mini|Eingangstor zur Festung Der Mont Valérien, 12 Kilometer westlich der französischen Hauptstadt Paris gelegen, ist mit 162 Metern Höhe einer der höchsten Hügel in der Île-de-France. Dort befindet sich die im Rahmen der Thiersschen Stadtbefestigung in den Jahren 1840 bis 1846 angelegte Festungsanlage Forteresse du Mont-Valérien.
Lage, Name und Geschichte Der Hügel befindet sich im Süden der Presqu’île de Gennevilliers, einem von der Seine umschlossenen halbinselförmigen Landstrich. Er liegt überwiegend im Gebiet der Stadt Suresnes, zu kleineren Teilen auch in Nanterre und Rueil-Malmaison. Er ist rund 60 Meter höher als der umgebende Flusslauf.
Die Namensherkunft ist nicht eindeutig geklärt. Als wahrscheinlich gilt, dass er sich auf einen Eremiten namens Valerian bezieht, der in einem Text aus dem Jahr 1621 erwähnt ist. Als Mont Valerian ist der Hügel auf alten Karten verzeichnet, die Verschiebung zu Valérien könnte mit der Anlage eines Kalvarienbergs zusammenhängen.
Die Hänge unterhalb der im 17. Jahrhundert angelegten Wallfahrtsstätte waren mit Weinreben bepflanzt. Ab 1841 mussten die sakralen Bauten dem Bau des Forts weichen, das mit weiteren 15 Anlagen dieser Art der Verteidigung von Paris dienen sollte. Im Deutsch-Französischen Krieg war es 1870/71 ein wichtiger Stützpunkt der französischen Armee während der Belagerung von Paris. Von dort aus beschossen und zerstörten die Franzosen mit schweren Kanonen das von preußischen und bayerischen Truppen besetzte Schloss Saint-Cloud. Am 29. Januar 1871, einen Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags, übernahmen die Deutschen das Fort. Nach deren Abzug wurde Paris während der Zeit der Pariser Kommune durch französisches Militär vom Fort aus innerhalb von 48 Tagen mit 78.000 Granaten bombardiert.
Hinrichtungsstätte im Zweiten Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg war die Forteresse du Mont-Valérien von 1941 bis 1944 Hinrichtungsstätte der deutschen Besatzungsmacht. Die Geiseln und (abgeurteilten) Widerstandskämpfer wurden vor der Hinrichtung in einer kleinen Kapelle eingesperrt, von welcher aus sie dann zum eigentlichen Hinrichtungsplatz innerhalb eines kleinen Talkessels geführt wurden.
Eine Datenbank umfasst bislang 1014 Opfer, die während des Krieges am Mont Valérien erschossen und auf unterschiedlichen Friedhöfen zumeist in Paris beigesetzt wurden.Datenbank des französischen Verteidigungsministeriums zur Recherche der Namen der Erschossenen, 1. Januar 2009 Die anfangs mit 4500 Hinrichtungen offiziell angegebene Zahl wurde später revidiert. Unter anderem wurden beispielsweise am Mont Valérien hingerichtet: Henri Honoré d’Estienne d’Orves (französischer Offizier und Widerstandskämpfer), 29. August 1941 Gabriel Péri (Journalist und Politiker), 15. Dezember 1941 Sieben Mitglieder der Groupe du musée de l’Homme, darunter Boris Vildé, 23. Februar 1942 André Pican (Widerstandskämpfer), 23. Mai 1942 Georges Politzer (Philosoph), 30. Mai 1942 Jacques Decour (Schriftsteller), 30. Mai 1942 Valentin Feldman (Philosoph), 27. Juli 1942 Missak Manouchian und 22 weitere Mitglieder der sog. Affiche-rouge-Gruppe, 21. Februar 1944
Gedenken mini|Mémorial de la France Combattante mini|Die Kapelle – links liegen fünf Hinrichtungspfähle Heute befindet sich am Mont Valérien neben einem US-amerikanischen Soldatenfriedhof (1541 Begrabene) das Mémorial de la France combattante im Status einer französischen Nationalen Gedenkstätte, die am 18. Juni 1960 (dem Jahrestag des sog. Appells vom 18. Juni) durch den späteren Staatspräsidenten General Charles de Gaulle mit der Überführung der sterblichen Überreste von 16 Widerstandskämpfern eingeweiht wurde.Allgemeine Informationen sowie Bilder zum Denkmal (franz.), 4. April 2010.
Der offen sichtbare Teil des Denkmals besteht aus einem großen Platz, an dessen Stirnseite sich eine 100 Meter breite Mauer aus Buntsandstein an die Außenmauer der Festung schmiegt. Links und rechts begrenzt von jeweils 8 quadratischen Bronzeplatten (Buttons), auf denen unterschiedliche Künstler verschiedene Thematiken von Krieg, Leid, Widerstand und Hoffnung darstellen,, 4. April 2010 befinden sich ein 12 Meter hohes Lothringer Kreuz und zwei Türen, hinter denen sich eine kleine Ausstellungskammer befindet und ein Raum, in dem sich – entsprechend der Buttons – 16 Särge um eine Skulptur, die Flamme (des Widerstands), reihen. Zwischen Kreuz und Vorplatz brennt eine Ewige Flamme ähnlich jener am Arc de Triomphe, gebettet auf einer eisernen Flagge.
