sklaverei, den er an seinen Sohn John S. Jacobs weitergeben sollte.„My father taught me to hate slavery,“ John Jacobs recalled, „but forgot to teach me how to conceal my hatred.“
Jacobs’ Schwester Harriet berichtet, dass Elijahs Vater ein weißer „Gentleman“ namens Jacobs war. Als Sklave durfte Elijah aber nicht den Nachnamen seines Vaters führen, sondern war als Elijah Knox bekannt, nach dem Namen seines Sklavenhalters. Harriet und John benutzten dann den Namen, der ihrem Vater verweigert worden war. Sklaven wurden normalerweise mit den Nachnamen ihrer ersten Besitzer genannt, vgl. Yellin, Life S. 25, 40. Außer seinem Nachnamen ist nichts weiter über Elijahs Vater bekannt.So Schroeder. Yellin geht davon aus, dass es sich um einen armen Bauern namens Henry Jacobs handelte, der in den 1780er Jahren in der Nachbarschaft der Plantage in Pasquotank County lebte. Ebenso: Schroeder sagt aber, „Yellin discarded the theory that the Jacobs's name came from a maternal [sic] grandfather and poor white farmer named Daniel [sic] Jacobs.“ Außerdem geht Schroeder davon aus, dass Elijah um 1798 geboren wurde, Anm. auf S. 5.
Die Großmutter mütterlicherseits, Molly, war als Kind von ihrem Besitzer, der gleichzeitig ihr Vater war, freigelassen worden war. Sie war aber während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gekidnappt und an den Gastwirt John Horniblow in Edenton verkauft worden. Mollys Tochter Delilah wurde später von der Witwe des Gastwirtes an deren behinderte Tochter übergeben.
Jugend als Sklave John Jacobs wurde 1815 oder 1817 in Edenton, North Carolina als Sohn von Delilah Horniblow und von Elijah Knox geboren. Elijah genoss trotz seines Sklavenstatus zunächst gewisse Privilegien, da er ein fähiger Zimmermann war. Nach dem Gesetz war der Status der Mutter als Sklavin oder Freie für den Status der Kinder bestimmend (partus sequitur ventrem – „Die Leibesfrucht folgt dem Schoß“), so dass John und seine zwei Jahre ältere Schwester Harriet von Geburt an als Sklaven der Gastwirtstochter galten.
Johns Mutter starb, als er vier Jahre alt war. Sein Vater ging eine neue Beziehung mit einer freien Afroamerikanerin namens Theresa ein, aus der ein Sohn, Elijah Knox Jr., hervorging. Dessen Nachfahren stiegen zu einer der bedeutendsten afroamerikanischen Familien auf und sind heute die nächsten lebenden Verwandten von Jacobs. Der Enkel von Elijah Knox Jr., William Jacob Knox Jr., gehörte zu den wenigen Afroamerikanern, die am Manhattan-Projekt beteiligt waren, siehe Ein neuer Besitzer entzog Johns Vater aber schon bald seine Privilegien und beorderte ihn auf seine Plantage, so dass er seine Familie nur noch selten sehen konnte. Er starb 1826 im Alter von ungefähr 28 Jahren. John führt seinen frühen Tod auf die bitteren Erfahrungen seines Sklavendaseins zurück. Nach dem Tod der Gastwirtstochter wurde John an deren noch lebende Mutter vererbt. Diese vermietete den neunjährigen Jungen an ihren Schwiegersohn, den Arzt Dr. James Norcom. Seine Schwester Harriet, die an die 3-jährige Tochter Norcoms vererbt worden war, lebte ebenfalls in dessen Haushalt.
mini|links|Sklavenversteigerung Nach dem Tod der Witwe Horniblow wurden ihre Sklaven bei der Neujahrsauktion 1828 versteigert, darunter John, seine Großmutter Molly und deren Sohn Mark. Öffentlich versteigert zu werden, bedeutete für den 12-jährigen John ein traumatisches Erlebnis.„To see her [grandmother Molly] sold in public like livestock was a traumatizing experience for the young children [Harriet and John].“ „It would be in vain for me to attempt to give a description of my feelings while standing under the auctioneer's hammer: I can safely say that I shall not realize such feelings again.“ Er wurde von Dr. Norcom ersteigert und blieb so mit seiner Schwester zusammen. Großmutter Molly und Onkel Mark erlangten im Anschluss an die Versteigerung mit Hilfe von Geld, das Molly durch jahrelange Zusatzarbeiten angespart und Freunden anvertraut hatte, ihre Freiheit.
