mini|Brände Anfang Januar 2020. Buschbrände in Australien 2019/2020 bezeichnet die zahlreichen extremen Buschfeuer der Feuersaison 2019/2020, die von Juni 2019 bis März 2020 landesweit in Australien brannten, vor allem aber in den an der Ostküste gelegenen Bundesstaaten Queensland, New South Wales, Australian Capital Territory und Victoria, aber auch in South Australia, Western Australia, Tasmanien sowie im Northern Territory.
Die Feuer dehnten sich insgesamt über eine Fläche von rund 126.000 km² aus, vielerorts wurde der Ausnahmezustand verhängt. Die Intensität der Brände schon zu Beginn der Brandsaison, die trockenen, warmen und windigen Wetterbedingungen, das ungewöhnliche Verhalten der Feuer sowie die direkten und indirekten Auswirkungen auf die Umwelt Australiens, einschließlich der Treibhausgasemissionen und der Luftverschmutzung in den Bevölkerungszentren werden als beispiellos in der Geschichte der Buschfeuer in Australien beschrieben.David Bowman: The causes of unprecedented bushfires are complex but climate change is part of the puzzle. In: Australian Broadcasting Corporation vom 12. November 2019.Fires across Australia: Unprecedented disaster as we brace for a horror weekend. In: 7news.com.au vom 2. Januar 2020.Adam Morton: Yes, Australia has always had bushfires: but 2019 is like nothing we've seen before. In: The Guardian vom 25. Dezember 2019.The Australian bushfires—why they are unprecedented. In: Australian Academy of Science vom 3. Februar 2020. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen und Wissenschaftler weltweit sehen einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Feuerkatastrophe und der gegenwärtigen globalen Erwärmung.Fergus Hunter: Australia’s top scientists urge government to do more on global warming. In: The Sydney Morning Herald vom 11. Januar 2020.Tara Law Australia’s Wildfires and Climate Change Are Making One Another Worse in a Vicious, Devastating Circle. In: Time vom 7. Januar 2020.Scientists paint Australia fires as red alert on climate change. In: The Japan Times vom 12. Januar 2020.There is no strong, resilient Australia without deep cuts to greenhouse gas emissions. An open letter on the scientific basis for the links between climate change and bushfires in Australia. In: australianbushfiresandclimatechange.com vom 4. Februar 2020.
Den Flammen fielen 33 Menschen direkt zum Opfer zudem starben wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge mehr als 445 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung durch den Rauch. Über 4.000 Menschen mussten deswegen im Krankenhaus behandelt werden.Australia bushfires: Hundreds of deaths linked to smoke, inquiry hears. In: British Broadcasting Corporation, 26. Mai 2020. Abgerufen am 26. Mai 2020. Es brannten rund 5.900 Gebäude ab, darunter mehr als 3.000 Wohnhäuser. Im Hinblick auf Sachschäden war die Saison eine der schlimmsten seit 1925, in New South Wales wurden 2,5 Mal mehr Häuser zerstört als in der zuvor schlimmsten Saison.Australia's severe bushfire season was predicted and will be repeated, inquiry told. In: The Guardian, 23. Mai 2020. Abgerufen am 25. Mai 2020. Vielerorts kam es zu Evakuierungen;Als Beispiele sollen gelten:Calla Wahlquist, Helen Davidson, Luke Henriques-Gomes: Summary: Pleas to evacuate remain ahead of horror bushfire conditions. In: The Guardian vom 3. Januar 2020.Sara Garcia: Kangaroo Island scorched with ‚unprecedented‘ ferocity by bushfires as CFS saves township. In: Australian Broadcasting Corporation vom 10. Januar 2020.Firebugs blamed for destructive Queensland fires. In: 9news.com.au vom 20. Dezember 2019.Angelica Snowden, Rachel Baxendale, Stephen Lunn, Debbie Schipp: Bushfire emergency: Ten dead in NSW, Victoria, as evacuations continue at Mallacoota, South Coast. In: The Australian vom 4. Januar 2020. so wurden in Victoria