Niemals Selten Manchmal Immer (Originaltitel: Never Rarely Sometimes Always) ist ein Filmdrama von Eliza Hittman, das im Januar 2020 beim Sundance Film Festival seine Premiere feierte und ab 25. Februar 2020 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin gezeigt wurde. Am 13. März 2020 kam er in die nordamerikanischen und am 1. Oktober 2020 in die deutschen Kinos. Im Film wird die 17-jährige Autumn schwanger. Weil das Gesetz über die Einwilligung der Eltern sie hindert, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, reist sie gemeinsam mit ihrer Cousine Skylar von ihrer kleinen Stadt in Pennsylvania nach New York, um dort unbürokratische Hilfe zu finden.

Handlung Die 17-jährige Autumn Callahan lebt im ländlichen Pennsylvania im Northumberland County, hat zwei jüngere Geschwister und arbeitet wie ihre Cousine Skylar als Kassiererin in einem Supermarkt. Nachdem ihre Periode länger ausbleibt, geht sie zum Gesundheitszentrum ihrer kleinen Stadt, um Gewissheit zu bekommen. Nachdem sie dort einen Schwangerschaftstest erhält, wie man ihn in jedem Supermarkt bekommen kann, wird ihre Vermutung bestätigt, dass sie schwanger ist. Sie erhält von der Mitarbeiterin Beth Informationsbroschüren, falls sie das Kind zur Adoption freigeben möchte oder Hilfe bei der Erziehung braucht, doch nichts über eine Abtreibung. Als sie wenig später dort nach dieser Möglichkeit fragt, zeigt man ihr ein Video über die „Harte Wahrheit“ dieses Eingriffs. Da unter 18-Jährige in Pennsylvania für eine Abtreibung die Zustimmung ihrer Eltern brauchen, versucht sie mit harten Schlägen auf ihren Bauch, das ungeborene Kind zu verlieren. Als sie sich auf der Arbeit übergeben muss, erzählt sie ihrer Cousine von ihrer Schwangerschaft und dass sie das Kind nicht behalten will. Skylar stiehlt ein wenig Bargeld von ihrer Schicht, sie packen ein paar Klamotten ein und fahren am frühen Morgen mit dem Bus nach New York. mini|hochkant=1.3|Als die 17-jährige Autumn schwanger wird, fährt sie mit ihrer Cousine Skylar nach New York. Ein Dreh- und Handlungsort des Films: der Ausgang Borough Hall Station

Bei der ersten Anlaufstelle erfährt sie, dass sie sich bereits in der 18. Schwangerschaftswoche befindet, und nicht in der zehnten, wie man ihr im Gesundheitszentrum in ihrer Stadt sagte. Eine Abtreibung ist daher dort nicht möglich, weshalb man Autumn an eine Abtreibungsklinik in Manhattan verweist. Dort erfährt sie, dass die Prozedur zwei Tage dauert und sie über Nacht in New York bleiben müssen. Weil sie Angst hat, ihre Eltern könnten von der Abtreibung erfahren, wenn diese über die Krankenversicherung abgerechnet wird, nimmt sie das ganze Geld, um die Rechnung zu begleichen.

Vor dem Eingriff stellt ihr die Beraterin Kelly einige Fragen zu ihrem Sexleben und auch solche, die klären sollen, ob sie nach der Abtreibung zu Hause ein sicheres Umfeld vorfindet. Hierzu soll sie mit Niemals, Selten, Manchmal und Immer antworten. Autumn gibt an, dass sie mit 14 Jahren zum ersten Mal Sex hatte und seitdem mit sechs Männern geschlafen hat. Auf die Frage, ob sie schon einmal von einem Mann zum Sex gezwungen wurde, kann sie in Tränen ausbrechend jedoch nicht antworten. Die Beraterin erklärt ihr, wie die Abtreibung ablaufen wird, und bietet ihr an, bei dem Eingriff dabei zu sein. Am ersten Tag wird Autumn ein metallischer Fremdkörper eingesetzt.

