Neu-Temmen, in der älteren Literatur meist Neu Temmen geschrieben, ist ein Gemeindeteil von Temmen-Ringenwalde, einer Gemeinde im Landkreis Uckermark (Brandenburg), deren Verwaltungsaufgaben vom Amt Gerswalde wahrgenommen werden. Neu-Temmen wurde vor 1743 als Vorwerk gegründet, war im 19. Jahrhundert Gutsbezirk und wurde 1928 zusammen mit dem Gutsbezirk Alt-Temmen und einem Teil des Gutsbezirks Hohenwalde zur Gemeinde Temmen vereinigt.
Lage Neu-Temmen liegt ca. 1,5 Kilometer Luftlinie südöstlich von Alt-Temmen und rd. 5 Kilometer nordöstlich von Ringenwalde etwa auf . Etwa 500 Meter nördlich liegt der Schmale Temmensee, ca. 700 Meter nordwestlich der Düstersee. Etwa 800 Meter östlich liegt der bereits zur Stadt Angermünde gehörende 100,5 Meter hohe Fuchsberg, nur 400 südöstlich der Eichelberg mit . 700 Meter südlich liegt der zur Gemeinde Milmersdorf gehörende Kienberg mit einem Funkmasten. Der größte Teil der Fläche des früheren Rittergutes bzw. Gutsbezirk gehört heute zum Naturschutzgebiet Poratzer Moränenlandschaft. mini|Alt-Temmen und Neu-Temmen auf dem Urmesstischblatt 2948 Friedrichswalde von 1826 Geschichte Das Vorwerk Neu-Temmen wurde 1740 auf Teilen der Feldmark des im Mittelalter wüst gefallenen Dorfes Temmen und der wüsten Feldmark Hohenwalde aufgebaut. Am 28. März 1743 wurden die von den Arnim’schen Häusern Fredenwalde, Götschendorf und Milmersdorf bisher gemeinsam besessenen Vorwerke Schmalen-Temmen (= Neu-Temmen) und Neu Hohenwalde aufgeteilt. Die Vorwerke waren in der urbar gemachten Alt Temmener Heide von den drei Häusern gemeinsam angelegt worden. Drei Viertel von Neu Temmen gehörten dem Oberstleutnant Alexander II. von Arnim (1688–1753) auf Fredenwalde, während die Häuser Götschendorf und Milmersdorf daran gemeinsam ein Viertel hatten. Von Neu-Hohenwalde gehörte die Hälfte dem Alexander von Arnim, die andere Hälfte gemeinsam den Häusern Götschendorf und Milmersdorf. Alexander von Arnim auf Fredenwalde erhielt den Vollbesitz von Schmalen-Temmen, während er seine Hälfte von Neu Hohenwalde und den Kaveln auf der Teufelspost an die beiden Häuser Götschendorf und Milmersdorf abtrat. Er erhielt außerdem von den Häusern Götschendorf und Milmersdorf je 1500 Taler in bar. Den damals laufenden Prozess gegen den Verwalter von Neu Hohenwalde, Elias Buch wollten alle drei Parteien aber noch gemeinsam bestreiten. mini|NABU-Kirche Temmen während der Renovierung (November 2019) mini|Windfahne auf dem Turm der Dorfkirche mit Initialen AVA und Jahreszahl 1749
Alexander von Arnim wurde am 25. Februar 1688 als Sohn des Alexander Magnus I von Arnim und seiner zweiten Frau Cornelia Eva von Ihlefeld adH Rehberg in Dargersdorf geboren. Er trat 1706 in königlich-preußische Kriegsdienste. Am 11. September 1709 kämpfte er in der blutigen Schlacht von Malplaquet. Er kehrte erst nach dem Friedensschluss von Utrecht in seine Garnison zurück. 1715 kämpfte er gegen die Schweden in Pommern. 1734 machte er noch einen Feldzug an den Oberrhein mit und nahm im selben Jahr seinen Abschied. Seine erste Frau Marie Eleonore von Schenk starb früh, die einzige Tochter kurz nach der Geburt. 1726 heiratete er in zweiter Ehe Sophie Caroline von Oertzen adH Leppin, Tochter des Oberstleutnant Hans Felix von Oertzen und der Sophie Agnese geb. von Oertzen. Aus der Ehe gingen vier Söhne und drei Töchter hervor, von denen ein Sohn als Kleinkind starb. 1749 ließ Alexander II. von Arnim die kleine Dorfkirche beim Vorwerk Neu-Temmen errichten (Jahreszahl in der Windfahne). Er schenkte der Kirche eine Sanduhr mit seinem Namen in hebräischen Buchstaben. Am 4. Oktober 1753 starb Alexander von Arnim in Fredenwalde. Im März 1754 erfolgte die Teilung des Lehn- und Allodialbesitzes. Der Güterbesitz wurde nur in zwei Teile geteilt, der dritte Anteil war ein Geldanteil. Güteranteile und Geldanteil wurden nun unter den drei Söhnen verlost. Der älteste Curt Friedrich von Arnim (1728–1790 oder 1789) zog den Geldanteil, Hans Erdmann (* 28. November 1735; † 9. Februar 1756 in Soldin) erhielt Neu-Temmen und der jüngste Bruder halb Fredenwalde. mini|Grabplatte des Hans Erdmann von Arnim (1735–1756) vor der Ostseite der Dorfkirche Groß Fredenwalde Hans Erdmann von Arnim auf Neu Temmen war Königlich-Preußischer Fahnenjunker und starb schon am 9. Februar 1756 in Soldin. Seine Grabplatte liegt vor der Ostseite der Kirche in Groß Fredenwalde. Sein Gut Neu-Temmen fiel nun an den älteren Bruder Curt Friedrich III. 1766 brannte das Gutshaus ab und Curt Friedrich ließ das heutige Gutshaus aufführen. Es kostete damals die hohe Summe von 5813 Talern. 1767 heiratete er Hanna Wilhelmine von Dargitz († 1830). Er benannte nun das von ihm 1765 aufgebaute Rittervorwerk Neu Fredenwalde nach seiner Frau in Willmine um. 1775 wohnten auf dem Rittervorwerk 15 Einlieger u. a. Einwohner. Neu-Temmen hatte 17 Feuerstellen.
