Der Weißschwanzbussard (Geranoaetus albicaudatus, Syn.: Buteo albicaudatus) ist ein großer, charakteristisch grau-weiß gezeichneter Bussard der Gattung Geranoaetus innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitriformes). Er ist vor allem eine südamerikanische Art, nur die nördlichsten Brutgebiete erreichen Mittelamerika, Mexiko und den Süden der Vereinigten Staaten. Unter den Bussardartigen hat er die größte Nord-Süd-Ausbreitung. C. C. Farquhar: White-tailed Hawk (Geranoaetus albicaudatus). In: The Birds of North America (A. F. Poole, Hrsg.). Ausgabe 2.0 2009; Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA; Introduction. Die Art erscheint in einer hellen und – wesentlich seltener – einer dunklen Morphe. Die Geschlechter sind gleich gefärbt, Weibchen sind um bis zu 17 % größer als Männchen.
G. albicaudatus bewohnt vornehmlich trockene- oder mäßig feuchte Lebensräume der Niederungen und Mittelgebirge, wie einzeln baumbestandene Grassteppen und Prärien, kommt aber auch in extensiv kultivierten Landschaftstypen und in der Nähe großer Städte, wie etwa Rio de Janeiro, vor. Er ist ein opportunistischer Nahrungsgeneralist, der sich von großen Insekten, kleinen Säugetieren, Reptilien und Amphibien ernährt. R. O. Bierregaard Jr. und J. S. Marks: White-tailed Hawk (Geranoaetus albicaudatus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, und E. de Juana (Hrsg.). Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2019 Die überwiegende Mehrzahl der Weißschwanzbussarde verbleibt das gesamte Jahr über im Brutgebiet, nur Teilpopulationen unternehmen kurzstreckige Wanderungen. Jungvögel dismigrieren großräumig.
Obwohl die Art in Texas als gefährdet gilt, erscheint ihr Gesamtbestand ungefährdet (IUCN LC = least concern).BirdLife International 2016. Geranoaetus albicaudatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22695906A93533542. doi:10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22695906A93533542.en. Sie ist stellenweise häufig und konnte ihr Brutareal vor allem im Südosten Brasiliens erweitern.
Bis auf die nördlichsten Vorkommen in Texas ist die Art bislang nur sehr unzureichend untersucht.
Aussehen mini|hochkant|Adulter Weißschwanzbussard mini|Intensiv gezeichneter, adulter Weißschwanzbussard Der Weißschwanzbussard ist ein sehr typisch gefärbter, großer Bussard mit grauer Oberseite, fast weißer, rötlichbraun bis grau gebänderter Unterseite, einem kurzen, weißen Schwanz mit prominenter schwarzer Subterminalbinde, für einen Greifvogel langen Beinen und langen, auf der Unterseite grauen, tief schwarz gefingerten Flügeln. Kennzeichnend ist beim sitzenden Vogel eine rostbraune oder zimtfarbene Färbung des Schultergefieders. Weibchen sind zwar häufig etwas dunkler gefärbt und intensiver gezeichnet, doch ein klarer Färbungsdimorphismus besteht nicht. Auch in der Größe sind Männchen und Weibchen nur bedingt voneinander zu unterscheiden, da die Körpergröße der größten Männchen der der kleinsten Weibchen entspricht. Die hauptsächlich unter Vertretern der Nominatform zu beobachtenden melanistischen Individuen sind bis auf den mattweißen, schwarz gebänderten Schwanz einheitlich düster dunkelbraun. Jungvögel sind vor allem durch ihren grauen Schwanz, das fehlende rostrote Band und die dunkel gesprenkelte Brustseite gut gekennzeichnet. G. albicaudatus ist einer der wenigen Bussardartigen mit deutlicher Flügelprojektion (die Handschwingen überragen beim sitzenden Vogel den Schwanz). C. C. Farquhar: White-tailed Hawk (Geranoaetus albicaudatus). In: The Birds of North America (A. F. Poole, Hrsg.). Ausgabe 2.0 2009; Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA; Appearance.
Weißflügelbussarde fliegen mit langsamen, kraftvollen, tief durchgezogenen Flügelschlägen und gleiten in einer ausgeprägten V-Stellung. Sie rütteln oft und „hängen“ bei günstigen Bedingungen mit ausgebreiteten Schwingen im Wind. Häufig ist die Art auch am Boden zu beobachten. C. C. Farquhar: White-tailed Hawk (Geranoaetus albicaudatus). In: The Birds of North America (A. F. Poole, Hrsg.). Ausgabe 2.0 2009; Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA; Behavior.