Da sie das ganze Geld für die Abtreibung ausgegeben hat und ihnen nun für ihre Rückfahrt fehlt, kontaktiert Skylar die einzige Person in New York, die sie kennen. Sie hatten im Bus einen jungen Mann kennengelernt und Telefonnummern ausgetauscht. Nach ein paar gemeinsamen Stunden in der Stadt ringt sich Skylar dazu durch, ihn um Geld für die Rückfahrt zu bitten. Nach einigem Geknutsche mit Skylar gibt er ihr dieses auch. Am nächsten Tag erfolgt unter Narkose der zweite Teil von Autumns Abtreibung. Skylar will wissen, wie diese gelaufen ist und welche Gefühle sie nun hat, dann fahren sie mit dem Bus zurück nach Pennsylvania.

Produktion Stab, Besetzung und Synchronisation mini|hochkant=1.3|Regisseurin Eliza Hittman mit den Haupt­dar­stel­ler­innen Sidney Flanigan und Talia Ryder bei der Vorstellung des Films auf der Berlinale 2020 Regie führte Eliza Hittman, die auch das Drehbuch schrieb.Kate Erbland: Sundance Wish List: 60 Films We Hope Will Head to Park City in 2020. In: indiewire.com, 18. November 2019. Die Idee zum Film hatte Hittman 2012, nachdem sie die Geschichte von Savita Halappanavar gelesen hatte, der in Irland nach einer unvollständigen Fehlgeburt eine Abtreibung verweigert wurde und die daraufhin an einer Blutvergiftung starb. In Irland, erfuhr Hittman, reisten Frauen, die abtreiben wollten, für einen Tag nach London. Die Filmemacherin stellte sich die Frage, wie eine solche Reise wohl aussähe, und recherchierte, dass in den USA jede fünfte Frau mehr als 50 Meilen fahren muss, um einen solchen Eingriff vornehmen zu lassen, und in ländlichen Gegenden sei es sogar mehr als die Hälfte aller ungewollt Schwangeren, wie Autumn im Film.Wenke Husmann: „Never Rarely Sometimes Always“: Ein Alltagsdrama, das ins Herz trifft. In: Zeit Online, 28. Februar 2020.

Sidney Flanigan spielt Autumn, Talia Ryder ihre Cousine Skylar. Die US-amerikanische Sängerin und Songwriterin Sharon Van Etten spielt Autumns Mutter, Ryan Eggold ihren StiefvaterDavid Rooney: 'Never Rarely Sometimes Always': Film Review | Sundance 2020. In: The Hollywood Reporter, 24. Januar 2020. und Drew Seltzer den Supermarktmanager Rick, für den die beiden Mädchen arbeiten.Kate Erbland: 'Never Rarely Sometimes Always' Review: Eliza Hittman’s Candid Abortion Drama Hits Hard. In: indiewire.com, 24. Januar 2020. Théodore Pellerin spielt Jaspar, den jungen Mann, den sie im Bus nach New York kennenlernen. Die Fragen in der Schlüsselszene lässt Hittman von einer echten Sozialarbeiterin stellen.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Christoph Cierpka im Auftrag der RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG in Berlin. Siri Wiedenbusch spricht in der deutschen Fassung Flanigan in der Rolle von Autumn, Léa Mariage Ryder in der Rolle von Skylar.

Dreharbeiten und Filmmusik Die Dreharbeiten fanden im Februar 2019 in Pennsylvania und in New York statt. In Manhattan entstanden Aufnahmen am und im Port Authority Bus Terminal sowie vor der Kulisse verschiedener U-Bahn-Stationen in Brooklyn.Tejasvani Datta: Where Was 'Never Rarely Sometimes Always' Filmed? In: thecinemaholic.com, 12. März 2020.David Sims: A Brilliant Indie Movie That’s Accidentally Getting a National Release. In: theatlantic.com, 4. April 2020. Als Kamerafrau fungierte, wie bei Hittmans letztem Spielfilm Beach Rats, die Französin Hélène Louvart.

Die Filmmusik steuert Singer-Songwriterin Julia Holter bei.Julia Holter Scoring Eliza Hittman’s 'Never Rarely Sometimes Always'. In: filmmusicreporter.com, 18. Dezember 2019. Das Soundtrack-Album, das insgesamt 13 Musikstücke umfasst, wurde am 13. März 2020 von Back Lot Music als Download veröffentlicht.'Never Rarely Sometimes Always' Soundtrack Details. In: filmmusicreporter.com, 12. März 2020. Darauf enthalten ist auch der Song Staring at a Mountain, der von Darstellerin Sharon Van Etten während des Abspanns gesungen wird und von dieser geschrieben wurde. Das Lied wurde zur gleichen Zeit als Single-Download veröffentlicht.Sharon Van Etten’s Original Song ‘Staring at a Mountain’ from 'Never Rarely Sometimes Always' Released. In: filmmusicreporter.com, 13. März 2020.

