mini|Hamza Yusuf im Jahr 2007 mini|Hamza Yusuf Hamza Yusuf (; * 1958 als Mark Hanson in Walla Walla, Washington, USA) ist ein US-amerikanischer islamischer Prediger und Gelehrter, der zu den einflussreichsten religiösen Autoritäten bei den angloamerikanischen Muslimen gehört.Sheikh Hamza Yusuf Hanson The Muslim 500 - Ausgabe 2023. Er ist Mitgründer und Präsident des Zaytuna College in Berkeley, Kalifornien, der ersten und einzigen akkreditierten muslimischen Hochschule in den USA. Yusuf, der selbst zum Islam konvertiert ist, genießt nicht nur bei westlichen Konvertiten hohes Ansehen, sondern auch bei muslimischen Einwanderern. Durch die Fernsehsendung Riḥla maʿa Ḥamza Yūsuf („Reise mit Hamza Yusuf“), die auf dem saudischen Sender Middle East Broadcasting Center ausgestrahlt wurde, ist er auch in den arabischen Ländern sehr bekannt.Jawad: Towards Building a British Islam: New Muslims' Perspectives. 2012, S. 131.

Hamza Yusuf konvertierte 1977 zum Islam und studierte anschließend viele Jahre in arabischen Ländern arabische Sprache, Fiqh und Philosophie. Die meiste Zeit verbrachte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Mauretanien. Nach seiner Rückkehr in die USA im Jahre 1987 wurde er oft von islamischen Zentren eingeladen, um Vorträge über den Islam zu halten und Nicht-Muslime an den Islam heranzuführen. Mit seinen populären Reden und Vorträgen in kurzen intensiven Studienprogrammen sowie seinen Übersetzungen islamischer Bücher aus dem Arabischen ins Englische trug er zur Verbreitung des traditionellen sunnitischen Islam im Westen bei. Außerdem interviewen ihn viele arabische und westliche Medien, um seine Meinung zum Islam und zu aktuellen Ereignissen in der islamischen Welt zu erfahren. Eine enge Zusammenarbeit verbindet Hamza Yusuf mit dem mauretanischen Gelehrten ʿAbdallāh ibn Baiya, in dessen Organisation Forum for Promoting Peace in Muslim Societies er als Vize-Präsident fungiert. Außerdem ist er Co-Vorsitzender von Religions for Peace und Mitglied der Initiative Ethics in Action for Sustainable and Integral Development („Ethik im Einsatz für nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung“), einer Zusammenarbeit zwischen „Religions for Peace“, dem Vatikan, den Vereinten Nationen und anderen Organisationen.Hamza Yusuf, Selbstdarstellung auf seiner Website sandala.org

The Guardian beschrieb Hamza Yusuf im Jahre 2001 als den „wohl einflussreichsten islamischen Gelehrten des Westens“.Jack O'Sullivan: If you hate the west, emigrate to a Muslim country in The Guardian 7. Oktober 2001. Das jordanische Royal Islamic Strategic Studies Centre, das jährlich eine Liste der 500 einflussreichsten Muslime der Welt erstellt, setzte ihn in seiner Ausgabe für das Jahr 2023 auf den 23. Platz.

Leben Elternhaus und Kindheit Hanson, der schottische, griechische und nordeuropäische Wurzeln hat, wuchs in Nordkalifornien zusammen mit sieben Geschwistern auf. Seine Mutter gehörte der griechisch-orthodoxen Kirche an, sein Vater war katholisch. Beide Eltern waren gut ausgebildet, aufgeschlossen und interessierten sich sehr für soziale, politische und pädagogische Fragen. Sein Vater war Geisteswissenschaftler und mochte die Poesie, besonders die englische, während seine Mutter im zivilen Bereich tätig war und sowohl gegen den Vietnam- als auch gegen den Irakkrieg auf die Straße ging.Jawad: Towards Building a British Islam: New Muslims' Perspectives. 2012, S. 132.

Hanson wurde orthodox getauft, weil sein Vater sich nicht für seine Religion interessierte.Al-Arabiya-Interview mit Hamza Yusuf. 2011, Minute 01:02. Seine Mutter hatte dagegen großes Interesse an Spiritualität und war sehr offen für andere Menschen und Lebensweisen. Wie er erwähnt, arbeitete sie freiwillig als Englischlehrerin, um mexikanischen Einwanderern und Landarbeitern die englische Sprache beizubringen. Als er zwölf Jahre alt war, nahm sie ihn zum Freitagsgebet in eine Moschee mit.On the Passing of My Mother, Elizabeth George Hanson – Sandala.org, abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch) Sie nahm ihn auch in eine Synagoge, einen Hindu-Tempel und einen buddhistischen Vihara mit, um ihm andere Religionen näher zu bringen.Jawad: Towards Building a British Islam: New Muslims' Perspectives. 2012, S. 132f.