am 10. Januar etwa 240.000 Menschen zum Verlassen bedrohter Gebiete aufgefordert.Australien fordert 240.000 Bürger zur Evakuierung auf. In: Spiegel Online com 10. Januar 2020. Schätzungen zufolge starben auch etwa eine Milliarde (höherer) Tiere durch die Feuer. Mehr als 20 Prozent der bewaldeten Flächen des Landes brannten ab.In the line of fire. In: Nature Climate Change 10, 169 vom 24. Februar 2020, doi:10.1038/s41558-020-0720-5. Es bildeten sich zudem insgesamt 38 Pyrocumulonimbus-Wolken, von denen mehr als die Hälfte so hoch reichte, dass sie Rauchpartikel direkt in die Stratosphäre eintrugen, darunter alleine um den Jahreswechsel 2019/20 etwa eine Million Tonnen. Zwar entspannte sich Mitte Januar und Mitte Februar in Teilen der betroffenen Regionen die Lage durch starke Regenfälle, die vielfach Starkhagel und Sturzfluten mit sich brachten, jedoch standen weite Teile des Landes noch bis Anfang März in Flammen. Die klimawandelverstärkten Brände setzten ~715 Millionen Tonnen CO2 frei – sie übertrafen damit die normalen jährlichen Emissionen Australiens durch Buschfeuer und fossile Brennstoffe um ca. 80 %.
Ein Urlaub des australischen Premierministers Scott Morrison zu einer Zeit, in der zwei freiwillige Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung zu Tode kamen, wie auch sein als Apathie wahrgenommenes Verhalten in dieser Situation führten zu politischen Kontroversen. Gegen die regressive Haltung der klimaskeptischen australischen Regierung regt sich in Teilen der australischen Bevölkerung Widerstand.Johannes Korge: Australischer Premier relativiert Brandkatastrophe. Alles wegen der Kohle. In: Spiegel Online vom 2. Januar 2020.Lage in Australien spitzt sich zu: Flughafen in Canberra muss wegen Feuer schließen. In: Frankfurter Rundschau vom 23. Januar 2020.Bushfire crisis forces a reckoning on Australia’s ‚regressive‘ climate politics. In: France 24 vom 10. Januar 2020.
Meteorologische Ausgangslage Die Brände wurden durch außergewöhnliche Dürre und Hitze begünstigt. So war 2019 in Australien sowohl das heißeste als auch das trockenste Jahr seit dem Beginn nationaler Wettermessungen 1910. Bereits seit 2017 herrscht in Australien eine mehrjährige Dürre.Meteorologen melden trockenstes und heißestes Jahr der Geschichte. In: Süddeutsche Zeitung vom 9. Januar 2020. 2019 fielen im Schnitt nur 277 mm Regen, der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen und etwa 40 Prozent weniger als in einem normalen Jahr und noch einmal 11 Prozent weniger als 1902, dem vorher trockensten Jahr. Zudem war es 2019 mit 1,52 Grad über dem langjährigen Durchschnitt auch außergewöhnlich heiß, in New South Wales lag die Temperatur sogar 1,95 Grad über dem langjährigen Durchschnitt und damit 0,3 über dem bisherigen Rekordjahr 2018. Der Dezember 2019 war der trockenste Monat seit Aufzeichnungsbeginn, in dem auch die sechs heißesten jemals in Australien gemessenen Tage vorkamen. An elf Tagen wurden kontinentweit gemittelte Maximaltemperaturen von über 40 Grad Celsius gemessen; zwischen 1910 und 2017 hatte es nur vier solche Tage gegeben. Im Dezember 2019 erreichten mehr als drei Viertel des Landes absolute Rekordwerte bei der Feuergefahr, während der Rest des Landes weitestgehend sehr deutlich über dem Durchschnitt lag (entsprechend den obersten 10 Prozent der Skala).Australia records worst December fire conditions after its hottest, driest year. In: The Guardian vom 8. Januar 2020. Der Sommer 2019/20 war zudem mit einer Temperatur von 1,88 °C über dem langjährigen Durchschnitt der zweitheißeste seit Beginn der Messungen in Australien.Australia’s summer of 2019-20 country’s second-hottest on record. In: The Guardian vom 2. März 2020. Bereits Mitte 2019 sagten Klima- und Wettermodelle eine schwere Brandsaison voraus, Prognosen, die sich im Nachhinein als zutreffend erwiesen.