Die Größe liegt bei Männchen zwischen 46 und 52, bei Weibchen zwischen 48 und 60 Zentimetern. Männchen wiegen maximal 950, Weibchen bis 1100 Gramm. mini|hochkant|Rufender Jungvogel
Helle Morphe (G. a. hypospodius) Grundfarbe der gesamten Oberseite, der Wangen und der Oberflügel ist hellgrau bis schiefergrau; Weibchen sind tendenziell geringfügig dunkler gefärbt. Die Kehle ist reinweiß oder leicht gestrichelt; auch ein kleiner Bereich über dem Schnabel ist weiß. Alle mittleren Flügeldecken der Oberseite sind zimtfarben oder rötlichbraun, wodurch beim sitzenden Vogel eine charakteristische Schulter- und teilweise Mantelfärbung entsteht. Die gesamte Unterseite ist weiß, vor allem im Brustbereich oft zeichnungslos, während Bauch und Unterschwanzdecken meist fein grau, grauschwarz oder rötlichbraun gesperbert sind. Die Unterflügeldecken sind weitgehend weiß und in sehr variablem Ausmaß fein grau oder rötlichbraun gestrichelt. Alle Schwingen sind grau, deutlich dunkel gerandet und mehrmals fein dunkelgrau längsliniert. Die tief gefingerten Handschwingen sind deutlich dunkler, fast schwarz. Der kurze, leicht gerundete Schwanz ist auf der Ober- und der Unterseite weiß. Nahe dem fein weiß gerandeten Schwanzende befindet sich auf beiden Seiten ein tiefschwarzes, etwa 2,5 Zentimeter breites Band. Die Beine sind bis zum Intertarsialgelenk flauschig befiedert; dieser Bereich kann völlig ungezeichnet, aber auch dicht grau oder rötlichbraun gesperbert sein. Die Beine sind in allen Altersstufen orangegelblich. Der Hakenschnabel ist an der Basis hell bläulichgrau und wird zur Spitze hin dunkler, die Iris ist kastanienbraun. Die Schnabelfarbe und die Farbe der Iris verändern sich in den Altersstufen nicht.
Dunkle Morphe mini|Rüttelnder, juveniler dunkelmorphiger Weißschwanzbussard Schwärzlinge scheinen nur südlich des Amazonasgebietes und östlich der Anden etwas häufiger vorzukommen. Das Ausmaß des Melanismus ist unterschiedlich und reicht von gesättigt dunkelbraun (mit meist vorhandener rostroter oder zimtbrauner Schulterfärbung) bis zu düster schwarzbraun, mit fehlender rötlichbrauner Schulterfärbung.
Typisch gefärbte dunkelmorphige Weißschwanzbussarde sind auf der gesamten Ober- und Unterseite düster braunschwarz. Nur über dem Schnabelansatz und im Kehlbereich sind weißliche Stellen erkennbar. Die Farbe der Unterflügeldecken entspricht der des Oberseitengefieders, die Schwingen sind dunkel silbergrau, deutlich dunkel gerandet und mehrfach dunkel liniert. Die Handschwingen sind fast schwarz. Der Schwanz ist auf der Oberseite hell grauweiß, auf der Unterseite mattweiß. Das schwarze Subterminalband ist wie bei hellmorphigen Individuen ausgebildet, kontrastiert aber weniger stark; auch die unbefiederten Körperregionen gleichen jenen der hellen Vögeln.
Jugendgefieder Jungvögel der hellen Morphe sind auf der gesamten Oberseite und der Brust dunkelbraun gesprenkelt. Die Sprenkelung entsteht durch die hellbraunen Randungen der meisten Deck- und Körperfedern. Der Bauch ist weniger intensiv gezeichnet, die Unterschwanzdecken oft zeichnungslos cremefarben. Die Unterflügeldecken sind wie das Oberseitengefieder gefärbt, die Schwingen sind schieferfarben und nur unmerklich dunkler gerandet. Die Handschwingen sind dunkelgrau. Der Schwanz ist auf beiden Seiten silberfarben; sowohl der weiße Rand als auch das schwarze Subterminalband sind noch nicht ausgebildet oder nur angedeutet; ebenso fehlt bei hellmorphigen Jungvögeln die charakteristische rötlichbraune Schulterfärbung. Sie erscheint jedoch nach der zweiten Mauser, nach der die Jungvögel ein Immaturgefieder tragen, das die wesentlichsten Zeichnungselemente des Erwachsenengefieders aufweist. Auf der Oberseite ist der Jungvogel aber schwärzlich braun und nicht grau. Dunkelmorphige Juvenile sind in der Farbverteilung ähnlich den hellmorphigen, jedoch auf der Unterseite wesentlich dunkler gefärbt.