Veröffentlichung Die Premiere des Films erfolgte am 24. Januar 2020 beim Sundance Film Festival. In: sundance.org. Abgerufen am 21. Dezember 2019. (PDF; 1,1 MB) Ab 25. Februar 2020 wurde der Film im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin gezeigt.Never Rarely Sometimes Always. In: berlinale.de. Abgerufen am 1. März 2020. Am 13. März 2020 kam der Film in ausgewählte nordamerikanische Kinos.Focus Features Will Release Never Rarely Sometimes Always On March 13. In: focusfeatures.com, 12. Dezember 2019. Mitte September 2020 wurde er im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt,Die Filme der 20. Filmkunstmesse 2020. In: filmkunstmesse.de. Abgerufen am 22. August 2020. (PDF; 426 KB) bevor er am 1. Oktober 2020 in die deutschen Kinos kam.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 1. Oktober 2020. Ebenfalls im September 2020 wurde er beim San Sebastian International Film Festival gezeigt,Never Rarely Sometimes Always. In: sansebastianfestival.com. Abgerufen am 1. September 2020. Ende September, Anfang Oktober 2020 beim Zurich Film FestivalProgramm 2020: Spielfilm Wettbewerb. In: zff.com. Abgerufen am 22. September 2020. und Ende Oktober 2020 bei der Viennale. In: viennale.at. Abgerufen am 3. Oktober 2020.

Rezeption Altersfreigabe und Kritiken In den USA wurde der Film von der MPAA als PG-13 eingestuft.boxofficemojo.com In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 6 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es, die Erlebnisse der beiden Mädchen spiegelten subtil Fragen des Erwachsenwerdens und weiblicher Selbstbestimmung. Lediglich einzelne Momente könnten Kinder im Vorschulalter irritieren und ängstigen, etwa kurze Momente von Demütigung und sexueller Belästigung. Da aber die Inszenierung durchweg zurückhaltend ist, könnten bereits 6-Jährige den Film verarbeiten, auch wenn sich ihnen viele Aspekte noch nicht erschließen.Freigabebegründung für 'Niemals Selten Manchmal Immer'. In: spio-fsk.de. Abgerufen am 26. Januar 2021.

Der Film konnte bislang 99 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8,6 der möglichen 10 Punkte, womit er aus den 21. Annual Golden Tomato Awards als Drittplatzierter in der Kategorie Dramas der Filme des Jahres 2020 hervorging.Dramas. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 15. März 2021. Auf Metacritic erhielt er einen Metascore von 92 von 100 möglichen Punkten. Never Rarely Sometimes Always führte mit 3,4 von vier möglichen Sternen auch den internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International zu allen 18 Berlinale-Wettbewerbsfilmen an.Ben Dalton: Eliza Hittman’s ‘Never Rarely Sometimes Always’ finishes top of Screen’s Berlin 2020 jury grid. In: screendaily.com, 29. Februar 2020. Zudem ging Niemals Selten Manchmal Immer aus dem IndieWire Critics Poll als Zweitplatzierter der besten Filme des Jahres 2020 hervor.Eric Kohn und Christian Blauvelt: 2020 Critics Poll: The Best Films and Performances According to Over 200 Critics From Around the World. In: indiewire.com, 14. Dezember 2020.

Andrew Barker von Variety schreibt, Eliza Hittmans Drehbuch sei ein Wunder der Sparsamkeit und verschwende niemals Zeit, um Beziehungsdetails oder Hintergrundgeschichten zu ergänzen. Am offensichtlichsten zeige sich dies dadurch, dass man niemals den Vater des ungeborenen Kindes von Autumn kennenlernt. Es werde im Film klar, dass diese Reise eine der größten und beängstigendsten Sachen ist, die Autumn je unternommen hat, doch auch wenn der Film anfänglich etwas düster sei, könne man sich leicht vorstellen, dass sie ihr Leben mehr oder weniger wieder so aufnehmen kann, wie zuvor.Andrew Barker: 'Never Rarely Sometimes Always': Film Review. In: Variety, 24. Januar 2020.