Die Kapelle unweit der eigentlichen Hinrichtungsstätte ist zugänglich, Wandkratzereien zeugen noch heute von den dort eingesperrten Menschen. Neben ihr liegt ein kleiner Ausstellungsraum mit Briefen u. a. der Hingerichteten, das eigentliche Denkmal ist eine vor der Kapelle aufgestellte Glocke mit den eingravierten Namen der Hingerichteten.
Der mit einem an eine Grabplatte erinnernden Gedenkstein bedachte Hinrichtungsort selbst, ein kleiner Talkessel etwa 100 Meter von der Kapelle entfernt, gilt als sakrosankt und darf von Besuchern – ausgenommen der Angehörigen der Hingerichteten – nicht betreten werden, wird allerdings von einem erhöhten Pfad umlaufen.
Der Weg, den die Gefangenen in Richtung ihrer Hinrichtung zu beschreiten hatten, trägt heute den Namen Parcours des fusillés (Weg der Erschossenen). Seit 1990 ist der Platz vor dem Mémorial nach dem Deutschen Abbé Franz Stock benannt. Er war der Seelsorger der Gefängnisse von Paris und der Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valérien während der nationalsozialistischen Besatzungszeit, zahlreiche Hingerichtete werden in seinen Tagebüchern genannt.Franz Stock: Franz Stock - Wegbereiter der Versöhnung. Tagebücher und Schriften, franz. Titel: Journal de guerre. Écrits inédits de l'aumônier du Mont Valérien, Verlag Herder, 2017, ISBN 978-3-451-37893-5
Jährlich finden am 18. Juni Gedenkfeierlichkeiten statt, zu denen sich der amtierende Staatspräsident in das goldene Buch der Gedenkstätte einträgt, das gemeinsam mit den Stiftungsdokumenten de Gaulles im Fuße des Denkmals verwahrt wird.
Liste der hingerichteten Widerstandskämpfer Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. NameREFGruppe, Bewegung, Netzwerk, Partei, GewerkschaftGeburtsortGeburtsjahrSterbejahrSterbeortBerufSterbedatumAlbert Corentin Herve AbalainFTPFQuimerc'h19151943Mont-Valérien, SuresnesArbeiter1943-09-17Henri AdamAdam-Bocq-Gruppe, Agent der Special Organization (OS), PCFSaint-Nazaire18931942Mont-Valérien, SuresnesDreher1942-02-16Jules AndrieuGruppe Musée de l’HommeBruay-la-Buissiere oder Bruay-la-Artois18961942Mont-Valérien, SuresnesSchulleiter1942-02-23Leon AgidFTPF, FFIWien19191943Mont-Valérien, SuresnesElektriker1943-02-15Emile Celestin Agier (Check! Scharfschützentätigkeiten)CGT, PCFJonquières-Saint-Vincent18951943Mont-Valérien, SuresnesMechaniker1943-11-20Armand AlbieroFTPFValdaigno (Italien)19231943Mont-Valérien, SuresnesMetzger, Fleischer, kfm. Angestellter1943-08-23Robert AlcoulombreGaullist, RIF (FFI?), DIRParis19081942Mont-Valérien, SuresnesBuchhalter, Controller1942-02-11Jean Leon AlézardFFI, FTPFParis19161944Mont-Valérien, SuresnesElektriker1944-04-11Celestino AlfonsoFTP-MOI, Spanienkämpfer, Gruppe ManouchianItuero de Azaba (Spanien)19161944Mont-Valérien, SuresnesSchreiner, Tischler, Zimmermann, Arbeiter1944-02-21Joseph BoczorGruppe Manouchian, FTP-MOIFelbosanga (Ungarn)19051944Mont-Valérien, SuresnesSchreiner, Tischler1944-02-21Georges Cloarec Gruppe Manouchian, FTP-MOISaint-Lubin-des-Joncherets19231944Mont-Valérien, SuresnesLandarbeiter1944-02-21Rino Primo Della NegraGruppe Manouchian, FFIVimy19231944Mont-Valérien, SuresnesArbeiter1944-02-21Thomas Elek Gruppe ManouchianBudapest (Ungarn)19241944Mont-Valérien, Suresnes1944-02-21Maurice FingercwajgGruppe ManouchianWarschau (Polen)19221944Mont-Valérien, SuresnesPolsterer1944-02-21Spartaco Mario FontanotGruppe Manouchian, FTP-MOIMonfalcone (Italien)19221944Mont-Valérien, SuresnesDreher1944-02-21Imre Emeric GlaszGruppe