Hinwendung zum Islam Im Jahr 1977, als Hanson 17 Jahre alt war, erlitt er einen schweren Autounfall, der ihn dem Tod nahe brachte. Diese Erfahrung veranlasste ihn zu recherchieren, was verschiedene Traditionen und Religionen über den Tod sagen. Er kam zu dem Schluss, dass der Islam die richtige Religion für ihn sei, und begann, den Glauben zu praktizieren, wollte aber zunächst aufgrund seines Alters, weil er unter 18 war, noch kein Muslim werden. Hanson stieß beim Stöbern in einem Buchladen auf das Buch, das von dem verstorbenen Martin Lings verfasst wurde. Das Buch enthält ausführliche Zitate aus dem Koran und Lings Interpretation. Als er Lings' Buch durchgelesen hatte, entschied er sich, den Koran zu lesen.Jawad: Towards Building a British Islam: New Muslims' Perspectives. 2012, S. 133.

Eine Bekannte vermittelte Hanson den Kontakt zu einem muslimischen Ehepaar, das ursprünglich aus Mekka stammte und in Santa Barbara lebte. Beide gehörten dem Schādhilīya-Orden an und waren Anhänger des in Großbritannien lebenden Sufi-Imams Shaykh Abdalqadir as-Sufi, der bald eine zentrale Rolle in Hansons Leben spielen sollte und auch sein Schwager wurde. Nach einigen Besuchen bei den Sufis konvertierte Hanson im Alter von 18 Jahren zum Islam und brach seine Ausbildung ab, um grundlegende muslimische Riten zu lernen. Obwohl einige Anhänger as-Sufis eine Gemeinde in Berkeley gegründet hatten, beschloss Yusuf, nach Großbritannien auszuwandern und mit dem Scheich und seiner Sufi-Gemeinde zu leben.Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. 2012, S. 160.

Aufenthalte in arabischen Ländern In Großbritannien lebte Hanson nur ein Jahr lang mit Abdalqadir as-Sufi zusammen. Danach zog er in die Vereinigten Arabischen Emirate und verbrachte vier Jahre in der Stadt Al Ain, wo er am Islamischen Institut Scharia-Wissenschaften studierte. Er lernte dort Koranrezitation, Rhetorik, Poesie, Fiqh und Theologie, arbeitete als Muezzin und war später als Imam für eine Moscheengemeinde tätig, die sich hauptsächlich aus afghanischen Arbeitern zusammensetzte, die ihre Familien und die Kriegsanstrengungen gegen die Sowjetunion unterstützten. Im Jahr 1984 brach Yusuf mit seinem früheren Lehrer as-Sufi und wandte sich den in den Emiraten lebenden mauretanischen Gelehrten zu. Im gleichen Jahr besuchte er mehrere arabische Länder wie Algerien, Marokko und Mauretanien, wo er die nachhaltigste und intensivste Beziehung zu dem Gelehrten Murabit al-Hajj Muhammad Ould Fahfu aufbaute, bei dem er mehrere Monate in der Wüste studierte.Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. 2012, S. 160f.

Wirken als Prediger und Lehrer in den USA 1988 kehrte Hanson in die USA zurück und begann ein Studium der Krankenpflege am Imperial Valley College. Er machte einen Abschluss in homöopathischer Medizin und in vergleichenden Religionswissenschaft. Während dieser Zeit diente Hanson, der nun als Hamza Yusuf auftrat, als Imam der Santa-Clara-Moschee und wurde Teil der englischsprachigen muslimischen Community und hielt Vorträge und Predigten in Moscheen und islamischen Zentren in Nordkalifornien. Eines seiner ersten Bildungsprojekte bestand darin, religiöse Einkehrtage zu organisieren, die „Islamic Pow-Wows“ genannt wurden und bei denen er und andere amerikanisch-islamische Prediger neu konvertierte Muslime und andere muslimische Jugendliche beriet, die sich einem frommen islamischen Lebensstil widmen wollten. Yusuf wurde nun immer häufiger von muslimischen Studentengruppen und muslimischen Organisationen zu Vorträgen auf Universitätsgeländen und islamischen Konferenzen in den Vereinigten Staaten eingeladen. Er erwarb sich bei den amerikanischen Muslimen den Ruf eines talentierten Redners, der fließend Arabisch sprach und mit Scharfsinnigkeit beeindruckte. Solide Kenntnis westlicher Philosophie und klassischer islamischer Wissenschaften kombiniert mit Bezugnahmen auf Popkultur und fehlerfreier Rezitation des Korans wurden sein Markenzeichen und brachten ihm den Ruf ein, als Redner in allen Städten Nordamerikas und Westeuropas, die er bereiste, ein großes Publikum anziehen zu können.Grewal: Islam Is a Foreign Country: American Muslims and the Global Crisis of Authority. 2012, S. 162.