Verlauf
Die Brandbedingungen werden von Wissenschaftlern in mehrerlei Hinsicht als historisch beispiellos beurteilt.Australia bushfires factcheck: are this year's fires unprecedented? In: The Guardian vom 22. November 2019.Warum diese beispiellosen Flammenwände? In: Süddeutsche Zeitung vom 18. Januar 2020. Unter anderem begann die Feuersaison 2019/20 außergewöhnlich früh. Während Brände in Australien normalerweise erst im Hochsommer ab Dezember einsetzen, brachen sie 2019/20 bereits im Juni ausAndree Withey: Bushfire season starts early across northern Australia due to ongoing hot, dry conditions. In: ABC News vom 27. Juni 2019. und verstärkten sich ab Oktober. Im Unterschied zu gewöhnlichen Bränden in Australien, die hauptsächlich nur spärlich besiedelte Gebiete betreffen, traten die Brände dieses Mal in der verhältnismäßig stark besiedelten Küstenregion an der Ostküste auf. Stark betroffen war auch der Wollemi-Nationalpark, in dem ein Feuer mit einer Ausdehnung von mehr als 5000 km² brannte, das als „eines der weitflächigsten zusammenhängenden Feuer […] in den mittleren Breitengraden“ bezeichnet wurde.Es brennt und brennt und brennt. In: Die Zeit vom 10. Januar 2020. Zudem kam es zu den Bränden, ohne dass El-Niño-Bedingungen vorlagen, während in der Vergangenheit derart großflächige Buschbrände typischerweise in El-Niño-Jahren auftraten.Joelle Gergis, Geoff Cary: Some say we’ve seen bushfires worse than this before. But they’re ignoring a few key facts. In: The Conversation vom 13. Januar 2020.
Ungewöhnlich ist ebenfalls, dass mit Regenwäldern auch Vegetationstypen betroffen sind, in denen Brände üblicherweise nicht vorkommen und die im Gegensatz zum Buschland nicht an Brände angepasst sind.Diesmal brennt es anders. In: Die Zeit vom 5. Januar 2020.„Die Reaktion der Politik ist schockierend.“ In: Süddeutsche Zeitung vom 22. November 2019. Unter anderem kam es zu Feuern in den Gondwana-Regenwäldern Australiens, in denen es teilweise seit mehr als 1000 Jahren nicht mehr gebrannt hatte. Des Weiteren traten Feuer auch in feuchten Eukalyptuswäldern, ausgetrockneten Sümpfen und Böden aus organischem Material auf, nachdem dort der Grundwasserspiegel gesunken war. Die Brände stellten zudem verschiedene Rekorde auf. Demnach ließen sie nach vorläufigen Daten des NASA-Satelliten Aura binnen eines Monats mehr Kohlenstoffmonoxid in die Atmosphäre aufsteigen als jedes andere Feuer außerhalb der Tropen in dessen 15-jährigen Betriebszeitraums. Zudem erreichte die Rauchsäule eine Höhe von 25 km und damit den höchsten Wert, der vom Satelliten CALIPSO jemals aufgezeichnet wurde.Australian Smoke Plume Sets Records. Nasa Earth Observatory, 26. Januar 2020. Abgerufen am 1. Februar 2020.
In New South Wales kamen 3.000 Feuerwehrleute zum Einsatz,Frances Mao: Australia fires: The thousands of volunteers fighting the flames. In: British Broadcasting Corporation vom 24. Dezember 2019. in Victoria etwa 1.500. Der Rural Fire Service in NSW erhielt seit Beginn der Feuer mehr als 25.000 Mitgliederanfragen, verglichen mit 4000 in einem „normalen“ Jahr.Maani Truu" Exclusive: Tens of thousands rush to become volunteer firefighters amid bushfires. In: Special Broadcasting Service vom 14. Januar 2020.