mini|285x285px|Postkarten-Ortsansicht von Großhemmersdorf aus dem Jahr 1914. Von der Synagoge ist das Dach und ein Teil der Eingangsseite zu sehen.Heimatmuseum Hemmersdorf, Fotoausstellung 2024, Historische Ansichten von Hemmersdorf aus den letzten 100 Jahren Die Synagoge stand im Hemmersdorfer Ortsteil Großhemmersdorf in der Bachstraße Nr. 4. Sie wurde vor 1844 gebaut oder eingerichtet und 1939 oder 1940 abgerissen. Die Mitglieder der Synagogen-Gemeinde wohnten in Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf, Niedaltdorf, Biringen und Fürweiler.AG Geschichte Rehlingen-Siersburg: Wir können nur nicht verstehen, weshalb immer noch keine Nachricht von Euch zu bekommen ist; Eine Infomappe zu den jüdischen Familien aus Hemmersdorf mit einem Anhang zur Geschichte der Hemmersdorfer Synagogengemeinde. Rehlingen-Siersburg 2024, (https://archive.org/details/wir-konnen-nur-nicht-verstehen, abgerufen am 9. Oktober 2024)
Die Bachstraße wurde 1974 in „Zum Wertchen“ umbenannt.
Beschreibung Die Synagoge stand mit mehreren anderen Gebäuden, auf der zur Schoppach liegenden Seite der Bachstraße. Diese Gebäude waren alle mit ihren Giebelseiten aneinander gebaut. Während die Nachbargebäude der Synagoge ihre Eingänge zur Straße hin hatten, lag der Eingang der Synagoge auf der gegenüber liegenden Seite. Da auf dieser Seite die Schoppach floss, war der Zugang zur Synagoge nur über eine kleine Brücke möglich. Der Gebetsraum der Synagoge war ca. 27 m² groß und hatte eine Empore. Es gab vier weitere, kleinere Räume und eine als „ortsüblich“ beschriebene Toilette. Die Synagoge hatte ein Satteldach mit zwei Rundgauben. Zur Straße waren zwei große Rundbogenfenster und ein mittleres Rundfenster angebracht.
Die Hemmersdorfer Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 beschädigt. Nach der Schädigung in der Pogromnacht, machte die Hitlerjugend und anderen Organisationen der NSDAP die Synagoge zur Turnhalle. Zusammen mit den Nachbargebäuden wurde das Synagogen-Gebäude in den Jahren 1939 bis 1940 abgerissen. Mit dem Schutt der abgerissenen Häuser wurde das Ufer der Nied angefüllt.
Synagogen-Gemeinde Hemmersdorf Eine jüdische Gemeinde wird erstmals im Jahr 1837 erwähnt. Die Mitglieder dieser Gemeinde lebten in Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf und Niedaltdorf. Die erste Erwähnung der Hemmersdorfer Synagoge findet sich in einem 1849 veröffentlichten Buch von Georg BärschGeorg Friedrich Bärsch: Beschreibung des Regierungsbezirks Trier: nach amtlichen Quellen bearbeitet und im Auftrage der Königl. Preuß. Regierung. Enthaltend die Verhältnisse des Regierungs-Bezirks in allen seinen Beziehungen, Bd. Nr. 1, Lintz 1849, S. 183 und S. 106–107 (https://books.google.de/books?id=hhw_AAAAcAAJ&hl=de, abgerufen am 1. September 2024). Bärschs Buch beschreibt die Gegebenheiten des Jahres 1843, so dass die Hemmersdorfer Synagoge vor 1843 errichtet oder eingerichtet worden war. 1856 gehörten zur Hemmersdorfer Synagogen-Gemeinde die Orte Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf, Niedaltdorf und Biringen.Werner Müller: Die jüdische Minderheit im Kreis Saarlouis, Politische, sozialökonomische und kulturelle Aspekte ihrer Lebenssituation vom Ancien Régime bis zum Nationalsozialismus, Röhrig Verlag, St. Ingbert 1993, ISBN 3-86110-025-8, S. 58–60 und S. 152–153