Im August 1998 war Hamza Yusuf der erste amerikanische Dozent, der das Recht erhielt, an der Universität al-Qarawīyīn in Marokko Vorlesungen zu halten.Jan Scholz, Tobias Selge, Max Stille and Johannes Zimmermann: Listening Communities?: Some Remarks on the Construction of Religious Authority in Islamic Podcasts in Die Welt des Islams 48 (2008) 457–509. Hier S. 477. Er unterrichtete hier mehr als 100 Muslime aus Nordamerika und Europa. Als Textgrundlage diente ihm dabei das Werk Iʿānat al-mutawaǧǧih al-miskīn ilā ṭarīq al-fatḥ wa-t-tamkīn („Hilfe für den Bedürftigen, der sich dem Weg des Erfolgs und des Machtgewinns zuwendet“) des marokkanischen Sufi Ahmad Zarrūq (gest. 1493).Kugle: Rebel between Spirit and Law. 2006, S. 7.

Im Oktober 2001, kurz nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, wurde Hamza Yusuf ins Weiße Haus eingeladen, um mit Präsident George W. Bush die möglichen muslimischen Reaktionen auf einen amerikanischen Krieg gegen Terror zu diskutieren. Hamza Yusuf riet dem Präsidenten, den für die bevorstehende militärische Operation geplanten Namen Operation Infinite Justice abzuändern, weil er von Muslimen weltweit als blasphemisch wahrgenommen würde. Bush änderte daraufhin den Namen in Operation Enduring Freedom ab. In einem Interview mit dem The Guardian rief er die Muslime dazu auf, zu ihrem wahren Glauben zurückzukehren, ohne Gewalt, Intoleranz und Hass. Gleichzeitig begründete er seinen Aufenthalt in den USA damit, dass Muslime im Westen die muslimischen Werte besser umsetzen könnten als in den meisten muslimischen Ländern. Viele muslimische Einwanderer sähen das genauso, weshalb sie sich bewusst für ein Leben in den USA entschieden hätten. Einwanderern, die den Westen hassen, empfahl Hamza Yusuf, in ein muslimisches Land auszuwandern.

In den Jahren nach 2001 bemühte sich Yusuf darum, eine „moralische Mehrheit“ zwischen amerikanischen Muslimen, Christen und Juden zu formen, um die US-amerikanische Islamophobie zu bekämpfen.Warren: Rivals in the Gulf. 2021, S. 108. Darüber hinaus begann er auf Einladung der marokkanischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Deen Intensive Foundation mit der Organisation eines dreiwöchigen spirituellen Fortbildungskurses zum Islam, der später als Rihla Programme bekannt wurde. Videos von den einzelnen Sitzungen und Vorlesungen dieses Kurses wurden durch die Deen Intensive Foundation vertrieben, so dass die Inhalte des Kurses auch für Personen, die nicht physisch zugegen waren, zugänglich wurden.Bano: The Revival of Islamic Rationalism. 2020, S. 18. In den folgenden Jahren beleuchtete der saudische Journalist Ahmad Al Shugairi Hamza Yusufs Wirken als Prediger in seiner Sendung Riḥla maʿa Ḥamza Yūsuf („Reise mit Hamza Yusuf“), die auf dem saudischen Sender Middle East Broadcasting Center ausgestrahlt wurde. Sie basierte auf der Idee, eine Gruppe junger Anhänger Hamza Yusufs zu verschiedenen Orten insbesondere in den Vereinigten Staaten zu begleiten.Ġassān Ḫarūb: Aḥmad aš-Šuqairī yastabdil an-naqd bi-l-ḥulūl fī «ḫawāṭir 7» in Al-Bayān 28. Juni 2011.

2007 war Hamza Yusuf einer der Unterzeichner von „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“, einem offenen Brief islamischer Gelehrter an christliche Führer, die Frieden und Verständnis fordern. 2009 gründete er zusammen mit Zaid Shakir und Hatem Bazian das Zaytuna College in Berkeley.Bano: The Revival of Islamic Rationalism. 2020, S. 16.