Manouchian, FTP-MOIBudapest (Ungarn)19021944Mont-Valérien, SuresnesMonteur1944-02-21Jonas Michaël Martyniuk (auch: Jonas Geduldig) Gruppe Manouchian, FTP-MOIWlodziwiez (Polen)19181944Mont-Valérien, SuresnesElektriker1944-02-21Léon Goldberg Gruppe Manouchian, FTP-MOI, FFILodz (Polen)19241944Mont-Valérien, SuresnesStudent1944-02-21Szlama GrzywaczGruppe Manouchian, FTP-MOI, SpanienkämpferDobre (Polen)19101944Mont-Valérien, SuresnesSchuster, Arbeiter1944-02-21Stanislas KubackiGruppe Manouchian, FTP-MOI, FFISiaszyce (Polen)19081944Mont-Valérien, SuresnesHolzfäller, Arbeiter, Former1944-02-21Arpen LavitianGruppe Manouchian1944Mont-Valérien, Suresnes1944-02-21Cesare Luccarini (auch Cesare Lucarini)Gruppe ManouchianCastiglione-di-Pepoli19221944Mont-Valérien, SuresnesBauarbeiter, Zementarbeiter1944-02-21Marcel Rayman (auch Marcel Rajman)Gruppe Manouchian, FTP-MOIWarschau (Polen)19231944Mont-Valérien, SuresnesStricker1944-02-21Roger Rouxel Gruppe ManouchianParis19251944Mont-Valérien, SuresnesMetalldreher1944-02-21Antonio Salvadori (auch Antoine Salvadori)Gruppe Manouchian, FTP-MOI,San Gregorio (Italien)19201944Mont-Valérien, SuresnesBauarbeiter, Zementarbeiter, Taucher1944-02-21Willy Schapiro (Auch W. Schapira, Chapiro, Szapiro)Gruppe ManouchianSkala (Polen)19101944Mont-Valérien, SuresnesKürschner1944-02-21Amadeo Usseglio-PolateraGruppe ManouchianGiaveno (Italien)19111944Mont-Valérien, SuresnesBaggerfahrer1944-02-21Wolf Wajsbrot Gruppe ManouchianKrasnik (Polen)1905 oder 19251944Mont-Valérien, SuresnesMechaniker1944-02-21Robert WitchitzGruppe Manouchian, FTP-MOIAbscon19241944Mont-Valérien, SuresnesTelegraphist, Arbeiter1944-02-21Gilbert Timothy AliemartFFIDechy19241943Mont-Valérien, SuresnesDreher1943-11-20Maurice Roger AncelleFFIParis19081943Mont-Valérien, Suresnes1943-10-23Jacques DecourL'Université Libre („Freie Universität“)Paris19101942Mont-Valérien, SuresnesSchriftsteller, Lehrer, Autor, Übersetzer1942-05-30Joseph Epstein (auch J. Epsztejn, J. Andrei, J. Andrej)FTP-MOI, Spanienkämpfer, Gruppe Manouchian (?), CGT Zamość19111944Mont-Valérien, SuresnesJurist1944-04-11Henri Honoré d’Estienne d’Orves Reseau NemrodVerrières-le-Buisson19011941Mont-Valérien, SuresnesOffizier1941-08-29Valentin FeldmanSaint-Petersburg (Russland)19091942Mont-Valérien, SuresnesPhilosoph1942-07-27Georges IthierGruppe Musée de l’HommeBas Opisbo (Panama)18971942Mont-Valérien, SuresnesDolmetscher1942-02-23Anatole LewitskyGruppe Musée de l’HommeBogorodskoe (heute Krasnovo) in Russland19011942Mont-Valérien, SuresnesAnthropologe1942-02-23Missak ManouchianGruppe ManouchianAdıyaman19061944Mont-Valérien, SuresnesLyriker, Journalist 1944-02-21Léon Maurice NordmannGruppe Musée de l’HommeParis19081942Mont-Valérien, SuresnesJurist1942-02-23Gabriel PériToulon19021941Mont-Valérien, SuresnesJournalist, Politiker1941-12-15Georges PolitzerL'Université Libre („Freie Universität“)Nagyvarad19031942Mont-Valérien, SuresnesPhilosoph1942-05-30René SénéchalGruppe Musée de l’HommeHam-en-Artois (Pas-de-Calais)19221942Mont-Valérien, SuresnesBuchhalter1942-02-23Boris VildéGruppe Musée de l’HommeSankt-Petersburg (Russland)19081942Mont-Valérien, SuresnesEthnologe1942-02-23Pierre WalterGruppe Musée de l’HommeMontigny-lès-Metz (Mosel)19061942Mont-Valérien, SuresnesPhotograph1942-02-23
Weblinks
Offizielle Seite der Gedenkstätte (nur frz.) Mémoire des hommes (frz. / aber die Suchmaske kann auf Deutsch umgestellt werden)
Einzelnachweise
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