1892 lehnte der Oberpräsident der Rheinprovinz ein Gesuch der Synagogen-Gemeinde ab eine Kollekte durchführen zu dürfen. Die Gemeinde wollte mit dem Ertrag der Kollekte Baukosten für die Synagoge begleichen. Ob die Baukosten für einen Neubau oder den Umbau eines schon vorhandenen Gebäudes verwendet werden sollten, geht aus dem Ablehnungsbescheid nicht hervor. Die Ablehnung des Antrags begründete der Oberpräsident damit, dass er die Gemeinde nicht in der Lage sah, die Baukosten zu einem „beachtlichen Teil“ selbst zu tragen. Ein weiterer Ablehnungsgrund lag darin, dass die Gemeinde nicht den Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft hatte. Aus dem Ablehnungs-Bescheid geht auch hervor, dass die Gemeindemitglieder in Großhemmersdorf, Kerprichhemmersdorf, Niedaltdorf und Fürweiler lebten.Veröffentlichung der Landesarchivverwaltung: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800-1945, Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1982, ISBN 3-922018-17-3, S. 231, (Bd. Nr. 9,1 der Dokumentationsreihe: Inventar der Quellen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800/1815–1945. Eine Gemeinschaftsarbeit. Redaktion: Theresia Zimmer.) mini|284x284px|Am rechten Bildrand ist ein Teil der zur Bachstraße liegenden Synagogen-Fassade zu sehen. Das Foto wurde ca. 1939 aufgenommen. Nach der Volksabstimmung 1935 und dem daraus folgenden Anschluss des Saargebiets an Nazi-Deutschland verließen viele Gemeindemitglieder ihre Heimat. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im September 1939 zwischen 700 000 und einer Million Zivilisten aus dem Saarland, der Pfalz und Baden nach Thüringen, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern evakuiert.Nicholas John Williams: An ‘Evil Year in Exile’? The Evacuation of the Franco-German Border Areas in 1939 under Democratic and Totalitarien Conditions; Evakuierungen im Zeitalter der Weltkriege, Bd. 2, Metropol Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-86331-368-5, S. 596 Hemmersdorf, Biringen, Fürweiler und Niedaltdorf waren Teil des „Rote Zone“ genannten Evakuierungsgebiets. Unter den Evakuierten waren auch die letzten Mitglieder der Synagogen-Gemeinde (4 aus Hemmersdorf und 3 aus Niedaltdorf). Keiner der evakuierten Juden kehrte nach Hause zurück.Yad Vashem: Correspondence between Yad Vashem and the municipality of Hemmersdorf, Germany, related to the creation of the Encyclopedia of Jewish Communities in Germany, 1961, O.52.2, (https://collections.yadvashem.org/en/documents/11727084, abgerufen am 9. Oktober 2024). Sie wurden in den Vernichtungslagern Auschwitz, Sobibór, Treblinka und im Ghetto Theresienstadt ermordet.
Statistik der Jahre 1824 bis 1939 In der nachfolgenden Tabelle ist angegeben, wie viele jüdische Menschen im jeweiligen Jahr in den zur Synagogen-Gemeinde gehörenden Orten lebten. Orte und Zeiten für die keine Angaben vorliegen, sind mit „k. A.“ bezeichnet.
1937 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Großhemmersdorf und Kerprichhemmersdorf zur Gemeinde „Hemmersdorf (Saar)“ zusammengeschlossen. +18241833Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes: Mitteilungen des Statistischen Amtes des Saarlandes. 27. März 1936, (https://www.statistischebibliothek.de/mir/receive/SLHeft_mods_00021715, Abgerufen am 7. Dezember 2025).1843Georg Friedrich Bärsch: Beschreibung des Regierungsbezirks Trier: nach amtlichen Quellen bearbeitet und im Auftrage der Königl. Preuß. Regierung. Enthaltend die Verhältnisse des Regierungs-Bezirks in allen seinen Beziehungen, Bd. Nr. 1, Lintz 1849, S. 183 und S. 106–107 (https://books.google.de/books?id=hhw_AAAAcAAJ&hl=de, abgerufen am 1. September 2024).18561885Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Saargebietes; Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Kreises Saarbrücken, Ausgabe vom 2. März 1934, (online https://archive.org/details/nachrichtenblatt00unse/page/n85/mode/2up, abgerufen am 10. Oktober 2024)18951927193319351939Großhemmersdorf813251512127874Kerprichhemmersdorf263018243127161722Niedaltdorfk. A.69840433834343Yad Vashem: Correspondence between Yad Vashem and the municipality of Niedaltdorf, Germany, related to the creation of the Encyclopedia of Jewish Communities in Germany, 1961, O.52.2, (online https://collections.yadvashem.org/en/documents/11811580, abgerufen am 10. Oktober 2024)Fürweilerk. A.k. A.k. A.k. A.78000k. A.Biringenk. A.k. A.6845000k. A.