Curt Friedrich III. von Arnim musste Neu Temmen 1778 schuldenhalber an den Leutnant Heinrich Gottfried von Dargitz (1734–1817) auf Lübbenow verkaufen. Dargitz war sein Ex-Schwager, der mit seiner Schwester Dorothea Cordula Eleonore (1737–1766) verheiratet gewesen war. Er hatte 1769 in zweiter Ehe Maria Salome von Arnim adH Götschendorf (1722–1798), Tochter des Bernd Ludwig von Arnim und der Marie Ilse von Holtzendorff geheiratet.
1780 verkaufte Heinrich Gottfried von Dargitz das Gut Neu-Temmen weiter an den Obristwachtmeister Boislav von Rosbitzky (Schmidt) (Bogislav von Robitzky) für 9636 Taler. Auch Heinrich Gottfried von Dargitz war hoch verschuldet, sodass ihm nach Abzug der Schulden nur noch 316 Taler 1 Groschen und 7 Pfennige ausbezahlt wurden. Robitzky errichtete eine Brauerei und Branntweinbrennerei. Allerdings behielt Bogislav von Robitzky Neu-Temmen nur ein Jahr.
1781 verkaufte er Neu-Temmen für 10.300 Taler an Elise/Louisa Johanne Theodora geb. Stephani, verw. von Diringshofen, die Frau des Landrats des Stolpirischen Kreises Gottlob Ehrenreich von Greiffenberg (1737–1787). Sie musste das Gut 1783 mit großem Verlust um 8400 Taler an Gustav Konrad Philipp von Arnim (1758–1815) auf Golm verkaufen. 1790 wohnten in Neu-Temmen neben dem Gutsbesitzer und dem Verwalter sieben Einlieber. Neu-Temmen zählte damals noch sieben Feuerstellen.
Gustav Konrad Philipp von Arnim war in erster Ehe mit Ernestine Franziska Auguste Friederike Freiin von der Goltz (1768–1788) und in zweiter Ehe mit ihrer Schwester Wilhelmine Apollonia Juliane Eleonore Freiin von der Goltz (1772–1823) verheiratet. 1801 hatte Neu-Temmen noch sechs Feuerstellen und fünf Einliegerfamilien und eine Schmiede. Gustav Konrad Philipp musste Neu-Temmen 1801 wegen hoher Schulden an seinen Bruder und Suckower Majoratsherrn Georg Leopold Vivigenz von Arnim (1747–1828) abgeben. Diesem gelang es durch Tilgung einiger Schulden die drohende Versteigerung abzuwenden. Für 8400 Taler überließ Georg Leopold Vivigenz das Gut Neu-Temmen 1804 seinem Sohn, dem Rittmeister Georg Friedrich IV. von Arnim (1778–1834).
Georg Friedrich IV. von Arnim war in die Armee eingetreten und brachte es dort bis zum Rittmeister. 1804 heiratete er Wilhelmine Christine Charlotte Marie Gräfin zu Solms-Sonnenwalde (1785–1862). Aus der Ehe gingen vier Söhne und fünf Töchter hervor, von denen ein Sohn und drei Töchter im Kleinkind-Alter starben. Er wurde nach dem Tod seines Vaters Georg Leopold Vivigenz († 20. Oktober 1828) formell der 3. Fideikommissherr auf Suckow. Allerdings wurde er ab 1824 wegen zunehmender Gemütskrankheit unter Vormundschaft gestellt. Georg Friedrich IV. von Arnim starb am 26. Juli 1834 in Köln. 1817 hatte das Vorwerk Neu-Temmen 48 Einwohner.
