mini|Marienkirche in Bronnweiler Die evangelische Marienkirche ist eine romanische, gotisch umgebaute Saalkirche im Ortsteil Bronnweiler von Reutlingen im gleichnamigen Landkreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Emmaus ReutlingenZum 1. Januar 2025 gebildet aus den Kirchengemeinden Ohmenhausen, Gönningen und Bronnweiler. im Kirchenbezirk Reutlingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Architektur Im Mittelalter war die Kirche eine Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau. Im Jahr 1968 wurden ein hölzerner Vorgängerbau aus dem 8. Jahrhundert und ein steinerner aus dem 9. Jahrhundert durch Grabungen nachgewiesen. Das heutige romanische Kirchenschiff entstammt der Mitte des 12. Jahrhunderts, davon sichtbar sind die Rundbogentür in der Südwand und das Fenster im Westgiebel. Im 14./15. Jahrhundert wurde das Westportal eingebrochen, die übrigen Fenster stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Der das romanische Schiff deutlich überragende gotische Chor ist mit Strebepfeilern versehen und wurde nach einer Inschrift am Turmaufgang 1415 begonnen. Er zählt zu den interessantesten Bauwerken des Neckarlands in der Nachfolge der schwäbisch-böhmischen Parler-Familie, die vor allem am Münster in Schwäbisch Gmünd tätig war. Der weite lichte Raum besteht aus einem querrechteckigen Langjoch und einem selten vorkommenden polygonalen Schluss aus sechs Seiten eines Zehnecks, der mit einem kuppelartigen Sterngewölbe abgeschlossen ist. Die gekehlten Rippen des Gewölbes setzen über kurzen Diensten auf Maskenkonsolen an.

Der nördlich des Chores angebaute, im Kern vermutlich vorromanische Turm erhielt im Jahr 1415 sein heutiges Aussehen. Im unteren Geschoss befindet sich die Sakristei mit einem Kreuzrippengewölbe, deren Tür mit gotischen Eisenbeschlägen versehen ist. 1949/50 wurden die Wandmalereien freigelegt und restauriert sowie die Kirche renoviert. Im romanischen Langhaus bildet ein bei der Renovierung 1969/70 eingebauter, offener Dachstuhl den Abschluss. 2015 wurde das Chordach saniert.

Ausstattung Die bedeutendsten Stücke der Ausstattung, eine Kreuzigungsgruppe und eine Darstellung der Heimsuchung Mariä des Meisters von Bronnweiler, befinden sich heute im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. mini|Blick zum Chor mit Wandmalereien Bemerkenswert sind Wandmalereien aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die 1952 freigelegt und 1970 restauriert wurden.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder . Die älteste Schicht mit Szenen aus dem Marienleben ist zwischen einem Zickzack- und einem Rundbogenfries angeordnet und zeigt am östlichen Abschnitt der Nordwand die Verkündigung und die Anbetung der Könige sowie Darstellungen aus der Passion Christi im Süden. Fragmente eines weiteren Zyklus des Marienlebens und der Passion Christi von Heinrich (Haintz) Gretzinger, der auch an der Erhardkapelle in Trochtelfingen und der Kirche in Laiz nachweisbar ist, finden sich an der Nordwand sowie an der nördlichen Chorbogenwand. Aus der gleichen Zeit stammen die Darstellungen der heiligen Barbara und des heiligen Nikolaus im Gewände des Bogenfensters auf der Nordseite und die Rahmenmalerei um die Sakramentsnische mit einer Turmmonstranz.

Das schlichte Chorgestühl und ein Sakristeischrank mit Flachschnitzerei stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ein Vesperbild an der Nordwand mit einem kindhaft kleinen toten Christus im Schoß der Mutter wurde um 1360/1370 geschaffen.

Vier der sechs mit hellem Kathedralglas versehenen Chorfenster haben seit 1910 Glasbildeinlagen von Rudolf Yelin d. Ä. mit Darstellungen von Propheten. mini|hochkant|Blick nach Westen zur Orgel Die Hauptorgel mit 13 Registern wurde 1973 von der Firma Weigle gebaut. Als zweite Orgel existiert eine Truhenorgel von Hoffmann Orgelbau aus dem Jahr 2002 mit drei Registern auf einem Manual.

Literatur Christoph Duncker (Hrsg.): Die Marienkirche zu Bronnweiler. Wegweiser durch Geschichte, Architektur und Kunst der einstigen Wallfahrts- und heutigen evangelischen Pfarrkirche in Reutlingen Bronnweiler. Reutlingen, 1971 F. W. Häußler: Die Marienkirche Bronnweiler. Ein Bildführer durch Geschichte, Architektur und Kunst. Reutlingen, 1979. Günter Memmert: Kirchen und Klöster der Schwäbischen Alb. Stuttgart 1983, S. 69–72. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg II: Die Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 1997, ISBN 3-422-03030-1, S. 127–128. Ehrenfried Kluckert: Zur Baugeschichte der Bronnweiler Marienkirche. In: Schwäbische Heimat, Jg. 31 (1980), S. 246–258. Jörg Widmaier: Die Marienkirche in Reutlingen-Bronnweiler. Zu Baugeschichte, kultureller Bedeutung und herrschafts-politischem Kontext einer außerstädtischen Pfarrei im Umkreis der Reichsstadt Reutlingen. In: Reutlinger Geschichtsblätter, N.F., Bd. 51 (2012), S. 9–59.

Weblinks

Website der Evangelischen Kirchengemeinde Emmaus Reutlingen Website des Kreisarchivs mit zahlreichen Abbildungen

Einzelnachweise

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