Folgende Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Hemmersdorf aus Hemmersdorf wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet: NameVornameTodeszeitpunktAlterOrt des TodesQuellenHanauJosefunbekanntunbekanntAuschwitzYad VashemKahn geb. SüsskindGisela30. Januar 194340 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenLevyBenjamin194473 JahreAuschwitzYad VashemMichelEdmund25. Juli 194238 JahreAuschwitzYad VashemMichelIrma25. Juli 194234 JahreAuschwitzYad VashemMichelIsidorvermutlich 194348 JahreAuschwitzYad VashemMichelRosa11. November 194279 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenSalmMilli4. Juni 194455 JahreAuschwitzYad VashemSüsskindBabette16. Oktober 194276 JahreTheresienstadtGedenkbuch SaarbrückenSüsskindBernhardMai 194443 JahreKaunasYad VashemSüsskindLudwigMai 194437 JahreKaunasYad VashemSüsskindSamuelSeptember 194267 JahreTreblinkaGedenkbuch SaarbrückenSüsskindSiegmund6. November 194272 JahreTheresienstadtGedenkbuch Saarbrücken Folgende Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Hemmersdorf aus Niedaltdorf wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet: NameVornameTodeszeitpunktAlterOrt des TodesQuellenEisenbergerIgnatz1. August 194246 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenFromm geb. MichelEleonore26. Februar 194473 JahreTheresienstadtGedenkbuch SaarbrückenIsaacMax18. Dezember 194447 JahreStutthofGedenkbuch SaarbrückenMichel geb. WeissBertha19. September 194269 JahreTreblinkaGedenkbuch MünchenMichelLilly17. Juli 194240 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichelMax26. August 194246 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichelMoritz6. Januar 194540 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichelMyrtil30. September 194243 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichel geb. IsaacRosa194445 JahreunbekanntGedenkbuch SaarbrückenMichelRuth15. August 194215 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichelSigmund194452 JahreunbekanntGedenkbuch SaarbrückenMichelJosef31. August 194265 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenMichel geb. WolfJosephine10. Februar 194464 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenNadler geb. MichelRosina1. November 194355 JahreAuschwitzGedenkbuch SaarbrückenWolf geb. MichelKaroline194262 JahreZamośćGedenkbuch Saarbrücken Folgende Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Hemmersdorf aus Biringen wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet:
Name Vorname Todeszeitpunkt Alter Ort des Todes QuellenFrankIsaac Leon18. April 194448 JahreAuschwitzYad VashemKahn geb. FrankFranziska10. Oktober 194248 JahreAuschwitzYad Vashem Folgende Mitglieder der Synagogen-Gemeinde Hemmersdorf aus Fürweiler wurden während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet: NameVornameTodeszeitpunktAlterOrt des TodesQuellenHanauBernard15. Februar 194467 JahreAuschwitzYad VashemHanauJoseph17. Juni 194350 JahreHinzertYad VashemLevy geb. HanauRosalia26. Juni 194449 JahreChelmnoGedenkbuch SaarbrückenSchwarz geb. HanauClementine3. Juni 194261 JahreSobibórGedenkbuch SaarbrückenSchwarzMax1. Mai 194535 JahreMauthausenGedenkbuch SaarbrückenSchwarzMoritz3. Juni 194263 JahreSobibórGedenkbuch Saarbrücken
Literatur Hans Peter Klauck: Jüdisches Leben in der Stadt und im Landkreis Saarlouis 1680–1940. In: Veröffentlichungen der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis. (= Veröffentlichungen der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis. Band 20). 2016, ISBN 978-3-933926-65-4.
Einzelnachweise
Hemmersdorf Hemmersdorf Kategorie:Rehlingen-Siersburg Kategorie:Sakralbau im Landkreis Saarlouis