Erbe von Neu-Temmen war sein Sohn Georg Wilhelm IV. (1806–1845). Er trat in die Königlich-Preußische Armee ein und nahm als Leutnant seinen Abschied. 1837 heiratete Maria Josepha Ernestine Adamine Gräfin von Blumenthal (1811–1865) adH Neudeck. Neu-Temmen ist 1837 als Rittergut und Dorf bezeichnet. 1838 wurde Neu-Temmen in freies Allodium umgewandelt. Er wurde vom König zum Kammerherrn ernannt. 1838 verpachtete er das Gut Neu-Temmen für 18 Jahre an den Amtmann Bahrfeld in Hessenhagen. Das Paar hatte vier Söhne und eine Tochter; ein Sohn und die Tochter starben im Kleinkindalter.
1841 verkaufte Georg Wilhelm IV. das Gut Neu-Temmen für 13.000 Reichstaler an Dr. Gustav Mayet aus Schwedt, der es umgehend noch im selben Jahr für 15.000 Reichstaler an den Hauptmann Alexander Ernst von Rüts verkaufte. Neu-Temmen hatte damals 4 Wohnhäuser und 61 Einwohner.
Auch Alexander Ernst von Rüts behielt Neu-Temmen nur bis 1843 und vertauschte das Gut Neu-Temmen gegen ein dem Schlossermeister Georg Wilhelm Friedrich Brennecke gehörendes Wohnhaus in Berlin. Der Wert der getauschten Objekte wurde zu je 38.000 Reichstaler angenommen. Von 1845 bis 1846 folgte Theodor Friedrich Wilhelm Kuntze in Buckow bei Berlin (heute Berlin-Buckow), der Neu-Temmen für 34.000 Reichstaler von Brennecke kaufte.
Von 1846 bis 1848 gehörte das Gut Neu-Temmen dem Polizeikommissar Arnold August Matthäi, der 34.150 Taler bezahlte. 1848 tauschte Matthäi Neu-Temmen gegen ein dem Kassensekretär Wilhelm Ludwig Zindler gehörendes Haus in der Beusselstraße in Berlin. Als Wert der beiden Tauschobjekte wurde je 42.000 Reichstaler angenommen. 1849 übertrug Zindler Neu-Temmen seiner Frau Johanna Louise Zindler geb. Christiani für 35.250 Taler.
1850 kaufte Gustav Friedrich Julius Sorge genannt Triglaff das Gut Neu-Temmen für 40.500 Taler. Er schenkte der Kirche in Neu-Temmen einen silbervergoldeten Kelch mit Patene. 1850 hatte das Gut Neu-Temmen eine Größe von 739 Morgen 158 Quadratruten, davon 474 Morgen 4 Quadratruten Acker, 200 Morgen 105 Quadratruten Wiesen und 49 Morgen 131 Quadratruten Wald. Gustav Friedrich Julius Sorge genannt Triglaff verkaufte Neu-Temmen mit Verlust für 36.500 Taler an Frau Elise Louise Wilhelmine von Billerbeck geb. von Reichenbach, die 1855 gestorben ist. Die Erben verkauften Neu-Temmen für 40.000 Taler weiter an Dr. Hans Köster in Berlin.
Dr. Hans Köster (Johann Andreas Friederich Köster) (* 16. August 1818 in Kritzow; † 6. September 1900 in Ludwigslust) zu Berlin war mit der Opernsängerin Luise Schlegel verheiratet, die von 1847 bis 1862 ein Engagement an der Berliner Königlichen Hofoper hatte. Er behielt das Gut Neu-Temmen immerhin bis 1861. 1860 umfasste der Gutsbezirk 875 Morgen, darunter 604 Morgen Acker, 165 Morgen Wiesen, 50 Morgen Weide, 50 Morgen Wald, 4 Morgen Gehöfte und 2 Morgen Gartenland. In der Siedlung standen vier Wohnhäuser, ein öffentliches Gebäude und fünf Wirtschaftsgebäude; Neu-Temmen hatte damals 59 Einwohner. Auf dem Hof wurden 6 Pferde, 28 Stück Rindvieh und 81 Schafe gehalten. Dr. Hans Köster besaß auch das Rittergut Bagenz im Kreis Spremberg. Köster und seine Frau schenkten der Kirche in Neu-Temmen ein Akkordeon. Predigtgottesdienste hielt Köster selbst, seine Frau spielte das Akkordeon und sang dazu. Das Ehepaar schenkte der Kirche außerdem zwei Bilder aus Gips, zwei schwarze Leuchter und ein Kruzifix. 1861 standen in Neu-Temmen fünf Wohnhäuser mit 62 Bewohnern.