Während er Sklave bei Norcom war, gelang es John Jacobs, sich selbst das Lesen beizubringen (eine Fähigkeit, über die nur äußerst wenige Sklaven verfügten), er konnte aber noch bei seiner Flucht aus der Sklaverei als junger Erwachsener nicht schreiben. Entspricht S. 49 in The United States Governed by Six Hundred Thousand Despots.
Norcom konsumierte Morphium, verlangte von seinen Kindern wie von seinen Sklaven absoluten GehorsamSo Yellin nach Auswertung der Briefe und Notizen aus dem Nachlass Norcoms, und hatte zahlreiche Kinder mit Sklavinnen.Laut Harriet waren es 11. Er begann bald, Johns Schwester Harriet sexuell zu bedrängen. In der Hoffnung, der Zudringlichkeit Norcoms zu entkommen, ließ sich Harriet auf eine Beziehung mit dem weißen Rechtsanwalt Samuel Sawyer ein, der später in das US-Repräsentantenhaus gewählt wurde. Aus der Beziehung gingen zwei Kinder hervor.
Im Juni 1835 war die Situation für Harriet so unerträglich geworden, dass sie sich zur Flucht entschloss. Sie versteckte sich sieben Jahre lang in einem „sargförmigen“„coffin-shaped“, Verschlag, wo der Bewegungsmangel und die Kälte im Winter ihre Gesundheit ruinierten, unter dem Dach ihrer Großmutter Molly. Norcom verkaufte daraufhin John Jacobs sowie Harriets beide Kinder an einen Sklavenhändler in der Erwartung, dieser würde sie in einen anderen Bundesstaat verkaufen und sie dadurch für immer von Harriet trennen. Der Händler hatte jedoch schon vorher heimlich mit Sawyer verabredet, die drei an ihn weiterzuverkaufen, so dass Norcoms Rachepläne durchkreuzt wurden.
Jacobs musste seinem neuen Besitzer Sawyer als persönlicher Diener nach Washington folgen, wo er Einblicke in das Leben der politischen Elite bekam, die nach seiner Darstellung lieber Poker spielte als zu Abstimmungen im Kongress zu erscheinen. Seine Autobiographie enthält kurze bissige Charakterisierungen unter anderem von Präsident Martin van Buren („Bluthund-Importeur“) und dem berühmten Senator Henry Clay („großer Pokerspieler“). Nur der frühere Präsident John Quincy Adams wird positiv charakterisiert. Van Buren hatte 1840 den Einsatz von kubanischen Bluthunden gegen fliehende Seminolen im Zweiten Seminolenkrieg befürwortet.
1838 begleitete Jacobs Sawyer auf der Hochzeitsreise durch den Norden der USA und erlangte die Freiheit, indem er ihn in New York, wo damals die Sklaverei bereits abgeschafft war, verließ. Durch einen Freund ließ er eine Nachricht für Sawyer schreiben, die statt mit der gewöhnlichen Formel „Yours“ („Der Ihre“ oder „Ihr Diener“) mit „No longer yours“ endete: „Sir — I have left you not to return; when I have got settled I will give you further satisfaction. No longer yours, John S Jacob [sic].“ („Sir — ich habe Sie verlassen und werde nicht zurückkehren; wenn ich meine Angelegenheiten geordnet habe, werde ich Ihnen weitere Erklärungen geben. Nicht mehr der Ihre, John S Jacob.“) Weil er Skrupel hatte, seinen Herrn unter irgendeinem Vorwand um Geld zu bitten, verkaufte er seine besten Kleider, um die Weiterreise mit dem Dampfschiff zu bezahlen. Allerdings schreibt er, dass er zum Selbstschutz zwei von Sawyers Pistolen mitnahm. Anschließend heuerte er auf einem Walfänger an und nahm zahlreiche Bücher auf die dreieinhalbjährige Reise mit, um die Bildung nachzuholen, die ihm in der Jugend vorenthalten worden war.
Aktivist gegen die Sklaverei 251x251px|mini|links|Spiegelverkehrte, 1845 aufgenommene Daguerreotypie von Walkers rechter Hand