Mauser Küken beginnen im Alter von etwa 10 Tagen ihr Dunenkleid zu vermausern und tragen beim Ausfliegen das erste Jugendgefieder, bei dem nicht alle Großfedern ihre volle Länge erreicht haben. Noch im gleichen Jahr oder mit Beginn des nächsten Jahres vermausern sie alle Körperfedern und stufenweise die Großfedern. Diese Mauser kann fast über das gesamte zweite Lebensjahr andauern. Mit Beginn der Brutreife im dritten Lebensjahr vermausern sie in das Erwachsenengefieder, Weibchen weitgehend während der Brut- und Nestlingszeit; Männchen wechseln das Körpergefieder und viele Deckfedern während der Brutzeit, die Schwingen und Steuerfedern aber erst danach, und immer so, dass nur kleine Lücken im Großgefieder entstehen und die Flugfähigkeit voll erhalten bleibt. Danach erfolgt im selben Muster jedes Jahr eine Komplettmauser.
Stimmrepertoire Typisch ist eine mehrteilige Ruffolge mit hoher, nasal-gequetschter Lautcharakteristik, die mit einem lang gezogenen Element beginnt, auf das in zunehmender Schnelligkeit und oft abfallender Tonhöhe weitere Rufe mit ähnlicher Charakteristik folgen. Dieser Ruf scheint - vielfältig variiert - weitgehend universell eingesetzt zu werden und ist das gesamte Jahr über von beiden Geschlechtern, sowohl im Sitzen als auch im Flug zu hören.Xenocanto Stimmbeispiel: Mehrteilige Ruffolge mit lang gezogenem Eingangselement Höhere, schrillere und kreischende Elemente deuten auf eine größere Erregung hin.Xenocanto Stimmbeispiel: Derselbe Rufe in größerer Erregung Seltener sind einsilbige, gereihte Ruffolgen mit unterschiedlich vielen Einzelelementen zu hören, die entfernt an Eulenrufe erinnern.Xenocanto Stimmbeispiel: Gereihter einsilbiger Ruf
Verbreitung Brutgebiet mini|250px|Verbreitungsgebiet des Weißschwanzbussards Der Weißschwanzbussard hat mit Brutvorkommen von 29°N bis 42°S die ausgedehnteste Nord – Süd Verbreitung aller amerikanischer Greifvögel. Die nördlichsten Brutgebiete liegen an der texanischen Golfküste und setzen sich in Tamaulipas, Mexiko fort. Vorkommen auf der vorgelagerten Padre Insel und auf anderen Küsteninseln der Region sind erloschen. Auch die Brutplätze in Arizona und New Mexico sind seit etwa 1900 nicht mehr besetzt. C. C. Farquhar: White-tailed Hawk (Geranoaetus albicaudatus). In: The Birds of North America (A. F. Poole, Hrsg.). Ausgabe 2.0 2009; Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA; Distribution, Migration and Habitat In Mexiko brütet die Art an verschiedenen Stellen entlang der Pazifik- und der Golfküste, in größerer Dichte auf Rodungsflächen der Halbinsel Yucatán mit Ausnahme Belizes, wo sie kaum oder nur vereinzelt vorkommt. Auf größere und kleinere Verbreitungsinseln verteilt setzen sich die Brutgebiete über Mittelamerika nach Südamerika fort. Besiedelt sind auch zwei der Bocas Inseln und die Pazifikinseln vor der Küste Panamas. Generell scheint G. albicaudatus an der Pazifikküste Mittelamerikas etwas häufiger vorzukommen als an der Golfküste.Robert S. Ridgely und John A. Gwynne: A Guide to the Birds of Panama with Costa Rica, Nicaragua und Honduras. Princeton University Press 1989; ISBN 0-691-08529-3, S. 102–103 Etwas dichtere Vorkommen dürften in der Provinz Guanacaste in Costa Rica bestehen.Gary Stiles und Alexander Skutch: A Guide to the Birds of Costa Rica. Comstock Publishing Associate, Ithaka (N.Y.) 1989; ISBN 978-0-8014-9600-4, S. 107 Nördlich des Amazonasbecken sind vor allem die Llanos Venezuelas und der Guayanastaaten, sowie der mäßig feuchte Norden und Nordosten Brasiliens Brutgebiet. Auch auf einigen Inseln unter dem Winde (Aruba, Curaçao, Bonaire) bestehen kleine Brutvorkommen. Im Amazonasbecken selbst brütet die Art nicht. In Kolumbien, das im Nordosten flächig, weiter nach Süden sehr lückig besiedelt ist, erreicht die Art ihre größte Westausdehnung. Im Tal des Río Cauca erstrecken sich Brutgebiete zwischen der Zentral- und der Westkordillere.Aves de Colombia Kleine Brutvorkommen bestehen auch in den Feuchtsavannen des südöstlichen Perus.